Autor Thema: Stadtplanung 1960  (Gelesen 2216 mal)

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coolharry

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #15 am: 14. November 2017, 13:04:36 »
Die A20 Wiener Gürtel Autobahn wurde in Form des Zubringers Landstraßer Gürtel und Teilen von Tangente und Donauuferautobahn sehr wohl fertiggestellt, dann aber anders verwendet. Ebenso ein Relikt der Gürtelautobahn ist die Brigittenauer Brücke, die ursprünglich quer durch den 20. Bezirk bis zur Spittelau hätte durchbinden sollen. Die Brigittenauer Brücke ist verkehrstechnisch in der heutigen Form maßlos überdimensioniert.

Und wurde nur gebaut, weil die Reichsbrücke den Dienst quittiert hat und die Floridsdorfer Brücke ein Totalschaden war.

Die autobahnmäßige Ausgestaltung des Südgürtels wurde mit Unterführungen am Matz und Südtiroler Platz bereits in den 1950er-Jahren begonnen, aber nicht in letzter Konsequenz durchgezogen.
Wie alle Verkehrsprojekte in Österreich. Vorallem die damaliger Zeit. Da ist uns sehr viel erspart geblieben. Leider oder Gott sei Dank, je nach sichtweise.
Trassenfreihaltungen für die Außenring-Autobahn (Planungen im Vergleich zur heutigen S1 etwas weiter westlich quer durch Essling anstatt direkt an der Landesgrenze) kann man auch heute noch am Stadtplan erkennen.

In Simmering kann man viel Fantasie was erkennen aber sonst muß man schon sehr viel Wunschdenken an den Tag legen um da wirklich was zu sehen.

Der Knoten der Außenringautobahn mit der A4 hätte damals im Bereich Simmeringer Haide (statt Schwechat) kommen sollen, und da kann man an der Hochstraße der A4 immer noch den geplanten Knoten erkennen. Da ist das Viadukt deutlich breiter als heute notwendig ausgefallen, um Abbiegespuren und Rampenanschlüsse unterzubringen.

Prominentestes Relikt einer Planungsruine der Autobahnplanungen ist aber sowieso die "gesperrte Ausfahrt Simmering". Da hätte ursprünglich die A3 aus Eisenstadt in die Tangente einmünden sollen.

Gilt wohl als als unausgegorendste Projekt in Österreich überhaupt. Wobei es nicht schlecht gewesen wäre die Strecke als normale Bundesstraße trotzdem zu bauen.



Übrigens basieren einige Projekte aus dem Plan aus dem Jahr 1971, den tramway.at gepostet hat, auf der Reichsautobahnplanung aus der Nazizeit (u.A. die Außenring Autobahn zwischen Vösendorf und Aderklaa sowie die Nordautobahn Wien-Breslau, für die im damaligen Protektorat schon bedeutende Bauleistungen durchgeführt wurden, die man heute noch sehen kann).

Wie fast alle Autobahnprojekte in Österreich und den Nachbarstaaten. Hat wohl auch damit zu tun, dass die Planungen einfach und wegen der Topografie auch gar nicht anders baubar gewesen sind.
Auch die Autobahnbrückenfragmente bei Borovsko in Tschechien sind faszinierend.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

moszkva tér

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #16 am: 14. November 2017, 13:18:00 »
Auch die Autobahnbrückenfragmente bei Borovsko in Tschechien sind faszinierend.
Die wurden übrigens noch in der ersten Tschecho-Slowakischen Republik begonnen.

Reichsautobahnleichen gibt es übrigens eine Menge in Deutschland, weil da nach dem Krieg einige Planungen umgeändert wurden. Auch bei Wels gibt es noch eine Geisterbrücke, weil dort die Westautobahn geringfügig anders trassiert wurde.


Trassenfreihaltungen für die Außenring-Autobahn (Planungen im Vergleich zur heutigen S1 etwas weiter westlich quer durch Essling anstatt direkt an der Landesgrenze) kann man auch heute noch am Stadtplan erkennen.

