Autor Thema: Warum Unterschied: Lichtzeichen (Schienenverkehr) zu Ampel (Straßenverkehr)?  (Gelesen 14019 mal)

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gibsea106

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Hi !


Wie ist das historisch erklärbar, dass Kreuzungen Schiene-Straße nur mit "nix" und "rot", während Kreuzungen Straße-Straße mit "grün" und "rot" geregelt werden?

Ja, es sind 2 verschiedene Gesetze.
Aber warum? Wo steckt der Sinn dahinter?

Grund meiner Frage sind die (in meinen Augen) häufigen Unfälle auf "lichtzeichengeregelten" Bahnübergängen.

Wäre es für unkonzentrierte, abgelenkte und schlecht ausgebildeten Straßenverkehrsteilnehmer dienlich dass auch Bahnübergänge mit "grün" und "rot" geregelt werden?

Würde mich über Antworten freuen,
LG Martin

haidi

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Hi !


Wie ist das historisch erklärbar, dass Kreuzungen Schiene-Straße nur mit "nix" und "rot", während Kreuzungen Straße-Straße mit "grün" und "rot" geregelt werden?

Ja, es sind 2 verschiedene Gesetze.
Aber warum? Wo steckt der Sinn dahinter?

Grund meiner Frage sind die (in meinen Augen) häufigen Unfälle auf "lichtzeichengeregelten" Bahnübergängen.

Wäre es für unkonzentrierte, abgelenkte und schlecht ausgebildeten Straßenverkehrsteilnehmer dienlich dass auch Bahnübergänge mit "grün" und "rot" geregelt werden?
Weil die Bahnübergänge die Querung von nicht der StVO unterliegenden Verkehrsflächen betrifft.

Die Bahnübergänge (BÜ) haben mit Absicht kein Grünlicht, weil an sich auch auf mit Lichtzeichen oder Schranken "gesicherten" Bahnübergängen der Fahrzeugführer bzw der Fußgänger sich davon überzeugen muss (müsste), dass er den BÜ sicher queren kann, d.h. wenn die Lichtzeichen am BÜ gelb oder rot anzeigen, dann ist sicher, dass ein Zug kommen wird, wenn sie finster sind, ist es nicht sicher, dass kein Zug kommt. Ein Grünlicht würde diesem Gedanken widersprechen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

95B

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Abgesehen davon: Kann man ein nicht leuchtendes Grünlicht übersehen? 8)
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
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gibsea106

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Weil die Bahnübergänge die Querung von nicht der StVO unterliegenden Verkehrsflächen betrifft.

Ja, das ist ja eh bekannt.

Aber wer hatte seinerzeit die Idee die Straßenkreuzungen auch mit "grün" zu signalisieren, und wer hatte seinerzeit die Idee die BÜ ohne "grün" zu signalisieren?

Und, vor allem, warum hatten diese Menschen diese Idee?
Das versteh ich nicht.
Beamtentum?
Oder steht da ein Sinn dahinter?

lg Martin

hema

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Haidi hat es dir eh schon erklärt, auch bei offenem Schranken oder finsterem Rotlicht musst du dich überzeugen, ob ein gefahrloses Queren der Bahnanlage möglich ist! Macht halt leider kaum wer.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Katana

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Was aber noch zu klären ist, ist der Unterschied zwischen "finster" und "grün". Meiner Meinung nach lässt er sich anhand der Straßenkreuzung gut erklären. "Grün" gilt lt. StVO §38 (4) als "Freie Fahrt", zumindest für Geradeausfahrende. Bei "grün" braucht man, im Gegensatz zu "finster", nicht auf sonstige Vorrangregeln (z.B. Rechtskommende) achten, ausgenommen auf Einsatzfahrzeuge.

gibsea106

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Danke für Eure Antworten.

..., auch bei offenem Schranken oder finsterem Rotlicht musst du dich überzeugen, ob ein gefahrloses Queren der Bahnanlage möglich ist!
Genau.

..., ist der Unterschied zwischen "finster" und "grün".
Und deshalb darf ein Bahnübergang vermutlich kein "grün" zeigen.

