Autor Thema: Entschleunigt: Warum die Wiener Linien immer langsamer statt schneller werden  (Gelesen 3046 mal)

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13er

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Und noch eine Neuerscheinung gibt es, diesmal vom allseits bekannten Ernst Lassbacher: "Entschleunigt: Warum die Wiener Linien immer langsamer statt schneller werden" (Phoibos Verlag)

72 Seiten, 14,90 €

http://phoibos.at/Reihen-Zeitschriften/Reihen-Oesterreich/Wiener-Verkehrsblaetter/Entschleunigt-Warum-die-Wiener-Linien-immer-langsamer-statt-schneller-werden.html

Aus dem Vorwort:

Zitat
Basis der vorliegenden Arbeit ist eine umfangreiche Überprüfung der planmäßigen und tatsächlichen Fahrzeiten als Gegenüberstellung auf den einzelnen Linien der Wiener Verkehrsbetriebe (WVB), durchgeführt vom Verein „Wiener Arbeitskreis Nahverkehr“ in den Jahren 1974 bis 1978, gelegentlich aber auch noch viele Jahre danach bis in unsere Tage. Jegliche Versuche, die WVB mit den Ergebnissen bei der Verbesserung ihrer Betriebsqualität zu unterstützen, wurden von diesen mit Schweigen quittiert. Fast vier Jahrzehnte später sind die meisten Detailergebnisse der Überprüfungen natürlich überholt. In ihren Grundaussagen, mit denen sich diese Arbeit ausführlich einschließlich vieler für eine umfassende Aufarbeitung notwendiger Nebenaspekte befasst, sind sie aber bis heute unverändert gültig, und dies aktuell sogar mehr als in den Jahren 1979 bis 2011.
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

95B

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Zitat
Jegliche Versuche, die WVB mit den Ergebnissen bei der Verbesserung ihrer Betriebsqualität zu unterstützen, wurden von diesen mit Schweigen quittiert.

Das darf aber auch niemanden wundern. :D
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

nord22

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Die Aussage, dass die Reisegeschwindigkeit der W.L. immer mehr sinkt, kann nicht ganz unwidersprochen bleiben.
Jahrzehntelang war das Totschlagargument gegen Fahrzeitverkürzungen bei der Straßenbahn, dass dies eine Kürzung der Rolldienstzulage für die Fahrbediensteten und somit einen Einkommensverlust bedeutet. Dies ist lange Geschichte!

Die Vorstandsetage der Wien Holding und der W.L. agiert kaufmännisch orientiert. Eine Fahrzeitverkürzung von einer Minute auf einer Linie bringt eine Personalkostenersparnis von rd. € 25.000/ Monat! Nicht immer sind diverse, in den vergangenen Jahren durchgezogene Fahrzeitverkürzungen der Stabilität einer Linie zuträglich, da infrastrukturelle Maßnahmen zum Erreichen von effektiven Fahrzeitverkürzungen (Ampelschaltungen, Anlage selbstständiger Gleiskörper) kaum umgesetzt werden!
Auf der Linie 31 wurde z.B. die HVZ Fahrzeit (Mo- Fr.) von 40 auf 38 Minuten gekürzt. In der Realität waren früher bei der langen Fahrzeit die Züge bei der Ankunft in Stammersdorf und am Schottenring meistens verfrüht. Die Linie 62 hatte in den 80er Jahren für die Strecke Oper - Lainz eine Planfahrzeit von 47 min; diese war mit Reserven für die lahmen L - Dreiwagenzüge ausgelegt. Heute sind 41,5 Minuten Fahrzeit lt. Plan vorgesehen, was recht knapp ist und insbesondere mit E2 + c5 Zügen mit ihren längeren Abfertigungszeiten gar nicht eingehalten werden kann. Auf gewissen Linien sind Fahrzeitverkürzungen aufgrund der schlechten Ampelschaltungen, welche im wesentlichen seit den 70er Jahren unverändert sind, nicht möglich - Paradebeispiel Linie 5.
Die Mehrheitsfraktion der Gewerkschaft beschränkt sich auf Alibiaktionen und winkt 99% aller Dienstrechtsänderungen, welche zu Lasten der Bediensteten gehen, eilfertig durch.

nord22

hema

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Die Rolldienstzulage (früher "28 Prozent" genannt) ist natürlich nicht Geschichte, sondern wird als "Effizienzbonus" weiterhin bezahlt und macht heute einen höheren Anteil am Gehalt aus als früher! Was sich geändert hat ist nur die Art der Berechnung, wurde es früher als fiktive Arbeitszeit ausgewiesen, ist es heute ein reine Zulage. Wurde sie früher nur im reinen Fahrdienst (Fahrer, Schaffner) bezahlt, wird sie heute vielfach auch für diverse andere Tätigkeiten als Pauschale bezahlt, soweit der für diese Tätigkeit eingesetzte Bedienstete eine Fahrberechtigung hat.

(Wesentliche) Fahrzeitveränderungen gab es in den letzten 50 oder 60 Jahren keine, grad mal wo ein, zwei Minuten rauf oder runter - eher aber rauf! Größere Verkürzungen gab es nur dort, wo lange Fahrzeiten aus früheren besonderen Bedingungen resultierten, welche einen Fahrzeitzuschlag erforderten, z.B. eingleisige Abschnitte, Bahnschranken, Kuppelendstellen, Fahrzeuge ohne Schienenbremsen etc. Nach Beseitigung dieser Hindernisse wurden die heiligen Fahrzeiten auf Druck der Gewerkschaft noch jahrzehntelang beibehalten.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!