Tramwayforum

Öffentlicher Verkehr national und international => Sonstiger öffentlicher Schienenverkehr => Thema gestartet von: 13er am 14. August 2011, 21:30:25

Titel: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 14. August 2011, 21:30:25
Berlin hat freilich mehr zu bieten als "nur" Tramway und U55. Jetzt bin ich dazugekommen, auch ein paar Fotos des restlichen ÖV der Stadt auszusortieren.

Wir beginnen unsere kleine Rundreise am Potsdamer Platz:

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Vor dem Krieg in den 20ern und 30ern das echte (Unterhaltungs-)Zentrum und ein riesiger Verkehrsknotenpunkt. Auch wenn ich es nicht verifizieren kann, habe ich von 26 Straßenbahn- und 5 Buslinien gelesen, die über den Platz verkehrten. Der erste enorme Rückschlag für den Potsdamer Platz war der 2. Weltkrieg, in dem der Platz so gut wie vollständig zerstört wurde. Das sollte aber nicht seine letzte Bedrohung gewesen sein:

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Ab 13. August 1961 verlief hier die Grenze zwischen zwei Ideologien, zuerst in Form von Stacheldraht und allen möglichen Baumaterialien, die man überall zusammensuchte, später in Form eines bizarr organisierten Todesstreifens entlang der Mauer aus Stahl und Beton. Heute dokumentieren an vielen Orten Berlins nur mehr zwei in die Straße eingelassenen Reihen Pflastersteine die jahrzehntelange Trennung. Wie man am oberen Foto im Hintergrund sieht, ist die Stadt zumindest architektonisch aber wieder völlig zusammengewachsen und mit dem Bahngebäude, dem Sonycenter usw. einer architektonischen Modernität verpflichtet, die für Wiener Augen in diesem großen Umfang gewöhnungsbedürftig ist:

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Heute befindet sich der größte Teil des Verkehrs auf diesem Platz unter der Erde, aber oben verkehrt zumindest die (unter Touristen) beliebte Buslinie 200, die (zusammen mit der Linie 100) unserer VRT ähnelt, aber viel mehr Sehenswürdigkeiten abdeckt und somit eine wesentlich längere Strecke hat. Auch Straßenbahngleise liegen am Platz bereit für eine mögliche zukünftige Linie. Wer weiß...

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Mit der in den späten 30ern erbauten Nord-Süd-Achse (die aufgrund eines großen Bauunglücks nicht mehr ganz bis zu den Olympischen Spielen vollendet werden konnte) der S-Bahn erreicht man von hier in einer Station das Brandenburger Tor.

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Bis zur Teilung der Stadt hieß diese Haltestelle noch "Unter den Linden". Diesen poetischen Namen benötigte man später für andere Pläne und so trägt die Station jetzt die Bezeichnung "Brandenburger Tor" (was für Touristen vorteilhafter erscheint).

In der DDR benötigte diese Haltestelle keinen Namen, da es sich um einen Geisterbahnhof handelte. Insgesamt gab es AFAIR 15 oder 16 solcher Geisterbahnhöfe, die mit Schrittgeschwindigkeit (15 km/h) ohne Halt durchfahren werden mussten, um (in der für die ganze Stadt von Ostberlin aus verwalteten und betriebenen S-Bahn) Westberliner Fahrgäste über Ostberlin wieder nach Westberlin zu befördern. Am Bahnsteig patroullierte die Transportpolizei und wie die diversen (MfS-)Einheiten hießen, natürlich niemals allein, um auch sie nicht in den Tunnels oder auf einem doch anhaltenden Zug in den Westen flüchten zu lassen (einige haben den Weg durch den Tunnel aber trotzdem geschafft, weswegen man später neben und zwischen den Gleisen Holzplanken mit Kontakten anbringen ließ, die bei Fluchtversuchen stillen Alarm gaben; ganz wenige haben es auf der Schiene balancierend dennoch aus der Menschenrechtshölle geschafft). Später traute man auch den Polizisten insgesamt nicht mehr, da errichtete man eigene abgemauerte Bereiche auf den Bahnsteigen, durch die jeweils nur Sehschlitze auf die Bahnsteige angebracht waren. Der einzige Mensch, der in den Geisterbahnhöfen anwesend sein und sich relativ frei (so weit man das so bezeichnen kann) bewegen durfte, war der Stellwerker. Es war sicher ein äußerst einsames Leben, wenn nicht gerade ein Fahrgast eine Zeitung oder ein Päckchen Kaffee aus einem Wagen auf den Bahnsteig warf.

Heute erinnert an diese schreckliche Zeit im Bahnhof eigentlich nur mehr das alte im typischen Grünton gehaltene Abfertigungshäuschen, auf dem man noch den alten Namen der Station in der (im Nationalsozialismus entworfenen und verbreiteten) Schriftart "Tannenberg" (die auch am Foto weiter oben vom Potsdamer Platz zu erkennen ist) lesen kann:

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Nun gut, wir verlassen die Station und schlendern vom Pariser Platz aus die Prachtstraße Unter den Linden hinunter. Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Straße wurde als Reit- und Flanierallee angelegt, die äußere Seite für die Reiter und die innere für Promenierende; getrennt von schönen Lindenbäumen. Heute ist nur mehr der innere Teil beschaulich, draußen - auf der ehemaligen Reitallee - brausen im starken Verkehr die Autos vorbei (auch wenn generell in Berlin "starker" Verkehr noch immer weniger Verkehr als bei uns auf einer ähnlich großen Straße bedeutet).

Wer zu faul zum Gehen ist, kann hier auch die Buslinie 100 mit ihren Stockbussen verwenden:

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Bequemerweise fährt auch ein Bus vom Flughafen Tegel hierher, der das Liniensignal TXL trägt:

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Früher wurde Unter den Linden übrigens von einer viergleisigen Ustrab unterquert. Nach Auflassung der Linie(n) wurden irgendwann die Rampen zugeschüttet, der Tunnel selbst könnte aber noch existieren? Vielleicht braucht man's ja noch irgendwann mal ;)

Nach kurzer Zeit gelangt man zur ebenso berühmten Friedrichstraße, die orthogonal zu Unter den Linden verläuft:

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Übrigens scheint auch in Berlin das Haltestellensystem so aufgebaut zu sein, dass jeder Haltestellenname nur einmal vergeben wird/werden kann. Besonders gemerkt habe ich das in der Kantstraße, in der so gut wie alle Haltestellen Kantstraße / ... heißen. Genauso seltsam wie bei uns.

In der Friedrichstraße könnte man nun an Sehenswürdigkeiten entweder zum Checkpoint Charlie abbiegen, der sich unmittelbar an der Haltestelle Kochstraße der U6 befindet:

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Wir gehen aber in die andere Richtung, zum Bahnhof Friedrichstraße:

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Dabei handelt es sich um einen sehr besonderen Bahnhof: Zu Zeiten der DDR war er der einzige auf diesem Gebiet, der nicht als Geisterbahnhof durchfahren wurde, sondern an dem Nah- und Fernreisende ein- bzw. umsteigen durften. Damit dabei kein Bürger unerlaubterweise ein-/ausreisen konnte, wurde ein enormer Aufwand betrieben: Der Bahnhof war in viele verwinkelte Gänge aufgeteilt, in denen die Paßkontrollen vorgenommen wurden. Die Bahnsteige oben waren baulich völlig getrennt. Damit meine ich jetzt nicht nur eine riesige bewachte (Glas-)wand zwischen Fernverkehr und S-Bahn, sondern auch die Schienen waren hier zwischen Ost- und Westlinien durchtrennt und mit Prellböcken gesichert. Fernverkehrszüge in Richtung BRD fuhren durch die gesamte DDR durch und hielten nach der Friedrichstraße erst wieder ab der Staatsgrenze.

Heute ist davon weder unten noch oben irgendwas zu erkennen:

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Nicht nur Züge, sondern die allermeisten Fahrgäste aus der Richtung am Foto hatten hier für Jahrzehnte absolute Endstation:

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Später wurde der Platz im unteren Bahnhofsbereich für den Andrang an ein- und ausreisewilligen zu eng und man errichtete einen Zubau, in den die Paßkontrolle ausgelagert wurde und der mit dem Bahnhof durch einen sicheren unterirdischen Tunnel verbunden war. Hier spielten sich oft herzzerreißende Szenen ab, daher bekam der Zubau bei den Berlinern den Namen "Tränenpalast". Von diesem habe ich leider kein besseres Foto, da er derzeit vollkommen saniert wird. Aber allein die Aufschrift lässt einem den Schauer über den Rücken rennen:

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Vom Bahnhof Friedrichstraße in Richtung Museumsinsel habe ich schon einmal bei der Tramway abgedrückt, warum dann nicht auch bei einem vorbeikommenden Bus:

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Auf der Museumsinsel fährt die S-Bahn übrigens in Richtung Alexanderplatz mitten durch die Museen durch. Mit dem richtigen Standpunkt, den ich nicht wirklich gefunden habe, wären da sicher eindrucksvolle Motive möglich:

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Wenn man dieses Ufer entlanggeht, kommt man wieder zurück zu Unter den Linden, aber auf der anderen Seite der Straße mit dem Dom, der Humboldt-Universität, der Neuen Wache etc. Hier erwartet uns auch schon ein 200er auf seinem Weg zum Bahnhof Zoo:

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Auf der anderen Seite etwas später vor den Grundmauern des Palasts der Republik, der von der DDR-Führung unter Benutzung von Asbest gebaut wurde, nachdem bereits einige Jahre bekannt war, welche Gefahr dieser Baustoff darstellt. Das Gebäude wurde inzwischen abgerissen, um das alte Stadtschloss in der einen oder anderen Form wieder aufzubauen:

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Da die Linien 100 und 200 ein besonders hohes Verkehrsaufkommen, hauptsächlich durch Touristen haben, verkehren sie in eher chaotischen Intervallen:

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Ansonsten darf man aber durchaus die preußische Pünktlichkeit strapazieren, um die BVG zu beschreiben!

So, abschließend habe ich nur noch einige wenige Bilder, die ich in einen zweiten Beitrag verfrachte. Ich weiß, der Text ist diesmal sehr (über-)ausführlich geworden, aber Berlin ist eine faszinierende Stadt, nicht zuletzt wegen ihrer Teilung und, im besonderen, was diese für das Verkehrsnetz bedeutete.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 14. August 2011, 21:39:32
So, ich mach's kurz mit einigen weiteren Impressionen.

Am Alexanderplatz bei der U2:

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Wegen Bauarbeiten(?) verkehrt derzeit anstelle der U1 und U2 zusätzlich eine neue Linie U12:

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Wer sich über die frühere Haltestelle "Betriebsausweiche" am Wiener 31er lustig gemacht hat, der wird schön schauen, dass es in Berlin einen U-Bahnhof "Gleisdreieck" gibt :)

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Die Anzeigen funktionierten stets völlig verlässlich. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran, dass man das glauben darf, was draufsteht, und dass dieses noch dazu aussagekräftig und informativ ist :D Wenn man's trotzdem nicht versteht, kein Problem: Die Durchsagen gibt es auch in schön gesprochenem Englisch.

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Und schließlich am S- (und U-)Bahnhof Zoo. Ehemals berüchtigt für seine Szene, ist heute davon kaum noch etwas erkennbar außer ein paar Obdachloser, die ihr erschnorrtes Geld für eine Currywurst und eine "Molle" ausgeben:

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Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 58 am 15. August 2011, 00:48:34
Sehr nette Impressionen!  :)

Und schließlich am S- (und U-)Bahnhof Zoo. Ehemals berüchtigt für seine Szene, ist heute davon kaum noch etwas erkennbar außer ein paar Obdachloser, die ihr erschnorrtes Geld für eine Currywurst und eine "Molle" ausgeben:

Als ich letzten Mai dort war, hat der Bahnhofsvorplatz allerdings schon einen etwas unguten Eindruck hinterlassen...

Auf der Museumsinsel fährt die S-Bahn übrigens in Richtung Alexanderplatz mitten durch die Museen durch. Mit dem richtigen Standpunkt, den ich nicht wirklich gefunden habe, wären da sicher eindrucksvolle Motive möglich:

Das folgende Motiv, gemeinsam mit dem Alex, hab' ich gefunden. Hatte allerdings auch nicht viel Zeit aufgrund zweier eher weniger ÖPNV-interessierter Mitreisender:  :D
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 41 am 15. August 2011, 01:20:11
Als ich letzten Mai dort war, hat der Bahnhofsvorplatz allerdings schon einen etwas unguten Eindruck hinterlassen...
Geht wahrscheinlich etwas bergab mit dem Zoo seitdem der Hauptbahnhof da ist.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 15. August 2011, 01:48:04
Als ich letzten Mai dort war, hat der Bahnhofsvorplatz allerdings schon einen etwas unguten Eindruck hinterlassen...
Geht wahrscheinlich etwas bergab mit dem Zoo seitdem der Hauptbahnhof da ist.
Angeblich geht's sogar bergauf mit dem Zoo, genau deswegen! :) Ich kann's aber schwer beurteilen, ich habe schon von meiner letzten Reise 1994 keinen so schlechten Eindruck vom Bahnhof Zoo (obwohl ich davor natürlich schon die Kinder desselben gekannt habe und mir das Schlimmste erwartete). Sicher ist der Hardenbergplatz nach wie vor kein Hort der Freundlichkeit und Wärme, aber da fallen mir viele Haltestellen in Wien ein, wo es schlimmer aussieht. Der Praterstern vor dem Umbau war mindestens so abgef*ckt. Mindestens.

Edit: Ja, die Perspektive ist schön, merk ich mir fürs nächste Mal! :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 15. August 2011, 08:19:06
Ihr denkt beim Bahnhof Zoo nur an das Schlimmste.  ;)
Mir fällt nur ein ausgezeichnetes Kinderbuch ein, dass als Thema hat, dass Emil nicht beim Bahnhof Zoo, sondern Friedrichstraße aussteigen muss. Natürlich hält er sich nicht dran, aus nachvollziehbaren Gründen, und dann macht er auch noch mit seinen neuen Freunden, den Detektiven, am Nollendorfplatz einen Langfinger dingfest.  :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 15. August 2011, 20:33:47
Hier gibt es übrigens eine gute Dokumentation über die Berliner S-Bahn, die ja lange vom Westen boykottiert wurde:

www.1961-1989.de | Die Berliner S Bahn - Ein Ost West Problem - Doku in 3 Teilen von 1982 - Teil 1 (http://www.youtube.com/watch?v=jUM-U9zS5dc#)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 15. August 2011, 21:41:07
Wer sich über die frühere Haltestelle "Betriebsausweiche" am Wiener 31er lustig gemacht hat, der wird schön schauen, dass es in Berlin einen U-Bahnhof "Gleisdreieck" gibt :)
Die BVG haben mit ihren seltsam klingenden Haltestellennamen ein gutes Geschäft gemacht: Sie verkauften Unterwäsche mit entsprechendem Aufdruck: So gab es beispielsweise Damenunterwäsche "Gleisdreieck" oder Herrenunterwäsche "Rohrdamm".
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 15. August 2011, 21:54:47
Die BVG haben mit ihren seltsam klingenden Haltestellennamen ein gutes Geschäft gemacht: Sie verkauften Unterwäsche mit entsprechendem Aufdruck: So gab es beispielsweise Damenunterwäsche "Gleisdreieck" oder Herrenunterwäsche "Rohrdamm".
Ich würde ja ein Kopfbekleidungsgeschäft aufmachen und es "Onkel Toms Hüte" nennen :D
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: MK am 17. August 2011, 00:42:47
Danke für die Bilder, allerdings möchte ich zum Thema "ÖV im geteilten Berlin" einige Korrekturen/zusätzliche Informationen anbringen.

