Autor Thema: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße  (Gelesen 56057 mal)

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13er

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2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« am: 11. Februar 2011, 22:49:23 »
Revisor hat diesen zweitschwersten Tramwayunfall weltweit schon in einem anderen Thread angeschnitten.

In kurzen Worten der Hergang: Der 39er kam mit überhöhter Geschwindigkeit aus der Billrothstraße herunter, konnte an der Kreuzung mit der Döblinger Hauptstraße nicht mehr anhalten und fuhr quasi ungebremst in einen entgegenkommenden 39er, wobei sich durch die Wucht des Aufpralls die beiden Triebwägen quasi ineinander verkeilten. Die Bilanz: 20 Tote und hunderte Schwer- und Leichtverletzte.

In diesem Fall muss man Bremsversagen oder andere Gründe gar nicht annehmen, denn schon nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass der Fahrer (und Personalvertreter des Bahnhofs Gürtel) zum Zeitpunkt des Unfalls 2,8 Promille intus hatte und wohl - nach der Obduktion zu urteilen - regelmäßiger (schwerer) Trinker war.

Ich habe einmal aus der AZ die wichtigsten Artikel der Zeit unmittelbar nach dem Unfall zusammengestellt.
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13er

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #1 am: 11. Februar 2011, 22:50:46 »
Und der Rest . . .
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13er

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #2 am: 11. Februar 2011, 22:53:44 »
Übrigens habe ich in einer der Ausgaben der AZ von damals gefunden, dass allein an einem Augustwochenende ebenfalls 20 Verkehrstote, aber im IV, zu beklagen waren. Etliche davon ebenfalls wegen Alkohols.

Diese drei Files hatte ich auch noch auf der Festplatte, sie sind aber sicher nicht von mir eingescannt worden. Revisor, habe ich die von dir?
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Revisor

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #3 am: 11. Februar 2011, 22:58:41 »
Nein, ich glaube die stammen von Harald Jahn und wurden in der Stadtverkehr-Fotokiste gezeigt.

13er

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #4 am: 11. Februar 2011, 23:50:11 »
Danke! Da er mitliest, wird er hoffentlich nichts dagegen haben, ansonsten entferne ich natürlich sofort die Bilder.

Aus dem "EXPRESS":
Zitat
Die Zeittafel der Katastrophe
16:25 Abfahrt Sievering, Zug Nr. 2468
16:30 Erste Bremsschwierigkeit. Fahrgäste werden unruhig
16:40 einige Fahrgäste verlassen beunruhigt den Straßenbahnzug Nr. 2468
16:43 Haltestelle Peter-Jordan-Strasse. Wieder Bremsschwierigkeiten. Zug bleibt erst im letzten Augenblick stehen
16:44 Zug rast die abschüssige Billrothstraße hinunter, überholt Autos. Panik in den Waggons. Fahrgäste springen ab
16:45 Motorführer ist nicht mehr in der Lage, die Garnitur zu stoppen. Sie braust an der Haltestelle vorbei, springt bei den Weichen in der Döblinger Hauptstraße aus den Schienen, der Triebwagen bäumt sich auf und rammt den Triebwagen des Gegenzuges. Totales Chaos
16:47 Erste Rettungsaktionen
16:55 Voller Polizeialarm. Drei Funkwagen eingetroffen. Einsatzkommando angefordert
16:56 Sieben Rettungswagen und acht Sanitätswagen auf der Fahrt zur Unfallstelle
17:00 Feuerwehr greift ein. Passanten bergen zusammen mit Polizisten und Feuerwehrmännern die Schwerverletzten
17:05 Der erste Arzt an der Unfallstelle. Unmittelbar darauf Großeinsatz der Sanitäter
17:10 50 Mann Polizeieinsatzkommando eingetroffen. Unfallstelle wird abgeriegelt
17:15 Funkwagen Richard meldet: 20 Personen sind verletzt.
17:16 Funkwagen Richard meldet: Mindestens 30 Personen schwer verletzt. Chaos auf der Straße. Lautsprecherwagen dringend erforderlich
17:20 Abtransport der Verletzten beginnt. Alle Ärzte der Umgebung werden alarmiert.
17:25 Alarm in den Krankenhäusern. Operationssäle werden freigemacht
17:30 Abtransport der Schwerverletzten beendet
17:32 Menschansammlung vor den Spitälern
17:35 Polizei schreitet ein. Krankenhaus Webergasse muß abgeriegelt werden
17:40 Erste genaue Meldung: 10 Tote, 30 Schwer-, 50 Leichtverletzte
17:50 Das elfte Todesopfer
18:00 Noch kein Todesopfer identifiziert
18:03 Der Name des ersten toten ist bekannt: Motorführer Franz {Anm. von 13: nicht Franz, sondern Johann} Trumler
21:10 Neun Leichen im Gerichtsmedizinischen Institut. Nicht identifiziert.
22:05 16 Todesopfer

