Autor Thema: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen  (Gelesen 2813 mal)

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13er

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #30 am: 17. März 2017, 11:07:54 »
Verschiedene Verkehrsbetriebe setzen unterschiedliche Prioritäten und den perfekten Betrieb gibt es nicht. Wir haben unsere Sorgenkinder, allerdings umfasst der (Straßenbahn-)Fuhrpark rund 450 Fahrzeuge, die nicht von heute auf morgen gegen modernes Material auszutauschen sind und auch der herbeigesehnte Umdenkprozess (Flexity) findet bereits statt. Und im so vorzüglich geführten Ausland wie Karlsruhe, Krakau oder Straßburg esse ich in den Öffis weder vom Boden, um die vermeintliche Schmutz-Problematik nicht außen vor zu lassen, noch sehe ich irgendwo die so vehement eingeforderte kompromisslose, systematische und insbesonders flächendeckende Bevorrangung, jedenfalls nicht bei Verkehrsbetrieben in der Größenordnung der WL.  Man zeige mir übrigens einen Öffibetrieb vergleichbarer Größe, der tagtäglich ohne die eine oder andere kleine Störung auskommt oder seine eigenen Zahlen 100%ig transparent und ungeschönt weitergibt.
Ich war bislang sicher schon mehrere Wochen in Prag unterwegs. Der Betrieb ist vergleichbar mit Wien.Die Pünktlichkeit ist sagenhaft, insbesondere was Verfrühungen betrifft. Der Fahrzeugzustand: Ich habe keine verbeulten, rostfleckigen Fahrzeuge gesehen. Insbesondere in den Außenbezirken bekommt die Straßenbahn so Grün, dass sie nicht anhalten muss. Der Nachteil gegenüber Wien sind die langen Haltestellenabstände und die oft langen Umsteigewege. Wenn ich mir es aussuchen kann, ist mir die Prager Methode doch lieber.
In Brünn hat man auch einen Vorzeigebetrieb mit super Intervallen und Bevorrangung. In Zürich auch. Das sind natürlich kleinere Betriebe, aber da sollte man eher mit Betriebsgröße zu Bevölkerungsanzahl sehen, denn die WL bekommen ja dafür auch viel mehr Geld (das im aufgeblähten Verwaltungsapparat versickert).
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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Klingelfee

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #31 am: 17. März 2017, 11:25:52 »
Verschiedene Verkehrsbetriebe setzen unterschiedliche Prioritäten und den perfekten Betrieb gibt es nicht. Wir haben unsere Sorgenkinder, allerdings umfasst der (Straßenbahn-)Fuhrpark rund 450 Fahrzeuge, die nicht von heute auf morgen gegen modernes Material auszutauschen sind und auch der herbeigesehnte Umdenkprozess (Flexity) findet bereits statt. Und im so vorzüglich geführten Ausland wie Karlsruhe, Krakau oder Straßburg esse ich in den Öffis weder vom Boden, um die vermeintliche Schmutz-Problematik nicht außen vor zu lassen, noch sehe ich irgendwo die so vehement eingeforderte kompromisslose, systematische und insbesonders flächendeckende Bevorrangung, jedenfalls nicht bei Verkehrsbetrieben in der Größenordnung der WL.  Man zeige mir übrigens einen Öffibetrieb vergleichbarer Größe, der tagtäglich ohne die eine oder andere kleine Störung auskommt oder seine eigenen Zahlen 100%ig transparent und ungeschönt weitergibt.
Ich war bislang sicher schon mehrere Wochen in Prag unterwegs. Der Betrieb ist vergleichbar mit Wien.Die Pünktlichkeit ist sagenhaft, insbesondere was Verfrühungen betrifft. Der Fahrzeugzustand: Ich habe keine verbeulten, rostfleckigen Fahrzeuge gesehen. Insbesondere in den Außenbezirken bekommt die Straßenbahn so Grün, dass sie nicht anhalten muss. Der Nachteil gegenüber Wien sind die langen Haltestellenabstände und die oft langen Umsteigewege. Wenn ich mir es aussuchen kann, ist mir die Prager Methode doch lieber.
In Brünn hat man auch einen Vorzeigebetrieb mit super Intervallen und Bevorrangung. In Zürich auch. Das sind natürlich kleinere Betriebe, aber da sollte man eher mit Betriebsgröße zu Bevölkerungsanzahl sehen, denn die WL bekommen ja dafür auch viel mehr Geld (das im aufgeblähten Verwaltungsapparat versickert).

Mit Zürich kannst du Wien nicht vergleichen. Denn da hat die Öffis einen ganz anderen Status, als in Wien
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

coolharry

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #32 am: 17. März 2017, 11:30:43 »
Denn da hat die Öffis einen ganz anderen Status, als in Wien

Ein wahrer Satz.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #33 am: 17. März 2017, 14:07:16 »
Auch im Osten muss man wohl lange suchen, bis man (vor allem bei der Straßenbahn) ebenbürtiges findet, da matcht man sich schon eher mit Kairo, Kalkutta oder ähnlichen Städten.
Nix gegen pointierte Zuspitzungen, aber mit diesem Wettlauf um die schrillste Argumentation, die abwegigsten Vergleiche, der im Forum leider überhand nimmt, ist wirklich keinem gedient.