In Simmering kann man viel Fantasie was erkennen aber sonst muß man schon sehr viel Wunschdenken an den Tag legen um da wirklich was zu sehen.
Anbei Eßling aus OpenStreetmap: Westlich zwischen Kaposigasse und Kirschenallee kann man die Trassenfreihaltung noch heute sehr gut erkennen. Das ist der ein Häuserblock breite Streifen, wo heute Parks und Sportplätze sind.

Die Trasse der A21 in Simmering kann man heute noch gut am Zwischenraum zwischen Hauptwerkstätte (erbaut in den 1970er-Jahren) und Zentralfriedhof erkennen, da befindet sich heute eine Kleingartenanlage.

coolharry

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #17 am: 14. November 2017, 13:28:08 »
Anbei Eßling aus OpenStreetmap: Westlich zwischen Kaposigasse und Kirschenallee kann man die Trassenfreihaltung noch heute sehr gut erkennen. Das ist der ein Häuserblock breite Streifen, wo heute Parks und Sportplätze sind.

Die Trasse der A21 in Simmering kann man heute noch gut am Zwischenraum zwischen Hauptwerkstätte (erbaut in den 1970er-Jahren) und Zentralfriedhof erkennen, da befindet sich heute eine Kleingartenanlage.

Ohne die genaue Planung jetzt genau zu kennen, vermutlich gabs die auch nicht, vermute ich auf Basis des von tramway.at geposteten Planes, dass die Autobahn weiter westlich geführt worden wäre. Sprich westlich des Siedlungsgebietes. Mittendurch war ja schon in 70igern idiotisch wenns aussenrum auch ging.
Die Strecke in Simmering hab ich nachvollziehen können. Aber im 22. verliert sich jeder Ansatz in den Feldern und die sind sicher schon lange so ausgerichtet.

Meine sind die schwarze Linie und die rote wäre über Kirschallee.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

haidi

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #18 am: 14. November 2017, 23:23:51 »
Die A20 Wiener Gürtel Autobahn wurde in Form des Zubringers Landstraßer Gürtel und Teilen von Tangente und Donauuferautobahn sehr wohl fertiggestellt, dann aber anders verwendet. Ebenso ein Relikt der Gürtelautobahn ist die Brigittenauer Brücke, die ursprünglich quer durch den 20. Bezirk bis zur Spittelau hätte durchbinden sollen. Die Brigittenauer Brücke ist verkehrstechnisch in der heutigen Form maßlos überdimensioniert.

Und wurde nur gebaut, weil die Reichsbrücke den Dienst quittiert hat und die Floridsdorfer Brücke ein Totalschaden war.
Reichsbrücke: Einsturz August 1976, Eröffnung November 1980
Floridsdorfer Brücke: Sperre Dezember 1976, Eröffnung neue Brücke Oktober 1978
Brigittenauer Brücke: Baubeginn März 1980

Schau dir die Daten an, wegen denen ch die damals verbreitete und sicher wahre Version bevorzuge, dass der damalige Bundeskanzler Kreisky den Bau der Brigittenauer Brücke "befohlen" hätte, um bei der damals an Auftragsmangel leidenden VOEST Kündigungen zu verhindern - so wie das Schulschiff die Korneuburger Werft, der die russischen Aufträge wegbrachen, zu retten helfen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #19 am: 15. November 2017, 14:38:47 »
so wie das Schulschiff die Korneuburger Werft, der die russischen Aufträge wegbrachen, zu retten helfen.
Das Schulschiff ist zwar eine beeindruckende Sache, aber die Werft retten konnte es nicht (war das nicht sogar das letzte dort gebaute Schiff?).
"das korrupteste Nest auf dem weiten Erdenrund"
Mark Twain über die Wienerstadt.

haidi

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Re: Stadtplanung 1960
« Antwort #20 am: 15. November 2017, 18:13:38 »
so wie das Schulschiff die Korneuburger Werft, der die russischen Aufträge wegbrachen, zu retten helfen.
Das Schulschiff ist zwar eine beeindruckende Sache, aber die Werft retten konnte es nicht (war das nicht sogar das letzte dort gebaute Schiff?).
Ja, die Fertigstellung hat sich verzögert, weil die gleichzeitige Liquidierung da hinein gepfuscht hat.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging