Autor Thema: [PL] Warschau  (Gelesen 46064 mal)

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moszkva tér

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #15 am: 21. Dezember 2013, 13:37:52 »
Warschau, kurz vor Weihnachten: Eine Enttäuschung. Weihnachtsmärkte sucht man vergeblich, für die Fotographen ist es auch eher mühsam, denn um halb vier ist es finster. Für Fotos mühsam sind auch die vielen Autos und die vielen Stangen. Aber ich teile dennoch meine Ausbeute mit euch, ich hoffe, ihr habt eine Freude:
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Warschau wurde im Krieg fast vollständig zerstört. Bereits durch die Kampfhandlungen schwer in Mitleidenschaft gezogen, wurde es von den abziehenden Deutschen noch systematisch dem Erdboden gleichgemacht, als Vergeltung gegen den gescheiterten Aufstand 1944 (und auch den Ghettoaufstand 1943). Beide Aufstände gebündelt, mit Unterstützung der Alliierten, die aus verschiedenen Gründen ausgeblieben ist, hätte Warschau vielleicht sogar sich selbst befreien können.
So ist die Stadt eine - durchaus Charmante - Stadt, in der 1950er-Architektur dominiert. Alles, was älter ist, wurde nach dem Krieg neu aufgebaut, ist also eigentlich gar nicht alt. Die Stadt wurde mit breiten Boulevards angelegt, die perfekte Bedingungen für ein modernes Straßenbahnnetz bieten. In der Mitte mit eigenem Gleiskörper ist die Straßenbahn wirklich flott unterwegs. Kein Wunder, dass sich keine U-Bahn durchsetzen konnte. Die einzige Linie hat keine Straßenbahn ersetzt, sondern nur einen sehr belasteten N-S-Korridor entlastet. Die zweite Linie, die derzeit in Bau ist, wird einen Korridor erschließen, der bisher gar keine Tramway hatte.

Hier sind wir beim Kulturpalast, eines der Wahrzeichen der Stadt. Das 50er-Jahre-Hochhaus erinnert an die "Sieben Schwestern" von Moskau, die sieben Wolkenkratzer aus den 1940er-Jahren, von denen einer die Uni beherbergt.
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Hier die Aleja Solidarnosci, die in einem Tunnel unter der historischen Altstadt - darunter dem Königspalast, wieder aufgebaut in den 1980ern - führt.
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Das Bild wollte ich unbedingt haben, wegen der riesigen Ryanair-Werbung. Auch wenn Autos das Bild verstellen und die Straßenbahn leider unscharf ist...
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Ein Bim-Stau in Srodmiescie
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Bei der Metrostation Ratusz-Arsenal
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Und ich kann sehr empfehlen: Hotel Ibis in der Muranowska, gleich im Zentrum und drei Linien vor der Haustür
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In der Haltestelle Muranowská:
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Auf den neuen Scorsese-Film freue ich mich auch schon  :)
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Fahrgastinfo in einem der modernen Niederflurwagen:
Wo sind wir? Was sind die nächsten Haltestellen? Wie lange dauert es noch? Warum kann man sowas nicht auch in Wien haben???
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Zum Niederflur muss man sagen, dass selbstverständlich (gefühlt) jeder zweite Zug ein Niederflur war. Das funktioniert sogar auf Strecken, wo sich mehrere Linien überlagern, wunderbar.
Und selbstredend waren heute Früh, als ich um 5 mit dem Taxi zum Flughafen gefahren bin, ausschließlich (!) Niederflurzüge unterwegs - das ist aber keine repräsentative Stichprobe.

Ich hoffe, es hat Freude gemacht. Anmerkungen und Fragen jederzeit willkommen.

Konstal 105Na

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #16 am: 21. Dezember 2013, 14:43:49 »
Nette Fotos, das erste gefällt mir gut, da es das Zentrum sehr schön illustriert.

Der Straßenbahnstau ist in den Aleje Jerozolimskie (Jerusalemer Alleen) entstanden, nehme ich an. Dort ist immer viel Verkehr, sowohl individual, als auch öffentlich. Ein Stück weiter östlich, hättest du eventuell die Straßenbahn mit der Palme fotografieren können.

Zum Niederfluranteil sei gesagt, dass 231 Niederflurzüge 277 Hochflurzügen gegenüberstehen. Von den Pesa 120Na (Typenfamilie Swing) gibt es in Warschau 186 Stück. Sie sind in allen vier Betriebsbahnhöfen beheimatet und kommen auf allen Linien, außer 6, 27 und 31 zum Einsatz. 2014-2015 kommen die Pesa 128N (Typenfamilie Jazz). Es wurden 45 Stück bestellt. Danach werden 30 dreigliedrige Jazz (Typenbezeichnung noch unbekannt) ausgeliefert. Sobald der Jazz in Warschau im Einsatz ist, wird Warschau etwas mit Wien gemeinsam haben. Straßenbahnen ohne Achsen.

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hema

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #17 am: 21. Dezember 2013, 14:45:29 »
. . . .  wird Warschau etwas mit Wien gemeinsam haben. Straßenbahnen ohne Achsen.
>:D
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

moszkva tér

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #18 am: 21. Dezember 2013, 21:43:05 »
Nette Fotos, das erste gefällt mir gut, da es das Zentrum sehr schön illustriert.
Danke danke. Ich hatte leider wenig Zeit zum Fotographieren, insoferne bin ich mit der Ausbeute nicht ganz unzufrieden, obwohl ich gerne mehr und besser geschafft hätte.

Übrigens ein Tipp: Das erste Bild habe ich von der Haltestelle Centrum der Linien 4, 35 und nochwas (18?) FR Norden aufgenommen, wenn der Zug ri. Süden den Kreisverkehr überquert, ist dank der Ampelschaltungen das Rondo relativ autofrei und so bekommt man auch einen guten Blick auf den Kulturpalast.

Zu Niederflur: Faszinierend finde ich, dass in Warschau offensichtlich sehr darauf geschaut wird, die Niederflurzüge gut einzusetzen. Und nicht irgendwie, oder gar nicht, wie in Wien. Das beweist auch, dass um 5 Uhr Früh, wenn die Intervalle sehr dünn sind, nur NF unterwegs ist (wie gesagt, eine punktuelle Momentaufnahme, die keine Vollerhebung darstellt). Da ich mit Kinderwagen unterwegs war, war ich auf NF angewiesen und ich musste auch tagsüber nie mehr als einen Zug fahren lassen.  :up:

Konstal 105Na

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #19 am: 22. Dezember 2013, 13:29:43 »
Haltestelle Centrum der Linien 4, 35 und nochwas (18?) FR Norden aufgenommen

4, 15, 18 und 35.  ;)

Zu Niederflur: Faszinierend finde ich, dass in Warschau offensichtlich sehr darauf geschaut wird, die Niederflurzüge gut einzusetzen. Und nicht irgendwie, oder gar nicht, wie in Wien. Das beweist auch, dass um 5 Uhr Früh, wenn die Intervalle sehr dünn sind, nur NF unterwegs ist (wie gesagt, eine punktuelle Momentaufnahme, die keine Vollerhebung darstellt). Da ich mit Kinderwagen unterwegs war, war ich auf NF angewiesen und ich musste auch tagsüber nie mehr als einen Zug fahren lassen.  :up:

Das funktioniert in Warschau wirklich sehr gut, auch bei meinen Aufenthalten waren die Niederflurgarnituren gut verteilt. Man trachtet weniger darauf Linien typenrein zu betreiben, sondern setzt die 120Na auf so gut wie allen Linien ein.

Alles, was älter ist, wurde nach dem Krieg neu aufgebaut, ist also eigentlich gar nicht alt.

In Praga (östlich der Weichsel) gibt es noch einige "wirklich alte" Gebäude, die den Krieg überlebt haben. Hier gibt es auch etwas klassische Straßenbahnstrecke. In der ul. Hoża, das ist eine Haltestelle südlich deines ersten Fotos, gibt es auch ein, zwei Blöcke, die den Krieg überstanden haben. Es ist echt ungewohnt, in Warschau in einen Altbau zu gehen und Stuck und andere Zierelemente im Inneren vorzufinden. Die "Altbauten", also die Bauten, die nach dem Krieg in der Altstadt wiedererrichtet wurden, sehen innen aus, wie Bauten aus den 50ern und 60ern (sind im Prinzip auch Bauten dieser Zeit), haben also keine Zierelemente.
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Konstal 105Na

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #20 am: 13. Juni 2014, 08:57:59 »
Die Tramwaje Warszawskie (Warschauer Straßenbahnen), die Firma, die die Straßenbahnlinien in Warschau betreibt, hat einen Auftrag für 5 Zweirichtungsfahrzeuge ausgeschrieben. Die Wagen sollen bis zu 32,5 m lang sein und 200 Fahrgästen Platz bieten, davon 28 sitzend. Warschau hat bereits ähnliche Fahrzeuge, die Swing Duo von Pesa. Diese wurden im Rahmen des Vertrages über 186 Niederflurstraßenbahnen geliefert. Die letzten 6 waren Swing Duo, also die Zweirichtungsvariante des Swings.
Die 5 zusätzlichen Zweirichtungswagen will man bei Bauarbeiten einsetzen. Zudem plant der Straßenbahnbetrieb an wichtigen Knotenpunkten Stockgleise zu errichten, wo man im Störungsfall wenden kann. Es ist geplant das Netz schrittweise zumindest teilweise auf ein Zweirichtungsnetz umzubauen.

Bereits nächsten Monat soll der erste von 45 Jazz Duo (Typenbezeichnung 128N) ausgeliefert werden. Mit dem Jazz knüpft Pesa an das ULF-Konzept der Einzelradaufhängung an. Momentan haben nur Warschau und Gdańsk den Jazz bestellt. Sobald alle Jazz-Garnituren und die zusätzlichen 5 jetzt ausgeschriebenen Garnituren ausgeliefert sind, wird es in Warschau 306 Niederflurstaßenbahnen geben. Ihnen gegenüber stehen 532 Hochflurfahrzeuge (derzeitiger Stand), die insgesamt 276 Züge bilden. Damit wird es mehr Niederflur- als Hochflurzüge geben. 56 Fahrzeuge, werden Zweirichtungsfahrzeuge sein.

Quelle: http://www.rynek-kolejowy.pl/52718/warszawa_nowe_tramwaje_dwukierunkowe_na_dluzsza_trase.htm
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Ferry

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #21 am: 13. Juni 2014, 09:18:42 »
Es ist geplant das Netz schrittweise zumindest teilweise auf ein Zweirichtungsnetz umzubauen.

Schade, dass man nicht auch in Wien ähnliche Ideen hat! Mich fasziniert das Zweirichtungsnetz in Budapest immer wieder.
Weißt du, wie man ein A....loch neugierig macht? Nein? - Na gut, ich sag's dir morgen. (aus "Kottan ermittelt - rien ne va plus")

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #22 am: 01. Juli 2014, 13:57:12 »
Der erste Jazz Duo ist in Warschau angekommen. Es handelt sich dabei um ein Zweirichtungsfahrzeug. Typenbezeichnung 128N.







Quelle: http://www.transport-publiczny.pl/wiadomosci/pierwszy-jazz-juz-w-warszawie-2646.html
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coolharry

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #23 am: 01. Juli 2014, 16:44:06 »
Schaut a bissl aus wie ein Autobus.
Aber hat was.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

Tramwaycafe

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #24 am: 06. September 2014, 16:54:32 »
Nach dem Ausflug nach Krakau und Kattowitz steht nun anlässlich der nächsten Dienstreise ein Zusatztag in Warschau an. Daher auch hier die Frage: Was sieht man sich an einem Tag Warschau straßenbahnbezogen am besten an? Was bietet einen guten Überblick, wo gibt's interessante Fotostandorte und/oder außergewöhnliche Features? Was sollte man gesehen haben; welche Äste bieten eher nix? Auch hier: Nach dem Tag wird's in diesem Thread Fotos davon geben :D

moszkva tér

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #25 am: 08. September 2014, 06:02:29 »
Nach dem Ausflug nach Krakau und Kattowitz steht nun anlässlich der nächsten Dienstreise ein Zusatztag in Warschau an. Daher auch hier die Frage: Was sieht man sich an einem Tag Warschau straßenbahnbezogen am besten an? Was bietet einen guten Überblick, wo gibt's interessante Fotostandorte und/oder außergewöhnliche Features? Was sollte man gesehen haben; welche Äste bieten eher nix? Auch hier: Nach dem Tag wird's in diesem Thread Fotos davon geben :D

Ein Tag Warschau? Wenns nicht nur Straßenbahn sein soll, unbedingt ins historische Zentrum gehen. Das ist nicht groß, man hat es in 1-2 Stunden durch.

Konstal 105Na

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #26 am: 08. September 2014, 09:16:34 »
Nach dem Ausflug nach Krakau und Kattowitz steht nun anlässlich der nächsten Dienstreise ein Zusatztag in Warschau an. Daher auch hier die Frage: Was sieht man sich an einem Tag Warschau straßenbahnbezogen am besten an? Was bietet einen guten Überblick, wo gibt's interessante Fotostandorte und/oder außergewöhnliche Features? Was sollte man gesehen haben; welche Äste bieten eher nix? Auch hier: Nach dem Tag wird's in diesem Thread Fotos davon geben :D

