Ich glaube, ein stumpfer Vergleich mit der nächstgrößeren Stadt bezüglich der Bevölkerungszahl und -dichte ist an erster Stelle, um zu eruieren, wie schwer es sein wird, so eine Straßenbahn vollzubekommen. Für die Stadtentwicklung wäre ein Straßenbahnprojekt ein großes Plus und würde auch das Image stark verbessern. Viele sehen Klagenfurt als Kaff und das wird zum Teil auch daran hängen.
Danke für Dein Feedback. Ja, nüchtern betrachtet käme Klagenfurt auch ohne Straßenbahn aus (und tut dies ja bereit seit über 60 Jahren), weshalb ich andere Faktoren wie Stadterneuerung und Image betont habe.
Für diesen Vergleich nehmen wir erstmal die nackten Bevölkerungszahlen von Innsbruck und Klagenfurt: 132000 vs. 106000. Klingt ok, aber bei Betrachtung der Dichte schrillen bei mir schon die Alarmglocken: 1263 vs. 876, also fast ein Drittel weniger.
Die Bevölkerungsdichte laut Wikipedia bezieht sich immer auf das gesamte Gemeindegebiet. Im Fall Klagenfurt ist da sehr viel landwirtschaftliche Fläche und Wald dabei. Bei Innsbruck wird es zwar ähnlich sein, aber
hier habe ich Zahlen zum Stadtgebiet gefunden, nämlich 6.119 Einwohnern pro km². Zu Klagenfurt finden sich nur brauchbare Zahlen für die Innere Stadt (Bezirke innerhalb der Ringstraßen) - 4262 Einwohner je km² und die vier Vorstädte, mit Werten zwischen 3000 und 5000 Einwohnern pro km² (
Quelle). Bei den bevölkerungsreichsten Bezirken (St.Martin und St. Peter) sind dann doch wieder ausgedehnte unbebaute Gebiete dabei, wodurch sich "nur" Werte zwischen 1600 und 2200 Einwohner je km² ergeben. Grundsätzlich ist aber in der kompakten Stadt durchaus eine Bevolkerungsdichte vorhanden, welche eine Straßenbahn rechtfertigt. Und genau aus diesem Grund habe ich die Linien auch nicht über diesen Bereich hinaus gezeichnet - denn die Grenzen zum locker verbauten Gebiet lassen sich ziemlich genau umreissen.
Dazu kommt aufgrund der niedrigeren Dichte eine geringere Konzentration um leicht zu erschließende Achsen.
Es gibt einige dicht bebaute Gebiete auch in einiger Entfernung vom Zentrum, aber grundsätzlich, ja. Da man in Klagenfurt den (vernüftigen) Entschluss gefasst hat, die Stadt im Inneren zu verdichten (zumindest am Papier), sollte mittelfristig eine größere Konzentration entstehen. Dann wird es mitunter schwierig, nachträglich leistungsfähige Massenverkehrsmittel bereitzustellen.
Man kann hier also nicht ehrlich für die Straßenbahn argumentieren und dabei ihre Leistungsfähigkeit besonders hervorheben. Dieses Argument ist für Klagenfurt nicht stichhaltig, da in dieser Stadt alles mit Gelenkbussen zu stemmen wäre, "notfalls" im attraktiveren 7,5 min Takt.
Es ginge sicher noch eine Weile mit den Bussen. Aber je mehr Busse, umso größer die Belastung der Straßen - umso teurer wird das System pro beförderte Person. Ab 4000 Personen/Richtung/Tag ist eine Straßenbahn im Betrieb günstiger. Unabhängig davon wissen wir alle, dass man mit einem reinen Bussystem keine Revolution im Modal Spilt hin bekommt - und das sollte ebenso ein Ziel sein. Wie Du richtig erwähnst, zählt der Schienenbonus. "Nachhelfen" kann man beim Bedarf indem man einerseits Buslinien aus der Peripherie an die Straßenbahn anbindet, andereseits durch "Push"-Maßnahmen wie Verkehrseinschränkungen für den MIV und restriktive Parkraumbewirtschaftung, was übrigens auch der Rechnungshof in seinem Bericht zu den Straßenbahnen in Graz, Linz und Innsbruck empfielt.
Man muss also auf die Attraktivierung des Stadtbildes und den Schienenbonus bei der Verkehrsmittelwahl besonders hinweisen, was im vorliegenden Text auch geschieht. Es gibt andernorts ja auch Straßenbahnbetriebe mit deutlich weniger Andrang und Halbstundentakt, z. B. in Halberstadt.
Halberstadt ist ein historischer Betrieb, ebenso wie Gmunden. Ich habe mir u.a. das
Projekt der Straßenbahn für Pisa (90.000 Einwohner) angesehen, welches demnächst realisiert wird. Es geht also auch bei neuen Systemen in kleineren Städten. Dort hat man noch eine Nachbargemeinde in das Projekt einbezogen, um die für die staatlichen Zuschüsse notwendigen 100.000 Einwohner zu erreichen.
Mit Blick auf die Finanzlage muss man auch die Frage stellen, ob man die Umweltziele nicht billiger mit einem Ausbauprogramm für Fahrräder (plus Abbauprogramm für MIV) auch erreichen kann. Die Fahrradabstellung am Hauptbahnhof war bei meinen Besuchen stets gut gefüllt, hier kann sicher noch Potenzial gehoben werden.
