In 2026 denkt niemand mehr, dass er genau an der Haltestelle mit dem Namen der Straße, in der sich der Zielort befindet, aussteigen muss. Man gibt das Ziel in Google Maps, Apple Maps, Wien Mobil usw. ein und man bekommt die Haltestelle, an der man aussteigen muss, angezeigt.
... und ist dann vielleicht trotzdem irritiert, wenn schon drei Stationen vorher die Zielstraße durchgesagt wird.
Da sind kürzere Namen, die vielleicht nicht genau den Ort, wo sich die Haltstelle befindet, beschreiben, viel sinnvoller als drei Haltestellen hintereinander mit den Namen Westbahnstraße/Kaiserstraße, Westbahnstraße/Zieglergasse und Westbahnstraße/Neubaugasse. Da ist doch jemand, der nicht ortskundig ist, viel verwirrter, als wenn er sich einen kurzen, einfachen Namen merken kann, wo er aussteigen muss. Außerdem steht dann im 49er nur "Kaiserstraße" und nicht der volle Name, was noch viel verwirrender ist.
Wieso sollte es verwirrend sein, an den Stationsnamen zu erkennen, welcher Straße die Bahn folgt? Vielleicht bin ich außerdem zu klassisch unterwegs, aber ich würde - trotz Nutzung digitaler Medien - selbst gern wissen, wo ich bin und mich im Stadtraum orientieren.
Das mag für uns Tramwayfans nach Arbeitsbeschaffung aussehen, aber es dient wohl
a) der Barrierefreiheit. Barrierefreie Sprache ist enorm wichtig, wird in Ö aber teils noch immer nicht umgesetzt. Es bedeutet mehr oder weniger, dass jeder Betrachter Inhalte einigermaßen verstehen kann, auch wenn er wenig oder kein Deutsch spricht oder aber auch eine Lernbeeinträchtigung hat. Je kürzer Namen sind, desto besser. Du kannst keinem Touristen der Welt erklären, warum dieselbe Haltestelle in zwei Richtungen oder von zwei Linien anders heißt.
b) die Lesbarkeit. Lange Haltestellennamen a la Klosterneuburger Straße / Wallensteinstraße sind nicht gut darstellbar im Fahrplan und auf der Routentafel.
Es sieht nicht nur nach Arbeitsbeschaffung aus, es ist Arbeitsbeschaffung. Sieht man ja allein daran, dass ein Doppelname einfach vom 49er zum 52er wandert. Man ist also noch nicht mal stringent.
Und den Sinn für Barrierefreiheit nehme ich einem Verkehrsbetrieb, der es auch nach 30 Jahren nicht schafft, nicht barrierefreie Fahrt im Fahrplan zu kennzeichnen (oder Hochflurfahrzeuge zumindest nicht bei mehreren Fahrten hintereinander fahren zu lassen) auch nicht ab.
Doppelnamen müssen übrigens auch nicht prinzipiell schlecht sein - gerade an Kreuzungen zweier stadtbildprägender Hauptstraßen (z.B. der Klosterneuburger und der Wallensteinstraße oder der Westbahnstraße und der Neubaugasse).