Autor Thema: Klagenfurt / Celovec  (Gelesen 48872 mal)

matto und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Halbstarker

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Re: Klagenfurt / Celovec
« Antwort #75 am: Gestern um 09:18:45 »
Toll, wie dieser Thread durch die diversen Bildpostings im Februar wiederbelebt wird! :up:
Ceterum censeo autocineta omnibus delenda esse!

fr3

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Re: Klagenfurt / Celovec
« Antwort #76 am: Gestern um 21:52:56 »
Das linke Gebäude war ursprünglich die Halle II. Im 2. Weltkrieg wurde die Halle I vollständig zerstört und die Halle II wurde zur Halle I. Das rechte Gebäude wurde 1950 fertiggestellt und war zwar für die Straßenbahn gedacht wurde aber als Autobusgarage und ein Jahr später auch für die Obusse verwendet.

Ich empfehle auch den Blick in KAGIS wo es historische Orthotos aus den 50er und 70er Jahren gibt: https://gis.ktn.gv.at/webgisviewer/atlas-mobile/map/_sharedmaps/0x3672ACAC1CC9008B4B47FD602BB09E5728D5EF5707346A935A930EE5A55B02E9

Da sieht man gut die Gleis-/Schleifenanlage und auch noch die alte Wagenhalle "Moschnerhalle" für die Beiwagen.
Vielen Dank für den wertvollen Link. Das Orthophoto zeigt die Situation 1952-53.

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Bild 1: ich habe aufgrund deiner Beschreibung versucht, die Situation zu rekonstruieren.
gelb: Halle I (vormals II) mit vier Gleisen. Vor dieser ist das Remisenbild entstanden.
blau: Halle II (vormals I), wie beschrieben ohne Gleise
grün: "Moschnerhalle" für die Beiwagen, offenbar mit 3 Gleisen

In roter Farbe habe ich versucht, die ungefähre Gleislage einzuzeichnen, wobei es noch einige Nebengleise gegeben haben könnte die auf dem Bild nur unklar zu erkennen sind. Der Übergang von der eingleisigen Strecke zur zweigleisigen Endstelle in der Bahnhofstraße ist auf mehren Bildern sichtbar.

Belegt ist nun auch die Schleife rund um das Bahnhofshotel.

In violett das Direktionsgebäude mit der Durchfahrt, das offenbar auch nach dem Krieg noch vorhanden war. Man kann es auch auf dem Bild in AW 41 erkennen.

Zur Verwendung als O-Bus-Garage der "blauen" Halle habe ich auch noch ein Bild gefunden:

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Bild 2
"Wir schreiben den 16. April 1963. In der Remise der Stadtwerke Klagenfurt - Verkehrsbetriebe sind Obus 2 und Büssing Senator Nr. 45 für die letzte/erste Fahrt geschmückt bereitgestellt. Obus 2 wird am Nachmittag dieses Tages die letzte Tour des Obus vom Kreuzbergl nach St.Peter fahren, Senator 45 wird nach der letzten Fahrt der Straßenbahn zwischen Heiligengeistplatz und Hauptbahnhof die Ehrengäste zurück zum Ausgangspunkt bringen. Dieses und 120 weitere historische Fotos der "Klagenfurter Autobusse" gibt es im Frühjahr 2025 im neuen Buch vom Admin im Verlag der "Nostalgiebahnen in Kärnten". Vorbestellungen ab sofort für € 25,50 zzgl. Porto unter office@Nostalgiebahn.at"

Aufgrund des Orthophotos konnte ich nun auch ein anderes Bild lokalisieren. Aber dazu zunächst die Vorgeschichte:

In der Ortschronik von Krumpendorf wird erwähnt, dass es 1911 ein Projekt gab, die Straßenbahn zum See nach Krumpendorf und weiter nach Pörtschach zu verlängern. Bis Krumpedorf waren folgende Haltestellen vorgesehen:
km 0,00         Klagenfurt See          Ausweiche und feste Haltestelle
km 0,857 Rauscherweg         Bedarfshaltestelle
km 1,647 Gurlitsch         Bedarfshaltestelle
km 2,104 Krumpendorf Anfang Ausweiche und feste Haltestelle
km 2,610 Krumpendorf Mitte feste Haltestelle
km 3,010 Krumpendorf Anfang Ausweiche, Schleife und feste Haltestelle

Tatsächlich war die notwendige Grundeinlöse bereits bis Krumpendorf erfolgt. Misst man 3 km von der Haltestelle See entlang der Uferstraße Richtung Westen, kommt man nur bis zum Ortsanfang von Krumpendorf. Die Strecke wurde jedoch aufgrund des ersten Weltkriegs nicht gebaut. Erst 1949 wurde sie schließlich als O-Bus bis über Krumpendorf hinaus (Leinsdorf) gebaut. Von dieser Endstelle gibt es auch ein Bild.

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Bild 3: Endstelle Obus Leinsdorf. Foto TAÖ

Diese Endstelle lässt sich auf Google Maps verorten. Der Betonmast auf dem linken Bildrand dürfte sogar noch von der Obus-Fahrleitung stammen.

