Autor Thema: [DE] Karlsruhe  (Gelesen 14689 mal)

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Kanitzgasse

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #45 am: 02. März 2019, 17:53:37 »
Freitag, 1. März 2019: 17 Verletzte bei Zusammenstoß mit Lkw
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/Mindestens-drei-Schwerverletzte-Lkw-stoesst-mit-Straßenbahn-zusammen,lkw-mit-strassenbahn-in-karlsruhe-zusammengestossen-100.html (mit Video)

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #46 am: 21. April 2019, 11:08:48 »
Straßenbahn und Stadtbahn verkehren in Karlsruhe gemeinsam auf einem Netz. Erst weiter draußen befinden sich die Übergänge vom Straßenbahn- aufs Eisenbahnnetz. Meine Bilder konzentrieren sich vornehmlich auf die Straßenbahn, da ich dienstlich in Karlsruhe war und leider nicht allzu viel Zeit fürs Fotografieren hatte.

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Die beiden Bilder zeigen eine der Hauptachsen des Straßenbahnnetzes, die Kaiserstraße. Sie verläuft in West-Ost-Richtung durch eine Fußgängerzone (und nein, es gibt nicht ständig Konflikte oder gar Unfälle mit Passanten). Man fährt hier mit bequemen 25 km/h an der Oberfläche. Hier in der Abenddämmerung sind nur einzelne Züge zu sehen, in der Früh-HVZ ist das Bild jedoch ein völlig anderes, da wälzt sich eine endlos scheinende Karawane an Zügen im Minutentakt die Straße entlang. Da wird es dann für Fußgänger mitunter schwierig, die Straßenseite zu wechseln.

Karlsruhe meint, die Probleme durch den dichten Stadt- und Straßenbahnverkehr (so es denn überhaupt solche gibt) lösen zu können, indem man im Planungsstil der 1960er-Jahre eine Ustrab und einen Straßentunnel im Zentrum baut. Ja, eine richtige Ustrab mit Gleisdreieck im Niveau und Rillenschienen à la Matzleinsdorfer Platz!

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Rot ist der Straßentunnel, grün der Autotunnel. Der oberirdische Gleisabschnitt in der Kaiserstraße zwischen Europaplatz und Kronenplatz wird dann stillgelegt werden (weiß gepunkteter Teil), im Nord-Süd-Bereich des Tunnels wurde die Straßenbahn bereits im November 2013 eingestellt, um den Tunnel errichten zu können (derzeit SEV). Einige Gleisreste im Südteil und Wandrosetten sind aber noch vorhanden. Die gelb gestrichelte Signatur zeigt weitere Straßenbahnstrecken.
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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #47 am: 21. April 2019, 21:01:42 »
In meinen Diaboxen haben sich einige Fotos von der Straßenbahn Karlsruhe aus dem Jahr 1979 gefunden.
Die Bildqualität ist eher dürftig da ich sie aus dem Heckfenster eines Touristenbusses gemacht habe.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #48 am: 21. April 2019, 21:08:14 »
Meine Ortskenntnis in Karlsruhe ist eher bescheiden, aber das 1. und 3. Bild zeigen die 2013 zugunsten des Ustrab-Baus eingestellte Strecke in der Ettlinger Straße (Kreuzung mit der Baumeisterstraße, die querende Strecke in dieser Straße gibt es noch).
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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #49 am: 21. April 2019, 21:45:44 »
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Eine eigenartige Situation gibt es am Kronenplatz: Die querende Zähringerstraße steigt beiderseits an und übersetzt die Fritz-Erler-Straße im 1. Stock. In der Straßenmitte befindet sich ein Gebäude, das als Brückenrestaurant genutzt wird, darunter fährt die Straßenbahn. Die letzten vorhandenen Hochflur-Brosezüge kommen am Linienbündel S1/S11 zum Einsatz.

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In der Durlacher Allee befindet sich die östliche Rampe zur Ustrab. Die Straßenbahn fährt beiderseits der Rampe, das wird auch nach der Inbetriebnahme des Tunnels so bleiben. Im Hintergrund ist die römisch-katholische Kirche St. Bernhard zu sehen, die 1893 im neugotischen Stil erbaut wurde. Durlach, wo die Linie 1 endet, ist ein mittelalterlicher Stadttteil von Karlsruhe mit kleinstädtisch-dörflichem Charakter (siehe nachfolgende Bilder). Es gibt hier auch eine Schnürstelle (nicht die einzige im Netz).