Bahnhof Friedrichstraße
Der Bahnhof Friedrichstraße lag zwar im Ostsektor, wurde aber nach dem Mauerbau in zwei Teile geteilt. Es gab den "Westteil", den man nur vom Westen aus erreichen konnte und in dem man sich im Wesentlichen frei bewegen konnte, und den "Ostteil", den man nur vom Osten aus erreichen konnte. Zwischen den beiden Teilen lag u.a. der erwähnte Tränenpalast, der zur Ausreise aus der DDR diente.

Fahrkarten konnte man in beiden Teilen kaufen: im Westteil gegen Westgeld und im Ostteil gegen Ostgeld. Die im Westteil gegen Westgeld verkauften NV-Fahrkarten waren allerdings keine "normalen" West-BVG-Fahrkarten, sondern wurden von der Ost-BVG ausgegeben und nur in der West-S-Bahn und in der West-U-Bahn anerkannt, nicht aber in den West-Bussen. (Dies war nur für Bürger der Bundesrepublik relevant, DDR-Bürger hatten in West-Berlin Freifahrt.) Umgekehrt wurden die gegen Ostgeld verkauften Fahrkarten natürlich nur von der Ost-BVG anerkannt.

Eisenbahnfahrkarten wiederum waren zwar grundsätzlich überall gültig, allerdings gab es einige Zeit lang die Bestimmung, dass nur DDR-Bürger Fahrkarten ins nichtsozialistische Ausland gegen Ostgeld kaufen durften.

Im Westteil verkaufte die DDR nicht nur Fahrkarten, sondern auch Zigaretten und Alkoholika gegen Westgeld, um einiges billiger als im Westen, da sie keine Steuern oder Zoll zahlen musste - eine schöne Deviseneinnahmequelle für die DDR. Die Einfuhr nach West-Berlin war allerdings verboten und es gab stichprobenartige Zollkontrollen in den Zügen in West-Berlin.

U-Bahn
Die U-Bahn fuhr auch noch nach der Spaltung der BVG in die BVG-West und die BVG-Ost 1949 unverändert weiter; die Mehrheit der Linien wurden zu BVG-West-Linien, die mit Westzügen und Westpersonal auch im Ostsektor fuhren. Dazu gab es noch eine BVG-Ost-Linie und eine gemeinsam betriebene Linie. Aufgeteilt wurde auch das Streckennetz (ungefähr nach Sektorengrenzen) und die Stromversorgung (recht unabhängig von den Sektorengrenzen, abhängig von den bestehenden Stromleitungen).

Der Fahrgast merkte davon nichts; er konnte mit Westfahrscheinen, die er um Westgeld gekauft hatte, auch im Ostsektor fahren; umgekehrt konnte man mit Ostfahrscheinen in den Westsektoren fahren. Der Betrag der Tarife war zu Beginn gleich (allerdings bei Kauf in den Westsektoren in Westgeld und bei Kauf in den Ostsektoren in Ostgeld zu zahlen).

Nach dem Mauerbau wurde zunächst der Betrieb beidseitig unterbrochen, d.h. es wurde jeweils zur letzten Wendemöglichkeit im jeweiligen Sektor gefahren. Im Westen war man darauf vorbereitet: als beim Aufstand 1953 die DDR bzw. die Sowjetarmee alle U-Bahn-Linien an der Sektorengrenze unterbrach,  konnte die BVG-West manche Stationen gar nicht mehr bedienen, weil Wendeanlagen fehlten. Daher baute man aus Sicherheitsgründen an jedem Grenzbahnhof eine Wendeanlage, die nun genutzt wurden.

Einen Tag später begann dann der Transitbetrieb: zwei Linien, die im Westen begannen und endeten, aber durch den Osten fuhren, hielten bis auf den Bahnhof Friedrichstraße nicht mehr im Osten. Die Netze waren jetzt endgültig getrennt; es gab das Westnetz mit Transitstrecken durch den Osten, das Ostnetz und keine Gleisverbindungen zwischen den Netzen.

Dabei gab es einen Streit zwischen BVG-West und der DDR. Die BVG-West erkannte nämlich die DDR und die Schließung der U-Bahnhöfe nicht an und wollte weiter auf den "Geisterbahnhöfen" halten (gegebenenfalls auch nur symbolisch). Die DDR verlangte umgekehrt ein Durchfahren ohne Geschwindigkeitsreduktion; schließlich wurde vereinbart, dass die Züge mit 15 km/h, später mit 25 km/h durch die Bahnhöfe fahren.

Die Geisterbahnhöfe waren in den Westplänen zunächst weiter verzeichnet (man erkannte die Schließung ja nicht an), in der DDR waren sie nicht existent (man mauerte z.B. die Eingänge zu). So kam es zu der Kuriosität, dass der Bahnhof "Walter-Ulbricht-Stadion" 1973 in "Stadion der Weltjugend" unbenannt wurde - und man diese Änderung ausschließlich in westlichen Plänen sah.

Übrigens gab es außer den Kontaktplatten noch eine weitere, sehr perfide Art der Sicherung: drei übereinander angeordnete Lichtschranken. Ein Zug löste stets alle drei Lichtschranken zur selben Zeit aus, ein Mensch hätte allerdings entweder nicht alle oder alle, aber zu unterschiedlichen Zeiten ausgelöst. Trotzdem gelang mindestens einem Techniker gemeinsam mit seiner Familie die Flucht (er nutzte einen Betriebstunnel, in dem keine Lichtschranken waren, und legte das letzte Stück in den Westen in einem Zug zurück, den er zuvor durch Signalmanipulation angehalten hatte).

Der Transitbetrieb blieb im Wesentlichen ohne Änderungen bis zum Mauerfall bestehen.

S-Bahn
Bei der S-Bahn stellte sich die Situation etwas anders dar: hier hatte nämlich kurz nach Kriegsende die "Deutsche Reichsbahn" die Betriebsrechte für (Gesamt-)Berlin erhalten. Das ist auch der Grund, warum die DDR-Staatsbahn den Namen "Deutsche Reichsbahn" übernahm, obwohl man ansonsten alle "Reichs"-Bezeichnungen entfernte.

Das heißt, dass die S-Bahn im gesamten Berlin unter DDR-Regie fuhr und ein gemeinsames Netz betrieben wurde. Zu zahlen war für Weststreckenabschnitte in Westgeld, für Oststreckenabschnitte in Ostgeld.

Mit dem Mauerbau kam es auch hier zur Streckenunterbrechung und zur Einrichtung von Transitstrecken mit dazugehörigen Geisterbahnhöfen, durch die die S-Bahn im Gegensatz zur U-Bahn mit unverminderter Geschwindigkeit fuhr. West- und Ostnetz waren zwar linienmäßig getrennt, allerdings gab es im Bahnhof Friedrichstraße noch eine Gleisverbindung.

Nach dem Mauerbau begann der S-Bahn-Boykott in West-Berlin (mehr dazu im von 13er eingebetteten Video). Nicht in der Doku (da 1982 entstanden) erwähnt ist, dass 1984 die Betriebsrechte der West-Berliner S-Bahn an die BVG-West übergingen. Allerdings wurde zum Teil weiter mit DR-Personal gefahren. Nach dem Mauerbau blieb bis Ende 1993 der gemeinsame Betrieb der Berliner S-Bahn von BVG und DR erhalten (jetzt natürlich mit grenzüberschreitenden Linien), danach ging das gesamte Netz an die DB.

Fernzüge (Transitzüge)
Auch die Fernzüge wurden in West-Berlin von der DR betrieben. Durch West-Berlin fuhren ausschließlich Transitzüge, also Züge, die die Relation Bundesrepublik - West-Berlin befuhren. Diese (D-)Züge hielten in der Bundesrepublik "normal", also nur an wichtigen Bahnhöfen, dann am letzten Bahnhof im Westen, am ersten Bahnhof im Osten, (ggf. an Bahnhöfen im Osten zum Lokwechsel), am letzten Bahnhof vor West-Berlin, in West-Berlin am Bahnhof Zoo (später auch in Spandau und Wannsee) und endeten im Westteil des Bahnhofs Friedrichstraße. Teilweise fuhren die Züge danach als normale Züge weiter zum Ostbahnhof und ins Ausland (es gab z.B. einen Zug Paris - Moskau, der über Berlin fuhr und gleichzeitig Transitzug Bundesrepublik - West-Berlin war).

Grundsätzlich galt, dass man bei solchen Zügen im Osten nicht ein- oder aussteigen durfte. Allerdings gab es immer wieder (auch kurzlebige) Ausnahmen, z.B. durften bei manchen Grenzübergängen manchmal Bürger der Bundesrepublik auf Besuchsreise am ersten Bahnhof im Osten aussteigen, oder DDR-Bürger, denen die Ausreise genehmigt wurde, am letzten Bahnhof im Osten einsteigen. Die DDR-Transportpolizisten fuhren nur zwischen dem ersten und dem letzten Bahnhof im Osten mit.

Es gab zwei Phasen bei den Transitzügen:
- Zwischen 1961 und 1972 (Inkrafttreten des Transitabkommens) wurden die Fahrgäste und ihr Gepäck sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise genauestens gefilzt; es wurde alles beschlagnahmt, was in der DDR verboten war (wie etwa westliche Zeitungen) und DDR-Flüchtlinge wurden verhaftet. Zusätzlich musste eine Gebühr für den Transit bezahlt werden.
- Ab 1972 wurde nur eine Passkontrolle im fahrenden Zug vorgenommen, es gab beim Gepäck keine Beschränkungen. Auch Verhaftungen durften nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Fluchthelfern oder Deserteuren) vorgenommen werden; die Transitgebühr wurde durch eine Pauschalzahlung der Bundesrepublik abgegolten.

Trotz des Namens konnte man die Transitzüge auch zur Ein- oder Ausreise in bzw. aus der DDR nutzen, indem man am Bahnhof Friedrichstraße die Grenzkontrollen durchlief.

Auch wenn dieses Posting etwas länger geraten ist, vielleicht interessiert ja den einen oder anderen dieser kleine Einblick in den öffentlichen Verkehr des geteilten Berlins.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 17. August 2011, 00:53:45
Jössas, den jungen Herrn kenn ich ja ;) Das ist mir aber eine große Freude, willkommen im Forum! :)

Auch wenn dieses Posting etwas länger geraten ist, vielleicht interessiert ja den einen oder anderen dieser kleine Einblick in den öffentlichen Verkehr des geteilten Berlins.
Sehr interessant, vielen Dank! :up: Ich hab mein Wissen hauptsächlich aus verschiedenen Webseiten und dem Buch "Geisterbahnhöfe - Westlinien unter Ostberlin" zusammengetragen, aber alles merkt man sich auf einmal auch nicht...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Konstal 105Na am 17. August 2011, 16:17:37
DDR-Bürger hatten in West-Berlin Freifahrt

Weißt du auch warum das so war?
Danke für das informative Posting!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 17. August 2011, 16:19:35
DDR-Bürger hatten in West-Berlin Freifahrt

Weißt du auch warum das so war?

Solidarität mit dem Nachbar in Not? Oder eine Art Kuhhandel für Entgegenkommen der DDR im Transitverkehr? Reine Vermutungen meinerseits.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 41 am 17. August 2011, 16:21:03
Weißt du auch warum das so war?
Höchstwahrscheinlich um ihnen zu zeigen, daß sie willkommen sind und daß im Westen alles besser ist. ;) Berlin war ein ziemliches Propagandaschlachtfeld beider Seiten.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: MK am 17. August 2011, 17:19:53
Jössas, den jungen Herrn kenn ich ja ;) Das ist mir aber eine große Freude, willkommen im Forum! :)

Danke!

Zitat
Sehr interessant, vielen Dank! :up: Ich hab mein Wissen hauptsächlich aus verschiedenen Webseiten und dem Buch "Geisterbahnhöfe - Westlinien unter Ostberlin" zusammengetragen, aber alles merkt man sich auf einmal auch nicht...

Das Buch kenne ich gar nicht - ist es empfehlenswert?

Übrigens würde ich mich gerade beim Thema DDR-Grenzregime nicht zu sehr auf Internetseiten oder Bücher verlassen - zu oft änderte die DDR (natürlich ohne offizielle Ankündigung) plötzlich ihre Praxis, und oft findet man in solchen Quellen nur eine Momentaufnahme. Mit Hilfe von Zeitzeugenberichten (die hier meist sehr zuverlässig sind - wer aus der DDR ausgereist ist, erinnert sich an den Tag bis ins letzte Detail ...) kann man immerhin eine ungefähre Datierung der verschiedenen Regelungen und Handhabungen vornehmen. So gab es z.B. verschiedene Regelungen, wer über den Bahnhof Friedrichstraße in den Westen ausreisen durfte, was allerdings ausschließlich über die Wegevorschrift auf dem Ausreisevisum bestimmt wurde.

DDR-Bürger hatten in West-Berlin Freifahrt

Weißt du auch warum das so war?

Solidarität mit dem Nachbar in Not?

So ungefähr. Die Mark der DDR war eine Binnenwährung und durfte nicht ausgeführt werden (bzw.: DDR-Bürger durften DDR-Mark bis zu einer bestimmten Obergrenze mitnehmen, aber mussten genau die Summe, die sie ausgeführt hatten, auch wieder einführen). Für Westreisen durften DDR-Bürger in der DDR eine kleine Menge Ostmark gegen Westmark tauschen - die Betonung liegt auf "kleine Menge". Daher gab es einerseits das Begrüßungsgeld (direkte Auszahlung von Westgeld) und andererseits zahlreiche Vergünstigungen von öffentlicher wie privater Seite. So konnte man als DDR-Bürger in West-Berlin nicht nur gratis ÖV fahren (ausgenommen S-Bahn bis 1984), sondern musste auch bei Museen, Schwimmbäder und beim Zoologischen Garten keinen Eintritt bezahlen, und so mancher Kneipenwirt spendierte gegen Vorzeigen eines DDR-Ausweises ein Freibier.

Zitat
Oder eine Art Kuhhandel für Entgegenkommen der DDR im Transitverkehr?

