Autor Thema: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"  (Gelesen 767 mal)

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38ger

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[Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« am: 20. März 2017, 17:09:34 »
Anbei ein mMn interessanter Artikel von orf.at über die Probleme des Nahverkehrs in vielen afrikanischen Städten, abrufbar unter: http://orf.at/stories/2379653/2379654/


Symptom und Ursache zugleich

Warum wächst der Wohlstand in Afrikas Städten südlich der Sahara weit weniger schnell als die Städte selbst? Die Frage stellte die Weltbank in einer aktuellen Studie - und fand eine ihrer Antworten im öffentlichen Nahverkehr.

Afrikas Großstädte gehören zu den am schnellsten wachsenden der Erde. Bis 2030 wird die Zahl ihrer Bewohner um 350 Millionen ansteigen. In den kommenden 45 Jahren soll der Zuwachs sogar eine Milliarde ausmachen. Und im Gegensatz zu vielen anderen Metropolen auf der Welt wachsen die meisten von ihnen nicht durch Zuzug, sondern aus sich selbst heraus. Landflucht, also die Zuwanderung einer - zumeist armen - Landbevölkerung in die Städte, ist in den meisten afrikanischen Metropolen nur ein Randphänomen. [...]

Links:
Weltbank-Studie (PDF) https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/25896/9781464810442.pdf?sequence=11&isAllowed=y
Weltbank http://www.worldbank.org/

mars, ORF.at
19.03.2017


MOD-EDIT: Zitierten Presseartikel erheblich gekürzt (Urheberrecht!).

öffi-dude

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #1 am: 20. März 2017, 23:22:08 »
Kann man mit beigefügtem Link nicht den gesamten Inhalt einer PM ins Forum stellen, ohne Probleme mit dem Urheberrecht zu haben?  ???

hema

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #2 am: 21. März 2017, 03:02:54 »
Und wer soll den Auf- und Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in Afrika sowie dessen Betriebskosten bezahlen? Einen Mangel feststellen und etwas vorschlagen ist leicht!
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

38ger

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #3 am: 21. März 2017, 06:42:54 »
Und wer soll den Auf- und Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in Afrika sowie dessen Betriebskosten bezahlen? Einen Mangel feststellen und etwas vorschlagen ist leicht!

Nachdem die "westliche Welt" als unbürkratischer Kreditgeber und Projektförderer versagt werden sich die Chinesen die Hände reiben. ÖV ist da zwar vermutlich nicht das wichtigste Thema, aber im Bereich der Entwicklungshilfe kooperieren soweit ich weiß heute schon viele Länder lieber mit China, als mit Europa/USA, da das unbürokratischer und flexibler funktioniert. Das beste Beispiel dazu aus dem Nahverkehrsbereich ist die noch relativ junge Stadtbahn in Addis Abeba in Äthiopien, die von China finanziert wurde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbahn_Addis_Abeba

hema

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #4 am: 21. März 2017, 10:22:51 »
Da wären Investitionen im mehrfachen Billionen Euro Bereich nötig, ich glaube kaum, dass die Chinesen den Afrikanern so viel Geld schenken würden (selbst wenn sie solch eine Geldmenge zur Verfügung hätten)! 
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coolharry

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #5 am: 21. März 2017, 11:05:28 »
Da wären Investitionen im mehrfachen Billionen Euro Bereich nötig, ich glaube kaum, dass die Chinesen den Afrikanern so viel Geld schenken würden (selbst wenn sie solch eine Geldmenge zur Verfügung hätten)!

Davon mal abgesehen ist ja der öffentliche Personennahverkehr ein zuschuß Geschäft. Also wenn man den Afrikanern eine Tram, Bus, Ubahn schenkt muss man davon ausgehen gleich mal die Kosten für die nächsten 50 Jahre mit zu blechen. Anders wären sie ja erst wieder unfinanzierbar für einen Großteil der Leute.
Weiters muss man sämtliche, relativ oft korrupter, Polititker austauschen
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Rodauner

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #6 am: 21. März 2017, 11:29:03 »
Weiters muss man sämtliche, relativ oft korrupte, Polititker austauschen

Genau das ist der Grund, warum dort und in anderen Schwellenländern nichts oder fast nichts weitergeht. Wie war es denn bei uns z.b. nach den Kriegen? Man ging zu Fuß, weil man sich die Tramway nicht leisten könnte. Relativ bald war das aber überhaupt kein Thema mehr!

Entwicklungshilfe jeder Art müsste also im besten Fall jene, die die Hand aufhalten, umgehen, was aber in der Praxis kaum machbar ist.
Oft sind die Dinge ganz anders, als sie auf den ersten Blick scheinen....

haidi

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #7 am: 21. März 2017, 12:16:47 »
Nachdem die "westliche Welt" als unbürkratischer Kreditgeber und Projektförderer versagt werden sich die Chinesen die Hände reiben. ÖV ist da zwar vermutlich nicht das wichtigste Thema, aber im Bereich der Entwicklungshilfe kooperieren soweit ich weiß heute schon viele Länder lieber mit China, als mit Europa/USA, da das unbürokratischer und flexibler funktioniert. Das beste Beispiel dazu aus dem Nahverkehrsbereich ist die noch relativ junge Stadtbahn in Addis Abeba in Äthiopien, die von China finanziert wurde.
Umbürokratisch kann man mehrfach auslegen. In diesem Fall könnte es Folgendes heißen:
Eine oder mehrere Personen brauchten nicht einmal die Hand aufzuhalten, die Rückzahlung der Investition beginnt in x Jahren, eventuell bekommen die Chinesen im Gegenzug  noch eine große Fläche fruchtbaren Landes oder Land, das mit der entsprechenden Technik fruchtbar gemacht werden kann.
Ergebnis: Es gibt immer weniger Land, dass den Einheimischen zur Verfügung steht und die Wasserversorgung der Einheimischen in fruchtbar gemachten Gebieten wird schlechter. (siehe auch Coca-Cola-Abfüllanlagen in Indien.
Herschenken werden die Chinesen auch nichts.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

h 3004

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #8 am: 21. März 2017, 12:59:56 »
Einige Anmerkungen am Beispiel Namibia:
Das Land ist ca 2,5 mal so groß wie Deutschland, ca 2,5 Mio Einwohner und ein etwa 3000 km langes Eisenbahnstreckennetz (im Wesentlichen N-S und O-W), das großteils noch aus der d. Kolonialzeit stammt und lediglich auf Kapspur umgespurt wurde. Die Infrastruktur ist dürftig, die Erhaltung mangelhaft. Der Personenverkehr wurde schon vor Jahren eingestellt (zu lange Fahrzeiten), die Leute fahren hier mit eigenem PKW oder Shuttle/Taxi.
Derzeit gibt es hier 97 Dieselloks, davon 52 (nach der letzten Entgleisung - Unterspülung eines Bahndammes - vermutlich nur noch 49) betriebsbereit. Jetzt sollen von der Hauptstadt ca 90km südlich und 70 km nördlich für Personenverkehr ausgebaut werden, die Kosten dafür ca 200 Mio Euro. (2,8 Mrd. NamDollar)
In der Hauptstadt Windhoek (ca 350.000 EW) wurden jetzt neue Buslinien (in Zukunft 14) installiert, die nicht mehr Rundlinien sind sondern direkt ins Zentrum zum Busbhf fahren. Das System ist schon einmal gescheitert, weil sich die Leute nicht ausgekannt haben.
Dafür wurden 26 MAN-Busse in D gekauft , die aber noch zu wenig sind.
Der Preis pro Fahrt beträgt  6 NAM-D (ca 40 Euro-cent), bei Verwendung einer Smartcard 5 NAM-D.
Bzgl. des Bahnausbaues sagte ein Ministeriumssprecher: Wir sind nicht so weit, daß wir schon Investoren suchen. Die 6 neuen Dieselloks sollen durch Verkauf ungenutzen Vermögens (Bhf?) sowie durch Partnerschaften im Privatsektor und Abschreibung eines chines. Kredites finanziert werden.
Soweit mein Bericht aus Namibia.
   

moszkva tér

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #9 am: 22. März 2017, 05:12:19 »
Entwicklungshilfe aus China... da kann man gleich wieder der alten Kolonialmacht beitreten :(

Aus Georgien kenne ich folgende Investorengeschichte:
Chinesen finanzieren und bauen Straße
Chinesen erhalten im Gegenzug Forstrechte in riesigen, staatlichen Wäldern.
Die Straße wird von chinesischen Strafgefangenen gebaut, es gibt also keine neuen Arbeitsplätze für Georgier.
In Georgien gibt es heute fast kein Bauholz zu kaufen, dafür wird das Land mit billigsten aber hochpreisigen  Pressspanplattenmöbeln überschwemmt, die in China aus georgischem Holz hergestellt wurden.

Während man der westlichen Entwicklungshilfe durchaus unterstellen darf, an der Entwicklung der Länder ein Interesse zu haben, hat China ausschließlich an China Interesse.

38ger

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Re: [Afrika] "Teure 'Öffis' bremsen Afrikas Städte"
« Antwort #10 am: 22. März 2017, 14:56:56 »
Entwicklungshilfe aus China... da kann man gleich wieder der alten Kolonialmacht beitreten :(

[...]

Während man der westlichen Entwicklungshilfe durchaus unterstellen darf, an der Entwicklung der Länder ein Interesse zu haben, hat China ausschließlich an China Interesse.

Betrifft zwar nicht nur ÖV-Projekte, aber wenn sich die Diskussion schon dahingehend bewegt:
Mit derartigen Behauptungen wäre ich sehr vorsichtig!
Sieht man ja schon innerhalb der EU, dass man an der Entwicklung von Ländern (Griechenland) kein Interesse hat, sondern nur die dortigen Banken und Finanzmächte unterstützt. Und eine Gegenleistung wird auch von der westlichen Welt erwartet, in der Regel in Form von der Unterordnung gegenüber dem Freihandel, der eben zu den von Dir angesprochenen Fakten führt (also etwa, dass Importware aus Westeuropa in afrikanischen Ländern billiger ist, als die Ware, die tatsächlich in den afrikanischen Ländern selbst vor Ort produziert wird).