Autor Thema: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen  (Gelesen 1455 mal)

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Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« am: 10. September 2021, 16:42:38 »
Vielleicht nicht wirklich oft, aber doch liest man ab und zu von komischen bis zu gefährlichen Situationen mit automatischen Türen ... mitgeschleift, Gliedmaßen verloren, tot. Ich erinnere mich noch, wie auf Grund eines Vorfalles in Wien die Türen der E1 und E2 irgendwie umgerüstet wurden.

Gerade hab ich irgendwo wieder einen Artikel gelesen.

Gemeinsamkeit aller dieser Berichte/Unfälle:

Person fuchtelt im noch offenen Bereich der sich schließenden Tür im Glauben an einen vorhandenen und aktivierten Lichtschranken, der die Tür zum Reversieren bringt. Lichtschranken nicht vorhanden oder Zentrales Schließen, Türfühlerkante nicht vorhanden oder reagiert nicht, Tür ganz geschlossen.

Ich verstehe dieses Verhalten der Personen nicht. Eine Person in meinem weiteren Bekanntenkreis hat mich einmal darauf angesprochen, wie gefährlich doch diese Türen sind (eigenes Erlebnis). Ich bin darauf vom Wohnzimmertisch aufgestanden und hab gesagt, komm, ich zeig Dir was.

Ich bin zur Wohnzimmertür, die Person hinter mir, und hab die Tür in die Hand genommen und versucht, sie dieser Person vor der Nase zuzuknallen. Die Person hat die Tür ergriffen und offen gehalten, um durchzugehen.

Ich habe nur gesagt: "Und warum hast Du das dort nicht auch so gemacht?" Schweigen.

Die Personen fuchteln bis zum letzten Moment im Spalt herum (manchmal auch, bis es zu spät ist), anstatt so wie in meinem Beispiel das Türblatt einfach anzufassen.

Ich verstehe es nicht.

Klingelfee

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #1 am: 10. September 2021, 17:15:41 »
Ich verstehe es auch nicht. Überhaupt auf der U-Bahn.

Ich erlebe es dort regelässig, dass eben Leute noch während des Schließvorganges versuchen einzusteigen. Oder aber bei bereits geschlossenen Türen hingehen und versuchen die Türen nochmals zu öffnen. Und das sind keine Einzelfälle.
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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #2 am: 10. September 2021, 17:28:14 »
Ich verstehe es auch nicht. Überhaupt auf der U-Bahn.

Ich erlebe es dort regelässig, dass eben Leute noch während des Schließvorganges versuchen einzusteigen. Oder aber bei bereits geschlossenen Türen hingehen und versuchen die Türen nochmals zu öffnen. Und das sind keine Einzelfälle.
Nun ja: Wenn man egoistisch ist, kann ich es ja noch nachvollziehen, dass man nach dem vollständigen Schließen Türen von Ux oder 4020 noch aufzieht und einsteigt. Hier sehe ich auch - auch wenn ich es nicht mache - eigentlich nicht wirklich eine Gefahr. Im Gegenteil, die Fahrer ziehen dabei sogar den Schwanz ein und stoppen den gerade angefahrenen Zug. Würde ich als Fahrer nicht machen und den Zug trotz abgeschalteter Motorleistung einfach weiterrollen lassen.

Und wenn ein ÖBB-Tf trotz einer noch einsteigewilligen wartenden Menschentraube zentrales Schließen gibt, obwohl er auf Grund der Bogenlage nix sieht, dann greife ich auch ins offene Türblatt, um die unschuldigen Fahrgäste vor Beschmutzung durch den Türgummi zu schützen. Da eine solche Situation absehbar ist, stelle ich mir sogar vor dem Einsteigen strategisch auf, um das Türblatt im Griff zu haben.

Was ich nicht verstehe ist, dass zulaufende Fahrgäste freiwillig und vollständig einen Körperteil unwiderruflich einem zur Abfahrt bereiten Zug übergeben, in der Hoffnung, dass die Tür irgendwie doch noch aufgeht.

Klingelfee

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #3 am: 10. September 2021, 17:39:16 »
Ich verstehe es auch nicht. Überhaupt auf der U-Bahn.

Ich erlebe es dort regelässig, dass eben Leute noch während des Schließvorganges versuchen einzusteigen. Oder aber bei bereits geschlossenen Türen hingehen und versuchen die Türen nochmals zu öffnen. Und das sind keine Einzelfälle.
Nun ja: Wenn man egoistisch ist, kann ich es ja noch nachvollziehen, dass man nach dem vollständigen Schließen Türen von Ux oder 4020 noch aufzieht und einsteigt. Hier sehe ich auch - auch wenn ich es nicht mache - eigentlich nicht wirklich eine Gefahr. Im Gegenteil, die Fahrer ziehen dabei sogar den Schwanz ein und stoppen den gerade angefahrenen Zug. Würde ich als Fahrer nicht machen und den Zug trotz abgeschalteter Motorleistung einfach weiterrollen lassen.