Nein, der DDR war egal, was ihre Bürger "drüben" im NV zahlen mussten. Die Gegenleistung der Bundesrepublik für das Transitabkommen war hartes Westgeld (Transitpauschale plus Infrastrukturmaßnahmen auf den Transitstrecken).
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: W_E_St am 18. August 2011, 11:01:10
Zitat
Heute befindet sich der größte Teil des Verkehrs auf diesem Platz unter der Erde, aber oben verkehrt zumindest die (unter Touristen) beliebte Buslinie 200, die (zusammen mit der Linie 100) unserer VRT ähnelt, aber viel mehr Sehenswürdigkeiten abdeckt und somit eine wesentlich längere Strecke hat.
Außerdem sind die Linien im Gegensatz zur VRT zum normalen Verbundtarif benutzbar, zumindest war das 2009 noch so.

Zitat
Wer sich über die frühere Haltestelle "Betriebsausweiche" am Wiener 31er lustig gemacht hat, der wird schön schauen, dass es in Berlin einen U-Bahnhof "Gleisdreieck" gibt :)
Auf der S-Bahn gibt es auch "Rummelsburg" und "Rummelsburg Betriebsbahnhof". Ein Name, der bei DDR-kundigen keine guten Assoziationen auslöst...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 18. August 2011, 11:11:16
Auf der S-Bahn gibt es auch "Rummelsburg" und "Rummelsburg Betriebsbahnhof". Ein Name, der bei DDR-kundigen keine guten Assoziationen auslöst...
Weil?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 18. August 2011, 11:13:59
–-> http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnis_Rummelsburg (http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnis_Rummelsburg)

@W_E_St: Ja, 100 und 200 sind mit der normalen Fahrkarte benutzbar!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 18. August 2011, 11:14:30
Weil?
http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnis_Rummelsburg (http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnis_Rummelsburg) :lamp:
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 02. September 2011, 17:21:18
Insgesamt gab es AFAIR 15 oder 16 solcher Geisterbahnhöfe, die mit Schrittgeschwindigkeit (15 km/h) ohne Halt durchfahren werden mussten, um (in der für die ganze Stadt von Ostberlin aus verwalteten und betriebenen S-Bahn) Westberliner Fahrgäste über Ostberlin wieder nach Westberlin zu befördern.

So viel waren's gar nicht. Von Norden nach Süden:

- Wollankstraße (oberirdisch, wurden eingehalten, nur von West-Berlin aus zugänglich)
- Bornholmer Straße (oberirdisch)
- Nordbahnhof (vorm. Stettiner Bahnhof)
- Oranienburger Straße
- Unter den Linden
- Potsdamer Platz

Zitat
Fernverkehrszüge in Richtung BRD fuhren durch die gesamte DDR durch und hielten nach der Friedrichstraße erst wieder ab der Staatsgrenze.
Nein, es gab in West-Berlin auch noch den Bhf. Zoologischer Garten, an dem Fernverkehrszüge hielten.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 02. September 2011, 19:35:38
So viel waren's gar nicht.
Doch, doch, es waren schon relativ viele. Wenn ich da mal das Buch "Geisterbahnhöfe" und die Wikipedia heranziehe:
* U6: (Reinickendorfer Straße, Ende des Westsektors) - Stadion der Weltjugend - Nordbahnhof - Oranienburger Tor - (Friedrichstraße) - Französische Straße - Stadtmitte - (Kochstraße, Beginn des Westsektors)
* U8: (Voltastraße) - Bernauer Straße - Rosenthaler Platz - Weinmeisterstraße - Alexanderplatz - Jannowitzbrücke - Heinrich-Heine-Straße - (Moritzplatz)
* Nordbahn: (Wollankstraße, vom Westen aus erreichbar, aber auf Ostgebiet) - Bornholmer Straße - (Gesundbrunnen)
* Nord-Süd-Bahn: (Humboldthain) - Nordbahnhof - Oranienburger Straße - (Friedrichstraße) - Unter den Linden - Potsdamer Platz - (Anhalter Bahnhof)

Also je nach Zählweise so um die 15 Stationen.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 05. September 2011, 11:13:31
So viel waren's gar nicht.
Doch, doch, es waren schon relativ viele. Wenn ich da mal das Buch "Geisterbahnhöfe" und die Wikipedia heranziehe:
* U6: (Reinickendorfer Straße, Ende des Westsektors) - Stadion der Weltjugend - Nordbahnhof - Oranienburger Tor - (Friedrichstraße) - Französische Straße - Stadtmitte - (Kochstraße, Beginn des Westsektors)
* U8: (Voltastraße) - Bernauer Straße - Rosenthaler Platz - Weinmeisterstraße - Alexanderplatz - Jannowitzbrücke - Heinrich-Heine-Straße - (Moritzplatz)
* Nordbahn: (Wollankstraße, vom Westen aus erreichbar, aber auf Ostgebiet) - Bornholmer Straße - (Gesundbrunnen)
* Nord-Süd-Bahn: (Humboldthain) - Nordbahnhof - Oranienburger Straße - (Friedrichstraße) - Unter den Linden - Potsdamer Platz - (Anhalter Bahnhof)
Also je nach Zählweise so um die 15 Stationen.
Ja, wenn man die U-Bahn-Stationen dazunimmt. Ich dachte, dein Posting bezog sich nur auf die S-Bahn, und habe daher in Meinem auch nur darauf Bezug genommen. Ansonsten hast du natürlich recht.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 06. September 2011, 16:05:41
Noch ein paar Anmerkungen zum angesprochenen Potsdamer Platz. Im Jahr 1908 passierten 35 Straßenbahn-Linien, darunter sogar einige Buchstaben-Linien den Verkehrsknoten. Im Netzplan von 1933 kann ich noch 28 Straßenbahn- und fünf Omnibus-Linien erkennen. Aufgrund des massiven Verkehrsaufkommens errichtete man 1924 im Zuge einer Platz-Umgestaltung die erste Ampel-Anlage in Deutschland.

PS: Ich habe noch was gefunden. Erich Giese, seines Zeichens Verkehrsingenieur, erfasste 1913 für das Berliner Straßenbahn-Netz die Anzahl der Fahrten im Strecken-Querschnitt. So fanden allein aus der Leipziger Straße 278 Fahrten pro Stunde (beide Richtungen) statt. Auf der Potsdamer Straße (zw. Potsdamer Platz und Reichspietschufer) waren es gar 308 Fahrten pro Stunde (beide Richtungen). 1925 waren es noch immerhin 184 Fahrten pro Stunde (beide Richtungen), was allerdings auf die massiven Linienbereinigungen im Zuge der Umstrukturierung der Straßenbahngesellschaften zurückgeht.

Der in der von 13er verlinkten Dokumentation angesprochene Einsturz der Baugrube der Nord-Süd-Bahn am 20.08.1935 zwang die BVG, eine 600m lange Umleitungsstrecke im angrenzenden Tiergarten zu errichten.

Der "Lindentunnel" wurde im Kriegsjahr 1914 angelegt. Er verfügte über eine viergleisige nördliche Einfahrt (in Höhe Dorotheenstraße 4, heute zwischen Dorotheenstraße und Am Festungsgraben) sowie zwei südliche Ausfahrten, bedingt dadurch, dass die drei beteiligten Straßenbahn-Gesellschaften eigene Rampen wollten. Sie wurden jeweils westlich und östlich der heutigen Staatsoper errichtet, die Gleise beider Ausfahrten mündeten schlussendlich doch in die Französische Straße... Weitere Informationen findet der geneigte Leser hier: http://www.berliner-verkehrsseiten.de/strab/Strecken/Lindentunnel/lindentunnel.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/strab/Strecken/Lindentunnel/lindentunnel.html). Es wurde mit Lichtsignalisierung gefahren und die Betriebsführung oblag drei Fahrdienstleitern. Letztmalig wurde der Lindentunnel im September 1951 befahren, in dieser Dekade verschwand die Straßenbahn fast vollständig aus dem Innenstadtbereich des Ost-Sektors.

Am U-Bahnhof Gleisdreieck war der Name tatsächlich einmal Programm. Die Anlagen wurden am 29.03.1908 als eingleisiges Gleisdreieck (also eingleisige Verbindung der Strecken aus Kreuzberg, vom Potsdamer Platz und von der Bülowstraße) eröffnet, was sich allerdings als folgenschwer erwies: Am 26.09.1908 verunglückten zwei Züge bei einer Flankenfahrt schwer, 18 Menschen starben. In der Folge wurde der Bahnhof umgebaut und der heutige Turmbahnhof errichtet.

Und noch eine Anmerkung zur U-Bahn-Linie U6: Erst 1996 wurden die letzten acht Bahnhöfe (darunter u.a. der U-Bhf. Friedrichstraße) verlängert, was dann den Einsatz von Sechs-Wagen-Zügen ermöglichte.

Wer weiter stöbern möchte, kann das am besten hier tun: http://www.berliner-untergrundbahn.de/ (http://www.berliner-untergrundbahn.de/)

Grüße, Tatra83
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 06. September 2011, 16:40:40
Herzlich willkommen im Forum, lieber Tatra, und danke für die super Infos und Links, die ich mir gleich mal reinziehen werd' :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 06. September 2011, 17:39:25
Vielen Dank für den freundlichen Empfang!

In deinem Ausgangspost hattest du einen der DFI-Anzeiger fotografiert, dazu gibt es auch noch ein wenig Wissenswertes. Das Software-System dahinter ist jenem in Wien nahezu identisch. Es handelt sich um den Echtzeit-Anteil "ivu.realtime" der Firma IVU, der in Wien gemeinsam mit dem RBL-Anteil "ivu.fleet" implementiert ist. In Berlin hängt das DFI-System, genannt DAISY (Dynamisches Auskunfts- und Informationssystem), am RBL für Bus und Straßenbahn und sorgt für die Verarbeitung der Echtzeitdaten und Weiterleitung an die Anzeigen. Die DFI-Anzeigen werden meist über den Tetrapol-Digitalfunk mit Daten, manche Anlagen werden über ein LAN versorgt. In der Anfangszeit (2003) wurde dem Fahrgast viel Murks an den Anzeigen zugemutet, vorallem Phantom-Busse und Bahnen, was aber meist an ungenauen RBL-Daten lag. Zum anderen wurde erst später die Löschung der angezeigten Abfahrt durch ein Abmelde-Telegramm eingeführt.
Ausfälle, wie man sie in Wien manchmal erlebt, sind allerdings in Berlin kaum zu beobachten. Seit 2005 gab es wohl nur einen dreitägigen Ausfall im Dezember 2007 im Zuge eines Release-Wechsels... *hüstel*

Interessant ist auch, dass die Echtzeit-Daten für das Monitoring und Controlling im Rahmen des Verkehrsvertrages verwendet werden. Bemerkenswert sind dabei die Aktivitäten des Center Nahverkehr Berlin: http://www.cnb-online.de/ (http://www.cnb-online.de/) Dort wird sowohl am Stadtentwicklungsplan Verkehr gearbeitet als auch das Verkehrsvertrags-Monitoring durchgeführt. Wirklich lesenswert sind dabei auch die Beiträge zu den CNB-Foren der Herren Orb (BVG, Berlin), Wettig (Senat, Berlin), Hoppe (DVB, Dresden) und Seifert (MVG, München) http://www.cnb-online.de/NVP-Foren.587.0.html (http://www.cnb-online.de/NVP-Foren.587.0.html). Dort geht es um ÖV-Beschleunigung und Attraktivierung des ÖPNV, also die Blaupausen für die vielgerühmten F59er...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Marc am 08. September 2011, 23:54:25
Fahrkarten konnte man in beiden Teilen kaufen: im Westteil gegen Westgeld und im Ostteil gegen Ostgeld. Die im Westteil gegen Westgeld verkauften NV-Fahrkarten waren allerdings keine "normalen" West-BVG-Fahrkarten, sondern wurden von der Ost-BVG ausgegeben und nur in der West-S-Bahn und in der West-U-Bahn anerkannt, nicht aber in den West-Bussen.

Gruß aus Berlin!
Hier sei kurz angemerkt, dass deine Schilderung abhängig von der Zeitepoche ist. Tatsächlich gab einen Fahrkartenschalter der Verkehrsbetriebe Ost im Westteil des Bahnhofes Friedrichstrasse, dieser wurde jedoch im Januar 1984 geschlossen. Folgend gab es komplizierte Regelungen und Möglichkeiten. So war es möglich im Ostteil des Bahnhofes bereits einen Fahrschein gegen Mark der DDR zu erwerben, um nach Westberlin zu fahren, man konnte aber auch im Westteil des Bahnhofes dieses Fahrschein aus dem Automaten ziehen, gegen Westmark.

Zur Vertiefung möchte ich den geneigten Lesern hier noch weitere Seiten zum Thema empfehlen, untersetzt mit spannenden Dokumenten gerade zu diesem Thema "Transit":

Transitverkehr in Berlin: Mit der U-Bahn durch Ostberlin!
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-bahn/Strecken/Transit/transit.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-bahn/Strecken/Transit/transit.html)

Das Online-Archiv zum Berliner Nahverkehr - Linienkarten, Dokumente und eine Fahrschein-Mustersammlung
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download)

Das umfangreiche Werk zur S-Bahn in Berlin - Geschichten rund um die S-Bahn, die in beiden Stadthälften fuhr:
http://www.stadtschnellbahn-berlin.de (http://www.stadtschnellbahn-berlin.de)

Viele Grüße von der Spree an die Donau
http://www.facebook.com/Berliner.Verkehrsseiten (http://www.facebook.com/Berliner.Verkehrsseiten)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 09. September 2011, 01:37:22
Hallo Marc! Herzlich willkommen hier im Forum und gleich einmal danke für die Links! Ich freue mich schon sehr auf meinen nächsten Berlinbesuch! :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Marc am 12. September 2011, 00:31:02
DDR-Bürger hatten in West-Berlin Freifahrt
Weißt du auch warum das so war?

1948, Einführung der Westmark. In den folgenden Jahren stieg der Wert der Westmark gegenüber der Ostmark immer mehr an, entsprechend stiegen die fahrpreise im Westen.
-> http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarifwesen/Tarifwesen_1949-1975-West/tarifwesen_1949-1975-west.html#BVG1949 (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarifwesen/Tarifwesen_1949-1975-West/tarifwesen_1949-1975-west.html#BVG1949)
Bürgern der DDR war es nicht möglich diese Fahrpreise zu entrichten, zu groß wurde dieser Unterschied zwischen den Werten. Bspw. kostete 1960 eine Fahrt mit der U-Bahn:
Ost: 20 Pfennig,  West 35 Pfennig
Die Ostmark wurde zu zeitweise 1:10 gegenüber der Westmark gehandelt.
Noch bis 1953 konnten Ostberliner bei der Reichsbahn Fahrscheine gegen Ostmark an den fahrkartenschaltern kaufen, auch in Westberlin. So bewegten sich die Ostberliner vorwiegend mit der Reichsbahn, um das wertvolle Westgeld nicht für eine Fahrkarte mit der BVG-West einzutauschen. Im Februar 1953 stellte die Reichsbahn die Abgabe der fahrscheine in Westberlin gegen Ostmark ein, Bürger der DDR hatten nun ein Problem. Nur um Mutter oder Oma im Westen zu besuchen benötigte man nun Westgeld, zumindest für die Rückfahrt.

