Straßenbahn Wien > Zukunftsperspektiven
Studie von Complexity Science Hub: Vor allem U-Bahn reduziert Autoverkehr
nord22:
Unter https://wien.orf.at/stories/3329391/ wird folgendes berichtet (Auszug):
"Vor allem U-Bahn reduziert Autoverkehr
In Wien nutzen die Menschen besonders häufig die „Öffis“ und fahren deshalb weniger Auto. Eine neue Studie des Complexity Science Hub zeigt: Während U-Bahnen den Autoverkehr messbar senken, bringen Straßenbahnen deutlich weniger Effekt.
Eine aktuelle Untersuchung des Complexity Science Hub, durchgeführt von Rafael Prieto-Curiel und veröffentlicht im Fachmagazin „Nature Cities“, hat Mobilitätsdaten von rund 400 europäischen Städten ausgewertet. Das Ergebnis: Städte mit U-Bahn haben deutlich weniger Autoverkehr als solche mit nur Straßenbahnen. Untersucht wurden 47 U-Bahn-Städte, 46 Städte mit Straßenbahn, aber ohne U-Bahn, und 285 Städte, in denen es beides nicht gibt.
Weniger Autoverkehr dank U-Bahn
In U-Bahn-Städten liegt der Anteil der Autofahrten durchschnittlich bei 36 Prozent. In Tram-Städten steigt der Wert auf 50 Prozent, in Orten ohne U-Bahn und ohne Straßenbahn sogar auf 54 Prozent. Je größer die Stadt, desto deutlicher ist dieser Unterschied.
Straßenbahnen haben weniger Einfluss
Straßenbahnen werden in der Stadtplanung oft als günstige Alternative zur U-Bahn gesehen. Laut der Analyse haben Trams jedoch nicht denselben Effekt bei der Reduktion von Autofahrten. Gründe dafür seien laut Prieto-Curiel etwa langsamere Fahrtzeiten und geringere Kapazität."
„Die Studie zeigt deutlich, dass leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ein zentraler Faktor für nachhaltige urbane Mobilität ist“, so Prieto-Curiel. Setzten Städte also verstärkt auf den Ausbau von U-Bahnen, könnten die negativen Folgen des Autoverkehrs wie Luftverschmutzung, Flächenversiegelung und gesundheitliche Belastungen langfristig reduziert werden."
In Wien gab es bekanntlich in den 70er Jahren Netzentwürfe für ein U-Bahnnetz mit 8 Linien und diversen Zweiglinien, mit denen die Straßenbahn zur Gänze ersetzt werden sollte. Damals primär unter dem Aspekt, diverse künftig straßenbahnlose Straßenzüge autogerechter zu gestalten. Die Bau und Betriebskosten der U-Bahn zeigen jedenfalls auch die Grenzen der mit derartigen Studien neuerlich entfachten U -Bahneuphorie, dem Zeitgeist entsprechend mit ökologischen Argumenten durch Verschiebung des "Modal Split" zum öffentlichen Verkehr.
nord22
Linie 25/26:
In Österreich gibt es dazu ein Wort: Schmäh
Also ist das a Schmäherkenntnis.
Operator:
--- Zitat von: nord22 am 10. November 2025, 23:20:12 ---Unter https://wien.orf.at/stories/3329391/ wird folgendes berichtet (Auszug):
"Vor allem U-Bahn reduziert Autoverkehr
In Wien nutzen die Menschen besonders häufig die „Öffis“ und fahren deshalb weniger Auto. Eine neue Studie des Complexity Science Hub zeigt: Während U-Bahnen den Autoverkehr messbar senken, bringen Straßenbahnen deutlich weniger Effekt.
Eine aktuelle Untersuchung des Complexity Science Hub, durchgeführt von Rafael Prieto-Curiel und veröffentlicht im Fachmagazin „Nature Cities“, hat Mobilitätsdaten von rund 400 europäischen Städten ausgewertet. Das Ergebnis: Städte mit U-Bahn haben deutlich weniger Autoverkehr als solche mit nur Straßenbahnen. Untersucht wurden 47 U-Bahn-Städte, 46 Städte mit Straßenbahn, aber ohne U-Bahn, und 285 Städte, in denen es beides nicht gibt.
Weniger Autoverkehr dank U-Bahn
In U-Bahn-Städten liegt der Anteil der Autofahrten durchschnittlich bei 36 Prozent. In Tram-Städten steigt der Wert auf 50 Prozent, in Orten ohne U-Bahn und ohne Straßenbahn sogar auf 54 Prozent. Je größer die Stadt, desto deutlicher ist dieser Unterschied.
Straßenbahnen haben weniger Einfluss
Straßenbahnen werden in der Stadtplanung oft als günstige Alternative zur U-Bahn gesehen. Laut der Analyse haben Trams jedoch nicht denselben Effekt bei der Reduktion von Autofahrten. Gründe dafür seien laut Prieto-Curiel etwa langsamere Fahrtzeiten und geringere Kapazität."
„Die Studie zeigt deutlich, dass leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ein zentraler Faktor für nachhaltige urbane Mobilität ist“, so Prieto-Curiel. Setzten Städte also verstärkt auf den Ausbau von U-Bahnen, könnten die negativen Folgen des Autoverkehrs wie Luftverschmutzung, Flächenversiegelung und gesundheitliche Belastungen langfristig reduziert werden."
