Autor Thema: [PM] U1-Sperre in Wien: Schwedenplatz profitiert, Stephansplatz verliert  (Gelesen 4502 mal)

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U1-Sperre in Wien: Schwedenplatz profitiert, Stephansplatz verliert
9. August 2012, 13:46

Ersatzstraßenbahnen beim Donaukanal sorgen für zusätzliches Klientel, mitten im Zentrum ist nur wenig los, besonders in der Früh

Wien - Mehr als die Halbzeit der Teilsperre der Wiener U-Bahnlinie U1 zwischen Schwedenplatz und Reumannplatz ist vorüber: Leichtes Aufatmen bei einigen Betrieben, denn viele hatten in den vergangenen Wochen mit einem Kundenrückgang von teils bis zu 60 Prozent zu kämpfen. Besonders stark wirkte sich die Sperre bisher in der Station Stephansplatz aus. Am Schwedenplatz hingegen verzeichnete man sogar einen Kundenzuwachs.

"Uns trifft es besonders stark. Wir haben um 60 Prozent weniger Kundschaft. Offenbar bringt uns die U1 mehr Kunden als die U3", bestätigte die Verkäuferin einer Bäckerei in der Station Stephansplatz. Ganz besonders ruhig sei es zurzeit in den Morgenstunden.

Auch beim benachbarten Konkurrenzunternehmen klagte man über Kundenschwund, eine positive Seite gebe es allerdings: "Wir können nun in der Früh Pausen machen, was normalerweise nicht möglich ist", lächelte eine Angestellte. Der Grund, warum derzeit rund die Hälfte weniger Kunden in die unterirdische Filiale kommen, lag für sie klar auf der Hand: "Die Leute kaufen sich ihr Essen woanders. Die kommen dafür nicht extra in die Station, wenn sie nicht daran vorbei müssen", so die Verkäuferin.

Zu Fuß am Schwedenplatz

Nur eine Station weiter, am Schwedenplatz, ein gänzlich anderes Bild: Reges Getümmel herrschte sowohl außerhalb als auch innerhalb der U-Bahn-Haltestelle. "Wir haben sogar um zehn Prozent mehr Kundschaft wegen der Sperre", freute sich der Leiter eines oberirdischen Fast-Food-Lokals. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Menschen mehr zu Fuß gehen und zum Teil eine Station früher aussteigen. Auch dort angesiedelte Eisdielen konnten nicht über einen Geschäftsrückgang klagen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: "Es kommen mehr Leute als sonst, weil hier die Ersatzlinien beginnen", meinte etwa ein Eis-Produzent.

Einige Meter unter der Erdoberfläche bestätigt die Verkäuferin einer Bäckerei den Aufwärtstrend wegen der Ersatzstraßenbahnen: "Bei uns ist definitiv mehr los. Normalerweise ist es in den Sommermonaten ruhig, wegen der Urlaubszeit. Das ist diesen Sommer nicht so. Vor allem in der Früh und am Nachmittag haben wir ein Plus von 20 bis 30 Prozent".

Zu ruhig am Reumannplatz

U1- Endstation Reumannplatz: Eines der ersten Gebäude, die ins Auge stechen, ist der Altwiener Eissalon Tichy. "Die Leute sind durch die U-Bahn bequem geworden und jetzt plätschert es so dahin. Wir haben einen Kundenrückgang von ungefähr 20 bis 25 Prozent", klagte Inhaber Kurt Tichy. Der Gedanke "da kauf ich mir noch schnell ein Eis beim Vorbeigehen" würde aufgrund der Sperre wegfallen. Dies hätte noch bei der Eröffnung der U-Bahn-Station niemand geglaubt, erinnerte sich Tichy zurück. Damals seien die Menschen dem neuen Verkehrsmittels eher skeptisch gegenübergestanden, nun bringe die U-Bahn die Kundschaft.

Auch in der benachbarten Apotheke zeigte man sich über ein baldiges Ende der Sperre erfreut: "Wir sind froh, wenn die U-Bahn wieder fährt. Wir haben zwar kaum einen Rückgang bei den Kunden verzeichnet, aber für die Mitarbeiter ist die Anreise zu ihrem Arbeitsplatz erheblich schwieriger geworden", berichtete eine Angestellte. Viele Kollegen würden derzeit mit den Fahrrädern zur Arbeit kommen, da die Straßenbahnen zumeist voll seien.

Die U1 ist aufgrund von Sanierungsarbeiten noch bis zum 26. August eingestellt. Der Grund für die Zwangspause: Der betroffene U-Bahn-Abschnitt wird derzeit auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Dies war notwendig geworden, da die Strecke bereits 35 Jahre alt ist. Zudem muss die U1 auch wegen der geplanten Verlängerung nach Oberlaa modernisiert werden. (APA, 9.8.2012)

Quelle: http://derstandard.at/1343744381835/U1-Sperre-Schwedenplatz-profitiert-Stephansplatz-verliert
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

coolharry

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Na der Hr. Tichy wird sich wundern wie viel nach der Verlängerung noch bei ihm los ist.

Und, o mein Gott, die Angestellten müssen mit dem Fahrrad in die Arbeit kommen weil die böse Bim voll ist.

Gut wenn dann die U-Bahn bis Oberlaa fährt, damit der Reumannplatz genauso sterben kann wie viele andere Plätze in Wien. Dort ist immer zuviel los und zuviele Geschäfte gibts auch noch. 
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

highspeedtrain

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Na der Hr. Tichy wird sich wundern wie viel nach der Verlängerung noch bei ihm los ist.

Ja, das ist genau der Punkt: Nicht die U-Bahn bringt die Gäste, sondern der Umsteigeknoten. Derzeit sitzen halt die Leute, die sonst den 67er nehmen würden, schon im 66er oder 68er und steigen nicht nochmals um.

B. S. Agrippa

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Na der Hr. Tichy wird sich wundern wie viel nach der Verlängerung noch bei ihm los ist.
Ja, das ist genau der Punkt: Nicht die U-Bahn bringt die Gäste, sondern der Umsteigeknoten. Derzeit sitzen halt die Leute, die sonst den 67er nehmen würden, schon im 66er oder 68er und steigen nicht nochmals um.
Verlängerung hin oder her, der Reumannplatz wird weiterhin der zentrale Platz und - abgesehen vom Hauptbahnhof - wichtigste Umsteigeknoten Favoritens bleiben und wenn überhaupt nur marginal an Bedeutung verlieren. Gut möglich, dass der Tichy nicht mal signifikante Verluste verzeichnen wird, denn es fallen zwar Umsteiger weg, im Gegenzug kommen aber mehr Leute aus dem Einzugsgebiet der südlichen Favoritenstraße hinzu, weil die dann "mit der schnellen U-Bahn in nur 3 Minuten beim Tichy" sind und nicht extra mit der "langsamen Rumpelbim" hinfahren müssen.  :lamp: