Autor Thema: [AT+CZ+DE] Neue Bahnverbindung Wien – Berlin in vier Stunden geplant  (Gelesen 14998 mal)

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Pat1305

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Neue Bahnverbindung Wien – Berlin in vier Stunden geplant
Eine neue Bahnverbindung zwischen Wien, Prag und Berlin soll die drei Hauptstädte enger aneinanderrücken und die Reise stark beschleunigen: Künftig ist eine Fahrzeit von Wien nach Berlin von vier Stunden geplant.

Ein entsprechendes Memorandum wurde von den Vertretern und Vertreterinnen Deutschlands, Tschechiens und Österreichs unterzeichnet. Für Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ist das Projekt ein Beweis, dass dem Zug die Zukunft auf der Kurz- und Mittelstrecke in Europa gehöre.

Bis Mitte der 2030er Jahre erwartet
Deutschland, Tschechien und Österreich wollen die Bahnstrecke Wien – Prag – Berlin ausbauen. Mit einer Fertigstellung der Verbindung werde für Mitte der 2030er Jahre gerechnet, weil dafür auch ein Tunnel durch das Erzgebirge gebaut werden müsse, hieß es heute bei einer Fachkonferenz zum europäischen Schienenverkehr in Berlin.

Die Verbindung über Dresden und Prag soll Teil eines europäischen Netzes neuer Bahnverbindungen sein, die auch Nachtzüge beinhalten. Die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Berlin und Dresden soll bereits 2025 fertig sein.

In Österreich ist für die neue Verbindung der Ausbau der Nordbahn notwendig. Das gesamte Projekt heißt „Via Vindobona“ – obwohl auf Österreich nur ein kleiner Teil der Strecke entfällt. Von Wien aus über Brno soll in zwei Stunden Prag erreicht werden können, in rund drei Stunden Dresden, und in vier Stunden und fünf Minuten ist die Ankunft in Berlin geplant. Derzeit muss man für eine Zugsreise Wien – Berlin fast neun Stunden einplanen.

Quelle: https://orf.at/stories/3213320/

pTn

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Hm, also laut: https://infrastruktur.oebb.at/de/projekte-fuer-oesterreich/bahnstrecken/suedstrecke-wien-villach/ausbau-nordbahn
wird die Fahrzeit Wien-Breclav 45 Minuten betragen.
Laut der Zeit (https://zeit.de/mobilitaet/2020-05/bahnverkehr-deutschland-tschechien-oesterreich-enak-ferlemann) ist Berlin-Prag in 2 1/2 Stunden möglich.
Bleiben für Breclav - Prag noch 50 Minuten, mnicht sehr wahrscheinlich...

Sagen wir man kann Wien-Breclav auf 35 Minuten drücken und Berlin - Prag durch Durchfahrt in Dresden und sonstige Optimierung auf zwei Stunden. Dann bleiben für Prag - Breclav noch immer 1,5 Stunden. Das halte ich für wenig wahrscheinlich, die im Spiegel genannten fünf Stunden (https://www.spiegel.de/auto/berlin-prag-wien-schnellbahnstrecke-soll-fahrt-auf-fuenf-stunden-verkuerzen-a-ed6927fc-c64f-4418-90b9-b8972daef4cb) sind da schon realistischer.

Wie auch immer: Vor 2039 kann man nicht damit rechnen, klingt toll, dauert aber leider wieder sehr lange.

D 3XX

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Gerade die deutlich längere Fahrzeit im Vergleich zum Flug zwischen Wien und Berlin ist wohl psychologisch abschreckend, dem sollte im Hinblick auf den Klimawandel durch solche Investitionen entgegengewirkt werden.
D 3XX

Autobusfan

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Dann muss man halt vorher die Flugzeiten künstlich strecken >:D

haidi

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Ist einem von der Europäischen Arzneimittelbehörde, als sie noch in London saß, passiert. Rundreise zu allen nationalen Behörden, die diversen Tickets von einem Reisebüro organisiert. Ich hab ihn mit dem Auto zum  Flughafen Schwechat geführt. Wohin er jetzt fliegt? - Nach Bratislava. Ich sag ihm, ich führe ihn runter, in einer Stunde sind wir dort. Dem ist das Gesicht eingeschlafen, er meint, er müsse fliegen, sonst bekommt er Probleme. 4 oder 5  Stunden hat es gedauert - Wien - Prag - Bratislava
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Katana

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Hm, also laut: https://infrastruktur.oebb.at/de/projekte-fuer-oesterreich/bahnstrecken/suedstrecke-wien-villach/ausbau-nordbahn
wird die Fahrzeit Wien-Breclav 45 Minuten betragen.
In dem Link steht in einem weiteren Satz "Prag wird deutlich schneller erreicht werden – mit dem Ausbau der Nordbahn und weiteren Ausbauten in Tschechien in drei Stunden und 45 Minuten." Deswegen kann der ÖBB-Link nichts mit dem Memorandum im Eingangsposting zu tun haben.

Generell finde ich es spannend, wenn es heißt, dass eine Fahrzeit halbiert werden soll. Das geht wohl nur mit massiven Distanzreduzierungen. Ein Tunnel durch das Erzgebirge wird nicht reichen. Wie auch die Westbahn bei weitem nicht nur den Wienerwaldtunnel bekommen hat.

abc

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Generell finde ich es spannend, wenn es heißt, dass eine Fahrzeit halbiert werden soll. Das geht wohl nur mit massiven Distanzreduzierungen. Ein Tunnel durch das Erzgebirge wird nicht reichen. Wie auch die Westbahn bei weitem nicht nur den Wienerwaldtunnel bekommen hat.

