Autor Thema: Salzburg: Studie gibt klare Empfehlung für Bau einer Stadt-Regionalbahn  (Gelesen 6824 mal)

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Laiseka

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(LK)  Umfassende Studien zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Regionalbahnen in Salzburg, Bayern und Oberösterreich geben eine klare Empfehlung für den Bau einer Stadt-Regionalbahn in Salzburg.

Verkehrsreferent Landesrat Hans Mayr und Studienautorin Petra Strauß von der Karlsruher PTV Group präsentierten heute, Montag, 16. März, in einem Informationsgespräch die wichtigsten Ergebnisse der Studie "Euregio-Bahnen Salzburg-Bayern-Oberösterreich" und informierten über mögliche weitere Schritte in der Umsetzung dieses Großprojektes. Die Studie wurde aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der EU gefördert und hat die Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit von neuen Regionalbahnstrecken im gesamten Euregio-Raum untersucht. Landesrat Mayr hob die klaren Empfehlungen der Studie hervor: "Die Jahrzehnte andauernden Diskussionen über mögliche Varianten einer Stadt-Regionalbahn können wir ad acta legen. Nun können wir uns mit einer vereinten Kraftanstrengung von Land und Stadt Salzburg und den Partnern im Zentralraum und in Bayern an die Umsetzung machen. Dieses Projekt ist zu wichtig, um im parteipolitischen Hickhack aufgerieben zu werden. Deshalb gab es in den vergangenen Tagen umfassende Gespräche mit der gesamten Landesregierung, mit Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, mit den Vertreterinnen und Vertretern der EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, der Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein sowie mit den Bürgermeistern der Region, um bei diesem Jahrhundertprojekt einen Schulterschluss zu erreichen. Alle wollen dieses Zukunftsprojekt. Die Zeit ist reif, dass dieses Projekt jetzt angegangen wird."
Strauß: Straßenraum in Salzburg ist gesättigt

Das internationale Team der Studie gibt eine klare Empfehlung zur Etablierung eines neuen, innovativen Verkehrssystems ab. "Die Sättigung des Straßenraums und die zunehmende Verspätungsanfälligkeit beim Bus führen im Zentralraum zu einem Rückgang des Anteils des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsmix", erklärte Verkehrsexpertin Petra Strauß von der Karlsruher PTV Group. Sie führte das Studienteam an. "Es ist offensichtlich, dass nur mit der Implementierung eines neuen, attraktiven Stadt-Regionalbahn-Systems wesentliche Verbesserungen der Salzburg Verkehrsprobleme zu erwarten sind." Neben drei Varianten einer Schienenquerung durch die Salzburger Altstadt wurden im gesamten Euregio-Untersuchungsgebiet auch mögliche regionale Neubaustrecken auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit hin untersucht.
Erstes Umsetzungspaket soll rasch angegangen werden

"Die Nutzen-Kosten-Untersuchung belegt, dass die unterirdische Stadtquerung trotz höchster Erstinvestitionskosten das beste Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweist. Die Umsetzung der unterirdischen Altstadtquerung sollte gemeinsam mit der Regionalstrecke über Anif nach Hallein rasch angegangen werden", erklärte Studienautorin Strauß. Das Investitionsvolumen für die Umsetzung dieses ersten Pakets (Lokalbahnhof – Mirabell – Altstadt – Nonntal – Akademiestraße – Alpenstraße) plus die Weiterführung über Anif – Niederalm – Rif – Rehof – Hallein wird auf 535 Millionen Euro geschätzt. Alleine im innerstädtischen Abschnitt zwischen Mirabellplatz und Altstadt werden täglich 28.300 Fahrgäste prognostiziert.
Im Fünf-Minuten-Takt durch die Altstadt

"In der Stadt Salzburg würde ein völlig neues, stauunabhängiges Stadtbahn-System mit modernen Zügen entstehen. Man gelangt umsteigefrei von der Region direkt in die Altstadt. Die vorgeschlagene Bahnstrecke unter der historischen Altstadt von Salzburg kann sowohl mit neuen, modernen, straßenbahnähnlichen Zügen befahren werden, ist aber auch voll kompatibel mit den vorhandenen Zügen der erfolgreichen Salzburger Lokalbahn", so Strauß.
Mayr: Unterirdische Altstadtquerung ist erster großer Schritt

