Autor Thema: Letzter Wagen mit Unterleitung  (Gelesen 8214 mal)

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Revisor

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Letzter Wagen mit Unterleitung
« am: 19. Oktober 2010, 14:55:06 »
Der Eintritt des letzten Wagens mit Unterleitung in die HW zwecks Ausbau dieser nicht mehr benötigten Einrichtung war den Bediensteten verschiedener Abteilungen eine Feier wert. Dazu wurde dieser letzte Wagen, es war der G 804, geschmückt und mit Kranzschleifen versehen, die folgende Aufschriften trugen: 'Letzter Wagen', Strichelbogen - Dir deine ewige Ruhe, Tauschmagazin - Du Schuld der Suslage, Die Fahrer - Ein Lebewohl, Bestandteil-Werkstätte. Offenbar nahm man keineswegs ungern von dieser Ausrüstung Abschied.

In diesem Zusammenhang eine Frage an die germanistisch besser Gebildeten: Bitte was ist eine "Suslage"? Ich konnte trotz Wälzens diverser Wörterbücher bislang darauf keine Antwort finden.

95B

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #1 am: 19. Oktober 2010, 15:09:13 »
Ich glaube nicht, dass es den Begriff "Suslage" tatsächlich gibt. Kannst du eine Ausschnittvergrößerung posten, wo dieser Schriftzug zu erkennen ist?
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hema

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #2 am: 19. Oktober 2010, 15:16:19 »
Ich glaube nicht, dass es den Begriff "Suslage" tatsächlich gibt.
Vermutlich war es ein betriebsinterner "Fachbegriff", der sich für irgend einen (erschwerenden?) Zustand eingebürgert hatte.
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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #3 am: 19. Oktober 2010, 15:20:48 »
Ich glaube nicht, dass es den Begriff "Suslage" tatsächlich gibt. Kannst du eine Ausschnittvergrößerung posten, wo dieser Schriftzug zu erkennen ist?
Leider nicht sofort, da ich das Bild im Original nicht besitze.

95B

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #4 am: 19. Oktober 2010, 15:33:01 »
Leider nicht sofort, da ich das Bild im Original nicht besitze.
Dann eröffnen sich zusätzliche Optionen: S ist auf einer Tastatur gleich neben A, also könnte "Auslage" gemeint gewesen sein. Falls die Kranzschrift in Fraktur gemalt war, könnte zusätzlich noch eine Verwechslung zwischen ſ und f aufgetreten sein (auch wenn im Wort "Auslage" eigentlich ein rundes s verwendet werden müsste), was dann zur "Auflage" geführt hätte. Beides verständliche Begriffe im Gegensatz zur "Suslage" und sicher auch irgendwie im Unterleitungskontext interpretierbar.
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13er

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #5 am: 19. Oktober 2010, 15:33:37 »
Ich lehne mich jetzt etymologisch sehr weit aus dem Fenster und stelle folgende Hypothese auf.

Es gibt im Wienerischen etliche Wörter, die eine Verballhornung ausländischer Wörter darstellen. Möglicherweise stammt das Wort "Suslage" im Original aus dem Französischen (ähnlich wie Pompfüneber, usw.)? Wenn man es "Süßlaasch" ausspricht und die Ähnlichkeit zwischen F und S beobachtet, könnte es von "Fuselage" abstammen, womit man den Rumpf eines Flugzeugs bezeichnet. Flugzeuge waren in der damaligen Zeit sehr modern und gerade bei den Technikern/Bastlern beliebt und so könnten ein paar Werkstattler den Begriff in eben der (absichtlich oder nicht) mißverstandenen Form in die Suslage hingerettet haben als Rumpf der Tramway (hinmit wohl das Untergestell).

Zugegeben, nicht wahnsinnig überzeugend. Die Variante von 95B klingt besser, als "Auslage" bezeichnete man früher ja auch eine Investition bzw. auszugebendes/ausgegebenes Geld.
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

benkda01

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #6 am: 19. Oktober 2010, 16:10:42 »
Ich mutmaße, dass das aus der lateinischen Vorsilbe "sub-" == "sus-" kommt – das würde dann übersetzt "Tieflage" bedeuten...

hema

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #7 am: 19. Oktober 2010, 16:12:03 »
Möglicherweise stammt das Wort "Suslage" im Original aus dem Französischen (ähnlich wie Pompfüneber, usw.)? Wenn man es "Süßlaasch" ausspricht . . . .
Da würde ich mich durchaus anschließen. "Sous" heißt ja "unten" also könnte es grob als "untenliegenden Einrichtung" definiert werden.
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95B

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #8 am: 19. Oktober 2010, 16:50:11 »
Allerdings gibt es laut kurzer Webrecherche das französische Wort "souslage" gar nicht. Was ich aber gefunden habe: soufflage bedeutet in der Zusammensetzung "tôle de soufflage" Löschblech (zum Löschen von Lichtbögen), das ergibt im Zusammenhang mit der Unterleitung schon wieder mehr Sinn, vor allem, da ich mir vorstellen kann, dass so ein Löschblech vielleicht des öfteren getauscht werden musste. Vielleicht ist auf dem Kranz daraus dann die Suflage geworden, die durch eine Wechbuchsenverstablung beim Abschreiben zu "Suslage" wurde.
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Wattman

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #9 am: 31. Juli 2012, 23:00:24 »
Interessante Theorie, der zumindest bis jetzt niemand widersprechen kann.

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #10 am: 31. Juli 2012, 23:12:24 »
Möglicherweise stammt das Wort "Suslage" im Original aus dem Französischen (ähnlich wie Pompfüneber, usw.)? Wenn man es "Süßlaasch" ausspricht . . . .
Da würde ich mich durchaus anschließen. "Sous" heißt ja "unten" also könnte es grob als "untenliegenden Einrichtung" definiert werden.

Ich kenn das Foto und die Aufschriften auch schon länger und dachte bisher eigentlich immer an ein Zusammenziehen vom französischen "sous" (Unten) mit der wienerischen "..laasch", also einer typisch wienerischen Suslaasch' (Ähnlich wie "Schmieraasch")
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #11 am: 06. August 2012, 13:44:06 »
"Sus" lat. heißt "Schwein", "Sau". Könnte das damit etwas zu tun haben? Z.B. im Sinne von "miserable Lage"?

moszkva tér

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Re: Letzter Wagen mit Unterleitung
« Antwort #12 am: 06. August 2012, 13:49:03 »
"Sus" lat. heißt "Schwein", "Sau". Könnte das damit etwas zu tun haben? Z.B. im Sinne von "miserable Lage"?
Die "französische" Erklärung erscheint plausibler. Welcher Straßenbahner konnte seinerzeit schon Latein?

Im 19. Jahrhundert sind hingegen viele Fachausdrücke im Transportwesen aus dem Französischen übernommen worden und sind teilweise bis heute in der deutschen Alltagssprache lebendig:
z.B. Chauffeur - der Heizer = Lenker / Fahrer