Daher wurde schnell bei der West-BVG ein Sonderfahrschein B eingeführt, der zur einfachen Fahrt berechtigte und nur an DDR-Bürger abgegeben wurde. Bezahlt wurde dieser mit Ostmark. Da der Schaffner im Bus / Straßenbahn  nicht mit zwei Währungen hantieren sollte, gab es diese Fahrscheine nur im Vorverkauf an den Ausgabeschaltern (West). Kurios: Die BVG-Ost akzeptierte diese Fahrscheine nicht! Zur Fahrt mit der U-Bahn von Westberlin nach Ostberlin benötigte man also auch gleich einen Fahrschein für den Ostberliner Teil der Fahrt. Abbildungen solcher Fahrscheine unter: http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_SF/Tarif_Muster_SF/tarif_muster_sf.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_SF/Tarif_Muster_SF/tarif_muster_sf.html)

Mit dem Mauerbau 8/1961 wurden die Sonderfahrscheine nicht mehr benötigt. Ab 1963 konnte die ersten Rentner aus dem Osten wieder in den Westen fahren. Der Aufwand für diese wenigen Besucher aus der DDR nun wieder Ostfahrscheine gegen ostmark zu verkaufen (Abrechnung, Vorhaltung von Wechselgeld, Abrechnung) rechnete man gegen die unbegrenzte Freifahrt ...
In dieser Zeit gab es auch die Mittelhilfe, heisst umgangssprachlich "Begrüßungsgeld". Da die Besucher aus der DDR ja mittellos waren, mit der Ostmark im Westen nichts kaufen konnten, zahlte die Bundesregierung an jeden Besucher aus der DDR pro Jahr anfänglich 30 DM, später 100 DM:
http://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BC%C3%9Fungsgeld (http://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BC%C3%9Fungsgeld)

Klar, dass man mit dem Mauerfall 11/1989 plötzlich ein Problem hatte. Daher wurde diese Regelung auch schnell (31.12.1989) beendet und wieder Fahrscheine für den Westen gegen Ostgeld verkauft.
Auch mit Einführung der Westmark in der DDR (7/1990) blieben tarifliche Unterschiede erhalten, noch bis teilweise (bei den Zeitkarten) 1996!
Siehe Hinweis unter Signatur F_007: http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Textarchiv/Fahrschein/fahrschein.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Textarchiv/Fahrschein/fahrschein.html)

Wie man sich vorstellen kann, ein riesen Durcheinander! 6 Jahre nach der Wiedervereinigung  arbeiteten Ossis in Westberlin nach den höheren Westlohntabellen, Wessis in Ostberlin für den niedrigeren Ostlohn, Wessis zogen nach Ostberlin und Ossis nach Westberlin ohne die Arbeitsstelle zu wechseln. Alle nur denkbaren Kombinationen entwickelten sich da, kaum mehr klar zu erkennen, wer eigentlich Anspruch auf den günstigeren Osttarif noch hatte ...

Eine völlig durchgeknallte Zeit war das. Und der Tourist? Völlig verwirrt, denn schon wenige Jahre nach dem Abbau der Grenzanlagen (1990) war an vielen Stellen in der Stadt nur für das geübte Auge erkennbar, ob man sich in ex Ost- oder Westberlin befand. Der Berliner kannte sich aus oder konnte anhand von Strassenschildern, Gullydeckeln oder Laternenmaste die Strassen nach Ost oder West zuordnen. Entsprechend müssen wohl Touristen vor dem Fahrkartenautomat gestanden haben und gegrübelt haben, ob sie jetzt mit dem B-Fahrschein von Alexanderplatz nach Zoologischen Garten fahren dürfen (nein, durften damit nur in ex Ostberlin fahren). Dazu muss man sich aber auf dem Liniennetz gut auskennen, ob der Bus  einige Strassen durch Westberlin fährt, ehe er weiter in Ostberlin fährt ..
Bspw. für einen Fahrschein B-Tarif (Osttarif):
(http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_EA/Tarif_Muster_EA_1992/S_BTarif-1993_vs_B.jpg)
Auf der Rückseite die Kurzerklärung:
(http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_EA/Tarif_Muster_EA_1992/S_BTarif_1993_rs_B.jpg)

Bedeutet: Der Westberliner, Westdeutsche oder Ausländer (Tourist) darf mit diesem Fahrschein nur in ex Ostberlin fahren. Nur Ostdeutsche, die am 2.10.1990 (letzter Tag der DDR) wohnhaft auf dem Gebiet der DDR waren (also nicht die DDR-Bürger, die 1989 etwa über Ungarn/Österreich oder Prager Botschaft ausreisten ect. und nach 10/1990 wieder in ihre alte Heimat zogen) durften mit einem B-Fahrschein in ex-Westberlin fahren. Aber auch die wenigen Wessis, die noch vor der Wiedervereinigung 1990 in die DDR einbürgerten ... wie so das Leben den Weg der Liebe schreibt!

Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Durcheinander!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 12. September 2011, 08:06:59
Nur um Mutter oder Oma im Westen zu besuchen benötigte man nun Westgeld, zumindest für die Rückfahrt.
Gab es keine Hin- und Retourfahrkarten?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Marc am 12. September 2011, 17:10:07
Gab es keine Hin- und Retourfahrkarten?

Für die Zeit 1948 - 1961: Nein, nicht erforderlich.
Beispiel: Abfahrt in Ostberlin, Pankow  nach Westberlin, Neu-Westend.

Man stieg in Pankow in die U-Bahn und entrichtete dort gegen Ostmark das Fahrgeld. Die Fahrausweise wurden gegenseitig anerkannt, so konnte man mit der U-Bahn geruhsam nach Westberlin fahren. Nur eben für die Rückfahrt wäre der Fahrschein gegen Westmark zu entrichten gewesen, hätte dann bis nach Pankow Gültigkeit gehabt, solange man nicht umsteigen musste.

Nachteil: knausrige Westberliner in der Innenstadt liefen lieber eine Haltestelle "zurück" nach Ostberlin, um dort in die U-Bahn für Ostgeld einzusteigen (bis zur Trennung der Liniennetze Straßenbahn / Autobus 1952 auch hier). Kann man sich vorstellen, das ergab viel Ärger. Die Schaffner wechselten zwar ab 1949 an der Sektorengrenze, um zwei Geldtaschen mit Ost- und Westgeld zu vermeiden, jedoch blieben die Fahrgäste sitzen und konnten ihre Fahrt fortsetzen. Auch als man die Straßenbahnlinien aus politischen gründen unterbrach, behielten die Fahrscheine bei diesem "Umsteigen auf einen Wagen der gleichen Linien ab Sektorengrenze" ihre Gültigkeit, Die Fahrgäste sollten keine Nachteile durch die politisch erforderliche Linientrennung haben.

Auch Monatskarten hatten im jeweils anderen Stadtteil bis August 1961 Gültigkeit entsprechend Tarif.
So benötigte man also nur "Rückfahrscheine Ost", wie sie sich anfänglich nannten.

Das offizielle Zahlungsmittel in Westberlin war ab 1949 (!) die Westmark, daher wurde die Ostmark dort nicht angenommen. Das war daher eine Ausnahme, um die Rückfahrt zu ermöglichen. Anfänglich nur auf den Bus- und Straßenbahnlinien, die Richtung Sektorengrenze fuhren (waren ausdrücklich genannt), dann später auch für die U-Bahn und ab Sommer 1961 für das gesamte Netz in Westberlin. Umseitig des Fahrscheins fpr die Benutzung der Strassen- und Untergrundbahn stand:
(http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/SF_B_1956_rs.jpg)
Auf dem Fahrschein für den Omnibus:
(http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_SF/Tarif_Muster_SF/SF_B_3-1956_B_rs.jpg)

Ab Sommer 1961 wurde alles erlaubt:
(http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/Tarif_Fahrscheine/Tarife_SF/Tarif_Muster_SF/SF-B_4-1961_rs_B.jpg)

Mehr zum Tarifwesen in Berlin:
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/tarife.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/Download/Tarife/tarife.html)
oder bei facebook:
http://www.facebook.com/photo.php?fbid=253732721327689&set=a.221631991204429.62280.221473147886980&type=1&theater (http://www.facebook.com/photo.php?fbid=253732721327689&set=a.221631991204429.62280.221473147886980&type=1&theater)

Gruß  M
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 08. November 2011, 21:25:43
Sehenswert: S-Bahn Berlin: Zwischen den Gleisen wächst das Gras

Vor 30 Jahren - Zwischen den Gleisen wächst das Gras - Die S-Bahn in West-Berlin 1/3 (http://www.youtube.com/watch?v=Nzh1HFiH70A#noexternalembed)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 08. November 2011, 21:29:03
Zur S-Bahn ein kurzes Video von mir, in dem der Stettiner Bahnhof für einige Momente wieder zum Geisterbahnhof wird:

Berlin Nordbahnhof (http://www.youtube.com/watch?v=8s0-pfsOdvs#ws)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: W_E_St am 09. November 2011, 01:41:27
Abgesehen von einem Haufen widerlicher NS-Propaganda enthält dieser Film zu den olympischen Spielen 1936 einige schöne ÖV_Aufnahmen in Farbe:
Berlin 1935 in Farbe (http://www.youtube.com/watch?v=ywiHc6PCfWg#)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 10. November 2011, 08:47:37
Zur S-Bahn ein kurzes Video von mir, in dem der Stettiner Bahnhof für einige Momente wieder zum Geisterbahnhof wird:
Zu "Geisterbahnhof-Zeiten" hieß die Station allerdings noch "Nordbahnhof".

Edit: Sehe jetzt erst, dass zumindest die Aufschriften im Stationsbereich noch diese Bezeichnung tragen. Ich weiß nicht, wann die Umbenennung erfolgt ist.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 10. November 2011, 11:57:13
Edit: Sehe jetzt erst, dass zumindest die Aufschriften im Stationsbereich noch diese Bezeichnung tragen.
Der Nordbahnhof heißt auch heute noch Nordbahnhof.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Marc am 17. November 2011, 12:04:25
Edit: Sehe jetzt erst, dass zumindest die Aufschriften im Stationsbereich noch diese Bezeichnung tragen.
Der Nordbahnhof heißt auch heute noch Nordbahnhof.

95B meint sicherlich irrtümlicherweise den U-Bahnhof, Ferry bezieht sich auf den im Video abgebildeten S-Bahnhof.

Der U-Bahnhof (Strecke C, heute Linie 6) liegt unter der Chausseestraße, der gleichnamige S-Bahnhof (Nord/Süd-S-Bahn) vor der Invalidenstraße.
Beide Untergrundbahnhöfe trugen 1990 noch den Namen den einstigen Fernbahnhofes, der zwischen den beiden Bahnhöfen lag. Der U-Bahnhof trägt heute den Namen "Naturkundemuseum".

Chronik:
Der Stettiner Bahnhof (Lokal- und Fernverkehr) wurde 1842 als Endpunkt (Kopfbahnhof) für die Stettiner Bahn eröffnet (Stadt Stettin (http://de.wikipedia.org/wiki/Stettin)). Die Stadt Berlin verweigerte zu dieser Zeit die Führung von Bahnstrecken durch das Stadtgebiet, daher mussten die Bahnverwaltungen an der damaligen Stadtgrenze ihre Kopfbahnhöfe errichten. Reisende, die nur Umsteigen wollten bspw. von der Stettiner Bahn an der nördlichen Stadtgrenze zur Anhalter Bahn an der südlichen Stadtgrenze, mussten zunächst (um 1842) zwischen den Kopfbahnhöfen den städtischen Nahverkehr (Pferdebus- und -bahn) nutzen.
Mit dem zunehmenden Stadtverkehr wurden Hoch- und Untergrundbahnstrecken gebaut, die preussiche Eisenbahnverwaltung selbst durfte ab 1882 auch die Stadtbahn in Betrieb nehmen, die eine wichtige Ost-West-Verbindung darstellte. So erhielten nach und nach viele Kopfbahnhöfe einen Anschluß an das städtische Schnellbahnetz (heute als U-Bahn zusammengefasst) oder den bahneigenen Vorortverkehr (= Lokalbahnen), der ab 1924 schrittweise mit Gleichstrom-Triebzügen betrieben wurde (heute als S-Bahn  bezeichnet).

Der Krieg hat am Bahnhof Schäden hinterlassen, die aber reparabel gewesen wären. Aufgrund der Lage in Ostberlin, die Zuführung der Strecken verläuft jedoch über Westberlin (Gesundbrunnen) machte mit den aufkommenden Personenkontrollen ab 1951 Schwierigkeiten. Wie auch andere Kopfbahnhöfe in oder an Westberliner Strecken (bspw. Lehrter Bahnhof, Anhalter Bahnhof) wurde der Fernverkehr 1952 aufgegeben. Der Namensgeber, der Nordbahnhof, wurde geschlossen, die beiden Schnellbahnstationen (U+S-Bahn) behielten jedoch die Namen (wie auch bspw. "Görlitzer Bahnhof" oder "Anhalter Bahnhof" bis heute).
Ab August 1961 durchzog sich die Berliner Mauer genau quer über die Gleisanlagen, die Betriebswerkstatt für die Gleichstromzüge lag inmitten des Grenzgebietes. Mitarbeiter der Werkstatt und das beheimatete Fahrpersonal waren ausschliesslich Ostberliner, die Züge gelangten nach der Pass- Zollkontrolle im Tunnelbahnhof nur im Westnetz zum Einsatz. Aber das ist ein anderes Thema ...

Der Fernbahnhof Nordbahnhof + Betriebswerkstatt ist heute nicht mehr vorhanden, geblieben ist der kleine ältere Bahnhof für den Lokalverkehr, jedoch ohne Gleisanschluß (Denkmalschutz). Auf dem einstigen Gelände des Fernbahnhofes, der Betriebswerkstatt für die Gleichstromzüge befindet sich ein mehrteiliger Bürokomplex, der von der Deutschen Bahn genutzt wird (Verwaltungsbereiche von mehr als 50 Organisationseinheiten aller Geschäftsfelder des Konzerns). Die Kantine kann ich bestens empfehlen (öffentlich zugänglich).

U-Bahn Strecke C (heute mit der Linienbezeichnung 6), eröffnet 1923, Titel der Strecke bei Eröffnung: Nordsüdbahn, erste Schnellbahnverbindung in Nord-Süd-Richtung durchzieht die Stadt.
Die unterirdische Haltestelle unter der Chausseestr. Ecke Invalidenstraße wurde als "Stettiner Bahnhof", benannt nach dem etwa 300 Meter (oder: eine Tram-Haltestelle) entfernt in der Invalidenstraße gelegenen Kopfbahnhof.

