Gesamter öffentlicher Verkehr in Wien > U-Bahn

Netzentwurf M - Eine moderne Nachbetrachtung

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Floster:
Ich denke man kann durchaus froh sein, dass sich das U-Bahn-Netz anders entwickelt hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Aufteilung fast aller Linien in mehrere Äste heute ziemlich problematisch wäre und außerdem eine Störungsquelle darstellen würde.

Der Ast U1B hätte mit seinem Ende im 2. Bezirk im Vergleich zum wichtigeren Ast nach Leopoldau eine deutlich geringere Auslastung. Die Aufteilung hätte aber zur Folge, dass ab dem Praterstern nur jeder zweite Zug nach Leopoldau fahren könnte. Das halbe Intervall wäre hier aber heutzutage zu wenig für die vorhandene Fahrgastnachfrage. Außerdem hätte die Verästelung aufgrund der unterschiedlichen Nachfrage auf den einzelnen Linienästen auch bei regelmäßigen Intervallen eine ungleichmäßige Auslastung der Züge im Bereich der Stammstrecke zwischen Praterstern und Karlsplatz zur Folge.

Der Ast U1A wäre so wie eingezeichnet überhaupt eine Fehplanung, da durch die Kreuzung der Südbahn bei der Kliebergasse statt am Matzleinsdorfer Platz kein Umstieg zur S-Bahn möglich wäre. Ich weiß nicht welche Überlegungen da dahinterstanden, aber von der Ustrab hätte man wohl ohnehin kaum etwas weiternutzen können, weil man ja bei der Kliebergasse eine komplett neue Station für eine niveaufreie Kreuzung der Gürtellinie U5 errichten hätte müssen.

Rätselhaft ist für mich, warum an den Verzweigungspunkten teilweise große Stationsbauwerke mit mehreren Bahnsteigen vorgesehen waren (was ja z.B. am Praterstern auch beim Bau entsprechend berücksichtigt wurde), man dann aber am Karlsplatz für die U1A mit dem bestehenden Bahnsteig das Auslangen finden wollte.

Keine sonderlich gute Idee finde ich auch die Aufteilung der U3 bei der Station Volkstheater. Der Abschnitt zwischen Westbahnhof und Volkstheater ist einer der am stärksten ausgelasteten Abschnitte im U-Bahn-Netz, genau dort hätte man dann aber nur mit dem halben Intervall fahren können. Ottakring ist durch die spätere Änderung der Trassenführung heute ja trotzdem durch die U3 erschlossen.

Die U5 zwischen Längenfeldgasse und St. Marx wäre ein verstümmelter 18er und aus meiner Sicht nicht sonderlich attraktiv, vor allem mit dem Ende kurz vor dem Westbahnhof. Wenn man eh schon überall Verästelungen machen wollte hätte ich es da deutlich logischer gefunden, die U6A wie schon zu Zeiten der Stadtbahn geplant nach der Station Gumpendorfer Straße von der U6 abzweigen zu lassen und dann in Hochlage weiter über den Gürtel bis zum Beginn der Ustrab bei der Eichenstraße zu führen (Kreuzung mit der U4 bei der Station Margaretengürtel).

In St. Marx fände ich es in diesem Netzentwurf etwas sinnvoller, die U3 nach Simmering zu führen und stattdessen die U2 nach Stadlau, wodurch etwas geradlinigere Linienverläufe entstehen würden. In St. Marx hätte man einen bahnsteiggleichen Umstieg zwischen beiden Linien vorsehen können.

Bei der U6 sieht es so aus, als wäre ein kompletter Neubau der Gürtelstrecke angedacht gewesen, denn die eingezeichneten Bahnsteige und Wendemöglichkeiten passen nicht zur vorhandenen Stadtbahn-Strecke. Ein kompletter Abriss und Neubau der vorhandenen Infrastruktur wäre aus meiner Sicht ein Irrsinn gewesen. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, dass man einerseits um irgendwelche vorhandenen Ustrab-Stationen wie die Laurenzgasse herumgeplant hat, gleichzeitig aber einfach so die stadtbildprägende Hochstrecke von Otto Wagner abgerissen hätte. Ich vermute, dass die Träume von der Gürtel-Autobahn hinter diesen Plänen stecken. Außerdem wollte man vermutlich auch die U6 mit den technischen Standards der anderen U-Bahn-Linien ausführen (Hochflurfahrzeuge und Stromschiene). Die Führung der U6 in der Achse Wallensteinstraße - Brigittenauer Brücke wäre sicher eine interessante Alternative gewesen, aber bei einer Nutzung der vorhandenen Stadtbahn-Strecke bis zur Nußdorfer Straße wäre das in dieser Form nicht möglich. Da konnte die nun realisierte Führung der U6 nach Floridsdorf deutlich kosteneffizienter realisiert werden.

