Autor Thema: Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Zugverbindung Wien - Beograd?  (Gelesen 898 mal)

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Die Langzeit-Baustelle in Serbien wird (laut serbischen Medien) im Dezember 2024 fertig, dann werden die Züge auf der Strecke Beograd - Subotica mit 200 Km/h fahren. Der ungarische Abschnitt zwischen Budapest und Kelebia wird auch bald fertiggestellt. Der berühmte "Avala"-Zug der jahrzehntelang Serbien und Wien miteinander verbunden hat fuhr laut Stadtverkehr-Wiki zum letzten Mal im Februar (?) 2019. Der serbische Präsident sagte, dass bis Ende 2025 oder Anfang 2026 die Züge zwischen Beograd und Budapest durchgehend fahren werden. In Zukunft soll eine Fahrt zwischen Wien und Beograd weniger (!) als 5 Stunden betragen.

Gibt es von Seiten der ÖBB Pläne über die Wiederinbetriebnahme dieser Zugverbindung? Werden dann ÖBB-Züge auch in Serbien unterwegs sein?

juergenvith

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Der ungarische Abschnitt wird wohl kaum bald fertig gestellt. Die Arbeiten wurden letztes Jahr eingestellt.
Die Ausschreibung ging an den Orbán-Strohmannn Lőrinc Mészáros und chinesische Firmen, die Finanzierung sollte über einen chinesischen Kredit geschehen. Als sich abzeichnete, dass China kein ETCS mit EU-Zulassung liefern kann, ging plötzlich nichts mehr weiter. Ungarn hat dann im Schnellverfahren die Sanierung der Strecke Wien-Budapest aus dem Boden gestampft, als Ersatzauftrag für Mészarós. Innerungarische Züge wurden abschnittsweise komplett durch Busse ersetzt, die RJ mussten wegen ständiger Verspätungen in Wien gebrochen werden.
Wenn der Abschnitt zwischen Budapest und Kelebia baulich fertig gestellt wird, muss man wohl Jahre lang 100 km/h (ohne Zugsicherung) fahren, bis die ETCS-Ausstattung neu vergeben und gebaut wird.

Serbien erhält gerade fünf chinesische 200-km/h-Triebzüge. Nach offizieller Diktion für Verkehre nach Budapest. Mit einer ERA-Zulassung ist wohl nicht gerade übermorgen zu rechnen. Der tatsächliche Plan dürfte sein, die CRRC-Züge für die innerserbischen Verbindungen einzusetzen, um so die Stadler KISS für Einsätze nach Ungarn freizuspielen.

Klar, in der Zivilisation würden jetzt schon längst Fahrpläne und Umläufe ausgearbeitet. In den bestehenden politischen Verhältnissen dürfte es im günstigsten Fall aber noch einige Jahre dauern.

coolharry

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Also das die Verbindung bis Ungarn bis Dezember diesen Jahres fertig ist, kann ich irgendwie nicht glauben. Auf dem Stück zwischen Subotica und der Grenze ist lt. einem Satellitenbild von Anfang April, sehr viel nackte Erde. Und der Bereich beim Grenzzaun fehlt überhaupt noch komplett.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

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Die Informationen über die Fertigstellung des ungarischen Teils habe ich von hier: https://dailynewshungary.com/de/budapest-belgrade-railway-novi-sad-subotica/

coolharry

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Die Informationen über die Fertigstellung des ungarischen Teils habe ich von hier: https://dailynewshungary.com/de/budapest-belgrade-railway-novi-sad-subotica/

Das die Serben innerhalb ihres Landes bis Jahresende irgendwie fahren können, lass ich mir ja noch irgendwie einreden. Nach Budapest halte ich es aber für eher unwahrscheinlich. Auch wenn die Bilder der Baumaßnahmen beim Bahnhof von Subotica eher eine andere Spreche sprechen.

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Das Luftbild ist lt. Google Earth vom 29.03.2024. Auf ungarischer Seite erkennt man die Gleise. Auf serbischer Seite stehen zwar Masten, aber vom Gleis fehlt noch jede Spur. Auch der nackte Boden kommt mir für eine 200km/h Strecke noch sehr nackt vor. Bei uns wird sowas ja mittlerweile asphaltiert oder betoniert. Und beim Grenzzaun ist nichtmal die Trasse vorbereitet. Da ist aber bis 2026 ja eh noch Zeit.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

38ger

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Wenn man ab Dezember Subotica-Belgrad fertiggestellt hat, dann kann man vorerst ja ein paar Züge von Belgrad über Subotica nach Szeged einführen mit ordentlichen Anschlüssen nach Budapest und/oder ein paar Züge von Budapest nach Szeged bis Subotica verlängern mit ordentlichen Anschlüssen nach Belgrad. Selbst das wäre schon ein enormer Fortschritt!

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Den "Avala"-Zug könnte man mit der endgültigen Fertigstellung der Strecke Budapest - Beograd auch entsprechend bis Požarevac verlängern, wäre sicher interessant für die serbischen Gastarbeiter aus Wien  >:D.