S-Bahn Nord/Süd-Bahn:
zwischen 1936 und 1939 eröffnet, verbindet  im Norden die  Nord- und Stettiner Bahn unterirdisch durch das Stadtgebiet geführt mit der Potsdamer und Anhalter Bahn im Süden. Dieser Tunnel ist nur für die Gleichstromzüge der Berliner S-Bahn befahrbar (besonderes auf die Triebwagen abgestimmtes Lichtraumprofil). Der 4-gleisige Tunnelbahnhof (damals mit einer Betriebswerkstatt an der Oberfläche) wurde unter dem Namen Stettiner Bahnhof" eröffnet, verfügte über einen direkten Zugang in die Empfangshalle des Fernbahnhofes.

Bahnhofsnamen:
Nach Kriegsende gehörte die Stadt Stettin nicht mehr zu Deutschland. "Politisch korrekt" um jegliche Ansprüche auf ehemalige Gebiete der Volksrepublik Polen von der Hand zu weisen, benannte die Ostberliner Stadtregierung Dezember 1950 den Fern- und S-Bahnhof Stettiner Bahnhof um in Nordbahnhof und beruft sich nun auf die Nordbahn, die hier gleichsam endet und keine politischen Diskussionen aufkommen lässt.
Der U-Bahnhof der städtischen Untergrundbahn wurde erst im Januar 1951 in "Nordbahnhof" umbenannt.
Ab August 1961 (Mauerbau) spiellte der Name der beiden Tunnelstationen, an denen die Züge eh ohne Halt durchfuhren, keine Rolle.

1991 wurde der städtische Untergrundbahnhof in "Zinnowitzer Straße" umbenannt, da der Namensgeber "Nordbahnhof" ja im Stadtbild keinen Punkt mehr darstellt, die Zinnowitzer Straße eine größere Orientierungshilfe gibt als das brachliegende Bahngelände (zu dieser Zeit eine Sandwüste ehemaligen Grenzstreifens).

Das in der Invalidestrasse benachbarte Naturkundemuseum bot ab 2007 ihr Haus als Namensgeber an. Nach einigen Diskussionen um Geld, Entfernung zum Museum und Schleichwerbung wurde dem 2009 entsprochen.

So heisst der unterirdische S-Bahnhof (Deutsche Bahn) seit 1950 unverändert "Nordbahnhof" und erinnert an den damaligen Fernbahnhof. Touristen haben damit eine schlechte Orientierungshilfe.
Der unterirdische U-Bahnhof (städtische Verkehrsbetriebe, BVG) heisst heute "Naturkundemuseum".

Beide Bahnhöfe waren von 1961 - 1990 sogenannte Geisterbahnhöfe, da beide Bahnhöfe in Ostberlin gelegen von Zügen des Westnetzes ohne Halt durchfahren wurden. Daher werden in vielen Publikationen und Diskussionen (selbst unter Berlinern) diese beiden Bahnhöfe verwechselt, gerade wenn es um die Geschichte der beiden Stationen geht. Viele Berliner können auch die städtische U-Bahn mit den gelben Zügen von den S-Bahnzügen des DB-Konzerns mit der rot-gelben (= traditionelle Lackierung aus der Reichsbahnepoche der 20er Jahre, unter Verwendung der Deutschlandfarben schwarz-rot-gelb) nicht unterscheiden. Das ist besonders im Kundendienst zu bemerken (Fundbüro, Kundentelefon) aber auch in den Medien (Zeitungs- oder Fernsehbericht mit der Abbildung eines falschen Bahnhofes / Fahrzeuges).

Links:
Stellwerk U-Bahnhof Stettiner Bahnhof / Nordbahnhof / Zinnowitzer Straße / Naturkundemuseum:
http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-bahn/Stellwerke/Stw_Nf/body_stw_nf.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-bahn/Stellwerke/Stw_Nf/body_stw_nf.html)

Beschreibung S-Bahnhof Nordbahnhof:
http://www.stadtschnellbahn-berlin.de/bahnhof/bahnhof.php?bhf=339 (http://www.stadtschnellbahn-berlin.de/bahnhof/bahnhof.php?bhf=339)

Stadtplan und Luftbild (Der U-Bhf. ist noch nicht umbenannt):
http://binged.it/swityx (http://binged.it/swityx)

Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 01. März 2012, 11:34:42
Wie Eurailpress meldete ( http://www.eurailpress.de/search/article/view//berlin-verkehrsvertraege-mit-bvg-und-s-bahn-offen-gelegt.html (http://www.eurailpress.de/search/article/view//berlin-verkehrsvertraege-mit-bvg-und-s-bahn-offen-gelegt.html) ), sind die Verkehrsverträge zwischen dem Land Berlin und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und der S-Bahn Berlin GmbH veröffentlicht worden:

Verkehrsvertrag Berlin - BVG: http://crocodoc.com/2lTWPzj (http://crocodoc.com/2lTWPzj)
Verkehrsvertrag Berlin - S-Bahn Berlin (DB Stadtverkehr): http://crocodoc.com/x7Dq1Yk (http://crocodoc.com/x7Dq1Yk)

 8)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 12. März 2012, 00:26:45
Eine Spiegel-TV-Doku (2001) über die Berliner U-Bahn ist hier abrufbar: http://www.spiegel.tv/filme/die-berliner-u-bahn/ (http://www.spiegel.tv/filme/die-berliner-u-bahn/)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 23. April 2012, 23:51:29
Glücklicherweise ist so was in Wien beim U-Bahn-Bau noch nicht passiert: In Berlin muss bereits seit mehreren Wochen die U2 geteilt geführt werden, weil bei Bauarbeiten zu einem Einkaufszentrum am Leipziger Platz ein Grundbruch aufgetreten ist. Die U2 verkehrt nicht zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz. Neben den "normalen" Buslinien M48 und 200 wurde auch ein SEV eingerichtet.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 24. April 2012, 09:38:45
Glücklicherweise ist so was in Wien beim U-Bahn-Bau noch nicht passiert: In Berlin muss bereits seit mehreren Wochen die U2 geteilt geführt werden, weil bei Bauarbeiten zu einem Einkaufszentrum am Leipziger Platz ein Grundbruch aufgetreten ist. Die U2 verkehrt nicht zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz. Neben den "normalen" Buslinien M48 und 200 wurde auch ein SEV eingerichtet.
Was war mit der U6, die letzten Sommer mehrere Wochen zweigeteilt geführt wurde?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 24. April 2012, 10:29:39
Glücklicherweise ist so was in Wien beim U-Bahn-Bau noch nicht passiert: In Berlin muss bereits seit mehreren Wochen die U2 geteilt geführt werden, weil bei Bauarbeiten zu einem Einkaufszentrum am Leipziger Platz ein Grundbruch aufgetreten ist. Die U2 verkehrt nicht zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz. Neben den "normalen" Buslinien M48 und 200 wurde auch ein SEV eingerichtet.
Was war mit der U6, die letzten Sommer mehrere Wochen zweigeteilt geführt wurde?
Da waren die WL aber selbst schuld, da die sowieso anstehende Sanierung Jahr für Jahr verschoben wurde.

Hier kamen die BVG unschuldig (also durch die Schuld Dritter) zum Handkuss. Man stelle sich vor, ein Grundbruch bei uns bei der früheren Errichtung der U1 oder U3 in der Inneren Stadt (die wie ein Schweizer Käse durchkellert ist).

Technische Skandale gibt es bei unserer U-Bahn glücklicherweise nur wenige... da fällt mir als erstes die "moderne Pestgruabn" Gaudenzdorfer Gürtel ein.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: ULF am 24. April 2012, 12:03:43
Technische Skandale gibt es bei unserer U-Bahn glücklicherweise nur wenige... da fällt mir als erstes die "moderne Pestgruabn" Gaudenzdorfer Gürtel ein.
???
Bitte um Aufklärung! :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 24. April 2012, 12:10:43
Technische Skandale gibt es bei unserer U-Bahn glücklicherweise nur wenige... da fällt mir als erstes die "moderne Pestgruabn" Gaudenzdorfer Gürtel ein.
???
Bitte um Aufklärung! :)
Auf der heutigen Hundegstättn äh dem heutigen Park, etwa zwischen der Stadtbahnbrücke und dort, wo 6 und 18 zum Margaretengürtel abbiegen, ist man im Zuge der U4-(Um-)Bauarbeiten auf ein von Problemstoffen kontaminiertes Gebiet gestoßen, wenn ich mich richtig erinnere.

Im I. ist so was bei den U-Bahn-Bauarbeiten auch passiert, da war's glaub ich Quecksilber von einem ehemals dort befindlichen Betrieb.

Ich werd mal nachdenken, wo ich das gelesen habe, dann gibt es hoffentlich mehr Details (und vermutlich Korrekturen zu den zwei oberen Absätzen). Ich kann mich leider nicht mehr genauer erinnern.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: hema am 24. April 2012, 12:15:10
Was du meinst, sind die Reste das ehemaligen Gaudenzdorfer Gaswerkes, die dort entdeckt wurden!


(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Gaudenzdorfer_Gaswerk.jpg)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: ULF am 24. April 2012, 12:16:35
Im I. ist so was bei den U-Bahn-Bauarbeiten auch passiert, da war's glaub ich Quecksilber von einem ehemals dort befindlichen Betrieb.
Diese Geschichte kenne ich auch. Wenn ich mich nicht täusche ist davon auch in der U-Bahn-Dokumentation, die unlängst auch auf YouTube aufgetaucht ist, die Rede. Eine Apotheke oder ähnliches, und man ist auf die Fässer mit Quecksilber gestoßen.

ad Doku: DIE GESCHICHTE DER WIENER U-BAHN 2/4 (http://www.youtube.com/watch?v=4NA_r_Sdh3M#ws) ab Minute 7.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Laiseka am 24. April 2012, 12:40:32
Was du meinst, sind die Reste das ehemaligen Gaudenzdorfer Gaswerkes, die dort entdeckt wurden!

Das Gebäude links ist das jenes, wo heute die Berufsschule Mollardgasse steht?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 24. April 2012, 12:47:42
So weit ich mich erinnern kann, hat man dort die Arbeiter zunächst weiter werkeln lassen, obwohl einige der Chemikalien giftig waren, damit alles rechtzeitig fertig wird. Aber wie gesagt, ich muss erst die Quelle suchen, dann gibt's hoffentlich Details.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: hema am 24. April 2012, 12:58:56

Das Gebäude links ist das jenes, wo heute die Berufsschule Mollardgasse steht?
Das war der Gumpendorfer Schlachthof. Dort ist heute die Kreuzung Linke Wienzeile/Gürtel, ein Teil der Feuerwache Mariahilf und ein Gemeindebau. Die Mollardschule ist anschließend, wie weit sie auch den Bereich des ehemaligen Schlachthofes berührt, müsste man in alten Plänen nachschauen.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Marc am 28. Mai 2012, 11:47:10
In Berlin war wieder was los!
Die Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin ATB (= die Museumsbusser, Schwerpunkt Busverkehr Westberlin) hat wieder ihre eigenen Museumsbusse sowie einige Fahrzeuge von befreundeten Vereinen / Privatpersonen auf traditionellen Linien eingesetzt. In Hinblick auf die zum 3. Juni 2012 geplante Schließung des Flughafens Tegel (TXL) mit Inbetriebnahme des neuen Flughafens Berlin/Brandenburg International (BER) war das als Abschiedsfahrt des innerstädtischen Zubringerverkehrs geplant gewesen (einstige Westberliner Linien 8 und 9, heute als Linie 109, 128). Das war ein super Tag bei super Wetter.

Nun ist 3 Wochen vor der Schliessung aufgefallen, dass der neue Flughafen BER noch nicht fertig ist (!), und es nicht nur eine kleine Verzögerung von einigen Wochen gibt, sondern von etwa 10 Monaten, was aber auch von Kritikern bezweifelt wird ... Wie auch schon einige Besucher vorab in diversen Foren schrieben, war da noch überhaupt nichts fertig ... der Aufsichtsrat (vertreten u.a. durch die beiden politischen Länderchefs) will von allem nichts gewusst haben, was den Bauarbeiten schon völlig klar war.
Egal, das ist Berlin, da müssen wir nun durch.

Eine Bilddokumentation von der ATB-Traditionsfahrt 2012 mit Museumsbussen zum Flughafen Tegel gibt es bei den Berliner Verkehrsseiten:
-> www.berliner-verkehrsseiten.de/bus/Galerie/BusBild17/busbild17.html (http://www.berliner-verkehrsseiten.de/bus/Galerie/BusBild17/busbild17.html)
sowie im Auftritt bei Facebook der Berliner Verkehrsseiten:
-> www.facebook.com/Berliner.Verkehrsseiten (http://www.facebook.com/Berliner.Verkehrsseiten)

Und noch ein Hinweis an die Freunde des öffentlichen Nahverkehrs:
Auf der gemeinsam von den Verkehrs- Vereinen in Berlin/Brandenburg betriebenen Webseite -> http://hivbb.de (http://hivbb.de) <- findet sich stets eine aktuelle Terminübersicht! Speichert euch den Link ab, und es entgeht euch keine Veranstaltung, bzw. seit früh über Sonderfahrten informiert!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: luki32 am 28. Mai 2012, 20:45:51
@ Marc: Ein Blick auf den Namen dieses Forums sagt mehr als tausend Worte, vor allem auch, was über Busreportagen hier zu halten ist!  :lamp:

mfG
Luki
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 28. Mai 2012, 21:00:58
@ Marc: Ein Blick auf den Namen dieses Forums sagt mehr als tausend Worte, vor allem auch, was über Busreportagen hier zu halten ist!  :lamp:
Ich habe gegen vereinzelte Kuriositäten nichts einzuwenden (hab ja selber gerade sowas gemacht), solange es im richtigen Unterforum stattfindet.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 21. August 2012, 17:37:04
Heute, am 21.08., entgleiste in Berlin-Tegel ein Zug der S-Bahn-Linie S25 aus bisher noch unbekannten Gründen:  :o

Link: Berliner Feuerwehr Einsatzdokumentation (http://bit.ly/QmlPkI)

Sorry, musste auf bit.ly zurückgreifen, das Forum wollte den Original-Link partout nicht fressen.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 20. September 2012, 17:19:43
Spannende Reportage über die S-Bahn Berlin (der Flughafen vorher und Wasser nachher ist auch sehenswert):

http://mediathek.rbb-online.de/rbb-fernsehen/dokumentation-und-reportage/rbb-kontrovers-pannen-metropole-berlin?documentId=11795316 (http://mediathek.rbb-online.de/rbb-fernsehen/dokumentation-und-reportage/rbb-kontrovers-pannen-metropole-berlin?documentId=11795316)

Da sieht man wieder einmal, wie sehr sich die TV-Medien in Deutschland und Österreich unterscheiden. Bei uns wäre so etwas in der Form zumindest im ORF undenkbar (in Wien Heute würde noch erklärt werden, warum alles gut so ist, wie es ist). Obwohl es bald eigentlich ein ähnliches Video zur HW und U-Bahn geben müsste.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: TW 292 am 02. Oktober 2012, 01:42:51
Zitat
Da sieht man wieder einmal, wie sehr sich die TV-Medien in Deutschland und Österreich unterscheiden. Bei uns wäre so etwas in der Form zumindest im ORF undenkbar (in Wien Heute würde noch erklärt werden, warum alles gut so ist, wie es ist). Obwohl es bald eigentlich ein ähnliches Video zur HW und U-Bahn geben müsste.

Oder hat der ORF jemals so kritisch über die Pannen beim SKYLINK am Flughafen Wien berichtet?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 07. November 2012, 22:12:46
Einige (S-)Bahnimpressionen vom Sonntag in Berlin...

S-Bhf Springpfuhl:

[attach=1]

Haggöschör Morgd:

[attach=2]

[attach=3]

Warschauer Straße:

[attach=4]

Das O2-Veranstaltungscenter:

[attach=5]

Die Skyline von Ostberlin:

[attach=6]

[attach=7]

Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 08. Februar 2013, 10:39:32
Stadler wird 2015 zwei Prototypen der neuen U-Bahn-Baureihe IK an die BVG liefern. Die Baureihe IK wird Nachfolger der Baureihe HK (Bombardier) und ähnelt dieser von der prinzipiellen Grundkonfiguration (vierteilig und durchgehend). Neu ist allerdings die Bombierung, sodass die Fahrzeuge 10cm breiter sind (2,40m) als alle derzeitigen Kleinprofil-Fahrzeuge.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: T1 am 08. Februar 2013, 11:00:32
Wunderbar zum Trainsurfen, dieses Design... :-X
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 08. Februar 2013, 11:09:02
Wunderbar zum Trainsurfen, dieses Design... :-X
[schneiderin]Springen Sie nicht mehr auf.[/schneiderin] :)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 08. Februar 2013, 11:18:05
Wunderbar zum Trainsurfen, dieses Design... :-X
Woran soll man sich festhalten? U-Bahn-Surfen ist out, Fluss-Säure im Fahrgastraum verteilen ist dzt. en vogue (zumindest in Berlin).  :o
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: T1 am 08. Februar 2013, 11:31:26
Wunderbar zum Trainsurfen, dieses Design... :-X
Woran soll man sich festhalten? U-Bahn-Surfen ist out, Fluss-Säure im Fahrgastraum verteilen ist dzt. en vogue (zumindest in Berlin).  :o
An den Griffstangen?!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Hawk am 01. März 2013, 13:29:05
Wahrscheinlich,die werden das sicher so verteilen,das man in kontakt kommen muss!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 29. April 2013, 16:04:43
Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat die Fahrplandaten unter Creative Commons veröffentlicht:

http://www.heise.de/open/meldung/Berliner-Fahrplaene-unter-Creative-Commons-Lizenz-veroeffentlicht-1851785.html (http://www.heise.de/open/meldung/Berliner-Fahrplaene-unter-Creative-Commons-Lizenz-veroeffentlicht-1851785.html)

Die Daten gibt es hier: http://daten.berlin.de/datensaetze/vbb-fahrplan-2013 (http://daten.berlin.de/datensaetze/vbb-fahrplan-2013) Mein Gefühl sagt mir, dass das die Blaupause auch für Wien sein wird.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: darkweasel am 29. April 2013, 18:33:16
unter Creative Commons veröffentlicht
Bitte, nur ein allgemeiner Hinweis: Diese Formulierung sagt fast überhaupt nichts aus. Creative Commons macht viele Lizenzen mit verschiedenen Elementen (Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, Nicht-Kommerziell, keine Bearbeitung). In dem Fall handelt es sich um die Lizenz "Creative Commons Namensnennung" (vermutlich 3.0 Unported).
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 29. April 2013, 19:08:20
In dem Fall handelt es sich um die Lizenz "Creative Commons Namensnennung" (vermutlich 3.0 Unported).
Kurze Zusammenfassung für Unwissende?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: darkweasel am 29. April 2013, 19:48:07
In dem Fall handelt es sich um die Lizenz "Creative Commons Namensnennung" (vermutlich 3.0 Unported).
Kurze Zusammenfassung für Unwissende?
Namensnennung = bei Weiterverwendung ist der Name des Autors anzugeben, ein Link auf die Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/) ist außerdem zu setzen.
3.0 = Version der Lizenz
Unported = nicht auf ein bestimmtes Rechtssystem ausgelegt, sondern die weltweite Lizenz, somit ist der Lizenztext auf Englisch
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 21. Juni 2013, 08:02:11
Es muss ganz schön gekracht haben. Nahe dem S-Bhf. Sundgauer Straße (Wannseebahn, S1) fiel ein Baum auf die Gleise. Ein S-Bahnzug hat ihn dann abgeräumt und ist mit dem ersten Drehgestell entgleist, zum Glück keine Verletzten: http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/weltspiegel/bildergalerie-unwetter-ueber-deutschland/8385850.html?p8385850=2 (http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/weltspiegel/bildergalerie-unwetter-ueber-deutschland/8385850.html?p8385850=2)

Der Straßenbahnverkehr im Berliner Südosten war durch beschädigte Oberleitungen (Bäume) zeitweise komplett durcheinander geraten.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: pTn am 23. Juni 2013, 23:24:21
Komme gerade aus Berlin, wie Lambert in einem anderen Forum berichtete wurden drei Stationden der U6 mit neuen Innenverkleidungen versehen, bei zweien konnte ich Fotos machen, siehe auch: http://public-transport.net/pics/main.php?g2_itemId=3229 (http://public-transport.net/pics/main.php?g2_itemId=3229)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 24. Juni 2013, 08:39:18
Wenn man die Stationen auf alt trimmen will, soll man das ordentlich machen – so schaut es einfach nur stümperhaft aus. Das hat man selbst in der Ustrab besser hinbekommen, als man damals in der Laurenzgasse frische grüne Fliesen über die alten geklebt und dazu die gebrauchten Infovitrinen aus der U2-Station Lerchenfelder Straße montiert hat.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 26. November 2013, 14:28:48
Mal was Historisches: Das Schnellbahnnetz '89 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) West. Dazu möchte ich anmerken, dass die Darstellung des S-Bahnnetzes der Deutschen Reichsbahn im Ostteil der Stadt schon immer recht stiefmütterlich war. Erinnert mich irgendwie an die Darstellung der S-Bahn auf den Plänen unser wöötbesten WL...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 26. November 2013, 15:06:54
Mal was Historisches: Das Schnellbahnnetz '89 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) West. Dazu möchte ich anmerken, dass die Darstellung des S-Bahnnetzes der Deutschen Reichsbahn im Ostteil der Stadt schon immer recht stiefmütterlich war.
Immerhin wurde etwas dargestellt - auf den östlichen Netzspinnen war das westliche Netz überhaupt nicht dargestellt.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 12:56:02
Einige (S-)Bahnimpressionen vom Sonntag in Berlin...
Die Skyline von Ostberlin:
(Dateianhang Link)

Erstaunlich, die 218 steht immer noch dort.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 12:58:31
Stadler wird 2015 zwei Prototypen der neuen U-Bahn-Baureihe IK an die BVG liefern. Die Baureihe IK wird Nachfolger der Baureihe HK (Bombardier) und ähnelt dieser von der prinzipiellen Grundkonfiguration (vierteilig und durchgehend). Neu ist allerdings die Bombierung, sodass die Fahrzeuge 10cm breiter sind (2,40m) als alle derzeitigen Kleinprofil-Fahrzeuge.

Den Zug hab ich zufällig erwischt:
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:06:36
Danke für die umfassenden Infos zu Berlin! Ich war endlich zum ersten Mal dort und habe die schönen historischen U-Bahn- Stationen abgeklappert. Hier mal U1 & U2.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:13:58
...und nun die U3 nach "Krumme Lanke", die Station mit diesem seltsamen Namen wollte ich schon immer mal besuchen (allerdings ist nichts besonderes zu sehen). Ebenso komisch "Onkel Toms Hütte". Naja. Aber die historischen Stationen sind teilweise wirklich einen Besuch wert! In Dahlem-Dorf dürfte das weltweit einzige reetgedeckte U-Bahn-Aufnahmegebäude stehen  :) Und eine Überraschung bietet das Aufnahmegebäude am Fehrbelliner Platz!  :o

Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:19:01
Die kurze U4 wird mit Solo-Doppeltriebwagen bedient. Speziell die Station Rathaus Schöneberg ist einzigartig, ich hatte obendrein Glück mit dem Sonnenstand.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:27:42
Nun zur S-Bahn. Die Nord-Süd-Strecke führt durch ein Tunnel mitten durch die Stadt. Einige Stationen sind mit Geschichte aufgeladen, zB Bornholmer Straße (dort öffneten sich die Grenzen am 9.11.1989 als erstes, die bewegenden Bilder haben Weltgeschichte geschrieben), oder Nordbahnhof - komplett im Todesstreifen gelegen, die Station nahe der berühmten, tragödienreichen Bernauer Straße war abgemauert. Dort stehen immer noch alte Bahnbrücken und ein Original-Mauerstück; in der Station eine Ausstellung zu den Geisterbahnhöfen und Fluchtgeschichten.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:37:06
Die Ost-West-Strecke verläuft viergleisig auf Viaduktbögen durch die Stadt, ähnlich unserer Gürtelstadtbahn; allerdings dienen zwei Gleise der Fernbahn. Diese Strecke ist eine der am dichtest belasteten in Deutschland, wohnen möcht' ich dort nicht: Im Minutentakt donnern die Züge drüber, teilweise parallel. Der neue Hauptbahnhof liegt ebenfalls an der Strecke, sehr eindrucksvolles Bauwerk, allerdings innen weniger übersichtlich als man vermuten möchte. Zu meiner Überraschung traf ich eine 1042 als Vorspann eines Sonderzuges  :o Eindrucksvoll der Kopfbahnhof beim Olympiastadion, so geht Stadionverkehr!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 13:39:54
Der Vollständigkeit halber noch paar Bilder vom S-Bahn-Ring, eine Stunde dauert die ganze Runde.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Helga06 am 30. September 2016, 13:55:18
Sehr schöne Bilder. Danke.
Ich war schon sehr oft in Berlin, kenne das eigentlich alles, aber ich habe das noch nie so intensiv betrachtet. Da sieht man wieder, allaweu Tramway schaun" ist auch falsch. Man geht dann achtlos an schönen Dingen vorbei. Nochmals Danke.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 58er am 30. September 2016, 14:20:35
Wobei mir dort aufgefallen ist, dass das Tarifsystem etwas "deppert" ist, vor allem die Kombikarten, die es nicht erlauben, zusätzliche Aussenzonen zu benutzen (Aufpreis). Dafür ist das Störungsmanagement bei der Schnellbahn erstklassig, wenn man das Wiener kennt.  ;D
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Soundy am 30. September 2016, 18:59:58
Danke für diese fantastische Reportage!

Soundy
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 30. September 2016, 19:22:46
Den einzigen Altwagen der S-Bahn hab ich übrigens am Flughafen Tegel gesehen!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: normalbuerger am 30. September 2016, 19:25:55
Ich war vor 2 Wochen selbst in Berlin, hat mir sehr gut gefallen, vor allem die alten U Bahnstationen, jede sieht anders aus, alles schön erhalten.
Ich finde das Netz sehr übersichtlich und verständlich, bin sehr viel durch die Stadt gefahren. Ich finde es war alles sehr gut organisiert, das einzige was unangenehm war, um kurz nach 20 Uhr viel 1 Zug vom S Bahnring aus, da war dann gleich eine Wartezeit von 16 Minuten fällig.

Bilder hab ich leider keine, bin nicht so der Fotograf, freut mich aber sehr jetzt so schöne Bilder zu sehen.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 360 am 30. September 2016, 19:37:47
@ tramway.at-> Danke für die aktuellen Fotos! Ich selbst war zuletzt 2014 dort!
@ alle->Wer die U-Bahn Berlin auf etwas andere Art besuchen möchte, dem sei folgendes empfohlen:
http://www.bvg.de/de/Service/Berlin-erleben/Detailansicht?newsid=262
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 30. September 2016, 20:01:55
Wieder einmal eine wunderbare Reportage. Danke an den Altmeister Godfather of photography! ^-^
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: W_E_St am 01. Oktober 2016, 15:21:15
Zitat
Zu meiner Überraschung traf ich eine 1042 als Vorspann eines Sonderzuges

Haha, da waren wir fast zur gleichen Zeit am gleichen Ort! Ich hab den selben Zug vom Bahnsteig der S-Bahn aus gesehen!

Danke für die vielen faszinierenden Fotos, einige Orte kannte ich, aber diverse Ziele für die nächste Berlinreise sind schon fix :)

Die Station Klosterstraße ist wunderschön, aber warum sie ausgerechnet mit Natriumdampflampen beleuchtet wird ist mir ein absolutes Rätsel!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 03. Oktober 2016, 00:33:30
Ja, was für eine überaus tolle Stadt mit so geballtem geschichtlichen Hintergrund! Allein die Historie hinter der Nord-Süd-Bahn ist ja schon sehr spannend.

Mit der U-Bahn bin ich in Berlin bisher eher wenig gefahren, meistens S-Bahn und natürlich Straßenbahn - wie man sieht, ein eindeutiger Fehler!

So zur generellen Atmosphäre schaue ich mir immer wieder diese zwei kurzen ZDF-Reportagen aus Ostberlin an:
https://www.youtube.com/watch?v=xXLRvWKBl4w
https://www.youtube.com/watch?v=JdgrHNrWJCY

Da läuft einem schon ein Schauer über den Rücken, soooo lange ist das schließlich auch wieder nicht her.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 03. Oktober 2016, 09:22:46
Ebenso komisch "Onkel Toms Hütte".

Das ist der Name der dortigen, in den dreißiger Jahren errichteten Wohnsiedlung (offizieller Name "Waldsiedlung Zehlendorf"), die wiederum nach einem in der Nähe gelegenen Ausflugslokal (das es jetzt aber nicht mehr gibt) benannt ist.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: moszkva tér am 03. Oktober 2016, 10:14:16
Ebenso komisch "Onkel Toms Hütte".

Das ist der Name der dortigen, in den dreißiger Jahren errichteten Wohnsiedlung (offizieller Name "Waldsiedlung Zehlendorf"), die wiederum nach einem in der Nähe gelegenen Ausflugslokal (das es jetzt aber nicht mehr gibt) benannt ist.
... welches wiederum höchstwahrscheinlich nach dem gleichnamigen Buch benannt wurde (bzw. vom Namen inspiriert wurde; vielleicht hieß der Originalwirt ja Thomas):

Wikipedia sagt (https://de.wikipedia.org/wiki/Onkel_Toms_H%C3%BCtte): Onkel Toms Hütte (engl. Uncle Tom’s Cabin) ist ein 1852 veröffentlichter Roman von Harriet Beecher Stowe, der das Schicksal einer Reihe afroamerikanischer Sklaven und ihrer Eigentümer in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika schildert.

