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  • „Der 13er zurück auf Schiene.“: 23. Oktober 2012

Autor Thema: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“  (Gelesen 3393 mal)

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13er

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Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« am: 26. September 2012, 13:08:21 »
23.10.2012

„Der 13er zurück auf Schiene.“

Referat zur möglichen Rückkehr des 13ers. Dieses beinhaltet mögliche Kosten für die Wiedererrichtung, Aussagen über die Potenziale für die Aufwertung von Geschäftsstraßen in Wien, Verlagerung von Parkplätzen, Vergleiche zu den Plänen des U-Bahn-Ausbaus und deren Effekte.

DI Dr. Harald Frey, TU Wien, Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik


Ort: VHS Alsergrund, Galileigasse.
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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #1 am: 26. September 2012, 13:17:13 »
Wenn dieses Referat nicht unter Quasi-Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten würde (Ganz ehrlich, wer außer ein paar Freaks unseres Schlages hört sich denn so was an?), sondern der Inhalt in die Medien käme (Bezirksblätter, Kronenzeitung, ORF, ...), wäre es vielleicht sogar möglich, in den Anrainerbezirken eine brauchbare Mehrheit für den 13er zu bekommen. Oder anders gesagt: Der selige Dichand hätte halt den 13er wollen müssen... :-\
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13er

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #2 am: 24. Oktober 2012, 09:49:47 »
Es war ein sehr spannender Vortrag! Dr. Frey ist ein sehr vernünftiger und innovativer Wissenschafter, der interessanterweise genau dasselbe über unser Netz denkt wie der kleine Maxi hier, der nicht genug Ahnung von Betriebsinterna hat ;)

Im Wesentlichen sind die Fakten eh bekannt, einige Eckpunkte des Vortrags will ich aber hervorheben:
- Die derzeitigen Busse sind deutlich überfüllt und nicht so sehr wegen des Hauptbahnhofs, sondern eher wegen des dahinter entstehenden Viertels wird sich diese Überfüllung noch zuspitzen.
- Der Gelenksbus wäre nur eine kurzfristige Übergangsmaßnahme mit ein wenig, aber nicht deutlich mehr Kapazität. Allerdings empfiehlt Dr. Frey das ausschließlich unter der Prämisse, dass die Schrägparker entlang der Strecke ausnahmslos entfernt werden, sonst macht es überhaupt keinen Sinn. Auch sollten die nötigen Umbauten für Gelenksbusse so erfolgen, dass man in ein paar Jahren dort mit der Straßenbahn fahren kann. In dem Zusammenhang hat er auch die Fußgängerzone Mariahilfer Straße erwähnt: Dort hätte seiner Meinung nach gleich der 13A wieder in beide Richtungen durch die Neubaugasse fahren sollen anstatt durch die Fußgängerzone, eben auch als Vorbereitung auf die Tramwayumstellung.
- Die Trassierung wäre i.W. kein Problem. Wo es noch Diskussionsbedarf gibt, das wäre die Strecke im 8. Bezirk. Seiner Meinung nach (und dem kann ich mich nur anschließen) wäre es am besten, zweigleisig über die gesamte Strecke zu fahren. Bei der Kreuzung mit der JS müsste man die Mindestgehsteigbreite etwas unterschreiten, was er so lösen würde, dass man dort am Ende der Strozzigasse einen Shared Space einrichtet (damit ergibt sich die Frage nach einer Mindestgehsteigbreite gar nicht mehr). Es wäre also in der Strozzigasse am Ende nur mehr die Zufahrt und Lieferverkehr gestattet, ansonsten für den MIV gesperrt. In der Lederergasse bliebe die Einbahn beibehalten.
- Die Einbindung in den 5er bei der Laudongasse geht sich nicht aus. Dafür würde die Einbindung vorne auf der Alser Straße klappen, wenn man entweder in Richtung Spitalgasse oder Schottentor weiterfahren wollte.
- Diskussionsbedarf gibt es noch bei der Anbindung des Hauptbahnhofs: Wo soll der 13er dort seine Stehzeit halten? Wie soll er überhaupt dort fahren? Da fand ich die Idee von Harald sehr gut, doch einfach damit das Sonnwendviertel zu erschließen. Am Südtiroler Platz gäbe es noch das (finanzielle) Problem, dass man über eine Brücke (Autofahrertunnel) fahren müsste. Aber das ließe sich technisch alles recht problemlos machen.
- Der 13er darf nicht isoliert als Straßenbahnlinie gesehen werden, sondern es geht daneben auch ganz stark um die Aufwertung der befahrenen Straßen. Als heute besonders abschreckende Beispiele wurden die Gumpendorfer Straße und Pilgramgasse genannt, die noch irgendwo in den 70ern steckengeblieben sind und ohnehin neu gestaltet werden sollten.
- Insgesamt gingen etwa 0,8% der Parkplätze in den Bezirken 4-8 verloren. Seit ca. 10 Jahren ist die Motorisierung in diesen Bezirken konstant rückläufig.
- Die U5 muss man auch unter dem Aspekt (zusätzlich zu anderen, die wir schon mehrmals diskutiert haben) als negativ einschätzen, dass die Grundstückspreise entlang der Strecke explodieren werden - und wo baut man die Stationsaufgänge hin? Grundsätzlich ist die U5 nicht mehr zeitgemäß und man sollte jetzt schleunigst beginnen, wieder zu lernen, dass und wie man Straßenbahnen baut. Immerhin die Machbarkeitsstudie zum 15er ist schon gestartet.