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #34 am: 17. März 2017, 18:44:31 »
Um beim Sachverhalt zu bleiben... Im "Faktencheck" der WL wird eine Übersicht für die U-Bahn von 2011 bis 2016 sowie für Bus und Straßenbahn für 2016 geliefert (siehe Anhang). Dort liefert man Angaben zur Zuverlässigkeit (in Prozent), was bedeutet, dass diese Zahlen die erbrachten Fahrten einer Linie darstellen sollen. Für die U3 wurden 2014 99,24% aller (über den Daumen gepeilten) 97650 Fahrten erbracht. D.h., es sind 742 Fahrten bzw. 19889 km entfallen. Für die U4 wurden 2014 99,05% aller 91775 Fahrten erbracht, hier entfielen 880 Fahrten bzw. 28871 km. Für die U6 wurden 98,78% aller Fahrten durchgeführt, d.h., es sind 1255 Fahrten bzw. 41164 km entfallen.

Insbesondere die Zahlen für 2014 sind auf diesen drei Linien interessant, weil es im März jeweils Totalausfälle mit gänzlicher Betriebseinstellung auf diesen drei Linien gab. Aus diesem Grund bezweifle ich diese Angaben für 2014.

Des Weiteren treffen diese Angaben keine Aussage zur Qualität der Dienstleistung, also aus Fahrgastsicht die Pünktlichkeit. Es ist schön, wenn am 49er 97,83% aller Fahrten erbracht werden, die Dienstleistung am Fahrgast aus einem 20/1/1/1/1/1/1-Minuten-Takt besteht und das nicht nur einmal pro Woche im Berufsverkehr unbesehen der Störungsursache. Mit den Zahlen im "Faktencheck" wird nur eine Frage beantwortet, die überhaupt nicht gestellt wurde, nämlich "Doch was heißt Zuverlässigkeit bei den Öffis eigentlich?". Für den einzelnen Fahrgast ist es völlig unerheblich, ob ein Zug verspätet ist oder gänzlich ausgefallen ist: Er kann jedenfalls die zu dem jeweiligen Zeitpunkt geplante Fahrtmöglichkeit nicht wahrnehmen...

Ebenso möchte ich nochmals auf den Widerspruch der Darstellung der WL mit der Wirklichkeit hinweisen, nämlich, dass der Individualverkehr in den inneren Wiener Bezirken eher abgenommen hat und die von den WL geführte Argumentationskette "Insgesamt zeigen die Daten, dass das Ausmaß der Verkehrsstörungen in den letzten Jahren zugenommen hat. Von 2011 bis 2016 erhöhten sich bei den Straßenbahnen die Ausfälle auf Grund von Stau und hohem Verkehrsaufkommen um rund 50 Prozent! Der Rückschluss: Je mehr Verkehr und Autos auf den Straßen, desto schwerer kommt auch der öffentliche Verkehr voran" falsch ist.

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #35 am: 17. März 2017, 18:53:53 »
Bleibt nur die Frage, ob ausgefallene Züge auch in die Statistik eingeflossen sind und bei den Verspätungen, ab wie viel Minuten die Züge hier angeführt sind!

Paulchen

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #36 am: 17. März 2017, 19:00:50 »
Des Weiteren treffen diese Angaben keine Aussage zur Qualität der Dienstleistung, also aus Fahrgastsicht die Pünktlichkeit.

... und ob die Dienstleistung dort erbracht wird, wo sie vorgesehen ist. 40er und 41er haben 99,75% bzw. 99,63% Zuverlässigkeit. Zumindest mein subjektiver Eindruck sagt mir, dass diese beiden Linien zwischen Gürtel und Gersthof recht oft über 42 - 9 umgeleitet werden. Für die Falschparker in der äußeren Währinger Straße können die Wiener Linien natürlich nichts, in diesem Abschnitt fährt halt dann trotzdem nichts.

Wiener Schwelle

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #37 am: 17. März 2017, 19:34:58 »
Vielleicht werden Störungsmäßig nicht geführte Folgefahrten nicht aufgenommen.

haidi

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #38 am: 21. März 2017, 08:03:07 »
Vielleicht werden Störungsmäßig nicht geführte Folgefahrten nicht aufgenommen.
Wenn man die Zuverlässigkeit an der Kilometerleistung festmacht, dann werden die meisten Störungen nicht in die Statistik einfließen. Eine 20-minütige Störung durch einen Fahrzeugdefekt oder Falschparker wird die Kilometerleistung nicht herabsetzen. Das ist so ungefähr wie wenn man bei der Krankenstandsstatistik nur die Spitalsaufenthalte einrechnet.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #39 am: 21. März 2017, 09:19:07 »
Einen Beitrag entfernt. Monorail, wenn du persönliche Differenzen mit anderen Usern unbedingt artikulieren musst, dann tust du das in Hinkunft ausschließlich per PN. Dies ist als Warnung aufzufassen!