Und wenn du das machst, dann stehst du irgendwann wegen fahrlässiger Körperverletzung, wenn nicht gar wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Erinnere dich bitte an den Vorfall am Enkplatz vor einigen Jahren, wo ein Kind zu Tode gekommen ist.
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4498

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #4 am: 10. September 2021, 18:02:04 »
Der am Enkplatz hat nicht geschaut und nicht gesehen, was er macht. Außerdem hat bei dem die Türkontrolle anscheinend nicht geleuchtet, sonst wäre er nicht regulär mit Motorantrieb in die Zippererstraße gekommen.

Wenn ich bei einem abfahrenden Ux oder 4020 die Tür aufziehe, kriegt das der Fahrer durch die Leistungsabschaltung auf alle Fälle mit und kann entscheiden, wie er sich verhält.

Und das, was laut Deiner Aussage (tatsächlich) zu Anklagen des Fahrers führen kann, ist bei der ÖBB (und anderswo, zum Beispiel in Deutschland) behördlich genehmigtes Verfahren: Blindes zentrales Schließen und Mitschleifen, weil die Tür die Gefahr nicht zurückmeldet.

Klingelfee

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #5 am: 10. September 2021, 18:37:53 »
Der am Enkplatz hat nicht geschaut und nicht gesehen, was er macht. Außerdem hat bei dem die Türkontrolle anscheinend nicht geleuchtet, sonst wäre er nicht regulär mit Motorantrieb in die Zippererstraße gekommen.

Wenn ich bei einem abfahrenden Ux oder 4020 die Tür aufziehe, kriegt das der Fahrer durch die Leistungsabschaltung auf alle Fälle mit und kann entscheiden, wie er sich verhält.

Und das, was laut Deiner Aussage (tatsächlich) zu Anklagen des Fahrers führen kann, ist bei der ÖBB (und anderswo, zum Beispiel in Deutschland) behördlich genehmigtes Verfahren: Blindes zentrales Schließen und Mitschleifen, weil die Tür die Gefahr nicht zurückmeldet.

Mag sein, dass die ÖBB blind anfahren darf. Bei der U-Bahn darfst du es nicht.

Und unabhängig davon, ob man es darf oder nicht. Bei einem Unfall hast du dann die Anklage. Die bekommst du im übrigen sogar, wenn du einen eindeutigen Selbstmörder hast.
Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. In so einen Fall kommt es zwar nie zu einem Verfahren, aber die Anklage hast du.
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haidi

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #6 am: 10. September 2021, 19:03:38 »
Und unabhängig davon, ob man es darf oder nicht. Bei einem Unfall hast du dann die Anklage. Die bekommst du im übrigen sogar, wenn du einen eindeutigen Selbstmörder hast.
Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. In so einen Fall kommt es zwar nie zu einem Verfahren, aber die Anklage hast du.
Die Anzeige durch die Polizei bei der Staatsanwaltschaft und das ist aus Gründen der verfassungsmäßigen Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebung, Verwaltung (unter anderem Polizei) und Justiz. Der Polizist darf nicht entscheiden, wer an einem Unfall Schuld hat. Er muss bei Unfällen mit Verletzten die Beteiligten ohne Unterschied bei der Staatsanwaltschaft anzeigen (das ist noch keine Anklage), die dann entscheidet, ob sie und wem gegenüber sie ein Strafverfahren einleitet.
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Alex

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #7 am: 10. September 2021, 19:08:00 »
Ich verstehe die ganze Diskussion darum nicht. Wenn die Türen zugehen, dann hat niemand in dem Bereich etwas verloren. Entweder ist der Zug abgefertigt, dann ist er weg und es hilft auch ein Ziehen an einer Tür nichts mehr, etwas daran zu ändern, oder die Tür schließt sich automatisch, dann warte ich bis sie zu ist und öffne sie wieder.
Ich empfehle allen Wienern, die wirklich glauben, einem U-Bahn-Zug nachlaufen zu müssen oder mit aller Gewalt eine Tür offen halten zu müssen, sich einmal in ländliche Gefilde zu begeben, wo dreimal am Tag der Bus und alle 1-2 Stunden ein Zug kommt. Da lernt man, pünktlich zu sein und man lernt, wie egal 3, 5, 7,5 oder vielleicht 10 Minuten sind, kommt man halt ein bisschen zu spät.
Ich sag immer - "An zu spät kommen ist noch keiner gestorben!"


Und genau so erziehe ich auch meine Kinder. Die Kunst liegt darin, sich die Zeit einzuteilen und rechtzeitig aufzubrechen und nicht darin, zu wissen, wie man mit Gewalt einen Zug am Abfahren hindert.

