Autor Thema: Autonomer Busbetrieb (war: [PM] Konzept bei Seestadt Aspern mangelhaft?)  (Gelesen 1928 mal)

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13er

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Das Wichtigste wurde hier völlig außer Betracht gelassen: Wie schaut es mit der Ladeinfrastruktur für private Elektroautos aus? Ich schätze, dass sich momentan der Anteil der für Elektroautoladung geeigneten Pkw-Stellplätzen (öffentlich und privat) bei weniger als 1 ‰ bewegt. (Eine 230-V-Steckdose für den Staubsauger im Carport wird nicht reichen, da die Anschlussleitung nicht entsprechend dimensioniert ist – da wird es bei weiterem Ausbau der Elektromobilität noch ganz schön viele Brände geben, weil sich die Leute keine Ladestation leisten wollen!)
Da gibt es aktuell eh schon einiges - das wird in Zukunft nicht mehr per Netzstecker, sondern kabellos erfolgen. Bei Handys und Notebooks klappt das schon. Ich denke, die Parkplätze der Zukunft haben so eine Ladefunktion schon eingebaut.
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luki32

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Das autonome Taxi wird das heutige Taxi (mit unfreundlichem, rassistischem Fahrer) komplett ersetzen [...]

Nachdem Du ja wieder einmal polemisch bist, kann ich es aber auch sein, der Fahrer ist nicht rassistisch, sondern sagt: "Du sagen, ich fahren."  :down:

Vorsicht, Bösuser!
Militanter Gegner der Germanisierung der österreichischen Sprache!

moszkva tér

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Das Wichtigste wurde hier völlig außer Betracht gelassen: Wie schaut es mit der Ladeinfrastruktur für private Elektroautos aus? Ich schätze, dass sich momentan der Anteil der für Elektroautoladung geeigneten Pkw-Stellplätzen (öffentlich und privat) bei weniger als 1 ‰ bewegt. (Eine 230-V-Steckdose für den Staubsauger im Carport wird nicht reichen, da die Anschlussleitung nicht entsprechend dimensioniert ist – da wird es bei weiterem Ausbau der Elektromobilität noch ganz schön viele Brände geben, weil sich die Leute keine Ladestation leisten wollen!)
Da gibt es aktuell eh schon einiges - das wird in Zukunft nicht mehr per Netzstecker, sondern kabellos erfolgen. Bei Handys und Notebooks klappt das schon. Ich denke, die Parkplätze der Zukunft haben so eine Ladefunktion schon eingebaut.
Neubauten ab 2020 werden das vielleicht haben. Aber die alten Straßen müsste man dann alle umbauen, ein Wahnsinn. Das kostet eine Lawine und dauert auch mehrere Jahrzehnte. Man muss sich ja nur anschauen, wieviele Straßen es in Wien gibt, wo der Belag noch aus der Vorkriegszeit ist.
Sicher... technisch machbar ist alles (z.B. Ladeschleifen bei Ampelkreuzungen). Aber warum soll die Allgemeinheit für die Individualmobilität noch mehr zahlen?

Na die fahren den ganzen Tag und brauchen keine Parkplätze. Bei nicht gebrauch, also über Nacht, lösen sie sich dann in wohlgefallen auf um sich am nächsten Morgen wieder zu materialisieren.  8)
Es kann tatsächlich passieren, dass die auch die ganze Nacht fahren. Angenommen, Parken kostet Geld - das kann man mit den autonomen Fahrzeugen sehr einfach verrechnen. Angenommen, die Durchfahrt bzw. Zufahrt durch Stadtviertel oder Straßenzüge kostet unterschiedlich viel Geld - auch das kann man dann leicht verrechnen. Leerfahrten kosten auch Geld (Strom, Abnutzung). Mit diesen Variablen errechnet sich der autonome Pilot blitzschnell die kostengünstigste Variante, wo er sich bei Nichtbenutzung aufräumen soll.

Also: Kreisen, Parken (nah oder fern), usw. So kann es passieren, dass der Autopilot bei einem Zweistundentermin einfach rund um den Ring kutschiert. Oder über Nacht findet er keinen Parkplatz und in der Früh sagt er dann: Abholung erst in 40 Minuten, stehe in Raasdorf.