Beim Fahrradanteil steht Klagenfurt gar nicht so schlecht da, auch wenn die zahlreichen Pseudo-Radwege (Bodenmarkierungen auf der Straße) verbesserungswürdig wären. Sicher geht noch mehr, aber um eine wesentliche Verlagerung weg vom MIV zu erwirken braucht es mE einen überzeugenden ÖV. Auch sollte man die Wetteranfälligkeit von Fahrrädern nicht unterschätzen. Hier in Italien fahre ich das ganze Jahr über mit dem Elektroroller. Wenn ich im Dezember nach Wien komme, nehme ich ihn nicht mit - ist mir einfach zu kalt. Da fahre ich lieber öffentlich. Im Sommer ist das anders.
Ganz so knapp dürfte die Finanzlage der Stadt nicht sein, siehe
hier. Was mich jedoch dazu bewogen hat, die Straßenbahnfrage aufzuwerfen, war das Projekt KEBIP zu Elektrifizierung der Busflotte. Da war man immerhin fast so weit, 167 Mio Euro auszugeben und hatte eigentlich alles bereits unter Dach und Fach, inklusive Finanzierung. Nur wollte ein Teil der entscheidenden Politiker lieber andere Projekte verwirklichen und hat sich damit schließlich durchgesetzt. Wobei die Elektrobusse nicht annnähernd so viel wie eine Straßenbahn gebracht hätten und langfristig für die Stadt sogar teurer gewesen wären.
Die Tram-Train-Idee halte ich langfristig für verfolgenswert, aber nicht auf der vorgeschlagenen Strecke. Ferlach muss das Ziel einer solchen Erschließung sein. Für die Anbindung von Viktring genügt eine normale Straßen-/Lokalbahn, die Bestandsstrecke bringt ob ihrer Eingleisigkeit ohnehin Komplikationen bzw. Ausbaubedarf. Für die 2 km Zweisystemfahrzeuge anschaffen, lohnt sich ebenfalls nicht.
Ich habe das Thema vor allem wegen des Vorschlags von Fahrgast Kärnten erwähnt. Der kam jedoch noch vor der Elektrifizierung der Rosentalbahn. Ich wäre auch sehr skeptisch bei Zweisystem-Fahrzeugen. Jetzt gibt es einmal die S-Bahn, daran wird sich so bald nichts ändern. Natürlich wäre Ferlach der ideale Endpunkt, aber als Vollbahn kommt das bestimmt nie. Erst wenn die gegenwärtige Fahrzeuggeneration am Ende ihrer Laufzeit angekommen sein wird, könnte ein Tram-Train interessant werden, dann aber zweckmäßigerweise mit Gleichstrom-Fahrleitung und als Lokalbahn. Und dann wäre eine Gabelung nach Viktring eventuell machbar, mit einem zweigleisigen Ausbau im Stadtbereich.
Zur Verbindung nach Feldkirchen: Ja, es gibt nur eine Umwegverbindung mit der S2, aber der X2 ist die Pendlerverbindung der Feldkirchner und die wird auch sehr gut angenommen. Ein Umlenken des X2 nach Annabichl bringt dir ganz viele FE-Autos wieder in die Stadt Klagenfurt. Beim Dörfer-Bus 401 ist das etwas anders, der hat ohnehin schon so lange Fahrzeiten, dass der von Autobesitzern gar nicht in Betracht gezogen wird.
Eine direkte Verbindung zu kappen tut immer jemandem weh. Im gegeben Fall würden sich die Fahrzeiten trotz Umstieg nicht verlängern, da die Weiterfahrt sowohl mit der Straßenbahn als auch mit der S-Bahn schneller wäre. Durch die Straßenbahn wäre etwa das Klinikum besser erschlossen, welches sicher auch ein wichtiges Ziel für Fahrgäste aus der Region ist (es wird vom X2 nicht angefahren). Man hätte also zwei Umstiegsmöglichkeiten vom Bus - einmal Straßenbahn für Klinikum und Zentrum, einmal S-Bahn für Hauptbahnhof und Richtung Westen. Zugegeben, ein heikler Vorschlag.
Außerdem würde ich annehmen, dass sich so ein Netzentwurf besser verkauft, wenn man direkt im Kernnetz eine gute Anbindung von Europapark und Strandbad aufnimmt. Vielleicht ist es am sinnvollsten, die Museumstram zum Lakeside Park zu führen und dort einen Umstieg an nachgefragten Tagen zu schaffen. Direkte Museumszüge übers Hauptnetz wären ein netter Bonus, leider ist die Museumsbahn in Meterspur.
Jeder km Straßebahn kostet mindestens 16-18 Mio € + eventuell Brücke über den Lendkanal. Sowohl Strandbad/Schiffsanlegestelle als auch der Europapark/Minimundus haben aber nur maximal das halbe Jahr über einen ausreichenden Besucherstrom. Da wäre es tatsächlich besser, die Museumstramway - als ergänzenden Freizeitverkehr - zur Straßenbahnendstelle zu führen. Denn das würde schwach ein Drittel einer Straßenbahn kosten. Darum habe ich das nur als mögliche Erweiterung erwähnt.
Das Konzept an sich finde ich gut durchdacht, man merkt, dass du viel Arbeit reingesteckt hast. Danke dafür!
Gerne. Ich habe auch Freude daran gehabt.