Da ich aber selbst serbische Wurzeln habe kenne ich unsere Mentalität, die meisten werden auch weiterhin mit dem Auto fahren. 

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Da ich aber selbst serbische Wurzeln habe kenne ich unsere Mentalität, die meisten werden auch weiterhin mit dem Auto fahren.
Oder mit den günstigen Bussen die haufenweise zwischen Österreich und Serbien pendeln. So toll kann die Zugverbindung gar nicht sein wenn der Preis für die meisten zu hoch ist.

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Der Balkan ist europaweit eines der letzten schwarzen Löcher in Sachen Bahnverkehr. Ob Kroatien, Serbien (inkl. Kosovo), Bosnien/Herzegovina, Mazedonien, Albanien oder auch Griechenland...die sind in Sachen internationalem - und großteils auch inländischem - Zugverkehr sowas von rückständig, dass ich dort freiwillig ungerne die Bahn benützen würde. Slowenien ist da bereits ein gutes Stück weiter.
Die Haltestellen heißen "Dr.-Karl-Renner-Ring", "Simmering, Grillgasse" und "Kärntner Ring, Oper", Punkt. Stationsnamen haben geographisch korrekt und nicht irreführend zu sein.

38ger

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Der Balkan ist europaweit eines der letzten schwarzen Löcher in Sachen Bahnverkehr. Ob Kroatien, Serbien (inkl. Kosovo), Bosnien/Herzegovina, Mazedonien, Albanien oder auch Griechenland...die sind in Sachen internationalem - und großteils auch inländischem - Zugverkehr sowas von rückständig, dass ich dort freiwillig ungerne die Bahn benützen würde. Slowenien ist da bereits ein gutes Stück weiter.
Wobei Griechenland laut openrailwaymap.org zumindest die Hauptstrecken auf 160 - 200 km/h ausgebaut hat. In Bosnien, Mazegonien, Montenegro oder Albanien exestieren diese Geschwindigkeiten auf keiner Strecke.

coolharry

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Re: Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Zugverbindung Wien - Beograd?
« Antwort #10 am: 13. Mai 2024, 20:38:19 »
Der Balkan ist europaweit eines der letzten schwarzen Löcher in Sachen Bahnverkehr. Ob Kroatien, Serbien (inkl. Kosovo), Bosnien/Herzegovina, Mazedonien, Albanien oder auch Griechenland...die sind in Sachen internationalem - und großteils auch inländischem - Zugverkehr sowas von rückständig, dass ich dort freiwillig ungerne die Bahn benützen würde. Slowenien ist da bereits ein gutes Stück weiter.
Wobei Griechenland laut openrailwaymap.org zumindest die Hauptstrecken auf 160 - 200 km/h ausgebaut hat. In Bosnien, Mazegonien, Montenegro oder Albanien exestieren diese Geschwindigkeiten auf keiner Strecke.

Zum Thema Griechenland:
Griechenland bekommt sein Zug Sicherungssystem nicht hin. Korruption und Schlamperei sind eher die Regel als die Ausnahme. Dazu kommt ungeeignettes Personal. Siehe Eisenbahn Unfall von Tempi.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

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Re: Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Zugverbindung Wien - Beograd?
« Antwort #11 am: 14. Mai 2024, 07:46:33 »
Da ich aber selbst serbische Wurzeln habe kenne ich unsere Mentalität, die meisten werden auch weiterhin mit dem Auto fahren.
Oder mit den günstigen Bussen die haufenweise zwischen Österreich und Serbien pendeln. So toll kann die Zugverbindung gar nicht sein wenn der Preis für die meisten zu hoch ist.
Die Busverbindungen zwischen Wien und Serbien wurden in den letzten 20-30 Jahren massiv ausgebaut, heutzutage hat man von Erdberg aus täglich Verbindungen bis nach Beograd und in die anderen Regionen von Serbien. Der Zugverkehr auf der Strecke Wien - Budapest - Beograd ist mMn mit dem Ausbruch der Jugoslawienkriege stark zurückgegangen, bis zum Zerfall von Jugoslawien sind viele mit dem Zug gefahren da es zur damaligen Zeit noch nicht so viele Busverbindungen gab.

Und auch wenn die Züge wieder fahren würden und auch wenn mehrmals am Tag, die meisten werden damit nicht fahren. Die Gründe wären:
*) Mit dem Auto kann man stehen bleiben wo man will
*) Wir (Serben aber auch generell alle vom Balkan) haben zu viel Gepäck wenn wir in die Heimat fahren. Es kommt drauf an wo man genau in Wien wohnt, wenn man in Favoriten wohnt wo der Hauptbahnhof gleich vor der Nase ist wäre es kein Problem. Aber die meisten Serben leben (aus eigener Erfahrung) entlang der U3, vor allem in Ottakring und Rudolfsheim-Fünfhaus. Viele sind "faul" um am Stephansplatz in die U1 umzusteigen und deswegen fährt man doch lieber nach Erdberg >:D.