Sowie noch einige Bilder, ebenfalls aus dem "EXPRESS".
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haidi

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #5 am: 12. Februar 2011, 02:59:27 »
War die erste Zeitung, die ich in meinem Leben gelesen habe.
Wie mein Vater erzählte, konsumierten Straßenbahner in Grinzing beim Konsum Wein in Libella-Flascherln, die praktisch blickdichten, orange-braunen Flaschen mit waagrechten Rillen waren eine gute Tarnung.
Auf http://www.libella.de sieht man die alten Flascherln als "Sanduhr" beim Laden der Seiten.

Hannes
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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #6 am: 12. Februar 2011, 13:15:22 »
Wie mein Vater erzählte, konsumierten Straßenbahner in Grinzing beim Konsum Wein in Libella-Flascherln, die praktisch blickdichten, orange-braunen Flaschen mit waagrechten Rillen waren eine gute Tarnung.
Mag ja sein, aber der Unglücks-39er kam erwiesenermaßen aus Sievering.

haidi

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #7 am: 12. Februar 2011, 17:26:22 »
Uuups - natürlich.

Hannes
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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #8 am: 12. Februar 2011, 18:42:21 »
Nein, ich glaube die stammen von Harald Jahn und wurden in der Stadtverkehr-Fotokiste gezeigt.

wow, das ist Erinnerungsvermögen :-) Natürlich hab ich nix gegen den Upload hier...
Harald A. Jahn, www.tramway.at

Aktuell: Großes Update auf www.tramway.at

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #9 am: 12. Februar 2011, 20:24:05 »
wow, das ist Erinnerungsvermögen :-) Natürlich hab ich nix gegen den Upload hier...
Tja, ein alter indischer Elefant halt.  ;)

13er

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #10 am: 07. März 2011, 18:56:34 »
Zitat
Endlich ein Platz für die Gedenktafel?

von Thomas Wolff aus Wien-23 Liesing | am 23.02.2011

Bereits seit Monaten sucht der Döblinger Heimat-Kreis einen Platz für die Gedenktafel an die Straßenbahnkatastrophe von 1960, bislang leider vergebens. Nun unterstützt auch die bz den Wunsch nach einer Würdigung der Opfer.

Von einer Aufstellung am Spitz zwischen Billrothstraße und Döblinger Hauptstraße hält Bezirksvorsteher Adolf Tiller nichts, da es nicht der unmittelbare Unfallort war: "Dann müsste man ja noch zusätzliche Informationsschilder aufstellen!". Die Eigentümerinnen des Hauses Döblinger Hauptstraße 6 würden nur ungern ihr Haus mit dem Unglück in Verbindung gebracht sehen. Gegen ein Angebot auf eine Mietzahlung würden sie eventuell ihre Entscheidung noch einmal "überdenken", dazu fehlen dem Heimat-Kreis aber die Mittel, bereits die Kosten für die Gedenktafel und die Aufstellung sind nicht unerheblich.

Nun aber gibt es ein Licht am Horizont: Vis-á-Vis am Josef Luitpold Stern-Hof kann die Gedenktafel nun eventuell aufgestellt werden, die Eigentümerin Sozialbau AG hat Gesprächsbereitschaft signalisiert, in Kürze wird der Vorstand über die Genehmigung entscheiden. Hoffen wir also, dass sich das Blatt nun doch noch zum Guten wendet.