Edit: Tatsächlich weiß Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Onkel_Toms_H%C3%BCtte_%28Berlin%29) noch mehr: Die Siedlung Onkel Toms Hütte ... Namensgebend war das 1885 eröffnete benachbarte Ausflugslokal, dessen Besitzer Thomas seine Gaststätte in Anlehnung an Harriet Beecher Stowes Roman Onkel Toms Hütte benannt hatte.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Klingelfee am 03. Oktober 2016, 10:24:09
Da sieht man Graffiti sprayen und U-Bahn surfen kann tödlich sein

Graffiti:

http://www.berliner-kurier.de/berlin/polizei-und-justiz/graffiti-gesprueht-zwei-maenner-von-s-bahn-erfasst-und-getoetet-24840138

U-Bahn Surfen

http://www.berliner-kurier.de/berlin/polizei-und-justiz/moeckernbruecke-u-bahn-surfer-kracht-gegen-stahltraeger-24797706


Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 95B am 03. Oktober 2016, 10:39:06
Beides schlicht Fälle von funktionierender natürlicher Auslese.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: luki32 am 03. Oktober 2016, 10:46:41
Beides schlicht Fälle von funktionierender natürlicher Auslese.

Sprich ein klassischer Darwin.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: hema am 03. Oktober 2016, 11:54:53
Gibt genug Darwinisten!

https://www.youtube.com/watch?v=M0miERTmPXE (https://www.youtube.com/watch?v=M0miERTmPXE)
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 360 am 02. November 2016, 21:13:51
Die Type D kehrt in den Plandienst zurück!!! :D :)->
http://www.bahninfo-forum.de/read.php?9,541579
[DAS ist nämlich wirklich eine Sensation!!, denn der Plandienst endete 2004].
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: T1 am 05. November 2016, 16:18:13
Sensation? Dazu ist das aber schon zu lange bekannt.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 05. November 2016, 16:56:24
Ob es wohl jemand merken würde, wenn man die U55 überhaupt einstellen würde? Aber wir sollten nicht so groß reden, wir haben in ein paar Jahren eine fast gleich lange und genauso bedeutende U-Bahn...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Klingelfee am 05. November 2016, 17:07:40
Ob es wohl jemand merken würde, wenn man die U55 überhaupt einstellen würde? Aber wir sollten nicht so groß reden, wir haben in ein paar Jahren eine fast gleich lange und genauso bedeutende U-Bahn...

Nein Unsere wird länger. Ausserdem gibt es zur U55 mehrere Unterschiede.

Dichterer Intervall
U55 = 10 min / U5 = 5

Stationsanzahl
U55 = 3 / U5 = 5

Eingesetzte Züge
U55 = 1 / U5 = 3

Und das wichtigste
Die U55 hat keinen Anschluß an das Restnetz. Die U5 sehr wohl.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Linie 360 am 05. November 2016, 17:41:13
@ T1-> Ja, nur glauben wollte ich es halt nicht so recht!
@ 13er->Sobald die Type "Dora" dort fährt, werden die Fahrgastzahlen eklatant steigen >:D...
@ Klingelfee-> Bis Mitte 2020 erfolgt, wenn nicht wieder was dazwischenkommt, der Lückenschluß der U55.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 05. November 2016, 18:59:13
Ob es wohl jemand merken würde, wenn man die U55 überhaupt einstellen würde? Aber wir sollten nicht so groß reden, wir haben in ein paar Jahren eine fast gleich lange und genauso bedeutende U-Bahn...

Die ist zwar mikroskopisch, ich hab sie aber tatsächlich paarmal benützt (nach dem ersten Mal zu Erforschung). Die verbinde den Hauptbahnhof (Stadtbahn) direkt mit dem Brandenburger Tor und etlichen wichtigen Dingen dort.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 13er am 05. November 2016, 22:09:35
Ob es wohl jemand merken würde, wenn man die U55 überhaupt einstellen würde? Aber wir sollten nicht so groß reden, wir haben in ein paar Jahren eine fast gleich lange und genauso bedeutende U-Bahn...
Die ist zwar mikroskopisch, ich hab sie aber tatsächlich paarmal benützt (nach dem ersten Mal zu Erforschung). Die verbinde den Hauptbahnhof (Stadtbahn) direkt mit dem Brandenburger Tor und etlichen wichtigen Dingen dort.
Ja, ich weiß eh, ich bin auch ein paar Mal damit gefahren :) Aber kurios ist sie dennoch.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Katana am 25. März 2017, 09:23:27
Kommt 'ne U-Bahn geflogen (http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/03/bvg-laesst-u-bahn-dora-einfliegen.html)
Zitat
Die D-Reihe der U-Bahn fährt derzeit nur noch in der Hauptstadt Nordkoreas. Doch die BVG hat die Wagen aus den 50ern jetzt aus dem Ruhestand gehievt. Nun fahren die Uralt-Züge auch wieder in Berlin - aus dem selben Grund wie in Pjönjang: Versorgungslücken.
Auf der Berliner U-Bahnlinie U55 werden bis Samstag die U-Bahn-Triebwagen ausgetauscht. Ein schwerer Kran hievte am Freitag Züge der F-Reihe heraus. Anschließend wurden U-Bahn-Triebwagen der Reihe "Dora" aus den 50er Jahren durch den Schacht hinab auf das Gleisbett gesetzt. Dafür wurde eine Einlassöffnung in der Nähe des Tiergartentunnels am Hauptbahnhof - Minna-Cauer-Straße - eingerichtet.

Die ersten Leser-Postings:
Zitat
Ich finde, als Ex-Berliner, das toll wenn sie diese und vielleicht noch ältere Züge reaktivieren. Das wäre auch eine Atraktion für die Stadt.
Zitat
.... ick find die Dinger total schick. Det is Berlin!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 21. August 2017, 20:42:17
Mit dem heutigen Tag wurde der S-Bahnhof Ostkreuz betrieblich (fast) vollendet: http://www.s-bahn-berlin.de/bauinformationen/ostkreuz/index.htm
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 21. Dezember 2018, 06:57:56
Rien ne va plus - nichts geht mehr. Aufgrund des immer akuter werdenden Fahrzeugmangels wird bei der Berliner U-Bahn das Fahrtenangebot reduziert: https://www.tagesspiegel.de/berlin/nahverkehr-in-berlin-u-bahnkrise-bvg-stellt-den-takt-um/23756072.html Drei wesentliche Ursachen gibt es dafür: zuwenig Fahrpersonal, verschleppte Fahrzeugbeschaffung und reduzierte Werkstatt-Kapazitäten.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: haidi am 21. Dezember 2018, 10:56:46
Wien darf nicht Berlin werden!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Piefke am 16. Februar 2020, 22:08:08
Die Ost-West-Strecke verläuft viergleisig auf Viaduktbögen durch die Stadt, ähnlich unserer Gürtelstadtbahn; allerdings dienen zwei Gleise der Fernbahn. Diese Strecke ist eine der am dichtest belasteten in Deutschland, wohnen möcht' ich dort nicht: Im Minutentakt donnern die Züge drüber, teilweise parallel. Der neue Hauptbahnhof liegt ebenfalls an der Strecke, sehr eindrucksvolles Bauwerk, allerdings innen weniger übersichtlich als man vermuten möchte. Zu meiner Überraschung traf ich eine 1042 als Vorspann eines Sonderzuges  :o Eindrucksvoll der Kopfbahnhof beim Olympiastadion, so geht Stadionverkehr!
Die Ost-West-Strecke heißt übrigens einfach Stadtbahn und bis in die 90er Jahre war "Berlin Stadtbahn" ein Sammelbegriff für die Fernzüge auf den Zuglaufschildern
und tariflich als Quasi-Zielbahnhof auf den Fahrkarten zu finden.
Die mit der Elektrifizierung der Vorortstrecken gebauten S-Bahnfahrzeuge der Bauart 1927-30 (zusammen 1276 Wagen) wurden im Bahnerjargon "Stadtbahner"
genannt und waren in verschiedenen Umbauvarianten bis 1997 im Einsatz.
Ungewöhnlich für Eisenbahnfahrzeuge war die Spitzenlichtanordnung mit nur einer Lampe, ob da die Wiener Stadtbahnwagen Designvorbild waren?

Am 09.06.1991 fand mit dem Traditionszug (ET/ES 165 231) eine Sonderfahrt auf der noch unsanierten Stadtbahn statt:

*  von Alexanderplatz nach Hackescher Markt (1882 - 1951 "Börse", bis Mai 1992 "Marx-Engels-Platz") an der Dircksenstraße
*  alter Bahnhofsname , Straße: Neue Promenade, heute Fußgängerzone
*  Bellevue, im maroden Originalcharme
*  Charlottenburg, dringende Dienstgespräche zwischen BVG-Aufsicht und Reichsbahnern

*  Stadionverkehr Zur Fußball-WM 1974, Sonderzüge am Olympiastadion (Foto: Peter Bley)
*  abgestellte Schadwagen während der S-Bahn-Krise 2009
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 17. Februar 2020, 09:18:23
Die mit der Elektrifizierung der Vorortstrecken gebauten S-Bahnfahrzeuge der Bauart 1927-30 (zusammen 1276 Wagen) wurden im Bahnerjargon "Stadtbahner"
genannt und waren in verschiedenen Umbauvarianten bis 1997 im Einsatz.

Ungewöhnlich für Eisenbahnfahrzeuge war die Spitzenlichtanordnung mit nur einer Lampe, ob da die Wiener Stadtbahnwagen Designvorbild waren?

Vom Sound her unbedingt. Ich habe diese Wagen ob ihrer Fahrgeräusche geliebt - in einem Triebwagen (es gab auch Steuer- und Beiwagen) fühlte man sich wie in einem M oder N. Und auch die während der Fahrt zu öffnenden Türen hatten ihren Reiz (wenngleich das natürlich verboten war).

Auf der Nord-Südbahn im Tunnel zwischen Anhalter- und Nordbahnhof kurz die Türen ein wenig öffnen und die muffige Tunnelluft schnuppern, dazu die stets paarweise angeordneten Tunnelleuchten, dazwischen ab und zu blaue Leuchten (Einspeisungs- bzw. Trennpunkt) - das war für mich die S-Bahn des Berlins der Neunziger!
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: abc am 17. Februar 2020, 09:36:20
Ob es wohl jemand merken würde, wenn man die U55 überhaupt einstellen würde? Aber wir sollten nicht so groß reden, wir haben in ein paar Jahren eine fast gleich lange und genauso bedeutende U-Bahn...
Die ist zwar mikroskopisch, ich hab sie aber tatsächlich paarmal benützt (nach dem ersten Mal zu Erforschung). Die verbinde den Hauptbahnhof (Stadtbahn) direkt mit dem Brandenburger Tor und etlichen wichtigen Dingen dort.
Ja, ich weiß eh, ich bin auch ein paar Mal damit gefahren :) Aber kurios ist sie dennoch.

Da ich gerade den alten Dialog gesehen habe: wer nochmal U55 fahren möchte, sollte dies bis Anfang Juni tun, dann wird sie endgültig eingestellt. Im Herbst (vsl. November) wird die bisherige U55-Strecke dann als Teil der vom Alexanderplatz zm Hauptbahnhof verlängerten U5 wieder in Betrieb genommen und erfüllt damit erstmal die Funktion, für die sie einst gebaut wurde.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: tramway.at am 17. Februar 2020, 09:47:20
Aja, die U55 - die hab ich vor einiger Zeit auch fotografiert, hier paar Bilder dieser Mini-Linie. Die Station Bundestag glaube ich in Science-Fiction-Filmen als Drehort wiedererkannt zu haben? Was hat man sich bei den längs verlaufenden Passagen gedacht, Sinn haben die keinen? Die Station am Hauptbahnhof liegt recht versteckt, die habe ich eher zufällig gefunden.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Halbstarker am 17. Februar 2020, 09:47:52
Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 38ger am 17. Februar 2020, 10:16:58
Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?

Ja, wobei Ende des Jahres endlich der Lückenschluss zwischen U5 und U55 erfolgen soll. Mit den schönen Oldtimerfahrzeugen wird dann jedoch auch Schluss sein.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: abc am 17. Februar 2020, 10:19:21
Aja, die U55 - die hab ich vor einiger Zeit auch fotografiert, hier paar Bilder dieser Mini-Linie. Die Station Bundestag glaube ich in Science-Fiction-Filmen als Drehort wiedererkannt zu haben?


Ja. Er der Tunnel vom Hbf zum Brandenburger Tor wurde samt U-Bahnhof Bundestag um die Jahrtausendwende vom Bund errichtet. Dann stand die U-Bahn-Station jahrelang leer und war in dieser Zeit in der Tat beliebter Drehort.

Was hat man sich bei den längs verlaufenden Passagen gedacht, Sinn haben die keinen?

Die Frage habe ich mir ehrlich gesagt - zu Unrecht - noch nie gestellt. Meine erste Überlegung war, ob es etwas mit dem einst geplanten Bürgerforum zu tun haben könnte. Und glaubt man der wikipedia, ist das auch der Fall:

Zitat
Direkt über dem Bahnhof, zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus gelegen, war ursprünglich die Errichtung eines Bürgerforums als Bestandteil des Bandes des Bundes geplant. Die seitlichen Galerien des Bahnhofs sollten einen direkten Zugang zu diesem Bürgerforum ermöglichen, bleiben nun jedoch weitgehend ungenutzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnhof_Bundestag

Die Station am Hauptbahnhof liegt recht versteckt, die habe ich eher zufällig gefunden.

Ja, die beiden Zugänge vom Hbf aus befinden sich in den totesten Teilen des Untergeschosses recht versteckt. Ich bin optimistisch, dass diese Teile des UG nach Eröffnung der U5 nicht mehr ganz so tot sind und vielleicht die Beschilderung im Rest des Hauptbahnhofs verbessert wird. Außerdem meine ich, dass ein direkter Übergang vom Bahnsteig der Ost-West-S-Bahn zur U5 vorgesehen ist (bin mir aber auch nicht sicher, ob dieser Übergang erst mit der zweiten Nord-Süd-S-Bahn kommt, also mit deren endgültigem Bahnsteig).

Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?

Ja. Und das, obwohl es während ihrer gesamten betrieblichen Existenz nur eine Kanzlerin gab. :)

Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?

Ja, wobei Ende des Jahres endlich der Lückenschluss zwischen U5 und U55 erfolgen soll. Mit den schönen Oldtimerfahrzeugen wird dann jedoch auch Schluss sein.

Dafür gibt es dann erstmal Betrieb mit Kleinprofilfahrzeugen auf der Großprofillinie U5. Sowas gab es in der Geschichte immer nur in Notzeiten: während der Inflation in den 20er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg. Und nach knapp 20 Jahren SPD-Verantwortung fürs Verkehrsressort im Land Berlin...
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Ferry am 17. Februar 2020, 10:27:04
Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?

Ja, wobei Ende des Jahres endlich der Lückenschluss zwischen U5 und U55 erfolgen soll. Mit den schönen Oldtimerfahrzeugen wird dann jedoch auch Schluss sein.