Interessant ist, dass die U2 im Abschnitt zwischen Spitalgasse und Karlsplatz der nun in Umsetzung befindlichen Trasse der U5 entspricht. Die nunmehrige Linienführung über Michelbeuern nach Hernals hat aber den Charme, dass in Kombination mit den vorhandenen Straßenbahnlinien der gesamte Nordwesten Wiens abgedeckt werden kann.

Im Vergleich zum aktuell vorhandenen und geplanten U-Bahn-Netz wäre meiner Meinung nach tatsächlich die U7 als Querverbindung im 21. und 22. Bezirk die interessanteste Ergänzung. Hier sind die Entfernungen deutlich größer, wodurch ein Verkehrsmittel mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als die Straßenbahn attraktiver wäre. Ideal wäre aus meiner Sicht, wenn es hier so etwas wie die Vorortelinie im Westen Wiens gäbe ...

Mit der realisierten U2-Strecke zwischen Schottentor und Praterstern und der in Bau befindlichen U2-Strecke zwischen Schottentor und Matzleinsdorfer Platz fehlen im Netzentwurf M jedoch zwei Verbindungen im innerstädtischen Gebiet, die völlig unabhängig von den an der Oberfläche vorhandenen Straßenverbindungen verlaufen und dadurch die Vorteile einer U-Bahn ausspielen.

Insgesamt ist das heute vorhandene bzw. in Umsetzung befindliche U-Bahn-Netz deutlich effizienter und erreicht mit deutlich weniger Streckenkilometern und damit deutlich geringeren Kosten eine vergleichbare wenn nicht höhere Wirkung.

Vineyard:

--- Zitat von: Dersim62 am 15. November 2025, 12:49:33 ---Die U1 "Richtung Süßenbrunn" könnte dort bei Süßenbrunner Platz oder dort bei der Bettelheimstraße gemeint sein die Leere Felder bei der Bettelheimstraße haben Stadtentwicklungspotenzial.

--- Ende Zitat ---

Letzteres würde Sinn machen. Wie schon gesagt, beschleicht mich teilweise das Gefühl, dass man an manchen Stellen bestehendes Schienenmaterials mitnutzen wollte.


--- Zitat von: michael.fuerthaller am 15. November 2025, 13:19:00 ---War das nicht jenes Konzept, dass alle Straßenbahnlinien ersetzen sollte?

--- Ende Zitat ---

Ja.


--- Zitat von: Floster am 15. November 2025, 13:21:21 ---Im Vergleich zum aktuell vorhandenen und geplanten U-Bahn-Netz wäre meiner Meinung nach tatsächlich die U7 als Querverbindung im 21. und 22. Bezirk die interessanteste Ergänzung. Hier sind die Entfernungen deutlich größer, wodurch ein Verkehrsmittel mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als die Straßenbahn attraktiver wäre. Ideal wäre aus meiner Sicht, wenn es hier so etwas wie die Vorortelinie im Westen Wiens gäbe ...

--- Ende Zitat ---

Sowohl die Vorortelinie als auch die Verbindungsbahn sind ja zwei Sachen, welche im M-Plan komplett fehlen.

Ansonsten sind übrigens in gewisser Weise die Linien 26 +27 vom Aufbau her (zumindest die Teile im 22. Bezirk) etwas was einer "Vorortelinie" am nächsten kommt.

abc:

--- Zitat von: Floster am 15. November 2025, 13:21:21 ---Ich denke man kann durchaus froh sein, dass sich das U-Bahn-Netz anders entwickelt hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Aufteilung fast aller Linien in mehrere Äste heute ziemlich problematisch wäre und außerdem eine Störungsquelle darstellen würde.
--- Ende Zitat ---

Prinzipiell kann das schon sinnvoll sein, um ein größeres Fahrgastpotenzial für die innerstädtischen Strecken abzugreifen. Über den konkreten Fall kann man natürlich streiten, die U1B zum Beispiel.


