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Zwei Tage in Gmunden – eine emotionale Reise 2020/2021

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Tramwaycafe:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

darf ich euch zu einer emotionalen Reise nach Gmunden und um Gmunden herum einladen? Gmunden hat in diesem Forum einen ganzen Bereich – daher habe ich mir herausgenommen, dafür einen eigenen Thread zu widmen.

Worum geht es denn? Diesen Absatz können diejenigen überspringen, die nur an den Fakten und Fotos interessiert sind – für alle anderen ein wenig Hintergrund ;) Die Coronaviruszeit hat mit uns allen etwas gemacht. Den einen fiel und fällt es leichter, den anderen schwieriger. Bedeutender noch: Was die “pain points” jedes und jeder einzelnen waren, ist so unterschiedlich wie die Menschheit divers ist. Ich habe in dieser Zeit erst gemerkt, wie ruhe- und rastlos ich eigentlich bin. Wie essentiell für meine Lebensqualität Bewegungsfreiheit ist, und wie unabdingbar das Ausbrechen aus den allzuengen Mauern des Zuhause. Dieses Zuhause ist nur dann ein erfüllendes, wenn man nach Hause kommen kann und nicht dauerhaft zu Hause sein muss. Und um nach Hause zu kommen, braucht es das von zu Hause weggehen und zurückkehren. Immer und immer wieder. Diese Freiheit ist uns auf eine noch Anfang 2020 unvorstellbare Art genommen worden; eigentlich unverzichtbare Grundrechte wurden anderen auch nicht ganz unwichtigen Grundrechten bedingungslos und radikal untergeordnet. Die Einheit wenigstens Kerneuropas ist innerhalb von Tagen in einen Trümmerhaufen zerbröselt; die Idee von Schengen ist nachhaltig zerstört. Österreich, das zwergerlkleine Österreich vorübergehend zu verlassen, wurde zum regulatorischen Spießrutenlauf. Daher: In Österreich bleiben. Und in Österreich gab es innerhalb der letzten 9 Monate genau zwei Miniausflüge anderswohin. Dazwischen war lange Zeit dunkelste Ausgangssperrennacht. Das hieß es zu akzeptieren, doch der seelische Preis dafür war immens. Die Lichtblicke davor und danach, das waren zwei Tage in Gmunden mit dem allersüßesten Duft von Freiheit, von Hinaus!, von Weite. Daher bedeuteten mir diese beiden Tage sehr viel mehr als nur «ein paar Fotos zu schießen».

Und so möchte ich einen Monat lang Tag für Tag die gesamte Strecke der neuen Traunseetram hier fototechnisch teilen, ein Foto pro Tag und jeweils allerlei Kontext dazu. Heute gab es schon überreichlich Kontext – daher in medias res. Wir werden uns von Vorchdorf nach Gmunden bewegen, wenig hin und her, eher linear – und so starten wir in Vorchdorf(-Eggenberg) bei der dortigen Endstation der Traunseetram mit Umsteigemöglichkeit in die Lokalbahn Richtung Lambach. Am 6. Oktober 2020 begibt sich hier Wagen 121 auf den langen und bunten Weg nach und durch Gmunden.

Tramwaycafe:
Wenn wir schon in Vorchdorf(-Eggenberg) sind, darf’s ein kleiner Abstecher zur Vorchdorfer Bahn sein, genauer, zur Lokalbahn Lambach–Vorchdorf-Eggenberg? Die stellt auf Normalspur die Verbindung zum Hauptbahnnetz in Lambach her – und bietet in Vorchdorf Anschluss an die Traunseetram. Im Gegensatz zur konsequent ganztags durchgetakteten Traunseetram hat die Vorchdorfer Bahn Taktlücken, vor allem vormittags, wo zwei Stunden lang nix fährt, bevor nachmittags dann der Takt bis auf 30 Minuten verdichtet wird.

Die Vorchdorfer Bahn atmet noch das jahrzehntelang typische Stern&Hafferl-Flair dahin gehend, als der Wagenpark so lange ein Sammelsurium günstig erstandener Gebrauchtfahrzeuge war – so romantisch das auch war, die Ausstattung von Traunseetram und Attergaubahn mit den Vossloh Tramlinks war doch ein Quantensprung an Qualität und Fortschritt. Doch hier kommt uns auf dem ersten Bild der bald 70 Jahre alte (und tadellos unterhaltene) 20.111, ex Extertalbahn, entgegen – einer der Stammgarnituren auf der Vorchdorfer Bahn, wenn nicht die Stammgarnitur schlechthin. Die Aufnahme entstand am 22. Juni 2021 bei der Kreuzung mit der Messenbacherstraße in Vorchdorf.

Die zweite Aufnahme zeigt denselben Wagen ein paar Minuten später im Bahnhofsbereich von Vorchdorf. Es ist etwa 09:10, der Anschluss zur Traunseetram um 09:05 wurde natürlich hergestellt, und nun ist bis knapp vor 10:00 Pause. Der Bahnhof Vorchdorf gehört zu den lässigsten Umsteigeknoten im Bahnverkehr, die ich kenne; alles sehr familiär hier, keine Unter- oder Überführungen; man kennt einander und weiß das zu schätzen, was Stern & Hafferl bietet. Und auch das Wetter spielte mit: Sind Fotowolken sonst nicht so super, so hat sich die Fotowolke bei dieser Aufnahme gerade bequemt, ein Stückerl weiter zu ziehen, sodass der Hintergrund noch im Schatten lag, und der Triebwagen wie im Spotlicht erstrahlte. Glück gehabt an einem großartig schönen Tag :D

Tramwaycafe:
Nach dem Abstecher zur Nachbarbahn geht’s jetzt langsam Richtung Gmunden. Nachdem die Garnituren der Traunseetram das Vorfeld des Bahnhofs Vorchdorf(-Eggenberg) mit all seinen Weichen verlassen haben, wird es gleich eingleisig, und dann ist es nicht mehr weit bis zur ersten Haltestelle, Schloss Eggenberg – mit dem Zusatz «Brauerei», die ein paar hundert Meter südlich der Haltestelle liegt ^-^

Am 6. Oktober 2020, als die Aufnahme entstand, war die Haltestelle noch einfacher ausgestattet als heute; mit nur einem Minimalwetterschutz: Inzwischen ist das Standardwartehäuschen der Traunseetram dazugekommen, das auf späteren Aufnahmen noch zu sehen sein wird. Wagen 123 ist auf dem nur mehr kurzen Weg nach Vorchdorf gerade zum Stillstand gekommen und wird gleich zwei Fahrgäste aussteigen lassen – wie alle Haltestellen auf der Gesamtstrecke ist das hier eine Bedarfshaltestelle, wo die Fahrer nach Möglichkeit schon gerne mit hoher Geschwindigkeit durchfahren.

Bus:
Super! Danke...

Weiß eigentlich jemand, wie es zu der Farbgebung der neuen Garnituren gekommen ist? Ist ja etwas untypisch für S&H.

Tramwaycafe:

--- Zitat von: Bus am 05. Juli 2021, 11:06:18 ---Weiß eigentlich jemand, wie es zu der Farbgebung der neuen Garnituren gekommen ist? Ist ja etwas untypisch für S&H.
--- Ende Zitat ---
Ich bin all die Literatur, die mir zur Verfügung steht, durchgegangen – und zu dem «Warum?» bezüglich der Farbgebung habe ich bis jetzt nix gefunden. Zugleich: Die Farben, viel Rot und viel Weiß, sind ja die Stern&Hafferl-Hausfarben, sodass mir die Lackierung nicht so außergewöhnlich erscheint, auch wenn das Rot etwas gedeckter wirkt als noch zuletzt…

Die Fotoserie bringt uns nun ein paar Meter weiter Richtung Gmunden – mit einem «Postkartenmotiv». Die Landstraße L1306 entlang ergibt sich das eine oder andere Motiv, morgens Blickrichtung Gmunden, ab mittags Blickrichtung Vorchdorf. Hier, nicht weit von der Haltestelle Schloss Eggenberg, gleiten die so eleganten Traunseetramgarnituren typischerweise mit 60 km/h dahin – die große Herausforderung besteht darin, das Flackerdisplay halbwegs vollständig auf den Sensor zu bannen. 1/160s Belichtungszeit geht gerade noch soso-lala; selbst professionelle Fotos auf der Stern&Hafferl-Homepage leiden an scheinbar zerfuzelter Zielanzeige.

Der 30-Minuten-Takt hier bringt beim Fotografieren einen Rhythmuswechsel zum hektischen Alltag mit sich – vor und nach einer Aufnahme ist viel Zeit zum Spazieren, Möglichkeiten Ausloten, Gegend Bestaunen; aber auch dafür, einfach einmal zu sein und nicht immer nur zu tun. Auf dieser Aufnahme vom 6. Oktober 2020 sehen wir wieder den allerersten Gmundner Tramlink V3 mit der Nummer 121: Im Jänner 2014 bestellt, im Dezember 2015 ausgeliefert, im März 2016 präsentiert, und seit Herbst 2016 im Einsatz.

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