Von der Altstadt aus (genauer gesagt beim Plac Zamkowy, Schlossplatz) kann man Fotos von der Straßenbahn machen, da ergeben sich schöne Motive, eventuell mit dem Schloss im Hintergrund. Die Most Gdański (Danziger Brücke) ist ein klassischer Fotostandort. Die Straßenbahn fährt unter der Fahrbahn. In Praga (östlich der Weichsel) gibt es noch alte Bausubstanz (echte, also nicht wieder aufgebaut) und eine klassische Straßenbahnstrecke. Die Strecke nach Boernerowo ist nett. Eingleisig und viel Grün.
Hier gibt es einen Netzplan (Metro, SKM und WKD sind auch eingezeichnet): http://www.ztm.waw.pl/pokazmapy.php?i=16&l=1

Wo welche Type fährt, kann ich leider nicht sagen. 105Na und 120Na sollte man auf allen Linien finden. 120N sollten am 9er fahren, 116Na u.a. am 8er und 25er und 123N u.a. am 23er.
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Tramwaycafe

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #27 am: 18. Oktober 2014, 18:21:00 »
Letzte Woche hatte ich zum ersten Mal im Zuge einer Dienstreise nach Warschau einen zusätzlichen Tag für die Tramway reserviert :D Zunächst vielen Dank für die Tipps, die ich hier bekommen habe :up:

Warschau ist eine in meinen Augen extrem interessante Stadt, nicht malerisch-schön im klassischen Sinne, aber avantgardistisch, modern und zukunftsorientiert. Die komplette, mutwillige Zerstörung im zweiten Weltkrieg hat einen völligen Neuaufbau mit sich gebracht, und der Neubau war radikal. Neue Straßenzüge, breit, großzügig, mitten in der Stadt: Wer hier schlimmste Stadtwüste ahnt, sei beruhigt: Es ist alles zwar nicht so wirklich gemütlich geworden, aber ich finde selbst die außerhalb der kleinen Altstadt raumplanerisch durchaus amerikanisch angehauchte «Downtown» durchaus angenehm, zumal für Fußgänger viel, sehr viel Platz ist. Platz ist nicht nur für Fußgänger:

Das Warschauer Straßenbahnnetz hat meiner Meinung nach die beste Ausgangssituation von allen Netzen, die ich ich bis jetzt besuchen durfte: Der Anteil eigener Gleiskörper muss immens sein, und davon wiederum ist der allergrößte Teil baulich vom sonstigen Verkehr getrennt. Selbst und gerade in der Innenstadt braust die Straßenbahn unbehindert vom sonst durchaus dichten Verkehr von Haltestelle zu Haltestelle: So tragisch die jüngere Warschauer Geschichte ist, so gründlich ist der Tramway mit dem Wiederaufbau der ihr zustehende Platz eingeräumt worden.

Das alles macht allerdings das Fotografieren der Straßenbahn nicht leichter: Die Szenerie ist durchaus monoton, mit eigenem Gleiskörper in Mittellage breiter bis sehr breiter Straßen. Das ändert sich oft über die ganze Strecke nicht und ist zwar verkehrstechnisch prima, aber nicht so unbedingt malerisch. Das bedeutet: Im Gegensatz zu Krakau, wo man sich vor guten Fotoplätzen kaum retten kann, ist sorgfältige Suche netter Plätze und Plätzchen angesagt, und dann vor Ort noch präzise Arbeit, was den Standort im engeren Sinne betrifft, denn der Autoverkehr warat dann ja auch noch da. Oder sonstige Zeitgenossen, denen man auffällt. Dazu später mehr :P

Eine für Warschau typische Strecke ist die durch die Puławska im Süden der Stadt: Hier fährt der Pesa 120Na (inzwischen der allgegenwärtige Niederflurwagen Warschaus) 3505 auf Linie 35 ;) gerade in die Haltestelle Park Dreszera ein. Die Aufnahme stammt vom letzten Samstag, 11. Oktober 2014.

Konstal 105Na

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #28 am: 18. Oktober 2014, 19:23:39 »
Es ist alles zwar nicht so wirklich gemütlich geworden, aber ich finde selbst die außerhalb der kleinen Altstadt raumplanerisch durchaus amerikanisch angehauchte «Downtown» durchaus angenehm, zumal für Fußgänger viel, sehr viel Platz ist.

Amerikaner sagen auch oft, dass Warschau fast eine amerikanische Stadt sein könnte.

Selbst und gerade in der Innenstadt braust die Straßenbahn unbehindert vom sonst durchaus dichten Verkehr von Haltestelle zu Haltestelle: So tragisch die jüngere Warschauer Geschichte ist, so gründlich ist der Tramway mit dem Wiederaufbau der ihr zustehende Platz eingeräumt worden.

