Autor Thema: [RU] Wladikawkas  (Gelesen 4381 mal)

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dalski

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[RU] Wladikawkas
« am: 30. Mai 2018, 11:06:17 »
Wladikawkas (russisch: Владикавказ, ossetisch: Дзæуджыхъæу) ist eine russische Großstadt und zugleich die Hauptstadt der Teilrepublik Nordossetien-Alanien. Der Name der Stadt bedeutet ''Beherrsche den Kaukasus'' (vgl. Wladiwostok ''Beherrsche den Osten'') und liegt in einer ziemlich interessanten Region.
Bedingt durch seine Lage - Georgien und Tschetschenien sind nicht mehr als eine Autostunde entfernt - gibt es hier eine ziemlich große Sprach- und Völkervielfalt. Am stärksten vertreten sind Osseten und Russen, wobei die russische Sprache im Alltag dominiert. Ossetisch wird allerdings auch oft verwendet, eine Sprache, die dem Persischen nahe steht, aber allerdings mit kyrillischen Buchstaben geschrieben wird.
Das österreichische Außenministerium betont, dass ohne eine Bestätigung des nordossetischen Innenministeriums, welche die Sicherheit in ihrer Republik sicherstellt, eine Einreise nicht gestattet ist. Möglicherweise ist das dadurch begründet, dass im Jahre 2004 im nahegelegenen Beslan ein schwerer Terrorangriff (bzw Geiselnahme) mit 331 Toten stattgefunden hat (https://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Beslan).
Nachdem ich mich durch diverseste Reiseberichte durchgeforstet hatte und eine Freundin bei der österreichischen Botschaft kontaktiert hatte, konnte ich dann mit gutem Gewissen die Reise antreten. Seit diesem absolut schrecklichen Vorfall hat sich die Sicherheitslage merklich verbessert, womöglich auch dadurch, dass man russische Soldaten dort relativ oft antreffen kann und die Sicherheitsmaßnahmen genauer sind als in anderen Regionen.
Die Stadt selbst ist ziemlich nett, vieles wird gerade saniert und eine Fußgängerzone (mit permanenter musikalischer Beschallung aus Lautsprechern) hat man auch geschaffen.
Das Straßenbahnnetz besteht aus 9 Linien, die ausschließlich mit gebrauchten Tatra T3 aus Magdeburg oder Dresden betrieben werden.
Eine Fahrt ist mit 13 Rubel (17 Cent) selbst für russische Verhältnisse sehr günstig.
Bedingt durch teilweise schreckliche Intervalle und Bauarbeiten konnte ich nicht viele gute Fotos anfertigen, betrachten wir sie besser als ''Dokumentation''.
Weiters ziemlich kurios: ''Bimsurfen'' dürfte bei Jugendlichen in Wladikawkas ziemlich im Trend sein, wie das letzte Foto zeigt:  ;)
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martin8721

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #1 am: 31. Mai 2018, 11:32:27 »
Wahnsinn, aus welch entlegenen Ecken der Welt wir hier immer Bilder von dir erhalten - und auch die Hintergrundinfos immer hochinteressant!  :up:
Schönes Rasengleis haben sie jedenfalls.  :D

dalski

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #2 am: 10. Juni 2018, 19:05:44 »
Wahnsinn, aus welch entlegenen Ecken der Welt wir hier immer Bilder von dir erhalten - und auch die Hintergrundinfos immer hochinteressant!  :up:
Schönes Rasengleis haben sie jedenfalls.  :D
Naja, die haben ja auch kein Wiener Steppenklima..  ;D
Dafür gibt es dort ziemlich groß geratene Straßenbeleuchtung, die nicht unbedingt attraktiv erscheint:
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Nussdorf

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #3 am: 10. Juni 2018, 19:43:55 »
Tolles Ziel! Wie bist Du dort hingekommen?

dalski

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #4 am: 10. Juni 2018, 20:09:38 »
Tolles Ziel! Wie bist Du dort hingekommen?

Per Zug von Rostov am Don, eine ziemlich abenteuerliche Fahrt in den typischen russischen offenen Schlafwagen, die immer wieder zu interessanten Gesprächen führte.
Der Wagen war prall gefüllt mit Soldaten der Teilrepublik Ossetien, offensichtlich etwas ähnliches wie Grundwehrdiener. War ziemlich unterhaltsam, da der Anblick einer russischen Blondine diesen Jugendlichen jedes Mal total den Kopf verdrehte.
Auch die Schaffnerin war sehr herzlich, so hat sie den ''Ausländer'' extra in der Früh beim Vornamen begrüßt und über alles Mögliche ausgefragt.

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haidi

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #5 am: 10. Juni 2018, 20:52:48 »
Dafür gibt es dort ziemlich groß geratene Straßenbeleuchtung, die nicht unbedingt attraktiv erscheint:
Wenn du daran denkst, wieviele Stangl in Wien dafür gepflanzt worden wären.......
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

dalski

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #6 am: 14. Mai 2020, 11:23:15 »
Von Magdeburg nach Wladikawkas, diese Reise tritt ua der Tatra T4DM 1249 an, der am 19.05.2018 nun als Wagen 9 auf der Linie 9 die Улица Чапаева durchfährt.
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95B

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #7 am: 14. Mai 2020, 11:58:49 »
Interessant-monströse Mastkonstruktion – hoffentlich sieht das kein Wiener Magistratler! 8)
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

hema

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #8 am: 14. Mai 2020, 13:50:20 »
In Wien gewinnst' mit so was garantiert einen Designer-Award!  ;)
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

WIENTAL DONAUKANAL

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #9 am: 14. Mai 2020, 14:16:58 »
Interessant-monströse Mastkonstruktion – hoffentlich sieht das kein Wiener Magistratler! 8)

Werdet ihr aufhören, diese Epoche haben wir hinter uns. Die letzten Sprudler standen am Urban Loritz Platz bevor man das Zirkuszelt errichtete. Derzeit gefällt der Elefantenfuss Mast.