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #40 am: 21. März 2017, 16:44:53 »

Für hohe Standards in Sachen Pünktlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit kassieren die Wiener Linien nämlich einen sogenannten "Qualitätszuschlag " der Stadt Wien. Die Summe entspricht vier Prozent des Umsatzes, im Jahr 2016 waren das rund 32 Millionen Euro.
Also, von welcher Qualität sprechen wir? Es gibt im industriell entwickelten Westen wohl keinen anderen Betrieb, der einen derart desolaten und ungepflegten Wagenpark hat wie Wien.

Ich nehme an, dass hier auch Betriebszeiten, Intervalle und die Erschließung (über das gesamte Stadtgebiet) dabei sind.
Und hier ist Wien schon noch top!
Das ist natürlich korrekt. Sowohl in Deutschland wie auch in Frankreich liegt man da weit dahinter, in Italien ist das Service ohnehin etwas "variabler".


Auch im Osten muss man wohl lange suchen, bis man (vor allem bei der Straßenbahn) ebenbürtiges findet, da matcht man sich schon eher mit Kairo, Kalkutta oder ähnlichen Städten.
Nix gegen pointierte Zuspitzungen, aber mit diesem Wettlauf um die schrillste Argumentation, die abwegigsten Vergleiche, der im Forum leider überhand nimmt, ist wirklich keinem gedient.

Ist es wirklich so überspitzt? Ich denke nicht, und auch wenn man sich hier im Forum den "Entsetzlichen Zustand des Rollmaterials" durchliest manifestiert sich der Eindruck, ich jedenfalls kenne keinen anderen Betrieb der den Wagenpark in derart marodem Zustand betriebt. Und da geht es vor allem auch um die "wurscht"-Mentalität dahinter, diese sollte an sich schon auch in den angesprochenen "Qualitätskriterien" niederschlagen.
Beispiele gefällig?
* Karambolschäden können passieren - diese müssen aber dann wohl auch zeitnah beseitigt werden. Viele Betriebe lassen das Fahrzeug mit Delle erst gar nicht mehr auf Strecke, und wenn es dennoch nötig ist wir meist am folgenden Wochenende der Schaden behoben. Kostenargument? Zahlt ja eh die Versicherung des Verursachers.
* Ausgeschossener Lack - klar, Rot ist hier eine eher undankbare Farbe, da wenig UV-stabil. Auch wenn viele Betriebe ihren Fahrzeugen im Rahmen einer HU generell Neulack verpassen, dies muss ja nicht mal sein. Aber wenn es z.B. noch E2 gibt, die Original-Lack haben muss man sich doch fragen, ob man nicht in den letzten 30 Jahren etwas verpasst hat, da der Lack ja auch Schutz vor Korrosion bietet. zumindest jede 2. HU sollte Neulack drinnen sein.
* Ausbesserungen: wenn man schon nicht die größte Liebe zur Wagenpflege hat - muss man, wenn man schon etwas ausbessert, dies so unprofessionell wie möglich machen? Ich kann mich noch an einen E2 in den 90er erinnern, der die gesamte Dachkante mit dem Pinsel freihand verwackelt lackiert hatte. Ich meine, das Malerkrepp sowie die 1/4h Arbeitszeit für das Anbringen hätte das Ergebnis locker gerechtfertigt...
Und das trifft nicht nur auf dieses Extrembeispiel zu: lieblos hingeklatschte Pinselstriche und Sprühereine ohne Abkleben, sogar auf den ULF.

Und diese Liste ließe sich wohl noch um einiges weiter führen...

schienenklaus

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #41 am: 23. März 2017, 10:17:04 »
Also der hektisch zusammengeschusterte "Faktencheck" der WL ist jedenfalls lesenswert... Welcher versoffene Praktikant hat das denn bitte verzapft? http://blog.wienerlinien.at/faktencheck-so-zuverlaessig-sind-die-wiener-oeffis/
Lustige Statistik die sie da haben. Wie schon erwähnt wurde, fehlen ein paar kleine Faktoren wie Pünktlichkeit (inkl. Verfrühung), Teilausfälle von Fahrten (ich denke eine U-Bahn die unterwegs schadhaft wird, zählt schon als "absolvierte Fahrt"...), etc...

Ich habe einen Kommentar dort gelassen, der allerdings erst freigeschaltet werden muss. Mal schaun, ob das je passiert. ::)
Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.
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haidi

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #42 am: 23. März 2017, 10:44:26 »
Bei der Anzahl der Kommentare, die dort zu finden sind, wird es wohl dauern bis Ostern und Pfingsten auf einen Tag fallen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

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Re: [PM] Kurier: Wiens störanfällige U-Bahnen
« Antwort #43 am: 10. Mai 2017, 18:48:14 »
In letzter Zeit werden kaum noch U-Bahn-Störungen ins System eingegeben. Auch so lässt sich die Statistik senken! :up:
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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