Autor Thema: 4.3.2019: Straßenbahnfahrer wird Vater (Re: Störungen und Fahrtbehinderungen (Straßenbahn))  (Gelesen 4190 mal)

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Noch besser wärs gewesen, wenn er gleich mit dem Zug zum Spital fahren hätte dürfen und den Zug dort auf einem Platz, wie ihn die Wiener Linien vor jedem Spital eingerichtet haben, abstellen hätte dürfen.
Vielleicht kam das Kind ja im Wilhelminenspital zur Welt und der Zug wurde vielleicht beim Schottenhof abgestellt - dann hätte der Fahrer ja quasi „vor dem Spital geparkt“. ;)

Meine Kritik an der fehlenden Ablöse bezog sich nicht auf diesen Fall im speziellen, sondern allgemein darauf, dass kaum mehr Reserven vorgehalten werden (auch dann nicht, wenn es genug Personal gäbe). :lamp:

Natürlich sollte jeder Arbeitgeber seinen Mitarbeitern ermöglichen, bei der Geburt ihrer Kinder dabei zu sein. Das ist eine Frage des Betriebsklimas und sollte jedenfalls nicht irgendwelchen wirtschaftlichen Ideen untergeordnet werden, zumal die Umwegrentabilität durch die dadurch entstehende positive Einstellung und Motiavtion des Mitarbeiters sicher größer ist als ein eventueller kurzzeitiger Engpass im Mitarbeiterstab. Natürlich darf der Mitarbeiter erst dann gehen, wenn er seinen Arbeitsplatz verlassen kann, ohne dass dadurch eine erhöhte Unfallgefahr oder ein unmittelbarer Schaden (im Sinne kaputt werdender technischer Einrichtungen, nicht wirtschaftlicher Schaden durch Produktionsausfall) für den Betrieb entsteht.
"das korrupteste Nest auf dem weiten Erdenrund"
Mark Twain über die Wienerstadt.

Tatra83

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Das geht aber auch nur in Wien - immerhin gibt es üblicherweise einen Vertrag, in dem die Platzkilometer abgerechnet und bezahlt werden. Anderswo würde der übergeordnete Verbund es nicht durchgehen lassen, das einfach Kurse, warum auch immer, ausfallen. Wenn ich anderswo von den hiesigen Gepflogenheiten erzähle, staunt man sich immer und wills mir garnicht glauben. Zuletzt sprach ich in Tirol mit einem Betriebsleiter - Schon bei dem in Wien nicht ausrottbaren zu-früh-abfahren gäbs vom Tiroler Verkehrsverbund heftig eine auf den Deckel, der Betrieb hat daher die Busse mit Funkuhren ausgerüstet, mein Bus fuhr um auf die Sekunde ab.
Also anderswo ist es tlw. genauso wie hier. Die WL stehen in einem Vertragsverhältnis mit der Stadt Wien. Die Minderleistungen werden bei den WL schon erfasst, das sind nicht ganz unerhebliche Zahlen und auch per Reporting an den Aufgabenträger übermittelt. Das zu frühe Abfahren hat einen einfachen Grund: der systembedingte Unterschied zwischen Hastus und RBL-Daten. Diese Abweichungen wären jedenfalls vermeidbar, man hat aber dahingehend keine Einsicht.
Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. (Karl Lagerfeld)

haidi

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Für den Fahrgast sind die Angaben an den Haltestellen wichtig (vielleicht auch die in Qando). Wenn ein Zug nach diesen Angaben zu früh fährt, gehört der Schuldige hergebeutelt, das kann der Fahrer sein oder eben ein anderer, der dem Fahrer falsche Abfahrtszeiten gibt.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

95B

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Das zu frühe Abfahren hat einen einfachen Grund: der systembedingte Unterschied zwischen Hastus und RBL-Daten.

Nein, nein, nein, nein! Das geschieht durch Wurschtigkeit des Personals und mangelnde Ausbildung (fehlendes Unrechtsbewusstsein bzw. sogar aktive Ermunterung zur Fahrzeitunterfahrung). Wenn das Fahrzeugdisplay -2 anzeigt und der Aushangfahrplan ebenfalls eine Abfahrtszeit in zwei Minuten, liegt das an keinem Datenunterschied.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
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HLS

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Was haben einige für Probleme mit diesem Verhalten des Bimfahrers?