"Die Altstadtquerung ist ein erster, großer und wichtiger Schritt zur Umsetzung des Gesamtsystems. Wir erreichen damit die meisten Fahrgäste. Künftige Regionalstrecken können in diese Stammstrecke eingebunden werden. Das System kann in den nächsten Jahrzehnten sukzessive erweitert werden. Wir wollen den ersten großen Schritt machen", betonte Landesrat Mayr.
Priorisierung der Regionalstrecken für Trassensicherung

Die Regionalstrecken wurden entsprechend dem Nutzen-Kosten-Verhältnis priorisiert. Damit ist eine wichtige Grundlage geschaffen, welche Trassen vorrangig durch die Gemeinden und die Raumplanung für die Zukunft gesichert werden können:
Anif – Rif – Hallein (bester Korridor, sollte vordringlich behandelt und rasch umgesetzt werden)
Salzburg – Eugendorf – Thalgau – Mondsee
Salzburg – Anif – Grödig – Berchtesgaden – Königssee
Salzburg – Mattsee
Salzburg – Fuschl (Bad Ischl)
Verlängerung der Berchtesgadener Land Bahn bis Berchtesgaden Ost

Die Studie empfiehlt die Verlängerung der Berchtesgadener Land Bahn um 800 Meter bis Berchtesgaden Ost. Ein bereits bestehender Tunnel könnte um zirka 3,6 Millionen Euro erneuert werden. Es sind kaum zusätzliche Betriebskosten zu erwarten, da für den Umlauf der Züge keine zusätzlichen Zuggarnituren notwendig sind.
Maßnahmen am Bestandsnetz

Für das Bestandsnetz werden in der Studie zahlreiche Maßnahmen vorgeschlagen. So soll der Takt auf der S-Bahn-Strecke Richtung Straßwalchen verdichtet werden. Der Westast der S-Bahn, das ist die Strecke zwischen Salzburger Hauptbahnhof und Freilassing, soll mit zusätzlichen Verbindungen noch attraktiver gemacht werden. Von Freilassing sollte die S-Bahn bis Traunstein oder sogar bis Übersee weitergeführt werden. Für die Strecke Salzburg – Freilassing – Mühldorf wird die Schaffung eines Stunden-Taktes vorgeschlagen. Zudem wurde die Errichtung neuer Haltestellen überprüft. t57-51


Quelle: http://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=54337

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Ein Bericht in der heutigen Salzburg-Krone!

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Den Wiener Linien kam der Streit um die Lokalbahn-Verlängerung in Salzburg gerade recht: Sie handelten sich mit dem Bund für U2und U5eine 50:50- Finanzierung aus, während Salzburg über die Bauweise, die Strecke und die SalzachQuerung diskutierte.

 :fp:
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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Trasse der geplanten Stadtbahn festgelegt

Für die geplante Salzburger Regionalstadtbahn S-LINK hat das Planungsteam nun den genauen Trassenverlauf im Bereich der Altstadt festgelegt – ausgewählt aus 14 Varianten. Die Bahn wird vom Hauptbahnhof bis zur Akademiestraße vollständig unterirdisch geführt.

Die Kosten für die erste Bauetappe bis zum Schloss Mirabell sollen inklusive Risikozuschlags und Planungsarbeiten bei gut 200 Mio. Euro liegen.

Haltestellen bei Mozartsteg und Unipark
Für die Strecke über die Haltestelle Mirabell hinaus waren ursprünglich 14 Trassenvarianten im Gespräch gewesen. Bei vier hat ein Ingenieursbüro eine vertiefende Prüfung vorgenommen. „Dabei hat sich eine klare Empfehlung für eine unterirdische Linienführung ergeben“, betont Stefan Knittel, der Geschäftsführer der S-LINK-Projektgesellschaft.

Frühestens bei Akademiestraße wieder ans Tageslicht
Die Trasse führt vom Mirabellplatz zum Platzl, quert zwischen Staatsbrücke und Mozartsteg (wo es eine Haltestelle geben soll) die Salzach, und läuft weiter über eine Haltestelle im Bereich Unipark Nonntal bis zur Akademiestraße, wo die Gleise frühestens ans Tageslicht treten könnten.