In Wien gab es bekanntlich in den 70er Jahren Netzentwürfe für ein U-Bahnnetz mit 8 Linien und diversen Zweiglinien, mit denen die Straßenbahn zur Gänze ersetzt werden sollte. Damals primär unter dem Aspekt, diverse künftig straßenbahnlose Straßenzüge autogerechter zu gestalten. Die Bau und Betriebskosten der U-Bahn zeigen jedenfalls auch die Grenzen der mit derartigen Studien neuerlich entfachten U -Bahneuphorie, dem Zeitgeist entsprechend mit ökologischen Argumenten durch Verschiebung des "Modal Split" zum öffentlichen Verkehr.
nord22
--- Ende Zitat ---
"Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast!"
Stammt nicht von mir, trifft aber oft zu.
abc:
Klingt irgendwie stark danach, als hätte das Ergebnis schon vorher festgestanden, zumal, wenn man sich die Zusammenfassung des Complexity Science Hub selbst durchliest (pdf). Konkret stört mich:
- Größere Städte werden stärker gewichtet. Natürlich braucht es mit wachsender Stadtgröße auch schnellere Verkehrsmittel. Und natürlich sind auf weiten Strecken U-Bahnen im Vorteil. Dann aber daraus plötzlich eine allgemeine Aussage für kleine und große Städte abzuleiten, ist schlicht unseriös.
- Der Vergleich zwischen Städten nur mit Straßenbahn und ganz ohne Schienenverkehrsmittel geht ziemlich unter. Sie stellen ja selbst fest, dass in Städten ganz ohne Schienenverkehrsmittel der Anteil des MIV höher und der des ÖV niedriger ist als in solchen mit Straßenbahnen. Interessant eine Bemerkung zu Österreich: "In Österreich ist Wien die einzige Stadt mit einer U-Bahn und tatsächlich ist der Autoanteil bei den Pendelwegen am niedrigsten (25%) und der Öffi-Anteil am höchsten (34%) – im Vergleich zu den anderen österreichischen Städten, die im Datensatz vorhanden sind. Den zweithöchsten Anteil an Pendelwegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat Linz mit nur 21%, gefolgt von Graz mit 20%." Was haben noch mal Linz und Graz, was St. Pölten oder Salzburg nicht haben? Wobei Linz eine Doppelrolle einnimmt: "Am meisten Auto gefahren wird in Feldkirch (57%), St. Pölten (56%) und Linz (50%)."
- Nicht überall kann man Straßen- und U-Bahn so eindeutig voneinander unterscheiden wie in Wien. Wie sind wohl Systeme wie in Hannover, Stuttgart oder Porto einsortiert?
- Es ist auch nicht ganz klar, ob der stadtinterne Modal-Split oder auch Pendelnde aus dem Umland berücksichtigt sind. Ist letzteres der Fall, hängt die ÖV-Nutzung ja in erheblichem Maße davon ab, wie gut der ÖV zwischen dem Umland und der Stadt ist. Das Land OÖ selbst hat für die Linzer Wohnbevölkerung jedenfalls einen MIV-Modal-Split-Anteil von 42,1 und nicht 50 % ermittelt (pdf, S. 3). Und gerade in Linz hat man doch bekanntlich aus Richtung Mühlviertel das Problem, dass Bahnlinien fehlen oder unattraktiv sind (ortsferne Stationen, lange Fahrzeiten, Umsteigezwänge).
- Das führt direkt zum nächsten Punkt: wie wurde denn sichergestellt, dass die Modal-Split-Erhebungen überhaupt vergleichbar sind? Oder hat man den Modal Split selbst nach einheitlichen Maßstäben erhoben oder zumindest durch welche Modelle auch immer die Angaben der Städte vergleichbar gemacht? (Das würde ich mir bei einer Organisation, die sich "Complexity Science Hub" nennt, zumindest erwarten.)
Würde man tiefer in die ermittelten Daten einsteigen, würde man sicher viele interessante Erkenntnisse haben. Ob sich der Studienautor und das Complexity Science Hub einen Gefallen getan haben, das so knackig zusammenzufassen, ist fraglich; und ob sie ihrem vermeintlichen Anliegen damit einen Gefallen getan haben, ebenfalls. Es ist jedenfalls klar, was Straßenbahngegnerinnen und -gegner nun immer aus dem Hut zaubern werden. Und so wird im Zweifelsfall an vielen Stellen eben weder U- noch Straßenbahn entstehen. Vor allem geht durch die sehr allgemeine und verzerrte Aussage auch unter, dass für jede einzelne Situation entschieden werden muss, welches System das beste ist.
Vineyard:
--- Zitat ---„Natürlich gibt es auf Stadtebene Abweichungen von diesen Durchschnittswerten. So verfügen etwa
Utrecht (Niederlande), Szeged (Ungarn) und Bern (Schweiz) zwar über keine U-Bahn, weisen aber
dank einer hohen aktiven Mobilität dennoch nur einen Pkw-Anteil von rund 20% auf. Umgekehrt
zeigen Städte wie Rom (Italien) oder Toulouse (Frankreich) – trotz vorhandener U-Bahn – mit über
60% einen vergleichsweise hohen Pkw-Anteil.“, so Prieto-Curiel.
--- Ende Zitat ---
Ich kann nur für Rom sprechen, wo ich mal mit meiner Familie vor knapp 10 Jahren war. Aber damals waren solche Menschenmassen in einer Station, dass wir sofort geflohen sind und uns ein Taxi genommen haben.
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