Jetzt wars eben das der neue Erdenbewohner, der einem Fahrer zu Teil geworden ist und bedingt dadurch ein Teil dieser Leistung ausgefallen ist.
Was ist aber da euer Problem?
Weil obs jetzt die Geburt oder ggf. ein Todesfall oder ein Unfall von Angehörigen oder gar die eigene Krankheit, die plötzlich und somit mehr oder minder unverhofft eintritt, dazu führten, ist doch völlig wurscht. Denn sobald ich von sowas Kenntnis erlange, kann es eben dazu kommen, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin den Dienst zu verrichten und somit ist es einfach nur logisch, dass ich so schnell als möglich meinen Dienst abbreche, bevor ich durch andere einer Gefahr aussetze.
Und mit so früh als möglich meine ich auch unter Umständen unverzüglich sofort an Ort und Stelle.


Ein kleiner Fall, im engerem Familienkreis, den ich letztes Jahr erleben mußte und wo es gut war, dass der Kindesvater unverzüglich seinen Dienst abgebrochen hat und zu seiner Frau und den ankommenden Zwilligen geeilt ist.
Der eine Zwilling hat bei der Geburt soviel Blut verloren gehabt, dass er ohne eine sofortige Blutspende des Vaters es vermutlich nicht oder nur schwer geschafft hätte die nächsten Stunden zu erleben. Hinzu kam noch, dass die zwei Kleinen knapp drei Monate zu Früh auf die Welt wollten und somit weder Mutter und Vater sich irgendwie auch nur annähernd drauf einstellen konnten.

Und ehrlich, egal wer mein Arbeitgeber ist, die eigene Familie geht vor allem und dafür nehme ich auch eine Fristlose in kauf wenn er wirklich meint er muß es mir verwehren wollen.

Somit nochmal die oben gestellte Frage. Was habt ihr für Probleme damit und was würdet ihr tun, wenn es euch betreffen würde und es um eure Familie gehen würde(egal ob eben Geburt/Todesfall/Unfall)?


Ich finds gut, dass die WL es ihren Fahrern ermöglichen und das sie dem Beschwerdeführer auch eine ehrliche Antwort gaben, ob die ihm jetzt passt oder nicht, in Wien und im speziellen Fall rund um Ottakring, gibt es mehr als ausreichend Alternativen. Und die 15min glaub ich ihm ehrlich gesagt auch nicht. Selbst wenn er den Zug vor dem Ausfall noch gesehen hat, kommen theoretisch innerhalb von 10min zwei Züge an ihm vorbei plus in unmittelbarer Nähe auch noch weitere Linien die man ersatzweise benutzen kann.

Für mich ist das wieder typisch Wiener Raunzer und somit (nicht bös gemeint) Großstadtaffen, die ab 5min warten schon ne Stunde auf den nächsten gewartet haben. Was würden solche Menschen machen, wenn sie mal aufs Land müssen, sie keinen Führerschein hätten, und nur alle 2-3h mal ein Bus daher kommen würde. :down:


Für mich ist jedenfalls mit diesem Kommentar alles zu dem Thema gesagt und ich werde nicht mehr öffentlich drauf antworten.
"Grüß Gott"

Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen. Dieter Nuhr

Rodauner

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Die Wiener haben das Gehen verlernt, weil sie durch die normalerweise kurzen Intervalle und das dichte Netz verwöhnt sind!
Du sollst hinter der gelben Linie bleiben, Wappler!

68er

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Die Wiener Linien haben die Funktionsweise eines Dienstleistungsbetriebs verlernt, weil sie durch jahrzehntelange geschützte Werkstätte verwöhnt sind.

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Das mag schon sein, aber was hat das mit dem Thema zu tun?

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Ich denke, in der Diskussion werden zwei Dinge vermischt. Einerseits das persönliche Bedürfnis/Schicksal/Erlebnis des Fahrers, der sich entschieden hat, bei der Geburt dabei zu sein. Das ist völlig OK, wenn es ihm wichtig ist (und wenn er schon bei der Zeugung nicht dabei war...  >:D ).

Weiters ist es positiv, wenn ein Unternehmen so freundlich ist und das zulässt (auch wenn ich den Verdacht nicht los werde, dass das bei den WiLi nicht aus purer Menschlichkeit passiert, sondern eher zähneknirschend).

Andererseits empfinde ich es als bedenklich, dass ein Unternehmen dieser Größe so am Limit fährt, was die Personalreserven betrifft - aber das ist bei den ÖBB ja nicht anders. Natürlich wurden die Pausenzeitenregelungen immer strenger, aber es kann ja immer passieren, dass ein Fahrer unpässlich wird, warum auch immer. Früher sind halt zur Not irgendwelche Expeditoren eingesprungen. Aber die immer extremer werdende Bürokratie beeinträchtigt unser Leben ja leider auf allen Ebenen, wir blockieren uns inzwischen so umfassend selber, und dazu kommt ein falsches, zu kurz gedachtes Wirtschafts"konzept".