Der Obus führt uns jedoch zurück zur Straßenbahn, da er eine direkte Erweiterung der Seelinie bildete. Dafür gab es sogar eine aufwendig gestaltete Umsteigstation, die in mancher Hinsicht an die Umsteigstelle 60-360 in Rodaun erinnert.

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Bild 4 Umsteigstelle See (Foto: Archiv Hansgeorg Prix)

Die Facebook-Seite der Kärntnerkrone weiß dazu folgendes zu berichten:
Die sogenannte „See-Halle“ in #Klagenfurt bestand bis in die Achtzigerjahre. Sie bot eine bequeme Umsteigemöglichkeit von der Tramway zum Obus nach #Krumpendorf. Die Infrastruktur war beeindruckend: Kiosk, Trafik, Telefon, WC, geheizter Warteraum...

...und veröffentlich dazu auch noch ein weiteres Bild, diesmal mit Straßenbahn und O-Bus:

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Bild 5: Umsteigstelle See im Winter

Nochmals Danke an WVB, denn anhand der Luftaufnahmen konnte ich auch diese Bilder verorten.

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Bild 6: See-Halle auf dem Luftbild 1952-53 (Rot)

Heute befindet sich an dieser Stelle eine Parkplatz.

Die Straßenbahn fuhr weiter bis zum Strandbad. Davon gibt es bestimmt auch Bilder...

haidi

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Re: Klagenfurt / Celovec
« Antwort #77 am: Gestern um 23:34:12 »
Man kann beim Einfügen von Bilder auch die Funktion "Im Text vergrößerbare Miniaturansicht" verwenden, [ Für Gäste keine Dateianhänge sichtbar]
Dann braucht der P.T. Leser nicht immer zwischen Text und Bild hin und her zu springen.
Microsoft is not the answer. It's the question and the answer is NO.

WVB

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Re: Klagenfurt / Celovec
« Antwort #78 am: Heute um 07:58:42 »
In roter Farbe habe ich versucht, die ungefähre Gleislage einzuzeichnen, wobei es noch einige Nebengleise gegeben haben könnte die auf dem Bild nur unklar zu erkennen sind. Der Übergang von der eingleisigen Strecke zur zweigleisigen Endstelle in der Bahnhofstraße ist auf mehren Bildern sichtbar.
Auf Ebay sind fast immer die beiden Bücher von Hermann/Laula & Mayr/Prix zu recht moderaten Preisen drinnen. Da bleiben dann fast Fragen mehr offen (außer es Dinge die nach 1982 passiert sind wie z.b. der Abriss der See-Halle).

fr3

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Re: Klagenfurt / Celovec
« Antwort #79 am: Heute um 10:08:25 »
Man kann beim Einfügen von Bilder auch die Funktion "Im Text vergrößerbare Miniaturansicht" verwenden, (Dateianhang Link)
Dann braucht der P.T. Leser nicht immer zwischen Text und Bild hin und her zu springen.
Ist mir aus anderen Foren bekannt. Habe es jetzt geändert, denn zum Betrachten ist es sicher angenehmer. Für den Verfasser gestattet die Ansicht am Ende mit dem Zähler ein Feedback über die Betrachtung des jeweilige Bildes. Das gibt es bei der Ansicht im Fließtext nicht.

Auf Ebay sind fast immer die beiden Bücher von Hermann/Laula & Mayr/Prix zu recht moderaten Preisen drinnen. Da bleiben dann fast Fragen mehr offen (außer es Dinge die nach 1982 passiert sind wie z.b. der Abriss der See-Halle).
Viele der Bilder im Internet sind wahrscheinlich in diesen Büchern zu finden. Einer der Bände steht in der Bibliothek meines Vaters in Wien, wie ich letzen Sommer beim Durchsichten festgestellt habe. Nun sitze ich mehr als 1000 km davon entfernt und komme erst in einigen Monaten wieder an das Buch - welches ich mir dann bestimmt ansehen werde.

Das Orten der Bilder auf Google Maps macht mir Spaß, ebenso das "Herauspflücken" von Photogrammen aus Filmauschnitten und das Studium alter Luftaufnahmen. Auch das Aufstöbern von Bildern und Kommentaren in diversen Internet-Foren - zum Glück sind ein paar Facebook-Gruppen zu Klagenfurt auch ohne Zuckerberg-Account zugänglich - eröffnet unter Umständen neue Perspektiven. Wenn auch für den Kenner der Standardwerke zur Straßenbahn Klagenfurt viel bekanntes dabei sein sollte, hoffe ich dennoch dass auch andere daran Gefallen finden. Ich freue mich natürlich auch, wenn hier neue Bilder und Details auftauchen.

Ich bin zwar hunderte Male mit der Bahn durch Klagenfurt durchgefahren - meist bei Nacht - war jedoch nur zweimal in der Stadt selbst. Die virtuelle Retrospektive des verschwundenen Straßenbahnnetzes fasziniert.