Die warmen Eislutscher der Autobesitzer sind dann auch: Wenn ich den Wagen nicht brauche, lasse ich ihn halt in der Zeit Taxi fahren  >:D

Nicht vergessen bei der Diskussion darf man aber auch die technische Komponente beim Endnutzer. Mobilität wird dann ohne Smartphone bzw. Smart-Device (Tablet, Computer, Uhr, wasauchimmer) nicht möglich sein. Es erfordert eine 100 % Durchsetzung der Bevölkerung mit solchen Endgeräten - vom Schulkind bis zum Greis - damit man erst einmal seine Mobilität bestellen kann. Weiters braucht jeder ein Konto bzw. eine Kreditkarte, um diese Mobilität auch bezahlen zu können.
Das schließt von Haus aus viele Menschen von der Mobilität aus:
* Nicht technikaffine Menschen. Will kein Smartphone, kennt sich damit nicht aus o.Ä. - Gibt es nicht nur unter alten Leuten, sondern auch unter jungen.
* Psychisch oder geistig beeinträchtigte Personen: Können vielleicht mit Smartphone nicht (verantwortungsvoll) umgehen.
* Menschen ohne Bankkonto können die Fahrt nicht bezahlen: Das betrifft beispielsweise viele Arbeitslose oder überschuldete Personen, besachwalterte Personen, Minderjährige, Flüchtlinge, usw. Wenn dann die Eltern oder der Sachwalter oder sonstige gesetzliche Vertreter keine Einwilligung geben, kriegen die bei der Bank kein Konto!

Auch aus derzeitiger Sicht würde ich mich nicht zu 100 % bei meiner Mobilität aufs Smartphone verlassen wollen, da gibt es viel zu viele Schwachstellen: Akku leer, fällt runter und ist kaputt, wird gestohlen oder geht verloren usw.

Nach obrigen Punkten kann es also leicht passieren, dass 10-20 % aller Menschen von Mobilität rein aus Usability- und Rechtsgründen ausgeschlossen werden, das darf nicht sein!

Z-TW

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Nein, die Mobilität von morgen ist eine Mobilität der kurzen Wege und geringerem Einsatz von mechanischen Bewegungshilfen.

Dann sind wir genau dort, als es solche idealen Zustände schon einmal gab. Erst die Entflechtung von Industrie und Gewerbe, die Hand in Hand mit der individuellen Motorisierung einherging, führte zur überbordenden Zwangsmobilität, die uns heute zu schaffen macht.

hema

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Nach obrigen Punkten kann es also leicht passieren, dass 10-20 % aller Menschen von Mobilität rein aus Usability- und Rechtsgründen ausgeschlossen werden, das darf nicht sein!
Was interessieren solche Erwägungen einen echten Computer- und Fortschrittsfreak? Der wischt das höchstens überlegen lächelnd vom Tisch. Auch das Argument der hohen Kosten zieht nicht, zahlt ja (notfalls) eh der Steuerzahler, bzw. dessen Enkel und Urenkel.  :-\
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

95B

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Was interessieren solche Erwägungen einen echten Computer- und Fortschrittsfreak? Der wischt das höchstens überlegen lächelnd vom Tisch. Auch das Argument der hohen Kosten zieht nicht, zahlt ja (notfalls) eh der Steuerzahler, bzw. dessen Enkel und Urenkel.  :-\

Davon haben wir hier eh nur einen – und der zählt nicht. :D
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

hema

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Na ja, ein bissl anfällig sind hier schon mehrere!   ;)  :D
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4463

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Grad einen interessanten Artikel gefunden:
https://derletztefuehrerscheinneuling.com/2017/04/21/wie-sich-der-kollaps-der-deutschen-autoindustrie-abspielen-wird/
Ich denke, dass man hier die meisten genannten Zeiträume mit einem Faktor 2 multiplizieren muss.
Die Beschreibung dessen, wie Tesla seine Fahrzeuge verbreiten und die Datenbank der Infrastruktur erweitern wird, ist wohl relativ gut zutreffend. Auch wird die Verbreitung der Teslas wohl über die kommenden 5 Jahre tatsächlich exponentiell wachsen können. Mit besserer Infrastruktur (deutlich mehr Supercharger) werden diese Fahrzeuge auch die Hürde der Fernreisen meistern. Natürlich kann das drastisch anders verlaufen, wenn plötzlich irgendwelche Probleme mit den Akkus auftreten, die erst nach ein paar Betriebsjahren akut werden - ich denke hier an die Brandgefahr - oder aber die Flotte gehackt wird. Ein großes System aus identischen Produkten ist für so etwas halt anfällig - wobei man sagen muss, dass die Apple-Produkte ähnlich sind und hier sind keine Hackerangriffe bekannt, die zu einem signifikantem Imageproblem geführt hätten.