Was meinst du mit Oldtimer-Fahrzeugen? Diese Wagen (Reihe F) sind doch noch auf allen Großprofillinien Im Einsatz.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: abc am 17. Februar 2020, 10:30:02
Ist das die 'Kanzler-U-Bahn'?

Ja, wobei Ende des Jahres endlich der Lückenschluss zwischen U5 und U55 erfolgen soll. Mit den schönen Oldtimerfahrzeugen wird dann jedoch auch Schluss sein.

Was meinst du mit Oldtimer-Fahrzeugen? Diese Wagen (Reihe F) sind doch noch auf allen Großprofillinien Im Einsatz.

Zeitweise wurden Wagen der Baureihe D reaktiviert, um F-Wagen für das unter chronischem Wagenmangel leidende Großprofilnetz freizubekommen. Durch den Inselbetrieb der U55 sind hier nämlich ziemlich viele Fahrzeuge (4x2 Wagen) für ziemlich wenige Fahrgäste (ein Doppeltriebwagen im Regelbetrieb) gebunden.

https://www.morgenpost.de/berlin/article208637417/BVG-reaktiviert-ihre-Oldtimer.html
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Piefke am 18. Februar 2020, 12:22:09
... Berlin! Ich war endlich zum ersten Mal dort und habe die schönen historischen U-Bahn- Stationen abgeklappert. Hier mal U1 & U2.
Für den architekturinteressierten Bahnfreund sind auch die Großprofillinien U6 - U8 (ex C & D) zu empfehlen,
besonders die neusachlichen Bahnhöfe aus den Jahren 1925-1930, z.B. der Umsteigebf. Hermannplatz.

Ehemaliger Geisterbahnhof Rosenthaler Platz kurz nach der Wiedereröffnung mit D-Wagen, 1990:
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Piefke am 18. Februar 2020, 12:25:09
Aja, die U55 - die hab ich vor einiger Zeit auch fotografiert, hier paar Bilder dieser Mini-Linie. Die Station Bundestag glaube ich in Science-Fiction-Filmen als Drehort wiedererkannt zu haben? Was hat man sich bei den längs verlaufenden Passagen gedacht, Sinn haben die keinen? Die Station am Hauptbahnhof liegt recht versteckt, die habe ich eher zufällig gefunden.
Wenigstens waren die Passagen während der Zwischennutzung, vor der Eröffnung als Rang für hier veranstaltete Theater- und Operaufführungen, zu gebrauchen.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 02. Mai 2020, 21:04:09
Das habe ich bisher auch noch nicht gesehen, dass die Stromschiene sich gleich mal durch einen S-Bahn-Zug bohrt: https://www.berliner-feuerwehr.de/aktuelles/einsaetze/s-bahn-in-lichtenberg-entgleist-3453/
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: abc am 03. Mai 2020, 09:11:56
... Berlin! Ich war endlich zum ersten Mal dort und habe die schönen historischen U-Bahn- Stationen abgeklappert. Hier mal U1 & U2.
Für den architekturinteressierten Bahnfreund sind auch die Großprofillinien U6 - U8 (ex C & D) zu empfehlen,
besonders die neusachlichen Bahnhöfe aus den Jahren 1925-1930, z.B. der Umsteigebf. Hermannplatz.

Eigentlich ist die U5 auch zu empfehlen. Zwar ist auf dem älteren Abschnitt Alexanderplatz - Friedrichsfelde (außer am Alex und der Samariterstraße) nicht mehr viel von der ursprünglichen Gestaltung erhalten, bei der letzten Sanierung hat man aber einen genialen Gedanken aus der Anfangszeit wieder aufgegriffen: jede Station hat nun wieder ihre eigene Farbe bei ansonsten sehr ähnlicher Gestaltung. Als früherer Stammkunde ist das sehr praktisch, wenn man spätabends nach Hause fährt: die Augen einen Millimeter öffnen (nur so weit, dass man die Stationsfarbe wahrnimmt), "aaaah, rot, Frankfurter Allee - noch x Stationen", und weiterdösen.

An der Magdalenenstraße hat man die Fliesenmalerei aus DDR-Zeiten erhalten und sogar beschriftet (das war vor der Sanierung nicht so). Ein interessanter Blick auf das sozialistische Geschichtsverständnis.

Tierpark als einziger in der DDR errichteter unterirdischer U-Bahnhof und die anschließenden oberirdischen U-Bahnhöfe entsprechen zwar nicht unbedingt dem heutigen Geschmack, stehen aber dennoch zwischenzeitlich unter Denkmalschutz, weil sie durchaus einzigartige bzw. repräsentative Zeugnisse ihrer Zeit sind. Am U-Bahnhof Tierpark gibt es im Zwischengeschoss am Ausgang Richtung Alexanderplatz auch ein großartiges Mosaik aus den 70er Jahren. Leider finde ich gerade im Netz nur Fotos, die lediglich Ausschnitte des Mosaiks zeigen. Wie das so ist: Dinge, an denen man hunderte Male vorbeigegangen ist, fotografiert man nicht, auch wenn man sie noch so sehr mag.

Um nochmal auf die Empfehlung von Piefke zurückzukommen: gerade eine Fahrt auf der U7, z.B. vom Hermannplatz nach Spandau, ist eine interessante Reise durch die Architekturgeschichte der 20er bis 80er Jahre. Letztlich macht das die Berliner U-Bahn in architekturhistorischerer Hinsicht auch sehr interessant: sie bildet so ziemlich alle Architekturströmungen von der Kaiserzeit ins 21. Jahrhundert ab (außer das "Dritte Reich", in dem keine einzige Station entstanden ist - und die zu dieser Zeit entstanden Stationen der Nord-Süd-S-Bahn sind auch eher sachlich).
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: HLS am 03. Mai 2020, 09:58:29
Das habe ich bisher auch noch nicht gesehen, dass die Stromschiene sich gleich mal durch einen S-Bahn-Zug bohrt: https://www.berliner-feuerwehr.de/aktuelles/einsaetze/s-bahn-in-lichtenberg-entgleist-3453/
Naja, auch in Berlin dürfen viele Weichen mit Vmax befahren werden. Der Zug entgleiste ja genau in die Richtung der wieder beginnenden Stromschiene, somit wäre so ein Unfall praktisch überall auf der Welt möglich wo mit vergleichbaren Systemen gearbeitet wird.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 4498 am 03. Mai 2020, 17:27:41
Dafür gibt es dann erstmal Betrieb mit Kleinprofilfahrzeugen auf der Großprofillinie U5. Sowas gab es in der Geschichte immer nur in Notzeiten: während der Inflation in den 20er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg. Und nach knapp 20 Jahren SPD-Verantwortung fürs Verkehrsressort im Land Berlin...

Wie funktioniert dieser Mischbetrieb?

Die Kleinprofilstromschiene ist sicher tief genug für die Großprofilfahrzeuge, und eine Großprofilstromschiene ist für Kleinprofilwägen sicher nichts anderes, als es die Wiener Stromschiene für Stadtbahn oder Zweierlinie war.

Aber wie sieht das mit den Bahnsteigen aus?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tatra83 am 03. Mai 2020, 20:35:42
Wie funktioniert dieser Mischbetrieb? Die Kleinprofilstromschiene ist sicher tief genug für die Großprofilfahrzeuge, und eine Großprofilstromschiene ist für Kleinprofilwägen sicher nichts anderes, als es die Wiener Stromschiene für Stadtbahn oder Zweierlinie war. Aber wie sieht das mit den Bahnsteigen aus?
In Berlin unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinprofil die Polarität (Kleinprofil: Stromschiene positiv, Gleis negativ) und die Stromschienen-Bauart: Großprofil seitliche Stromschiene von unten bestrichen (analog Wien) und Kleinprofil von oben bestrichen. Großprofilfahrzeuge können im Kleinprofilbereich keinen Meter fahren, weil - wie der Name schon sagt, der Lichtraum nicht ausreicht. Den Fahrzeugen wurden neue Stromabnehmer und "Blumenbretter", also Spaltüberbrückungen (in etwa 18cm) verpasst.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: E1-c3 am 03. Mai 2020, 23:33:04
Wie funktioniert dieser Mischbetrieb? Die Kleinprofilstromschiene ist sicher tief genug für die Großprofilfahrzeuge, und eine Großprofilstromschiene ist für Kleinprofilwägen sicher nichts anderes, als es die Wiener Stromschiene für Stadtbahn oder Zweierlinie war. Aber wie sieht das mit den Bahnsteigen aus?
In Berlin unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinprofil die Polarität (Kleinprofil: Stromschiene positiv, Gleis negativ) und die Stromschienen-Bauart: Großprofil seitliche Stromschiene von unten bestrichen (analog Wien) und Kleinprofil von oben bestrichen. Großprofilfahrzeuge können im Kleinprofilbereich keinen Meter fahren, weil - wie der Name schon sagt, der Lichtraum nicht ausreicht. Den Fahrzeugen wurden neue Stromabnehmer und "Blumenbretter", also Spaltüberbrückungen (in etwa 18cm) verpasst.
Ich bin jetzt kein Elektrofachmann aber würden nicht theoretisch, wenn keine vorherigen Adaptionen gemacht wurden, Kleinprofilfahrzeuge auf Großprofilstrecken rückwärts fahren, wenn der Fahrschalter in Vorwärts-Stellung gebracht wird und umgekehrt?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: Tunafish am 04. Mai 2020, 11:15:37
Die IK-Kleinprofilzüge sind schon seit 2017 auf der U5 unterwegs, das ist keine Neuheit die mit dem Lückenschluss kommen wird.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: coolharry am 04. Mai 2020, 11:48:56
Wie funktioniert dieser Mischbetrieb? Die Kleinprofilstromschiene ist sicher tief genug für die Großprofilfahrzeuge, und eine Großprofilstromschiene ist für Kleinprofilwägen sicher nichts anderes, als es die Wiener Stromschiene für Stadtbahn oder Zweierlinie war. Aber wie sieht das mit den Bahnsteigen aus?
In Berlin unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinprofil die Polarität (Kleinprofil: Stromschiene positiv, Gleis negativ) und die Stromschienen-Bauart: Großprofil seitliche Stromschiene von unten bestrichen (analog Wien) und Kleinprofil von oben bestrichen. Großprofilfahrzeuge können im Kleinprofilbereich keinen Meter fahren, weil - wie der Name schon sagt, der Lichtraum nicht ausreicht. Den Fahrzeugen wurden neue Stromabnehmer und "Blumenbretter", also Spaltüberbrückungen (in etwa 18cm) verpasst.
Ich bin jetzt kein Elektrofachmann aber würden nicht theoretisch, wenn keine vorherigen Adaptionen gemacht wurden, Kleinprofilfahrzeuge auf Großprofilstrecken rückwärts fahren, wenn der Fahrschalter in Vorwärts-Stellung gebracht wird und umgekehrt?

Die Zeiten sind schon lange vorbei. Da die meisten Fahrzeuge Drehstromtechnik verwenden wird sich wahrscheinlich gar nichts tun.
Aber wenn das Gleis negativ ist, ist das nicht Sau gefährlich? Vorallem bei den vorhanden Übergängen fürs Personal?
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: E1-c3 am 04. Mai 2020, 12:03:24
Wie funktioniert dieser Mischbetrieb? Die Kleinprofilstromschiene ist sicher tief genug für die Großprofilfahrzeuge, und eine Großprofilstromschiene ist für Kleinprofilwägen sicher nichts anderes, als es die Wiener Stromschiene für Stadtbahn oder Zweierlinie war. Aber wie sieht das mit den Bahnsteigen aus?
In Berlin unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinprofil die Polarität (Kleinprofil: Stromschiene positiv, Gleis negativ) und die Stromschienen-Bauart: Großprofil seitliche Stromschiene von unten bestrichen (analog Wien) und Kleinprofil von oben bestrichen. Großprofilfahrzeuge können im Kleinprofilbereich keinen Meter fahren, weil - wie der Name schon sagt, der Lichtraum nicht ausreicht. Den Fahrzeugen wurden neue Stromabnehmer und "Blumenbretter", also Spaltüberbrückungen (in etwa 18cm) verpasst.
Ich bin jetzt kein Elektrofachmann aber würden nicht theoretisch, wenn keine vorherigen Adaptionen gemacht wurden, Kleinprofilfahrzeuge auf Großprofilstrecken rückwärts fahren, wenn der Fahrschalter in Vorwärts-Stellung gebracht wird und umgekehrt?

Die Zeiten sind schon lange vorbei. Da die meisten Fahrzeuge Drehstromtechnik verwenden wird sich wahrscheinlich gar nichts tun.
Aber wenn das Gleis negativ ist, ist das nicht Sau gefährlich? Vorallem bei den vorhanden Übergängen fürs Personal?
Das Gleis ist ja auf Erdpotential.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: 4498 am 04. Mai 2020, 23:42:33
Das Gleis ist ja auf Erdpotential.
Ich hab mal gesehen, wie im laufenden Betrieb Plakatierer im Gleisbereich gestanden sind .. bei nach oben blanker Stromschiene. Rein auf Grund meiner Eletrotechnikausbildung kann ich schon nachvollziehen, dass dicke Schuhe alles unter 1000 Volt wegstecken. Abers stolpern möchte ich da trotzdem neben der blanken Stromschiene nicht.
Titel: Re: [DE] Berlin
Beitrag von: abc am 05. Mai 2020, 07:41:15
Die IK-Kleinprofilzüge sind schon seit 2017 auf der U5 unterwegs, das ist keine Neuheit die mit dem Lückenschluss kommen wird.

Ah, Mist, meine Formulierung war vielleicht missverständlich (weil im Zusammenhang mit einem zitierten Beitrag zu lesen).


Ja, wobei Ende des Jahres endlich der Lückenschluss zwischen U5 und U55 erfolgen soll. Mit den schönen Oldtimerfahrzeugen wird dann jedoch auch Schluss sein.

Dafür gibt es dann erstmal Betrieb mit Kleinprofilfahrzeugen auf der Großprofillinie U5.

... war natürlich auf den Neubauabschnitt bezogen, wenn auch (durch "auf der Großprofillinie U5") zugegebenermaßen nicht ganz eindeutig war. Tut mir Leid!

***

Neues gibt es auch: die U55 ist wegen Corona nun schon früher als geplant Geschichte. Die Wiederaufnahme des Betriebs erfolgt dann irgendwann im November als Teil der verlängerten U5. Die Projektgesellschaft veröffentlicht übrigens auf ihrer Internetseite ein etwa einmal wöchentlich bis zweiwöchentlich aktualisiertes und reich bebildertes Bautagebuch, mit Schwerpunkt auf die neuen Stationen Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden (an der Ecke Friedrichstraße, nicht zu verwechseln mit dem S-Bahnhof Brandenburger Tor, der bis zur Eröffnung der U55 Unter den Linden hieß): https://www.projekt-u5.de/de/bautagebuch/2020/