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #50 am: 21. April 2019, 22:26:55 »
(...) durch eine Fußgängerzone (und nein, es gibt nicht ständig Konflikte oder gar Unfälle mit Passanten). Man fährt hier mit bequemen 25 km/h an der Oberfläche. N in der Abenddämmerung sind nur einzelne Züge zu sehen, in der Früh-HVZ ist das Bild jedoch ein völlig anderes, da wälzt sich eine endlos scheinende Karawane an Zügen im Minutentakt die Straße entlang. Da wird es dann für Fußgänger mitunter schwierig, die Straßenseite zu wechseln.
Das ist aber alles in Graz, Genf, Linz, Zürich und vielen anderen Städten auch kein Problem. Ja nichtmal in Wien beim Reumannplatz.  8)
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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #51 am: 21. April 2019, 22:54:26 »
Das ist aber alles in Graz, Genf, Linz, Zürich und vielen anderen Städten auch kein Problem. Ja nichtmal in Wien beim Reumannplatz.  8)

Es gibt in Karlsruhe genügend Kritik an dieser Baumaßnahme: https://de.wikipedia.org/wiki/Kombil%C3%B6sung_(Karlsruhe) – vor allem, weil sich die Netzkapazität durch den Umbau überhaupt nicht verändert (und vermutlich sogar verringert, weil im Tunnel sicher nicht auf Sicht, sondern auf Signal gefahren wird). Am Marktplatz entsteht ein Matzleinsdorfer Platz ohne Doppelhaltestellen (die gibt es hier generell nicht, weil Straßenbahn und Stadtbahn teilweise in Doppeltraktion fahren). Zusätzlich zur Ustrab wird sogar noch eine weitere neue Querverbindung entlang der Kriegsstraße (also oberhalb des Autotunnels) errichtet.
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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #52 am: 06. Mai 2019, 19:11:53 »
Der Alte Schlachthof (https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Schlachthof_(Karlsruhe)) von Karlsruhe wurde 2006 seiner ursprünglichen Bestimmung entbunden und ist seither ein Kunst- und Kulturzentrum. Mitten durch den Alten Schlachthof fährt die Straßenbahn in Form der Linie 6.

Wie es sich gehört, ist der Gleiskörper anständig trassiert, weist ein gepflegtes Rasengleis auf, das auch durch den südwestlich angrenzenden Park führt, und die Übergänge sind selbstverständlich mit Andreaskreuzen gesichert. Muss ich erwähnen, dass hier keine Reifenspuren, schief abgeschnittene Betonplatten, massive Zäune oder ähnliche Seltsamkeiten zu finden sind?

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #53 am: 15. März 2020, 17:24:39 »
In turbulenten Tagen (Wochen? Monaten?) wie diesen ist Zeit und Muße, den inzwischen virtuellen Fotokarton herauszuholen, in Erinnerungen zu kramen, und Vergangenes wiederaufleben zu lassen. Und das möcht' ich gerne teilen – auch und gerade im Zusammenhang mit Städten, für die ich unter üblichen Umständen nicht die Energie aufbrachte, sie mit der gebotenen Aufmerksamkeit zu würdigen.

Wenn wir vom «Würdigen» sprechen, dann ist Karlsruhe ganz oben auf der Liste der Städte, die dessen wert sind. Anfang der 1990er-Jahre, wo sich mein Straßenbahninteresse über den Tellerrand vom damals grundsoliden, in seiner Infrastruktur tadellosen, aber genauso verstaubten wie perspektivlosen Wiener Straßenbahn-Betrieb zu erstrecken begann; zu einer Zeit, wo Webauftritte noch Zukunftsmusik waren, und Informationen über ferne Systeme ohne persönliche Vernetzungen allenfalls über Zeitschriften verfügbar – zu dieser Zeit waren Reisen nach Karlsruhe ganz besonders en vogue, wohlfeil mit dem Zug (einmal in Salzburg umsteigen nur…): Und das dort Erlebte war genau zu dieser Zeit eine tiefe Erschütterung in meinen Grundfesten des ÖPNV-Verständnis, die bis heute nachwirkt.