Der Niedergang der deutschen Autoindustrie wurde meiner Meinung nach mit dem Dieselskandal eingeleitet. Er wird aber nicht dermaßen rasant stattfinden, wie hier beschrieben, insbesondere da die deutsche Autoindustrie eine Produktpalette bietet, wie sie Tesla auf keinen Fall in den nächsten Jahren anbieten wird.
Die Sache mit den Fahrverboten für Verbrennungskraftfahrzeuge wird aber die deutsche Industrie, die nach wie vor kaum auf Elektromobilität setzt (die Elektrofahrzeuge, die angeboten werden, sind bestenfalls für den Stadtverkehr samt Umland geeignet), ein großes Problem werden. Bei intelligenten Fahrzeugen sehe ich hier ohne Partnerschaft mit Firmen aus Silicon Valley überhaupt keine Chance - die deutschen Konzerne haben hier viel zu starre Strukturen und deren Innoviationskraft beschränkt sich darauf, dasselbe Fahrzeug im Blechkleid von VW, Skoda, Audi und Seat parallel anzubieten.  ::)

Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass Car-Sharing deutlich ausgeweitet wird, aber insbesondere der Ersatz des öffentlichen Verkehrs ist allein aufgrund der beschränkten Straßenkapazität völlig ausgeschlossen. Viel mehr werden eher die Kombination von Öffis und Car-Sharing interessanter werden. Dadurch wird aber eher der Besitz von eigenen Fahrzeugen vermindert - zugunsten einer deutlichen Erhöhung der Anzahl an Car-Sharing-Fahrzeugen.

Die Einführung autonomen Fahrens wird wohl zuerst auf Autobahnen stattfinden, da hier die Bedingungen dafür am geeignetsten sind. Im Stadtverkehr werden digitale Assistenten als Pflichtausstattung die Unfallzahlen signifikant senken können, aber gelenkt werden wird nach wie vor selbst.

Das schließt von Haus aus viele Menschen von der Mobilität aus:
* Nicht technikaffine Menschen. Will kein Smartphone, kennt sich damit nicht aus o.Ä. - Gibt es nicht nur unter alten Leuten, sondern auch unter jungen.
* Psychisch oder geistig beeinträchtigte Personen: Können vielleicht mit Smartphone nicht (verantwortungsvoll) umgehen.
* Menschen ohne Bankkonto können die Fahrt nicht bezahlen: Das betrifft beispielsweise viele Arbeitslose oder überschuldete Personen, besachwalterte Personen, Minderjährige, Flüchtlinge, usw. Wenn dann die Eltern oder der Sachwalter oder sonstige gesetzliche Vertreter keine Einwilligung geben, kriegen die bei der Bank kein Konto!

Auch aus derzeitiger Sicht würde ich mich nicht zu 100 % bei meiner Mobilität aufs Smartphone verlassen wollen, da gibt es viel zu viele Schwachstellen: Akku leer, fällt runter und ist kaputt, wird gestohlen oder geht verloren usw.

Nach obrigen Punkten kann es also leicht passieren, dass 10-20 % aller Menschen von Mobilität rein aus Usability- und Rechtsgründen ausgeschlossen werden, das darf nicht sein!
Das Konto für alle (ohne Überziehungsrahmen) gibt es bei uns doch schon? Prepaid-Kreditkarten auch.
Natürlich sind auch heute viele Leute von der Mobilität ausgeschlossen. Es gibt genug technikferne Leute, die keinen Führerschein haben und nur öffentlich und mit Taxis fahren.
Und Personen mit besonderen Bedürfnissen sind auch heute bereits "ausgeschlossen".

Dass für diese Gruppen Lösungen gefunden werden müssen, ist klar, aber eben nichts wirklich Neues.

Und zu, Thema "kaputtes Smartphone": wenn alles in der Cloud gespeichert ist (daran führt schon heute teilweise kein Weg vorbei), ist dieses Problem nur ein bedingtes - ungefähr so, wie wenn man heutzutage seine Geldbörse verliert, vielleicht sogar weniger schlimm, weil alle Daten sofort online verfügbar sind und man nicht erst 3 Wochen auf eine neue Bankkarte warten muss, um an Geld zu kommen.

Überdies hat hema was wichtiges gesagt: wer weiß, wie groß die Chancen sind, dass das alles wirklich so laufen können wird. Es gibt weltweit genug Idioten, die "zündeln". Und wenn es wiedermal weltweit ordentlich "bumm" macht, sind die Überlebenden wohl schneller wieder in der technologischen Steinzeit, als sie ihren Tesla aufladen können. :-\
"das korrupteste Nest auf dem weiten Erdenrund"
Mark Twain über die Wienerstadt.