Autor Thema: Linie 80 (81)  (Gelesen 123825 mal)

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Arkadier

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #525 am: 06. September 2019, 12:15:51 »
Man muss aber schon gerechter Weise die ganze Strecke der Linei 80 nach dem Krieg ansehen, um fundiertere Aussagen zu treffen. Da ich in der Gegend seit meiner Kindheit wohne, möchte ich folgende Zusätze anbringen:
  • Zwischen Rotundenbrücke und Schlachthausbrücke diente sie der dort vorhandenen Wohnbevölkerung um zu einer der beiden Brücken zu kommen, um an die "Zivilisation" angeschlossen zu sein. Das Inselgefühl war hier stark ausgeprägt. Das Hinterland "Prater" war zwar als Ausflugsziel beliebt, aber konnte mit Öffis, etwa um zur Arbeit zu gelangen, damals nicht durchquert werden. Somit war die Line in den "Rush hours" ziemlich gut ausgelastet. Da musste sogar ein Beiwagen angehängt werden.
    Wer aus dem Bereich etwa zum Südbahnhof wollte, nahm den 80er und dann den 18er. Wer in die Stadt wollte, den 80er und dann den 78er.
  • Zwischen Schlachthausbrücke und Lusthaus diente sie lediglich dem Ausflugsverkehr, den Kleingartenbesitzern, sowie den Schülern und Leichtathleten um auf den Sportplatz Wasserwiese zu kommen. Einige Leute/Arbeiter nutzen sie auch um dann über den Gaswerksteg weiter in den unteren 3. Bezirk zu gelangen.
  • Einen Autobus gab es damals nicht und der Autoverkehr hielt sich auf der Schüttelstraße eher in Grenzen. Mehr befahren waren hingegen die Weißgerber - und Erdbergerlände, alles natürlich in zwei Richtungen. Die Einbahn kam erst mit der Praterbrücke/Südosttangente.
  • An Sonn- und Feiertagen, sowie ab Mai bis Ende September teilweise auch Wochentag nachmittags, je nach Wetterlage, nutzten eine Menge Leute die Line, um in den Prater zu gelangen. Das mag aus heutiger Sicht eigenartig anmuten, doch nicht alle hatten in den 50er  und 60er Jahren schon ein Auto (heute manchmal schon mehr) vor der Tür stehen. Da war sie Straßenbahn das erste Mittel der Wahl.

Übrigens habe ich weiter oben auch schon angemerkt, dass eine alternative Route nach dem Autobahnbau möglich gewesen wäre. Allerdings hatte in den 70ern kein Stadtpolitiker etwas mit der Straßenbahn am Hut, außer sie raschest einzustellen um so Platz für das geliebte Vehikel zu bekommen. Man wollte doch fortschrittlich sein ...

60er

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #526 am: 06. September 2019, 12:27:13 »
An Sonn- und Feiertagen, sowie ab Mai bis Ende September teilweise auch Wochentag nachmittags, je nach Wetterlage, nutzten eine Menge Leute die Line, um in den Prater zu gelangen. Das mag aus heutiger Sicht eigenartig anmuten, doch nicht alle hatten in den 50er  und 60er Jahren schon ein Auto (heute manchmal schon mehr) vor der Tür stehen. Da war sie Straßenbahn das erste Mittel der Wahl.
Das mutet gar nicht eigenartig an. Dass es früher an schönen Sonn- und Feiertagen bei der Wiener Straßenbahn regen Ausflugsverkehr gegeben hat und deshalb Dreiwagenzüge und sogar zusätzliche Linien zur Verstärkung eingesetzt wurden, ist sicher den meisten Usern eh bekannt. Erst in den 70er-Jahren hat sich das durch den gestiegenen Motorisierungsgrad geändert. Die Ausflügler sind dann lieber mit dem Auto ins Grüne gefahren, als mit der Tramway.

schaffnerlos

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #527 am: 06. September 2019, 12:50:51 »
Schlachthausbrücke

Du meinst wohl die Stadionbrücke.

