Straßenbahn Wien > Historisches
Oktoberstreik 1950 in Wien
win22:
Das Wikipedia schreibt folgendes dazu:
Am 4. Oktober erreichten die Streiks in Wien ihren Höhepunkt. Rollkommandos der Streikenden versuchten, das öffentliche Leben lahmzulegen und besetzten Straßen und Plätze.
Wagen der Wiener Straßenbahn wurden durch Zuschütten der Gleise und Ausbetonieren der Weichen daran gehindert auszufahren.
Gibt es Fotos dazu und Erzählungen, wie lange und wo die Betriebsstörungen waren? Eine "zubetonierte" Weiche wieder freizumachen dürfte doch etwas mühsam gewesen sein
oder sind das "urbane Erzählungen"?
95B:
Laut der Arbeiter-Zeitung vom 5. Oktober kam es abgesehen von kleineren Zwischenfällen zu keinen nennenswerten Fahrtbehinderungen: https://www.arbeiterzeitung.at/ausgabe/19501005a/1
hewerner:
--- Zitat von: 95B am 26. Dezember 2025, 13:56:42 ---Laut der Arbeiter-Zeitung vom 5. Oktober kam es abgesehen von kleineren Zwischenfällen zu keinen nennenswerten Fahrtbehinderungen: https://www.arbeiterzeitung.at/ausgabe/19501005a/1
--- Ende Zitat ---
Es gab auch Zivilcourage. Mir wurde seinerzeit von unserem Lehrer erzählt, der gesehen hatte, wie ein Straßenbahnfahrer einen kommunistischen Studenten verprügelte, der eine Weiche mit Beton zuschütten wollte.
win22:
Danke, ich muss über den journalistischen Stil der damaligen AZ in den 50er Jahren schmunzeln.
Heute stehst du vor dem Presserat mit sowas...
"Polizisten säubern mit Holzknüppeln blitzartig unter Beifall der Zuschauer den Platz"
"In der Remise Kreuzgasse versuchten hundertfünfzig Kommunisten die Ausfahrt zu behindern. Die Straßenbahner verprügelten sie"
"In einem Fall boten die kommunistischen Agenten den Straßenbahnern pro Mann hundertfünfzig Schilling, wenn sie streiken würden. Sie wurden hinausgeworfen"
"Vormittags versuchten vierhundert Kommunisten den Straßenbahnverkehr in Favoriten zu behindern, in dem sie die Gleise vor der Remise in der Gudrunstraße besetzten.
Nachdem der Verkehr einige Zeit stillag, erschienen plötzlich sechs Lastautos mit Bauarbeitern, die in kurzer Zeit die Kommunisten - nicht ganz ohne Gewalt -
davon überzeugten, daß der Verkehr nicht behindert werden dürfe".
War ein turbulenter Tag mit gewerkschaftlicher Überzeugungskraft....
N1:
--- Zitat von: hewerner am 26. Dezember 2025, 17:09:57 ---Es gab auch Zivilcourage. Mir wurde seinerzeit von unserem Lehrer erzählt, der gesehen hatte, wie ein Straßenbahnfahrer einen kommunistischen Studenten verprügelte, der eine Weiche mit Beton zuschütten wollte.
--- Ende Zitat ---
Der Student hätte bei sich daheim zubetonieren können, was er will, aber der Versuch, eine Weiche zuzubetonieren, rechtfertigt nichtsdestoweniger keine körperliche Gewalt, schon gar nicht abseits des staatlichen Gewaltmonopols.
--- Zitat von: win22 am 26. Dezember 2025, 18:33:39 ---Danke, ich muss über den journalistischen Stil der damaligen AZ in den 50er Jahren schmunzeln.
Heute stehst du vor dem Presserat mit sowas...
[...]
War ein turbulenter Tag mit gewerkschaftlicher Überzeugungskraft....
--- Ende Zitat ---
Naja, die AZ hat halt auf der Basis des Kurses ihrer Mutterpartei Journalismus betrieben, und der war damals strikt antikommunistisch.
_____
Jedenfalls schön, dass das AZ-Archiv wieder online ist. :)
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