Der Zusammenstoß zweier Straßenbahnen am 2. August 1960 war das schwerste Verkehrsunglück in Wien überhaupt, es forderte 21 Tote und über 100, zu einem großen Teil schwerst Verletzte! Eine Garnitur der Linie 39 raste, gelenkt von dem völlig alkoholisierten Tramwayfahrer Hans T., mit 60 km/h anstatt der erlaubten 12 die Billrothstraße hinunter, entgleiste auf der Einmündung in die Döblinger Hauptstraße und krachte in den entgegenkommenden Zug.

Den Rettungskräften bot sich ein Bildes des Grauens: Tote und abgerissene Gliedmaßen lagen auf der Straße, Schreie der Sterbenden und Schwerverletzten drangen aus den zertrümmerten Waggons, ein wahres Horrorszenario. Auch die Wiener Linien zogen in der Folge Konsequenzen aus dieser Katastrophe: Die völlig veralteten Züge in Holzbauweise wurden aus dem Verkehr gezogen, nicht zuletzt waren auch sie für die Opferanzahl verantwortlich, viele Fahrgäste wurden durch das zersplitternde Holz regelrecht aufgespießt. Und es gilt jetzt 0,0 Promille für den Fahrdienst!

Quelle: http://regionaut.meinbezirk.at/wien-19-doebling/chronik/endlich-ein-platz-fuer-die-gedenktafel-d50274.html (mit einigen "neuen" Bildern)

Eine sehr lobenswerte Aktion! Eigentlich erstaunlich, dass man damals nicht sofort eine Gedenktafel aufstellte, bei der enormen Schwere des Unglücks.

Nur der letzte Absatz ist etwas irreführend: Die "völlig veralteten" (Holz-)Triebwagen wurden aufgrund dieses Unfalls natürlich nicht aus dem Verkehr gezogen, sondern fuhren noch knapp zwei Jahrzehnte. Und so völlig veraltet waren sie auch wieder nicht, wenn man den Wiener Wagenstand ansieht. Dass dieser insgesamt hinter etlichen anderen Städten hinterherhinkte, ist wieder eine andere Sache. Selbst wenn man aber direkt nach dem Krieg angefangen hätte, den Wagenpark zu modernisieren, wären am 39er an jenem schicksalhaften Tag ganz sicher keine modernen Stahlkastenwagen gefahren!

Der letzte Satz klingt auch ungefähr so, als ob starke Alkoholisierung in den 60ern quasi zum Tramwayfahren dazugehörte. Sicher gab es das sowohl bei Eisen- als auch Straßenbahn (der berühmte Fahrer, der immer sein Achterl neben dem Fahrschalter stehen hatte und bei jeder Haltestelle daran nippte...) und es wurde auch viel zu oft toleriert/ein Auge zugedrückt (wenn der Lokführer nicht mehr fahren konnte, weil er so rauschig war, musste eben der Heizer ran), aber die Regel war es keineswegs.
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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #11 am: 07. März 2011, 22:06:09 »
Der letzte Satz klingt auch ungefähr so, als ob starke Alkoholisierung in den 60ern quasi zum Tramwayfahren dazugehörte. Sicher gab es das sowohl bei Eisen- als auch Straßenbahn (der berühmte Fahrer, der immer sein Achterl neben dem Fahrschalter stehen hatte und bei jeder Haltestelle daran nippte...) und es wurde auch viel zu oft toleriert/ein Auge zugedrückt (wenn der Lokführer nicht mehr fahren konnte, weil er so rauschig war, musste eben der Heizer ran), aber die Regel war es keineswegs.
Heute sind wir immerhin so weit, dass Fahren unter Alkoholeinfluss nur mehr im Individualverkehr als Kavaliersdelikt gilt... ::)
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #12 am: 07. März 2011, 23:03:22 »
Ganz sicher bin ich nicht, aber ich meine, es hätte da schon einmal eine, wenn auch kleine und unscheinbare Gedenktafel gegeben. Möglicherweise war das auch nur eine privat angefertigte Tafel.

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #13 am: 02. Juli 2011, 20:52:35 »
Ich habe weiter in meinen Filmarchiven gegraben, bitteschön:

Unfall der Linie 39
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hema

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Re: 2.8.1960: 39er-Unfall Billrothstraße
« Antwort #14 am: 02. Juli 2011, 20:59:01 »
Also ich kann auch damit leben, wenn man nicht überall Gedenktafeln und Marterln aufstellt!  ::)
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!