Ein Fehler ist, gegen den Öffentlichen Dienst mit dem Median zu argumentieren, weil die Qualifikationsstruktur bei weitem nicht übereinstimmt.
Es geht eher darum, dass es tief in der österreichischen Kultur verankert ist, darüber zu motschgern, wie wenig Geld man verdient oder hat. Während der um Mindestlohn arbeitende Amerikaner dir stolz seinen Wohnwagen auf dem Grundstück im tiefsten Alabama zeigt, den er in nur 29 Jahren abbezahlen wird, erklärt dir der österreichische Privatier mit sechsstelligem Jahreseinkommen und siebenstelligem Vermögen, wie schwer es es hat und dass er sich fast nix leisten kann. Daher macht es Sinn, Leute, die laut eigener Aussage "einen Sch***dreck verdienen", auf die Statistik hinzuweisen.
Ich selbst hab 1977 als HTL-Absolvent mit 6.000 ATS brutto angefangen. Freund hat zu mir gesagt, bist blöd, um das Geld zu arbeiten. Als wir 50 waren hat er gejammert, Arbeitslos, kaum Chancen auf einen Job. "Du hast gut reden als Beamter". Da kann man nur sagen: "Was hast vor Jahren zu mir gesagt? Hättest du monatlich nur das Geld verbraucht, das ich gehabt habe, dann könntest jetzt auf einen Job pfeifen und bis 65 nur von deinem Ersparten leben und dir bliebe immer noch was übrig.
Das Gschichtl hast du schon mehrfach erzählt, aber interessanter wären andere Dinge. Zum Beispiel, wie die Einstiegsgehälter damals im Median waren (nicht wesentlich höher), was der Unterschied zwischen 6.000 ATS brutto in der Privatwirtschaft und 6.000 ATS brutto als Beamter waren (gleiche Steuer, weniger Sozialversicherung, damit höheres Netto für den Beamten), was die Unterschiede in der Jobsicherheit und in der Arbeitsbelastung waren (kein Konkursrisiko des Staates, kein Personalabbau aufgrund von schlechter wirtschaftlicher Lage, kaum Kündigungen selbst bei schlechter Leistung, weniger Tätigkeiten in gleicher Arbeitszeit), ob die Rechnung noch aufgeht wenn nicht beide exakt mit 65 ein Bankerl machen (nein, weil er hat seine Ersparnisse aufgebraucht und du kriegst weiter Pension) und vor allem: In welchem Alter Schüssel (in typischer ÖVP-Manier natürlich auf Kosten der Allgemeinheit) dir das Geschenk deines Lebens gemacht hat und dich mit 80% vom Letztgehalt, bis zum Lebensende jedes Jahr erhöht, in Pension geschickt hat, während der Arbeitgeber deines Freundes ihn zum AMS geschickt hat (müsste um den 50er herum sein).
Ja, es gibt jetzt unterschiedliche Entlohnung für die gleiche Tätigkeit. Um das zu verhindern, müsste man die Jüngeren genau so bezahlen wie früher.
Nein, das würde die Ungleichbehandlung noch vergrößern und die Produktivität weiter reduzieren. Man müsste es einfach nur wie in den meisten Branchen in Österreich und wie im öffentlichen Dienst der meisten europäischen Länder machen: Es gibt eine Regelung pro Branche/Unternehmen/Behörde/..., und die gilt für alle, die dort arbeiten, egal ob sie im Jahr 1977 oder im Jahr 2026 angefangen haben. Unterschiede im Gehalt nach Position oder Arbeitserfahrung (wenn für die Position relevant) kann es geben, aber die gelten auch für alle gleich und es darf sie nur geben, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt, entsprechend dem im B-VG, der EMRK und der Charta der Grundrechte der EU verankerten Gleichheitsgrundsatz.
In den meisten Bereichen der Privatwirtschaft (Ausnahmen in erster Linie ehemals verstaatlichte oder staatsnahe Bereiche) gilt für alle der gleiche KV mit gleichem Gehaltsschema und Kündbarkeit nach den gesetzlichen Vorgaben (keine verpönten Gründe, keine Sozialwidrigkeit, ...)
Welche Bereiche und welchen KV meinst du?
Metallindustrie? Metallgewerbe? Elektroindustrie? Journalismus? Land- & Forstwirtschaft? Handel? Sicherheitsbranche? Sozialwirtschaft?
Insgesamt gibt es in Österreich über 800 Kollektivverträge.
Die österreichischen Gewerkschaften schließen jährlich über 450 Kollektivverträge ab.
Die Gewerkschaft GPA verhandelt im Jahr rund 170 Kollektivverträge in 25 Branchen.
Und noch etwas:
... der gleiche KV mit ... Kündbarkeit nach den gesetzlichen Vorgaben (keine verpönten Gründe, keine Sozialwidrigkeit, ...)
In welchem KV wird das inhaltsgleich mit den gesetzlichen Vorgaben, also redundant geregelt?
Man sollte sich nicht absichtlich dumm stellen - dann könnten die Leute nämlich denken, man ist es wirklich.