Aber im Normalfall wird sowieso gleichzeitig gebremst. Die Bremsung bleibt bloß den meisten Zeitgenossen nicht in Erinnerung, weil sie sie zugunsten des eindrucksvollen und unvermuteten Klangereignisses ausgeblendet haben - so kommen dann die üblichen Gschichtln zusammen, der Straßenbahnfahrer habe nicht gebremst, sondern nur geläutet.
Dieses automatische Läuten ist sowieso ein Käse. Es kommt dabei immer wieder zu klassischen Fehlleistungen. Beispiel: Unaufmerksamer Autolenker parkt aus, ohne auf die Tramway zu achten. Durch die eingeleitete Notbremsung und das Dauerläuten erschrickt er und hüpft auf die Bremse, statt Gas zu geben, wie er eigentlich wollte. Ohne sein Erschrecken wäre sich vielleicht alles ausgegangen, durch sein Anhalten jedoch scheppert es. Was nützt es, wenn der Autofahrer schlussendlich vielleicht die ganze Schuld kriegt? Ein vermiedener Unfall ist jedenfalls besser. Außerdem kann im Vorhinein niemand sagen, wie ein Verfahren letztlich ausgeht, vielleicht kriegt der Autofahrer nur eine Teilschuld oder sogar ganz recht!
Das gleiche Beispiel gibt es auch mit Fußgängern, die träumend (oder telefonierend) über die Straße latschen und durch das Läuten wie angewurzelt stehenbleiben, statt weiterzugehen/-rennen!
Ein anderer Aspekt ist, dass das Dauerläuten eigentlich ein Notsignal ist und alle Straßenbahnfahrer, soweit sie es wahrnehmen, zu einer Notbremsung ihres Zuges veranlassen müsste!