Natürlich ist die russische Lösung, zwei Ausleger mittels horizontalem Knotenblech zu verbinden, schon ein gewöhnungsbedürftiger Anblick.

Bimdose

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #10 am: 14. Mai 2020, 21:21:48 »
Ich möchte die neuerlichen Postings zu Wladikawkas zum Anlass nehmen, vielleicht ein kurzes Update zu geben. Ich war das letzte Mal vor rund einem Jahr dort und fand wieder eine Stadt mit toller Atmosphäre, netter Fuzo (mit Tram) und ein immenses Bemühen, den Betrieb mit geringsten Mitteln zu attraktivieren. Die Züge werden in Top-Lackierung restauriert und der eine T3 weiter oben in (weiß-) rot-weiß könnte glatt am 11er in kaiser-Ebersdorf fahren (pardon, aber ich habe dort mal gewohnt :) ) Der Straßenbahnbetrieb ging vor drei oder vier Jahren in Konkurs und wurde dann neu gegründet, wobei man and er alten Führung kein gutes Wort lässt und die jetzige sich sehr bemüht. Wir wurden zweimal nach Anmeldung im betrieb empfangen und nach dem ersten Mal waren wir am nächsten Tag sogar auf Seite Eins der Lokalzeitung - wir waren Exoten schauen und die haben auch Exoten gesehen. Die größere Überraschung: nach dem ersten Besuch vor mehreren Jahren kam unser Foto sogar in die Jubiläumsbroschüre des Verkehrsbetriebes und seitdem gibt es kein Leugnen mehr, dass ich dort war. Der großen Gastfreundschaft entgegen sprechen die riesigen Probleme, die es dort gibt. Die einstige Terror-Hauptstadt Grosny ist nur knapp über 100km entfernt, und vom Präsidenten der benchbarten Republik Tschetschenien sagen mir heute russisch Freunde, dass dieser Terrorist and er Staatsspitze die einzige Möglhckeit sein, die anderen Terroristen in der Republik in SChach zu halten. Ich wollte einmal bei einem Besuch einen Abstecher ins Tal des Elbrus machen (der größte berg Europas - ja, das ist immer noch Europa) und konnte wegen Terrorgefahr nicht ins Tal einfahren. Zur Anreise: Möglich ist es, sich als Tagesausflug ein Taxi vom Kurort Mineralnye Vody/Pjatigorsk und wieder zurück zu nehmen, da fährt man kilometerlang am Panorama des Kaukasus vorbei und hat mehrere Polizeikontrollen. Eine andere Möglichkeit außerhalb der Eisenbahn ist auch, direkt von Moskau hinzufliegen. Der Flughafen ist im benachbarten Beslan. Dort kann man auch die Schule Nummer Eins, den SChauplatz des Terroranschlages (und der völlig missglückten befreiung) ansehen. Mich hat außer dem Besuch des Atombomben-Domes in Hiroshima nichts mehr beindruckt als die als ewiges Denkmal stehengelassene Schule (ein paar Gassen weiter gibt es übrigens eine Gold-Statue vom Massenmörder Stalin). Wenn ich mich zurückerinnere, in der leeren SChulhalle zu stehen und an der wand und den Fenstern   die Bilder 300 getöter Kinder samt ihrer Spielsachen, Teddybären, Puppen, Sportbälle zu sehen, kommen mir heute noch die Tränen. Es ist unverständlich, was Lebewesen in Menschengestalt - Menschen waren das keine - anrichten können. Bei allen besuchen wurde die Fraqe diskutiert, ob man jetzt diese Sondergenehmigung zum besuch dieser Republik benötigt, und jedesmal ist eigentlich ein klares Nein herausgekommen. Es gibt offenbar einen Erlass der Zentrale, dass die Republik keine besonderen Papiere benötigt, aber: ja, richtig, das ist möglicherweise noch immer nicht jedem dort bekannt. Die Gastfreundschaft vor Ort ändert übrigens nichts dran, dass man nach dem Fotografieren sehr wohl von der Polizei angehalten werden kann, weil die von Zivilisten angerufen wurde, hier würde Leute soviel fotografieren. Das kostet zwar ein wenig zeit, ist aber (auch für mich ohne russiscch-Kenntnisse) völlig harmlos. Die eine Aufnahme mit dem "Rasengleis" dürfte übrigens der Beginn der Großen Georgischen Heeresstraße sein, die in ihren ersten paar hundert Metern von der (leider selten und unregelmäßig verkehrenden) Straßenbahn befahren wird. Dort befindet sich auch eine renovierte Schmalspur-Kindereisenbahn, mit der man natürlich (auch als Erwachsener) mitfahren kann. Ich kann einen besuch in Wladikavkas wirklich nur empfehlen - ja, ein kleines Abenteuer, aber eines, das sich lohnt.

T1

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Re: [RU] Wladikawkas
« Antwort #11 am: 15. Mai 2020, 07:57:00 »
Danke für deinen Bericht :)