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #8 am: 10. September 2021, 19:27:21 »
Und was noch bei diesen Unfällen dazu kommt, ist die psychische Belastung.

Wie gesagt, ich habe einen tödlichen Unfall auf der U-Bahn und habe diesen Unfall auch relativ locker weggesteckt. Ich habe aber Kollegen und Kolleginnen, die nach so einem Vorfall extrem lange im Krankenstand sind und auch nachdem nicht mehr fähig sind, den Dienst als U-Bahnfahrer wieder aufzunehmen. Oder aber, dass sie dann nach einiger Zeit dann ohne einen wirklichen weiteren Vorfall, den Zug dann einfach stehen lassen, weil ein knapp stehender Fahrgast ein Trauma auslöst.

@4498: Also soviel dazu, dass das Fahrpersonal aus Angst im Anlassfall den Zug nochmals einbremst.
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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #9 am: 10. September 2021, 19:43:34 »
Wenn ich bei einem abfahrenden Ux oder 4020 die Tür aufziehe, kriegt das der Fahrer durch die Leistungsabschaltung auf alle Fälle mit und kann entscheiden, wie er sich verhält.

Nein, er darf nicht entscheiden, wie er sich verhält.

Im Übrigen ist eine Anzeige keine Schuldzuweisung, sondern nicht mehr und nicht weniger als eine Sachverhaltsdarstellung.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
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haidi

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #10 am: 10. September 2021, 20:01:29 »
Nach Abfertigung mit "Türen schließen", Signalton oder beim Zugehen der Türen hat sich niemand mehr in den Türbereich zu begeben. Der Fahrer hat sich vor dem Abfahren im Rahmen seiner Vorschriften davon zu überzeugen, dass die Türen geschlossen sind und niemand eingeklemmt ist.
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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #11 am: 11. September 2021, 08:32:33 »
Wenn ich bei einem abfahrenden Ux oder 4020 die Tür aufziehe, kriegt das der Fahrer durch die Leistungsabschaltung auf alle Fälle mit und kann entscheiden, wie er sich verhält.
Nein, er darf nicht entscheiden, wie er sich verhält.
Wir verwenden unterschiedliche Hilfsverben. Ich rede von "können", Du redest von "dürfen".

Natürlich habe ich keinen Einfluss darauf, wie sich eine Diskussion entwickelt, aber ich wollte mit dem ersten Beitrag hier eigentlich auf etwas anderes hinaus, und ich hab ihn deshalb unter "Straßenbahn Wien" eingeordnet, wo es gar kein zentrales Schließen gibt.

Ich wollte diskutieren, warum sich anscheinend die Mehrheit der Menschen bei automatischen Türen selbstgefährdend verhalten. Aaaaalso: Beim Ulf, der ja kein zentrales Schließen hat und der Lichtschranken immer in Funktion ist, fuchteln die Leute lieber auf der Suche nach einem Lichtschranken im immer kleiner werdenden Spalt herum, anstatt einfach das Türblatt anzugreifen - so wie sie es bei jeder anderen Tür (Federkraft) auch gewohnt sind.

Und das ist gefährlich und Ursache all der einschlägigen Unfälle - wurscht ob mit oder ohne zentralem Schließen.

haidi

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #12 am: 11. September 2021, 11:40:51 »
Ich wollte diskutieren, warum sich anscheinend die Mehrheit der Menschen bei automatischen Türen selbstgefährdend verhalten. Aaaaalso: Beim Ulf, der ja kein zentrales Schließen hat und der Lichtschranken immer in Funktion ist, fuchteln die Leute lieber auf der Suche nach einem Lichtschranken im immer kleiner werdenden Spalt herum, anstatt einfach das Türblatt anzugreifen - so wie sie es bei jeder anderen Tür (Federkraft) auch gewohnt sind.
Woher weißt du, was die Leute gewöhnt sind und was soll das angreifen des Türblattes bringen? Man kann das Türblatt an jeder Stelle der Fläche angreifen, es wird nichts bringen. Im Türbereich zu wacheln hilft z.B. bei alten Aufzügen ohne Innentüren. An unserer Dienststelle wurde ein derartiger Aufzug mit einem Lichtvorhang ausgerüstet. Da hast nur die Hand durchstrecken brauchen, ging die Türe auf. Und wenn er in Fahrt war und es kam ein Hindernis in den Türvorhang, blieb er automatisch stehen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #13 am: 11. September 2021, 13:10:24 »
Wie wäre es mit Druckknopf betätigen? Wenn der schon ausgeschaltet ist (Freigabe gelöscht), dann hilft Dir der Lichtschranken auch nicht mehr.

95B

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Re: Menschliches Verhalten und Einklemmen in automatischen Türen
« Antwort #14 am: 11. September 2021, 19:48:57 »
Wie wäre es mit Druckknopf betätigen?

Das funktioniert nur bei Niederflurfahrzeugen und eingeschalteter Freigabe.
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