Zwanzig Jahre später, 2011, war der Karlsruher Betrieb nach wie vor ein Ziel der Begierde – doch die Innovationskurve der zwanzig Jahre zuvor flachte langsam ab, zugunsten einer Konsolidierung, wie auch des Karlsruher Innenstadttunnelbaus mit seinem in meinen Augen zweifelhaften Wert. Und es hieß Abschied nehmen von drei lieb gewonnen Besonderheiten der Karlsruher Straßenbahn: Den «Düwag-artigen» Wägen von DWM und Waggon-Union, dem unglaublich beeindruckenden Straßenbahn- und Stadtbahnbetrieb quer durch die Innenstadt, und dem Festhalten an den sauber gesetzten, konsequent eingesetzten und pipifein lesbaren Brosebändern.

Der Fünfer war zu diesem Zeitpunkt das verbliebene Refugium der so eleganten DWM/Waggon-Union-Wägen, deren gelb-roter Nasentröpferl-Lack ihnen nicht minder elegant stand, gekrönt von einer wohltuenden (Voll)werbungsaversion – und gleich zwei davon, die Wägen 202 und 210, stehen hier am 5. Mai 2011 an der westlichen Endstation des Fünfers, dem Rheinhafen.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #54 am: 16. März 2020, 07:40:10 »
Die eigentliche Innovation spielte sich vor 30 Jahren weniger innerhalb der Stadtgrenzen Karlsruhes ab, sondern vielmehr d'rumherum – mit all den Stadtbahnen, die verkrustete und überkommene Abgrenzungsstrukturen zu durchbrechen vermochten. Vieles, was heute pragmatische Ansätze erlaubt, war damals undenkbar. Nicht umsonst heißt ja die Idee der Verknüpfung von lokalem Bahnverkehr mit innerstädtischem Straßenbahnverkehr, unabhängig von der Gleisinfrastruktur und ihrem Eigentümer, und unabhängig von der Oberleitungsspannung, Karlsruher Modell.

Das alles entstand nicht aus dem Nichts – in Karlsruhe hatte man in Form der Albtalbahn schon Erfahrung mit grundsätzlich systemgrenzenübergreifendem Betrieb, und die Hardtbahn inkorporierte schon ein paar Jahre vor dem überwältigenden Erfolg des Karlsruher Modells eine DB-Strecke, wenn auch eine nur sporadisch von Güterzügen befahrene. Mag das heute unspektakulär wirken – zum Zeitpunkt der Vertragsschließung, 1977, war die schiere Idee der Benützung einer DB-Strecke durch die Straßenbahn irgendwo zwischen revolutionär und unvorstellbar.

Und so fährt seit 1989 die Linie A, später S1 bzw S11, von der Albtalbahn kommend quer durch Karlsruhe und weiter über die Hardtbahn nach Hochstetten – einen großen Teil davon im 10-Minuten-Takt mit langen Stadtbahngarnituren. Von den zeitlos eleganten Klassikern der Hochflur-Stadtbahngeneration sehen wir hier die Wägen 580 und 515 am Karlsruher Hauptbahnhof: In den frühen 1990ern war das noch eine Durchzugstraße mit Straßenbahnhaltestelle in der Mitte zwischen den Fahrbahnen, erreichbar durch grausliche Fußgängerunterführungen; zwanzig Jahre später finden wir hier eine viergleisige Straßenbahn- & Stadtbahnanlage mit Autos nur mehr ganz am Rand für Zufahrzwecke. Schön das!