Alle Varianten, die teilweise oder gänzlich an der Oberfläche gelaufen wären, hätten bei Fahrzeit, Kapazitätsreserven, Verkehrssicherheit und Fahrplanstabilität gravierende Nachteile aufgewiesen – und sich stärker auf das Wohnumfeld oder das Stadtbild ausgewirkt, betont Knittel: „Die niedrigeren Erstinvestitionskosten hätten die damit verbundenen Nachteile nicht aufgewogen.“
S-Link Stadtbahn

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Architekturbüro dunkelschwarz

Knapp sechs Minuten für Stadtdurchquerung
Knittel verspricht auch kurze Fahrzeiten: „Es zählt jede Minute, um das Angebot attraktiv zu machen.“ Die Fahrzeit auf der etwas mehr als drei Kilometer langen Strecke vom Hauptbahnhof bis zur Akademiestraße soll – inklusive Zwischenhalte – keine sechs Minuten betragen.

Außerdem sei die nun gewählte Variante um einiges kürzer als andere Vorschläge und erlaube Kapazitäten für zukünftige Entwicklungen und Taktverdichtungen. Die geplante Trasse berührt zudem große Teile der historischen Bausubstanz in der Altstadt nicht – wo man viel tiefer in den Boden hätte gehen müssen.

Kostensteigerung eingeplant
Mit dem Bau der ersten Etappe – sie umfasst die 962 Meter lange Strecke von Hauptbahnhof bis zur neuen Station am Mirabellplatz – wird frühestens Ende 2023 begonnen. Die Preisbasis von 2021 mit 134 Mio. Euro sei mittlerweile illusorisch, sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) angesichts der allgegenwärtigen Kostensteigerungen. Mit einem 34-prozentigen Risikozuschlag komme man auf 180 Mio. Euro Kosten: „Wir sind damit im erwarteten Bereich geblieben. Stadt und Land haben mit jeweils 45 Mio. Euro bereits budgetär vorgesorgt, der Bund verdoppelt das Geld.“

Dazu kämen noch 20 Mio. Euro an Planungskosten. Die UVP für das Projekt soll Ende September 2022 eingereicht werden. Außerdem hat die Planungsgesellschaft um eine Eisenbahn-Konzession angesucht.

Landesrat: „Fachliche Notwendigkeit“
Schnöll betont, dass es den S-LINK dringend brauche, um die Verkehrswende herbeizuführen: „Das ist kein Prestigeprojekt, sondern eine fachliche Notwendigkeit.“ Über die Kosten des nächsten Bauabschnitts vom Mirabellplatz bis zur Akademiestraße gab es heute keine Informationen. „Jede Schätzung ist derzeit Spekulation“, sagt Knittel. Dafür brauche es konkrete Planungen für die nun gewählt Trasse: „Eine Rolle spielt etwa, in welcher Tiefe man die Salzach exakt unterquert“.

Die Sondierungsarbeiten des Untergrunds und die Probebohrungen hätten bisher keine negativen Überraschungen gebracht.

Wie geht es bis Hallein weiter?
Ab der Akademiestraße soll der S-LINK in zwei weiteren Bauetappen oberirdisch bis nach Hallein (Tennengau) weitergeführt werden. Die Trassenführung dürfte hier bis nächstes Jahr feststehen. Das Nahverkehrsprojekt ist im Programm der türkis-grünen Bundesregierung festgeschrieben und gilt als wichtiger Schritt für Klimaschutz und gegen die Salzburger Verkehrsmisere. Für den Verlauf über den Mirabellplatz hinaus hat der Bund angekündigt, mindestens 50 Prozent der Kosten tragen zu wollen.

Wie viel zahlt die Stadt mit?
Ob sich die Stadt auf ihrem Grund wie beim ersten Bauabschnitt mit einem Viertel der Kosten beteiligten will, ist aber noch unklar. Der Salzburger Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) hatte das zuletzt mehrfach abgelehnt. Er sagte aber am Mittwoch, dass dies noch Gegenstand von Verhandlungen sein werde.