Zu meiner Ausgangsfrage nach der "Historie"; Ich seh das nun so:
Zu Beginn des Bahnverkehrs waren nur Fuhrwerke, Pferde, Fußgänger usw. unterwegs und die Eisenbahn hatte immer Vorrang.
Und somit ist das auch mit den ersten KFZ so geblieben.
Danke, habe es verstanden.


Theoretische Abhilfe, damit unaufmerksame KFZ-Lenker nicht allzuoft auf Bahnübergängen verunfallen:
Damit der Straßenverkehr ein "Grün" auf Bahnübergängen bekommt müßten die Schienenfahrzeuge ein Lichtsignal mit korrespondierendem "Rot" bekommen.
Eher nix für die Praxis.


Ich habe diese Thema übrigens aufgrund des heutigen (16.3.22) KFZ-Unfalls am Bahnübergang der WLB in Möllersdorf/Traiskirchen eröffnet.
Wohne ums Eck (Eigenheimsiedlung/Blumensiedlung); gibt alle 10 Jahre einen tödlichen Unfall hier.
Und frage mich, was man besser machen kann.
Unfallursache war bisher immer "Unachtsamkeit" der KFZ-Lenker.

Verwirrend sind für mich die Ampelanlagen der 2 Fahrspuren aus Richtung Gumpoldskirchen kommend.
Aus welcher Richtung das heute verunfallte KFZ kam weiß ich nicht.
Hat jemand nähere Infos?


LG Martin

Katana

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Zu meiner Ausgangsfrage nach der "Historie"; Ich seh das nun so:
Zu Beginn des Bahnverkehrs waren nur Fuhrwerke, Pferde, Fußgänger usw. unterwegs und die Eisenbahn hatte immer Vorrang.
Und somit ist das auch mit den ersten KFZ so geblieben.
Danke, habe es verstanden.
Es ist nicht deshalb so, weil es immer so war, sondern weil sie wegen der Bremswege zwangsweise Vorrang haben muss. Andernfalls müsste sie bei jedem Bahnübergang mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Theoretische Abhilfe, damit unaufmerksame KFZ-Lenker nicht allzuoft auf Bahnübergängen verunfallen:
Damit der Straßenverkehr ein "Grün" auf Bahnübergängen bekommt müßten die Schienenfahrzeuge ein Lichtsignal mit korrespondierendem "Rot" bekommen.
Eher nix für die Praxis.
Wieso soll ein Grün für die Autos das Missachten des Rot reduzieren?

Klingelfee

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Wieso soll ein Grün für die Autos das Missachten des Rot reduzieren?

Du musst es umgekehrt sehen

Viele Autofahrer verlassen sich bei Grün darauf, das von der Seite nichts kommt. Und dies kann bei einer Eisenbahnkreuzung tödlich sein.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

95B

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Zu meiner Ausgangsfrage nach der "Historie"; Ich seh das nun so:
Zu Beginn des Bahnverkehrs waren nur Fuhrwerke, Pferde, Fußgänger usw. unterwegs und die Eisenbahn hatte immer Vorrang.
Und somit ist das auch mit den ersten KFZ so geblieben.
Danke, habe es verstanden.
Es ist nicht deshalb so, weil es immer so war, sondern weil sie wegen der Bremswege zwangsweise Vorrang haben muss. Andernfalls müsste sie bei jedem Bahnübergang mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Eisenbahnen fahren nicht auf Sicht (außer in Ausnahmefällen, das ist aber alles in den Vorschriften geregelt und für Nichteisenbahner bedeutungslos).
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
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Katana

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Zu meiner Ausgangsfrage nach der "Historie"; Ich seh das nun so:
Zu Beginn des Bahnverkehrs waren nur Fuhrwerke, Pferde, Fußgänger usw. unterwegs und die Eisenbahn hatte immer Vorrang.
Und somit ist das auch mit den ersten KFZ so geblieben.
Danke, habe es verstanden.
Es ist nicht deshalb so, weil es immer so war, sondern weil sie wegen der Bremswege zwangsweise Vorrang haben muss. Andernfalls müsste sie bei jedem Bahnübergang mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Eisenbahnen fahren nicht auf Sicht (außer in Ausnahmefällen, das ist aber alles in den Vorschriften geregelt und für Nichteisenbahner bedeutungslos).
Ich habe auch nichts zum Fahren auf Sicht gesagt, ich wollte erklären, dass Eisenbahnen bei Eisenbahnkreuzungen zwangsweise Vorrang gegenüber allen Querenden haben müssen.