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #55 am: 17. März 2020, 07:42:44 »
Vier Eckpfeiler, meine ich, sind die Basis für das, wofür Karlsruhe heutzutage stadtbahntechnisch berühmt ist:
  • Umbau und Integration vorhandener, überalterter Lokalbahninfrastruktur (Albtalbahn)
  • Integration von wenigfrequentierter Bundesbahninfrastruktur (Hardtbahn)
  • Mitbenützung und Adaption vorhandener schwerer Eisenbahninfrastruktur, unabhängig von Eigentümer und Elektrifizierung
  • Bau neuer Gleichspannungs-Straßenbahnstrecken ins Umland
Im grellen Licht der revolutionären anderen Punkte fällt der letzte Punkt dieser Aufzählung gerne durch den Rost… Dabei waren auch und gerade diese Neubaustrecken maßgeblich für den Erfolg der Karlsruher Stadtbahn mitverantwortlich – allen voran die Vorbildstrecke der Linie 2, später S2, von Daxlanden nach Rheinstetten: Der Zweier folgte in der Streckenführung teilweise der alten, meterspurigen Karlsruher Lokalbahn, doch war diese schon längst verschwunden, als man den zweiten Anlauf unternahm, anfangs die südwestlichen und später die nordöstlichen Karlsruher Umlandgemeinden mit der Straßen-/Stadtbahn zu erschließen.

Und so fährt seit 1989 die Straßenbahn quer durch Rheinstetten in einer Art und Weise, wie sie kaum besser hätte integriert werden können. Preis dafür, und Kehrseite der Medaille, wohl dem damaligen Zeitgeist geschuldet, war der Ausbau der Eckenerstraße (sic!) in Karlsruhe auf Schnellstraßenbreite. Zugleich haben die Bewohner und Bewohnerinnen Rheinstettens seither einen 10- bis 20-Minuten-Takt, um flott, ohne Umsteigen und bequem ins Herz Karlsruhes gelangen zu können. Zu sehen ist hier die Doppeltraktion 512+510 am 5. Mai 2011 in Forchheim, einem Ortsteil Rheinstettens. Damals fuhren noch die Hochflur-Einsystemstadtbahngarnituren hier; inzwischen wird die Strecke rein niederflurig mit regulären Straßenbahnen betrieben.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #56 am: 17. März 2020, 07:45:55 »
[DONNNNNG!!] Albtalbahnhof. In Richtung Rastatt bitte umsteigen. Bitte beachten Sie: Dies ist ein Eilzug! Nächster Halt: Ettlingen Wasen.

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Sorgfältig akzentuiert von der satten und sonoren Stimme Dorothee Roths ist das Gänsehautfeeling pur. Akustisch und inhaltlich. Akustisch so markant und prägend wie Franz Kaida bei uns. Inhaltlich Albtalbahnhof als Wiege des Karlsruher Modells, umsteigen zur Zweisystem-Stadtbahn nach Rastatt, und dazu das, was visuell durch den roten Balken unter dem Fahrziel dargestellt wird: Eilzug. Wörtlich zu nehmen. Ohne Halt über die Straßenbahngleise Dammerstocks und Rüppurrs direkt nach Ettlingen. Ohne Halt auch an den Ampeln natürlich, und das mit dem Komfort der luftgefederten, allenfalls sanft schwankenden Stadtbahngarnituren Karlsruhes, optimalerweise in einem Panoramawagen. Ich weiß nicht, ob es noch beeindruckender geht…

Den Morgen des 5. Mai 2011 habe ich als im eigentlichen Sinne frostig in Erinnerung, bevor es tagsüber um die 30° hatte: Die Wahl der passenden Kleidung war eine Herausforderung, und so blieb diese Aufnahme gegen ½7 morgens als sehr erfrischend im Gedächtnis 8) Wagen 573 hat hier gerade die bereits erwähnte DB-Strecke der Hardtbahn durch Neureut verlassen und schwenkt gleich auf die klassische Nordwestbahn ein.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #57 am: 19. März 2020, 08:18:10 »
Während Karlsruhe für sein Stadtbahnsystem berühmt ist, hat auch sein Straßenbahnnetz im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Erweiterungen erfahren: Eine prominente, lange Strecke aus dem aktuellen Jahrhundert ist die nach Wolfartsweier und Aue. Um 1990 war von dieser Strecke noch nicht einmal etwas zu ahnen: 15 Jahre später sah das schon ganz anders aus.