An der Stelle möchte ich erwähnen, dass das Zentrum Warschaus (genannt Centrum) keine alte Bausubstanz hat und die Altstadt nicht das Zentrum Warschaus ist. Das merkt man auch, wenn man sich das Verkehrsnetz ansieht. Die Metro fährt an der Altstadt vorbei, die Straßenbahn druch einen Tunnel unten durch und nur durch die Haltestelle Stare Miasto (Altstadt) hat die Altstadt auch Zugang zur Straßenbahn. Die Altstadt selbst ist zwar nett, hat aber für mich den Charakter eines Freilichtmuseums.

Die Szenerie ist durchaus monoton, mit eigenem Gleiskörper in Mittellage breiter bis sehr breiter Straßen. Das ändert sich oft über die ganze Strecke nicht und ist zwar verkehrstechnisch prima, aber nicht so unbedingt malerisch.

Warst du in der Al. Waszyngtona (Washingtonallee)? Dort verläuft je ein Gleis seitlich der Fahrbahn, so wie in Wien am Ring. In Praga gibt es alte Bausubstanz und klassische Straßenbahnstrecken.

Übrigens hast du da einen von 6 Swing Duo (Zweirichtungsversion) fotografiert.  ;)
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Tramwaycafe

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Re: [PL] Warschau
« Antwort #29 am: 19. Oktober 2014, 16:30:14 »
Amerikaner sagen auch oft, dass Warschau fast eine amerikanische Stadt sein könnte.
Au ja, wundert mich nicht! Doch: Anders als vergleichbar große amerikanische Städte ist wohl einerseits die Belebtheit der inneren Stadtviertel auch und gerade nach Geschäftsschluss; zumindest kam mir das an den Abenden in Warschau so vor (wenn nach dem langen Tag die wirkliche Strategie mit den Partnern vor Ort auf der Agenda steht >:D ) Andererseits die Auslastung der Tram: Zur Endstation P+R Aleja Krakowska fährt auch am Samstag im Schnitt alle 3 Minuten eine Tram hinaus, und ich hatte nicht den Eindruck, dass die leer wären. Am Freitag vorher sogar jeweils bummvoll; dazu kommen auf Zwischenabschnitten nochmals drei Linien, sodass wir am gemeinsamen Abschnitt an Samstagen auf 36 Züge pro Stunde und Richtung kommen!

Warst du in der Al. Waszyngtona (Washingtonallee)? Dort verläuft je ein Gleis seitlich der Fahrbahn, so wie in Wien am Ring.
Das sieht sehr interessant aus (wie in Zagreb und Turin allgegenwärtig); aber dort war ich nicht: Als ich hier nach Tipps fragte, war noch nicht klar, dass ich ein Hotel an der Aleja Krakowska beziehen würde (35 EUR für eine Nacht, das war die günstigste Übernachtung in einem g'scheiten Hotel einer Großstadt, die ich jemals buchen konnte!), und für die Straßenbahn ein guter halber Tag zur Verfügung stünde: So blieb ich dieses Mal im südwestlichen Teil des Netzes, und hebe mir den Rest für die nächsten Besuche auf :D

Übrigens hast du da einen von 6 Swing Duo (Zweirichtungsversion) fotografiert.  ;)
Das fiel mir erst auf, als ich die Fotos am Tag der Rückkehr sah :D Ich dachte, die würden für den Zweier gebraucht; aber ein Blick auf den Fahrplan zeigt, dass dieser an Samstagen gar nicht fährt…

Gibt es derzeit noch irgendwelche Stellen in Warschau, wo Zweirichtungswägen im ansonsten noch so einrichtungsorientierten Netz gebraucht werden?

Zurück zu Einrichtungswägen: Mir sagen die Pesa 120N wesentlich mehr zu als ihre Nachfolger 120Na; letztere haben eine meines Erachtens uninspierierte, nichtssagende (und also Wienerische :P) Front, dazu einen noch niedrigeren Sitzplatzanteil als die 120N. Dazu kommt noch das nervende Infotainment in den 120Na, das in den 120N noch nicht den p. t. Fahrgast belästigte. Motschgern auf hohem Niveau: Beide Typen fahren wie ein Glöckerl, auch auf den wenigen nicht so guten Abschnitten, die ich vorfand, und sind innen außerordentlich geräumig, ohne in den Gelenken unter der Ulf-typischen Geburtskanaltraumaverengung zu leiden. Hier ist Wagen 3109 bei der Einfahrt in die Station Metro Wierzbno zu sehen, wiederum am 11. Oktober.