Beklagt hat er sich auch über das absurd absolute Sicherheitsdenken der WL (aber nicht nur die, es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen): "Do kennt jo wos passiern, weu ...". Das rein technokratische Normendenken zerstört viele innovative Lösungen, weil das Korsett einfach zu eng ist.

Ein Beispiel dafür war auch, dass der 8. Bezirk plante, zu den Adventfeiertagen die JS zur Fußgängerzone umzufunktionieren (wie die Mahü). Allerdings scheiterte es letztendlich an den Kosten, denn die WL wollten an jede Ecke zwei Gelbjacken hinstellen (sonst gibts ja zig Tote) und außerdem kann der 2er dann nur Schrittgeschwindigkeit fahren usw. Das übliche, was wir eh zur Genüge kennen.

So weit war's das glaub ich - Harald könnte vielleicht noch ergänzen, was ich vergessen habe.

Edit: Morgen (Donnerstag) findet übrigens um 19 Uhr bei den Grünen in der Blindengasse eine Diskussion zwischen Frey und Maresch statt - das dürfte auch interessant werden!
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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #3 am: 24. Oktober 2012, 10:02:42 »
die WL wollten an jede Ecke zwei Gelbjacken hinstellen (sonst gibts ja zig Tote)
Natürlich zwei, denn eine kann sich ja nicht mit sich selbst unterhalten. Sogar Ecke Mariahilfer Straße/Kirchengasse reichte eine Gelbjacke, als der 13A an den Adventsamstagen durchgehend betrieben wurde. Und diese Gelbjacke tat auch nichts anderes, als die Fußgänger akustisch darauf hinzuweisen, dass ihre Ampel Rot zeigen würde.

In den einschlägigen Vorschriften ist genau geregelt, wie sich das Fahrpersonal bei Menschenansammlungen am Gleis oder knapp neben dem Gleis zu verhalten hat, da braucht es keine zusätzlichen "Hans Guck in die Luft"s, denen ja sowieso die Hände gebunden sind, weil sie nicht verkehrsregelnd eingreifen dürfen.
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60er

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #4 am: 24. Oktober 2012, 10:49:36 »
Beklagt hat er sich auch über das absurd absolute Sicherheitsdenken der WL (aber nicht nur die, es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen): "Do kennt jo wos passiern, weu ...". Das rein technokratische Normendenken zerstört viele innovative Lösungen, weil das Korsett einfach zu eng ist.
Siehe die leidige Diskussion über das zentrale Schließen. ::)

martin8721

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #5 am: 24. Oktober 2012, 11:54:49 »
Im Wesentlichen sind die Fakten eh bekannt, einige Eckpunkte des Vortrags will ich aber hervorheben:

Danke für deine Zusammenfassung des Vortrags!  :up:
Wenn man das liest, denkt man sich echt nur noch: "Macht's es doch endlich!!!!"

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #6 am: 24. Oktober 2012, 13:22:00 »
Kommt eh in ca. 20 - 30 Jahren. In Wien dauert alles ein bisserl länger.

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #7 am: 24. Oktober 2012, 14:00:10 »
die WL wollten an jede Ecke zwei Gelbjacken hinstellen (sonst gibts ja zig Tote)
Natürlich zwei, denn eine kann sich ja nicht mit sich selbst unterhalten. Sogar Ecke Mariahilfer Straße/Kirchengasse reichte eine Gelbjacke, als der 13A an den Adventsamstagen durchgehend betrieben wurde. Und diese Gelbjacke tat auch nichts anderes, als die Fußgänger akustisch darauf hinzuweisen, dass ihre Ampel Rot zeigen würde.