Ja, wobei der Erzgebirgstunnel nicht nur viel schneller befahren werden kann als die kurvenreiche Bestandsstrecke, sondern auch eine Verkürzung der Strecke darstellt. Das Elbtal ist ein deutlicher Umweg, die Strecke zwischen Dresden und Prag gut 50 % länger als die Luftlinie.

Deutliche Fahrzeiteinsparungen von ca. 1,5 Stunden wird auch die Neubaustrecke von Prag nach Brünn bringen. Die folgt nicht nur eher der Luftlinie, sondern kann auch weitaus schneller befahren werden als die Bestandsstrecke, die vor allem nördlich von Brünn deutliche Einbrüche auf z.T. 80 km/h hat.

Ein wenig Kleinvieh kommt noch auf deutscher Seite hinzu, wenn der Ausbau der Strecke Berlin - Dresden abgeschlossen ist, was auch die Wiederinbetriebnahme ihrer historischen Trasse auf Berliner Gebiet inkludiert. Das dürfte alles in allem auch nochmal eine halbe Stunde bringen.

E1-c3

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abc

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Der Standard berichtet einstweilen von einer „Schnellbahnstrecke“ :fp:: https://www.derstandard.at/story/2000126690642/schnellbahnstrecke-soll-reise-von-wien-nach-berlin-in-vier-stunden?amplified=True
Von der "Schnellbahnstrecke" schreiben auch der Spiegel [...]
und die Zeit [...]
und das Handelsblatt [...]
sowie eurailpress [...]
Die Deutschen haben mit dem Begriff weniger Problem, die fahren, in den Städten, die ich kenne, im Regionalverkehr ja schon "immer" mit der "S-Bahn". :lamp:

Ganz genau ist es aber auch nicht. Mindestens in Berlin und Hamburg ist "Schnellbahn" z.B. eher der Sammelbegriff für S- und U-Bahnen, z.T. auch Regionalzüge.

hema

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Wie oft fährt ein Normalbürger im Jahr von Wien nach Berlin, damit sich die per Steuergeld seeehr teuer erkaufte Fahrzeitersparnis auch auszahlt?
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Klingelfee

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Wie oft fährt ein Normalbürger im Jahr von Wien nach Berlin, damit sich die per Steuergeld seeehr teuer erkaufte Fahrzeitersparnis auch auszahlt?

Der Normalbürger kaum, aber vielleicht gibt es dann Geschäftsleute, die diese Verbindung dann benutzen, anstatt den Flieger oder das Auto. Und dann werden die Züge auch zwischendurch Haltestellen haben, so dass dann auch die Teilstrecken für so manchen Fahrgast interessant sein wird.

Und wenn man nicht zeitgünstige Verbindungen, wirst du auch kaum Fahrgäste auf die Schiene bekommen.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

abc

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Wie oft fährt ein Normalbürger im Jahr von Wien nach Berlin, damit sich die per Steuergeld seeehr teuer erkaufte Fahrzeitersparnis auch auszahlt?

Der österreichische Normalbürger beteiligt sich an den Kosten sowieso eher wenig (sprich: ein wenig was für den Ausbau der Nordbahn und eventuell indirekt noch einen Anteil über die EU). Und es ist ja mitnichen so, dass die ausgebaute Infrastruktur nur für Reisende von Berlin nach Wien von Vorteil ist:

- Vom Ausbau der Nordbahn profitiert eventuell sogar der Regionalverkehr, auf jeden Fall aber die Verbindung Wien - Brünn.

- Die Neubaustrecke von Prag nach Brünn verbindet immerhin die beiden größten Städte des Landes (und mit der Verlängerung nach Ostrava die drei größten) miteinander, im Grunde ist das das Pendant zur neuen Weststrecke und dem Semmeringtunnel. Sie ist Teil eines geplanten geplanten tschechischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Wie wenig es gerade bei dieser Strecke nur um Berlin - Wien geht, verdeutlicht dieser Entwurf für den tschechischen Fernverkehr im Jahre 2050.

- Auf deutscher Seite profitiert der Regionalverkehr stark, weil sich z.B. auch die Fahrzeiten zwischen dem Süden Brandenburgs sowie dem unmittelbaren südlichen Berliner Umland und Berlin deutlich verkürzen. Über die wieder aufzubauende historische Trasse in Berlin verkehrt dann auch der Flughafenexpress zwischen dem Berliner Hbf und dem Flughafen.

- Neben Wien - Berlin profitieren auch andere Fernverkehrsverbindungen davon: Wien - Prag - Dresden, Berlin - Dresden - Prag - Bratislava - Budapest, ein wenig sogar Wien - Warschau.

Im Grunde ist die Ankündigung für Wien - Berlin von gestern nichts anderes als Marketing für eine Ansammlung verschiedener Projekte, die überwiegend längst beschlossen, z.T im Bau und abschnittsweise sogar schon fertiggestellt sind. Bitte nicht vergessen: in Deutschland wird im September gewählt.

S. Böck

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Vom Fahrgastaufkommen her wäre ein Ausbau zwischen Lambach und Salzburg ( - München) viel wichtiger!

coolharry

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Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.