- Die Überplattung kann jeder Statiker auf genau die Tragfähigkeit rechnen, die benötigt wird, keine Hexerei.
Natürlich, das Problem ist die zeitliche Dimension. Die Statikerin drückt ja auch nicht einfach einen Knopf, und dann kommt wie durch ein Wunder ein Ergebnis raus, sie benötigt Annahmen, um überhaupt arbeiten zu können.
1. Mit welchen Lasten ist zu rechnen? Dazu braucht es mehr als eine KI-Fotomontage, sondern ein Konzept, welche Nutzungen wo angedacht sind. Gibt es tatsächlich Teiche? Soll die Überplattung überfahrbar sein, z.B. durch die Feuerwehr?
2. Erlaubt das vorhandene Stützbauwerk eine Überplattung, sowohl theoretisch (beim Bau vorgesehen) als auch praktisch (aktuellen baulicher Zustand)?
3. Wie sieht die Bodenbeschaffenheit im Umfeld? Vielleicht liegen Erkenntnisse von früheren Projekten vor, im Worst Case stehen noch ergänzende Baugrunduntersuchungen an.
Auch hier gilt natürlich, dass nichts davon Hexerei ist, aber es kostet Zeit, die vergeht, bis die Statikerin überhaupt anfangen kann zu rechnen. Allein Punkt 1: eh überhaupt ein Landschaftplanungsbüro beauftragt ist, zu arbeiten anfängt und einen ersten Entwurf vorliegt, haben die Bauarbeiten längst begonnen.
Bei den Bauarbeiten wiederum hoffe ich doch, dass die Gewerke im Zeitplan gut aufeinander abgestimmt sind, um die Sperrzeit so kurz wie möglich zu halten. Hieße aber auch: man kann nicht einfach sagen, dass man nun noch schnell die Trasse überdeckelt, ohne Zeit- und Kostenplan des Gesamtprojekts zu gefährden.
Dazu kämen noch weitere Fragen: wie erfolgt die Entlüftung der Trasse im Brandfall? Was passiert eigentlich mit der Rampe südlich der Großen Ungarbrücke, die die Fotomontage mal eben durch einen Park ersetzt hat? Ich betone, dass auch diese Fragen kein Hexenwerk sind, aber eben Zeit kosten.
Besonders ärgerlich finde ich das Agieren von Ulli Sima, die sich als Planungsstadträtin solcher Zusammenhänge hoffentlich bewusst ist (sonst wäre sie völlig ungeeignet für das Amt). Die Stadt braucht bei weitaus weniger komplexen Projekten auch Jahre für die Planung. Aber gut, wir haben gelernt: laut Ulli Sima kann man kurz vor Baubeginn noch elementare Änderungen einbringen und erwarten, dass sie ernsthaft geprüft werden. Hoffentlich kommen möglichst viele bei städtischen Projekten darauf zurück.
Ich möchte auch betonen: natürlich wäre das eine Chance gewesen, nur hätte man die halt vor fünf Jahren ergreifen müssen - gerade, wenn die Idee seit den 80ern vorliegt.