--- Zitat von: Floster am 15. November 2025, 13:21:21 ---Der Ast U1B hätte mit seinem Ende im 2. Bezirk im Vergleich zum wichtigeren Ast nach Leopoldau eine deutlich geringere Auslastung. Die Aufteilung hätte aber zur Folge, dass ab dem Praterstern nur jeder zweite Zug nach Leopoldau fahren könnte. Das halbe Intervall wäre hier aber heutzutage zu wenig für die vorhandene Fahrgastnachfrage. Außerdem hätte die Verästelung aufgrund der unterschiedlichen Nachfrage auf den einzelnen Linienästen auch bei regelmäßigen Intervallen eine ungleichmäßige Auslastung der Züge im Bereich der Stammstrecke zwischen Praterstern und Karlsplatz zur Folge.
--- Ende Zitat ---

Auch wenn ich Dir für den konkreten Fall recht gebe: die Aufteilung der Züge auf die Außenäste muss ja nicht 50/50 sein, möglich wäre auch auch im Innenstadtbereich z.B. ein 3/3/4-min- und auf den Außenästen ein 6/4- und ein 10-min-Takt.

MK:

--- Zitat von: Vineyard am 15. November 2025, 13:24:28 ---Wie schon gesagt, beschleicht mich teilweise das Gefühl, dass man an manchen Stellen bestehendes Schienenmaterials mitnutzen wollte.

--- Ende Zitat ---

Hat man ja auch in der Realität bei der S-Bahn gemacht, deren Strecken zum Großteil schon im 19. Jahrhundert existiert haben.

Wie man bei der Vorortelinie gesehen hat: Selbst wenn die Strecke und die Haltestellen in erbärmlichem Zustand sind, ist es immer noch billiger und einfacher, alles umfangreich zu renovieren, als komplett neu zu bauen - allein schon, weil sich niemand beschweren kann, dass eine neue Strecke gebaut wird, oder man ihm ein Recht ablösen muss, weil die Strecke ein paar Zentimeter durch ein Eckerl seines Grundstücks gehen würde.

michael.fuerthaller:

--- Zitat von: Vineyard am 15. November 2025, 13:24:28 ---
--- Zitat von: Dersim62 am 15. November 2025, 12:49:33 ---Die U1 "Richtung Süßenbrunn" könnte dort bei Süßenbrunner Platz oder dort bei der Bettelheimstraße gemeint sein die Leere Felder bei der Bettelheimstraße haben Stadtentwicklungspotenzial.

--- Ende Zitat ---

Letzteres würde Sinn machen. Wie schon gesagt, beschleicht mich teilweise das Gefühl, dass man an manchen Stellen bestehendes Schienenmaterials mitnutzen wollte.


--- Zitat von: michael.fuerthaller am 15. November 2025, 13:19:00 ---War das nicht jenes Konzept, dass alle Straßenbahnlinien ersetzen sollte?

--- Ende Zitat ---

Ja.


--- Zitat von: Floster am 15. November 2025, 13:21:21 ---Im Vergleich zum aktuell vorhandenen und geplanten U-Bahn-Netz wäre meiner Meinung nach tatsächlich die U7 als Querverbindung im 21. und 22. Bezirk die interessanteste Ergänzung. Hier sind die Entfernungen deutlich größer, wodurch ein Verkehrsmittel mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als die Straßenbahn attraktiver wäre. Ideal wäre aus meiner Sicht, wenn es hier so etwas wie die Vorortelinie im Westen Wiens gäbe ...

--- Ende Zitat ---

Sowohl die Vorortelinie als auch die Verbindungsbahn sind ja zwei Sachen, welche im M-Plan komplett fehlen.

Ansonsten sind übrigens in gewisser Weise die Linien 26 +27 vom Aufbau her (zumindest die Teile im 22. Bezirk) etwas was einer "Vorortelinie" am nächsten kommt.

--- Ende Zitat ---

Dann kann man ja nur froh sein, dass dieser nicht realisiert wurde... Auch wenn einige Planungssünden trotzdem umgesetzt wurden...

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