Und der Wiener Angstbetrieb, der übermäßig von der ebenfalls angstgetriebenen SP-Politik geprägt ist, ist wohl ein Biotop für sowas.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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hema

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. . . .  bei der Geburt dabei zu sein. Das ist völlig OK, wenn es ihm wichtig ist (und wenn er schon bei der Zeugung nicht dabei war...  >:D ).

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"Oh, lieber nicht, die beiden verstehen sich nämlich nicht gut!"
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Weiters ist es positiv, wenn ein Unternehmen so freundlich ist und das zulässt (auch wenn ich den Verdacht nicht los werde, dass das bei den WiLi nicht aus purer Menschlichkeit passiert, sondern eher zähneknirschend).
Also das dies zähneknirschend gemacht wird, glaube ich eher nicht. Denn das gibt es bei dne WL schon lange, nur wurde das bis jetzt noch nicht publik gemacht - Nennt sich intern Teildiszpenz

Andererseits empfinde ich es als bedenklich, dass ein Unternehmen dieser Größe so am Limit fährt, was die Personalreserven betrifft - aber das ist bei den ÖBB ja nicht anders. Natürlich wurden die Pausenzeitenregelungen immer strenger, aber es kann ja immer passieren, dass ein Fahrer unpässlich wird, warum auch immer. Früher sind halt zur Not irgendwelche Expeditoren eingesprungen. Aber die immer extremer werdende Bürokratie beeinträchtigt unser Leben ja leider auf allen Ebenen, wir blockieren uns inzwischen so umfassend selber, und dazu kommt ein falsches, zu kurz gedachtes Wirtschafts"konzept".
Also das früher Disponenten eingesprungen sind, halte ich für ein Gerücht. Mag sein, das ein Disponent nach seinem eigentlichen Dienst noch einen Fahrdienst angehängt hat, dass der Zug/Bus nicht abgestellt werden musste. Aber das ein Dispo aufgestanden ist und das Expedit unbesetzt war, ist glaube nicht vorgekommen. Einzig, wo er in seiner Schicht eventuell gefahren ist, dass er einen Zug/Bus abgestellt hat

Und zur Personalreserve. Wie viele Mitarbeiter willst du denn abstellen. So viele Spontanablösungen gibt es nicht, dass eine Abstellung eines Reservefahrers pro Linie rechtfertigt. Und selbst wenn man pro Satellit 2-3 Reservefahrer abstellt. Du wirst auch immer wieder die Situation haben, dass die Reservefahrer dann nicht bei der Ablösestelle befinden, wo sie dann akut benötigt werden.

Selbst auf der U-Bahn, wo es sogar Reservezüge gibt, kannst du nicht nahtlos einen Ausfall kompensieren. So hatte ich im Zuge eines Übungsdienstes auf der U2 in der Seestadt einen Ausfall. Und der Reservezug konnte meinen Ausfall erst ab Stadion übernehmen. Egal, wie du es drehst und wendest, du wirst immer Ausfälle haben, die nicht du nicht sofort kompensieren kannst.


Und der Wiener Angstbetrieb, der übermäßig von der ebenfalls angstgetriebenen SP-Politik geprägt ist, ist wohl ein Biotop für sowas.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

haidi

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Und zur Personalreserve. Wie viele Mitarbeiter willst du denn abstellen. So viele Spontanablösungen gibt es nicht, dass eine Abstellung eines Reservefahrers pro Linie rechtfertigt. Und selbst wenn man pro Satellit 2-3 Reservefahrer abstellt. Du wirst auch immer wieder die Situation haben, dass die Reservefahrer dann nicht bei der Ablösestelle befinden, wo sie dann akut benötigt werden.
Taxi rulez, Funkstreife hilft auch und in der Zwischenzeit könnte man, wenn der Zug auf der Strecke steht, das mit Vorsteigen lösen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Klingelfee

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Und zur Personalreserve. Wie viele Mitarbeiter willst du denn abstellen. So viele Spontanablösungen gibt es nicht, dass eine Abstellung eines Reservefahrers pro Linie rechtfertigt. Und selbst wenn man pro Satellit 2-3 Reservefahrer abstellt. Du wirst auch immer wieder die Situation haben, dass die Reservefahrer dann nicht bei der Ablösestelle befinden, wo sie dann akut benötigt werden.
Taxi rulez, Funkstreife hilft auch und in der Zwischenzeit könnte man, wenn der Zug auf der Strecke steht, das mit Vorsteigen lösen.

Und du kannst so einfach überall einen Zug stehen lassen. Die Idee ist grundsätzlich gut, nur oft nicht immer und überall umsetzbar.
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