Seit Anfang fahren die Linien 2 und 8 über die Neubaustrecke, wobei der 8er eine sehr tangentiale Binnenverbindung zwischen Wolfartsweier und Durlach herstellt(e): Diese Linie ist weitgehend den Einsparungen von 2016 zum Opfer gefallen und fährt nur mehr mit ein bzw. zwei Kursen je Richtung an Schultagen. 2011 war der 8er noch eine Ganztagslinie; Wagen 228 ist hier unweit der Haltestelle Ellmendinger Straße auf einer Trassierung zu sehen, die man sich bei uns nach wie vor kaum vorstellen kann.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #58 am: 20. März 2020, 07:02:26 »
Barrierefreiheit in Karlsruhe heißt nicht nur die Umstellung auf Mittel-/Niederflur, sondern auch die Anpassung der Haltestellen auf höhere Bahnsteige. Damit vermied man die ULFige Niederstflurlösung bei gleicher Bedienungsqualität. Für eine kurze Zeit bedurfte es da am Fünfer, der 2011 letzten verbliebenen DWM/Waggon-Union-Linie, einer Übergangslösung wie hier am Kühlen Krug, wo die klassischen Straßenbahngarnituren am hinteren Abschnitt der Haltestelle mit ihrer alten, niedrigen Bahnsteighöhe hielten. Bald danach waren die klassischen Straßenbahnen Geschichte, und damit auch die zweigeteilte Haltestelle. Wagen 213 hält hier kurz am 5. Mai 2011, um gleich in Richtung der südlichen, wenigerfrequentierten Ostwestachse via Konzerthaus weiterzufahren. Es geht doch nichts über eine separate, farbige Liniennummernsignalisierung, ergänzt durch ein sauber gedrucktes Zielbroseband mit einem adäquat kurzen Fahrziel darin.

Die in Berlin gebauten Fahrzeuge führten, auch aus Solidarität mit dieser damals geteilten Stadt, jeweils den Berliner Bär als markantes Symbol, ergänzt mit dem Namen des Berliner Stadtteils, nach dem sie getauft worden waren – wie am Beispiel Friedenaus im zweiten Foto zu sehen ist, das vom Wagen 208 stammt, am selben Ort wie die erste Aufnahme. Wie immer in Karlsruhe: Tadelloser Lack auch auf Altfahrzeugen. Seuheufz.

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Re: [DE] Karlsruhe
« Antwort #59 am: 21. März 2020, 11:14:15 »
Karlsruhe gehört zu den ganz wenigen Städten, die wenigstens vor der derzeitigen Innenstadtvertunnelung in ihrer gesamten Geschichte nie einen wirklich signifikanten Straßenbahnstreckenast stillgelegt haben. Von Umlegungen auf andere Straßenzüge abgesehen war das einzige Stummelchen, das in Zeiten der Automanie 1956 eingestellt wurde, die damalige kurze Strecke vom Hauptbahnhof nach Beiertheim – ansonsten war die Straßenbahn in Karlsruhe zu jeder Zeit auf Expansion und Modernisierung ausgelegt, und unterschied sich damit vom allergrößten Rest deutscher Städte.

Auch Beiertheim erhielt 2000 den Straßenbahnanschluss mit der Neubaustrecke über die Ebert- und Brauerstraße zurück, wenngleich mit etwas anderer Streckenführung: Nächst der Haltestelle Barbarossaplatz ist hier Niederflurwagen 265 wiederum am 5. Mai 2011 zu sehen. Kurz gesagt: Ein immer auf dem Stand der Zeit befindliches Straßenbahnnetz als grundsolide und zeitgemäße Basis für all das, was Karlsruhe in Stadtbahnhinsicht berühmt gemacht hat.

Einen Preis für außerordentliche Eleganz werden die GT6/8-70D/N von Düwag/Siemens wohl nicht bekommen – doch sind es grundsolide, bequeme und sehr geräumige Fahrzeuge: Das konsequente 2,65m-Upgrade des Netzes in Karlsruhe zahlte sich aus. Die Liniensignale gibt es, so wie hier, auch mit dem E als Suffix, wenn passend – und die Trassierung ist sowieso auf einem ganz anderen Niveau als, sagen wir einmal, am Schmerlingplatz. Hinten ist im Übrigen der Hauptbahnhof zu sehen.