Preuner und Schnöll betonen auch, eine (in der Stadt etwa von der SPÖ angedachte) Bürgerbefragung zum Bau des S-LINK nicht aktiv zu unterstützen. „Das ist keine Entscheidung der Stadt alleine“, so der Bürgermeister. Im Fall der Fälle brauche es eine Lösung, um auch die Bürger der Umlandgemeinden mit zu befragen. Schnöll: „Wenn es eine politische Mehrheit für eine Befragung gibt, müssen wir das anerkennen. Aber wir treiben das nicht voran.“

Quelle: salzburg.orf.at
Ceterum censeo autocineta omnibus delenda esse!

highspeedtrain

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Ich glaube es zwar erst, wenn ich die Bahn fahren sehe, aber endlich tut sich da was (die komplette Ablehnung zumindest teilweiser oberirdischer Führung sehe ich zwar skeptisch bzw fehlt mir ein Betriebsprogramm, aus dem hervorgeht, dass eine Strecke teilweise im Straßenverlauf nicht die notwendige Kapazität hätte, aber dennoch, alles besser als nichts.)

coolharry

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Ich glaube es zwar erst, wenn ich die Bahn fahren sehe, aber endlich tut sich da was (die komplette Ablehnung zumindest teilweiser oberirdischer Führung sehe ich zwar skeptisch bzw fehlt mir ein Betriebsprogramm, aus dem hervorgeht, dass eine Strecke teilweise im Straßenverlauf nicht die notwendige Kapazität hätte, aber dennoch, alles besser als nichts.)

Da man ja die Lokalbahn verlängert, also eigentlich eine Eisenbahn und keine Straßenbahn, versteh ich das schon. Und teilweise oberirdisch, bei der kurzen Strecke, das wären viele Rampen in sehr dicht verbautem Gebiet. Nach Nonntal stehts ja noch nicht fest wie es weiter geht.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

highspeedtrain

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Ich glaube es zwar erst, wenn ich die Bahn fahren sehe, aber endlich tut sich da was (die komplette Ablehnung zumindest teilweiser oberirdischer Führung sehe ich zwar skeptisch bzw fehlt mir ein Betriebsprogramm, aus dem hervorgeht, dass eine Strecke teilweise im Straßenverlauf nicht die notwendige Kapazität hätte, aber dennoch, alles besser als nichts.)

Da man ja die Lokalbahn verlängert, also eigentlich eine Eisenbahn und keine Straßenbahn, versteh ich das schon. Und teilweise oberirdisch, bei der kurzen Strecke, das wären viele Rampen in sehr dicht verbautem Gebiet. Nach Nonntal stehts ja noch nicht fest wie es weiter geht.

Es werden jetzt Tram-Trains gekauft und ab der Akademiestraße wird man dann wohl
 oberirdisch fahren. Ich würde doch vermuten, dass da eher die Angst im Vordergrund stand, dem MIV Platz wegzunehmen, wobei ich zugebe, dass Salzburg aufgrund der beengten Platzverhältnisse am ehesten von den Landeshauptstädten eine unterirdische Trasse rechtfertigen kann.

Egal, wie gesagt, Hauptsache es tut sich etwa.

95B

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Ich würde doch vermuten, dass da eher die Angst im Vordergrund stand, dem MIV Platz wegzunehmen, wobei ich zugebe, dass Salzburg aufgrund der beengten Platzverhältnisse am ehesten von den Landeshauptstädten eine unterirdische Trasse rechtfertigen kann.

Das sehe ich anders. Gerade aufgrund der beengten Platzverhältnisse hättet Salzburg ein Paradebeispiel für vernünftige Verkehrspolitik werden können. Mit den schwarzen Betonschädeln in der Politik geht das aber nicht.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

highspeedtrain

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Ich würde doch vermuten, dass da eher die Angst im Vordergrund stand, dem MIV Platz wegzunehmen, wobei ich zugebe, dass Salzburg aufgrund der beengten Platzverhältnisse am ehesten von den Landeshauptstädten eine unterirdische Trasse rechtfertigen kann.

Das sehe ich anders. Gerade aufgrund der beengten Platzverhältnisse hättet Salzburg ein Paradebeispiel für vernünftige Verkehrspolitik werden können. Mit den schwarzen Betonschädeln in der Politik geht das aber nicht.

Wobei es jetzt die anderen Parteien sind, die das alles in Frage stellen - und soweit ich sehe nicht deshalb, weil sie eine oberirdische Lösung wollen, sondern weil sie das Thema politisch nutzen und die bekannte Salzburger Abneigung gegen ÖV und Liebe zum Auto für sich instrumentalisieren wollen.