T1

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #528 am: 08. September 2019, 10:26:30 »
So ist es. Diese Strecke ist ein gutes Beispiel für die sich in einer lebenden Großstadt über die Jahrzehnte ändernden Anforderungen an den ÖV. Den Trabrennbetrieb in der Freudenau gibt es praktisch nicht mehr und Wochenendfahrten "ins Grüne" werden heute, falls überhaupt noch in den Prater, mit dem eigenen Auto abgewickelt.
Und wieso sollte, ÖV-Angebot vorausgesetzt, nicht trotzdem auch mit der Straßenbahn gefahren werden?

Es fahren auch genügend Leute mit der U-Bahn zur neuen Donau oder mit dem Bus ins Gänsehäufel. Auch der 77A fährt durchaus nicht leer.

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #529 am: 08. September 2019, 11:55:36 »
So ist es. Diese Strecke ist ein gutes Beispiel für die sich in einer lebenden Großstadt über die Jahrzehnte ändernden Anforderungen an den ÖV. Den Trabrennbetrieb in der Freudenau gibt es praktisch nicht mehr und Wochenendfahrten "ins Grüne" werden heute, falls überhaupt noch in den Prater, mit dem eigenen Auto abgewickelt.
Und wieso sollte, ÖV-Angebot vorausgesetzt, nicht trotzdem auch mit der Straßenbahn gefahren werden?

Es fahren auch genügend Leute mit der U-Bahn zur neuen Donau oder mit dem Bus ins Gänsehäufel. Auch der 77A fährt durchaus nicht leer.
Dazu gebe ich dir ausnahmslos mal recht.
Auch ich mit meiner Partnerin fahren viel mit Öffis ins Umland oder baden, aber auch viel mit dem Rad, da wir da noch flexibler sind; das Auto brauchen wir kaum mehr!

Erdberg

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #530 am: 09. September 2019, 09:12:51 »
Schlachthausbrücke

Du meinst wohl die Stadionbrücke.

Die Stadionbrücke hieß früher Schlachthausbrücke.

schaffnerlos

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #531 am: 09. September 2019, 20:43:55 »
Schlachthausbrücke

Du meinst wohl die Stadionbrücke.

Die Stadionbrücke hieß früher Schlachthausbrücke.

Oh, danke für die Info. Hab gerade gegugelt, die Umbenennung erfolgte bereits 1937.

nord22

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #532 am: 06. Oktober 2019, 18:59:30 »
H1 2268 + k2 3537 als Reservezug der Linie 80 abgestellt in der Schüttelstraße (Foto: DI J. Michlmayr, 29.04.1962). Der Einstieg war mit einer Brustwandtafel gesichert. Das "Einziehen" der Kurbel am Fahrschalter traute sich damals niemand.
Die Premiere des Sapralisierens von Fahrbesteck war nachweislich anlässlich der Stilllegung der Linie 360 am 30.11.1967 und erfolgte durch einen damals sieben Jahre alten Lausbub  :)

LG nord22

Erdberg

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #533 am: 06. Oktober 2019, 22:27:11 »
"Sapralisieren" ist gut ...  8) 8)

Der Lausbub warst aber nicht Du, oder?

nord22

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #534 am: 07. Oktober 2019, 12:19:54 »
@ Erdberg: Nein, ich war nicht der Lausbub, dafür bin ich nicht alt genug.

nord22

diogenes

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #535 am: 07. Oktober 2019, 12:23:01 »
Gibt's noch die Möglichkeiten, dass der Laubub heute Vater von nord22 ist (Ferrophilie kann ja tradiert werden :) ), dass nord22 ihn bloß kennt, oder dass er schlicht weiß, wer es war.
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nord22

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #536 am: 07. Oktober 2019, 13:25:58 »
@ diogenes: die letzten beiden Vermutungen von dir sind zutreffend. Mein Vater hatte keine sonderliche Vorliebe für Straßenbahn und Eisenbahn.

nord22

diogenes

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Re: Linie 80 (81)
« Antwort #537 am: 07. Oktober 2019, 13:33:26 »
Verstehe :)
Ceterum censeo in Vindobona ferrivias stratarias ampliores esse.
Oh 8er, mein 8er!