95B

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Ich habe auch nichts zum Fahren auf Sicht gesagt, ich wollte erklären, dass Eisenbahnen bei Eisenbahnkreuzungen zwangsweise Vorrang gegenüber allen Querenden haben müssen.

Und das ist so, weil sie nicht auf Sicht fahren.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
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Katana

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Wieso soll ein Grün für die Autos das Missachten des Rot reduzieren?

Du musst es umgekehrt sehen

Viele Autofahrer verlassen sich bei Grün darauf, das von der Seite nichts kommt. Und dies kann bei einer Eisenbahnkreuzung tödlich sein.

Jetzt verstehe ich dich genau so wenig wie @gibsea, der will doch offensichtlich durch "Grün" die durch Unaufmerksamkeit verursachten Unfälle (bei "Rot" fürs Auto) reduzieren.

Theoretische Abhilfe, damit unaufmerksame KFZ-Lenker nicht allzuoft auf Bahnübergängen verunfallen:
Damit der Straßenverkehr ein "Grün" auf Bahnübergängen bekommt
müßten die Schienenfahrzeuge ein Lichtsignal mit korrespondierendem "Rot" bekommen.

Ich habe auch nichts zum Fahren auf Sicht gesagt, ich wollte erklären, dass Eisenbahnen bei Eisenbahnkreuzungen zwangsweise Vorrang gegenüber allen Querenden haben müssen.

Und das ist so, weil sie nicht auf Sicht fahren.
Dann haben wir unterschiedliche Ansichten, was Auf-Sicht-fahren bedeutet. Für mich heißt es, dass ich vor auf der Fahrbahn bzw. am Gleis liegenden oder stehenden Hindernissen anhalten kann. Nicht, dass ich vor nur wenige Meter vor mir hereinkommenden Hindernissen anhalten kann.

gibsea106

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Es ist nicht deshalb so, weil es immer so war, sondern weil sie wegen der Bremswege zwangsweise Vorrang haben muss.
Sehe ich auch so.

Theorie (keine Praxis; und kein Wunsch von mir...):
Wenn aber Schienenfahrzeuge außerhalb ihres Anhalteweges ein "Rot" haben, korrespondierend zu einem "Grün" des Straßenverkehrs über den Bahnübergang dann würde es funktionieren.

Wieso soll ein Grün für die Autos das Missachten des Rot reduzieren?
Sehr gute Frage; danke dafür!
Vielleicht ist das ja im Unterbewußten die Ursprungsfrage zu diesem Thread.

Meine Gedanken dazu:
Straßenbenützer sind konditioniert auf Lichtsignale (vulgo Ampel).
(Vergleiche dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Konditionierung).

Im täglichen Straßenverkehr haben Straßenverkehrsbenutzer (besonders bei Geradeausfahrt wie bei Bahnübergängen) ampelgeregelte Kreuzungen mit den Farben "Rot" ("Gelb") und "Grün".

Ich stelle hiermit die Behauptung auf, dass diese Benutzer auf die Farben "Rot" und "Grün" besser konditioniert sind als auf "Rot" und "Nix".
(Abgesehen davon, daß allgemein unaufmerksam gefahren wird...).

Meinungen Eurerseits zu meinen Gedanken?
Hauptberufliche Psychologen hier anwesend?
Würde mich freuen.

LG Martin

Silentium

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Verwirrend sind für mich die Ampelanlagen der 2 Fahrspuren aus Richtung Gumpoldskirchen kommend.
Aus welcher Richtung das heute verunfallte KFZ kam weiß ich nicht.
Hat jemand nähere Infos?


https://noe.orf.at/stories/3147655/
anbei der Bericht vom orf.at, vielleicht helfen dir die Fotos schon