Und vom Gesetz aus, darf eine Gelbjacke bei Autobuslinien offiziell auch nichts anderes
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Klingelfee

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #8 am: 24. Oktober 2012, 14:07:16 »
die WL wollten an jede Ecke zwei Gelbjacken hinstellen (sonst gibts ja zig Tote)
Natürlich zwei, denn eine kann sich ja nicht mit sich selbst unterhalten. Sogar Ecke Mariahilfer Straße/Kirchengasse reichte eine Gelbjacke, als der 13A an den Adventsamstagen durchgehend betrieben wurde. Und diese Gelbjacke tat auch nichts anderes, als die Fußgänger akustisch darauf hinzuweisen, dass ihre Ampel Rot zeigen würde.

In den einschlägigen Vorschriften ist genau geregelt, wie sich das Fahrpersonal bei Menschenansammlungen am Gleis oder knapp neben dem Gleis zu verhalten hat, da braucht es keine zusätzlichen "Hans Guck in die Luft"s, denen ja sowieso die Hände gebunden sind, weil sie nicht verkehrsregelnd eingreifen dürfen.

Ich finde es nur herrlich, dass eine JEDE Einkaufsstraße mittlerweile an den Adventsamstagen eine Fußgängerzone haben will. Die Forderung mit den Posten war auch, damit die Kaufleute überlegen, was sie fordern. Für mich ist nämlich die Josefstädter Straße schon lange KEINE Einkaufsstraße mehr. Und somit ist für mich die Forderung nach einer Fußgängerzone an Einkaufssamstag in der Josefstädter Straße eine riesige Schnapsidee..

Wenn die Kaufleute der Alser Straße diese Forderung stellen, dass könnte ich noch verstehen. Und dort könnte ich mir auch von den Platzverhältnis viel eher vorstellen, dass ein Betrieb zwischen dne Fußgänger funktionieren könnte.
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moszkva tér

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #9 am: 24. Oktober 2012, 14:25:27 »
Ich finde es nur herrlich, dass eine JEDE Einkaufsstraße mittlerweile an den Adventsamstagen eine Fußgängerzone haben will.
Ist extrem schizophren von den Kaufleuten. Wegen jedem Parkplatz heulen sie auf, weil (angeblich) keine Kunden kommen können, sie Umsatz verlieren und zusperren müssen.
Aber ohne Fußgängerzone gehts auch wieder nicht...

95B

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Re: Agenda 21: „Der 13er zurück auf Schiene.“
« Antwort #10 am: 24. Oktober 2012, 14:27:28 »
Ich finde es nur herrlich, dass eine JEDE Einkaufsstraße mittlerweile an den Adventsamstagen eine Fußgängerzone haben will.
Warum auch nicht? Das steigert den Umsatz. Mittlerweile ist man offensichtlich draufgekommen, dass sich der Umsatz nicht proportional zur Anzahl der verfügbaren Laterndlparkplätze verhält. :up:

Die Forderung mit den Posten war auch, damit die Kaufleute überlegen, was sie fordern.
:o Es gehört sicher nicht zu den Aufgaben eines Verkehrsunternehmens, die Kaufleute hinsichtlich ihrer Entscheidungen bevormunden zu wollen.

Für mich ist nämlich die Josefstädter Straße schon lange KEINE Einkaufsstraße mehr.
Aus meiner Sicht entwickelt sie sich gerade wieder zu einer solchen. In den letzten Jahren sind etliche neue kleine Geschäfte entstanden, die diverse Nischen abdecken. Klar, einen H&M oder einen Saturn wirst du dort nicht finden. Aber den sucht dort auch niemand. Jedenfalls ist der Leerstand recht gering und dubiose Kebab-Internet-Spielautomaten-Handy-Wettbüro-Lokale gibt es dort auch fast keine. Ich würde also durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Josefstädter Straße im Aufschwung begriffen ist.

Übrigens bin ich auch der Meinung, dass die Josefstädter Straße zu schmal ist, um dort temporär eine "echte" Fußgängerzone einzurichten. Es geht den Kaufleuten wohl hauptsächlich darum, für eine gewisse Zeit die Autos wegzubekommen. Die Fußgänger würden sich meiner Ansicht nach kaum in Rudeln am Gleis aufhalten bzw. dort, wo normalerweise die Autos parken.

Wenn man objektiv feststellen will, ob die Einrichtung einer temporären Fußgängerzone in der Josefstädter Straße machbar ist, wird man um einen Test nicht herumkommen. Dazu böten sich beispielsweise der autofreie Tag bzw. die europäische Woche der Mobilität an.
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