Autor Thema: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]  (Gelesen 5710 mal)

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matto

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[PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« am: 23. November 2011, 09:00:58 »
http://derstandard.at/1319183420233/Strassenbahn-als-Zug-Den-Zug-zu-den-Menschen-bringen

Ein interessanter Artikel über den Musterbetrieb im Raum Karlsruhe sowie ähnliche Planungen in Salzburg und Bayern, auch in der Printausgabe erschienen:

Zitat
Straßenbahn als Zug:
"Den Zug zu den Menschen bringen"
21. November 2011 18:44

Karlsruhe/Salzburg - Das Zentrum von Karlsruhe mit der Fußgängerzone Kaiserstraße ist derzeit eine riesige Baustelle. Die Stadt baut mit kräftiger Unterstützung des Bundes und des Landes Baden-Württemberg um rund 400 Millionen Euro einen Tunnel quer durch die Innenstadt.

Das Tunnelprojekt ist Ergebnis einer europaweit ziemlich einmaligen Erfolgsgeschichte des öffentlichen Personennahverkehrs. Da der Straßenbahnverkehr im Stadtzentrum oberirdisch inzwischen so dicht geworden ist, dass ein Überqueren der Fahrbahn für Fußgänger kaum noch möglich ist, muss ein Teil der Schienen unter die Erde. Auch für die Tramwaylogistik ist der innerstädtische Minutentakt zum Problem geworden. "Wir stehen uns manchmal selber im Weg", erzählt Dieter Ludwig.

Ludwig, inzwischen pensionierter ehemaliger Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbundes, ist der Erfinder des "Karlsruher Modells", das europaweit als Vorbild für den öffentlichen Personennahverkehr gilt. Aus der Erkenntnis heraus, "dass die Mobilitätszuwächse nicht alleine auf der Straße zu bewältigen sein werden", setzte Ludwig schon Anfang der 1980er-Jahre ganz auf die Schiene.

"Tram-Train"

Das Ziel für die 300.000 Einwohner zählende Stadt Karlsruhe war, dass die Fahrgäste ohne umzusteigen vom Umland in das Zentrum gelangen können. "Man muss den Zug zu den Menschen bringen und nicht umgekehrt", lautet der Leitsatz der Karlsruher Verkehrsplaner. Und: Der Takt muss so konzipiert sein, dass die Öffis ohne Fahrplanstudium benutzt werden können.

Technische Voraussetzung für dieses schienengebundene Konzept - Busse werden nur noch für den Querverkehr von und zu den Bahnachsen und nicht mehr entlang der Hauptstrecken eingesetzt - sind die "Tram-Trains". Diese Triebwagengarnituren können sowohl im städtischen Straßenbahnnetz mit 750 Volt Gleichstrom als auch im Schienennetz der Bahn überland mit 15 KV Wechselstrom eingesetzt werden. Die Umstellung von einem auf das andere System erfolgt während der Fahrt auf kurzen spannungsfreien Gefällestrecken.

Der Fahrgast merkt von dem kleinen technischen Wunder nichts. Was er merkt ist, dass es auf offener Strecke mit einhundert Sachen recht flott dahingeht. Innerstädtisch wird das Tempo gedrosselt, dafür können die "Tram-Trains" engste Kurvenradien bewältigen und so auch in dicht verbautem Gebiet eingesetzt werden. "In der Region schnell als Eisenbahn - in der Stadt flexibel als Straßenbahn", sagt Ludwig.

Mit den "Tram-Trains" war es plötzlich möglich, eine ganze Region an das Straßenbahnnetz der Stadt anzuschließen und so ein dichtes Streckennetz über die Region zu legen. Acht Hauptstrecken mit einem Zehnminutentakt durchqueren derzeit Karlsruhe.

Akzeptanz und Erfolg bestätigen das Modell. Auf der Pilotstrecke von Karlsruhe in die kleine Stadt Bretten hat sich die Fahrgastzahl im Vergleich zum alten Zugangebot vom Jahr 1991 bis heute auf 18.000 Personen täglich verachtfacht. Besonders erfreulich aus Sicht der Verkehrsexperten: 40 Prozent der Fahrgäste sind vorher mit dem Auto gefahren.

Die rasant gestiegenen Fahrgastzahlen sind für die Verkehrsbetriebe auch ökonomisch interessant. Das jährliche Defizit konnte von etwa 28 Millionen im Jahr 1994 auf derzeit etwas über 20 Millionen gesenkt werden.

Stadtentwicklung

Inzwischen hat sich auch die Stadt Heilbronn (120.000 Einwohner) an das etwa 700 Kilometer umspannende Nahverkehrs-Schienennetz angeschlossen. Wo früher laut Stadtverwaltung bis zu 20.000 Autos täglich durch die Stadt donnerten, ist heute eine Fußgängerzone, in der nur noch die Tramway und der Zubringerbus fahren. Insgesamt umfasst der Nahverkehrsraum inzwischen rund eine Million Menschen.

Der Stadtentwicklung hat der Öffi-Boom - selbst für Laien sichtbar - gut getan. Anstatt - autoabhängig - in die Fläche, auf die grüne Wiese zu bauen, rücken Industrie, Gewerbe und Wohnbau näher an die Bahnachsen heran. Für die Stadtplaner wird die Bahn immer mehr zur Entwicklungsachse. In Bretten etwa hat die Stadt ehemalige Industrieflächen entlang der Bahn saniert und für die Ansiedelung von Betrieben gleich zwei neue Haltestellen gebaut. (Thomas Neuhold, DER STANDARD; Printausgabe, 22.11.2011)

13er

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #1 am: 23. November 2011, 09:05:43 »
Zitat
Ludwig, inzwischen pensionierter ehemaliger Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbundes, ist der Erfinder des "Karlsruher Modells", das europaweit als Vorbild für den öffentlichen Personennahverkehr gilt.
Außer in Wien ;)

Der Direktor Ludwig soll einer alten Anekdote nach ja im Zuge eines Wienbesuchs beim Würschtlessen bei der Bellaria den alle paar Minuten kommenden 48A beobachtet und dann den Wiener Verantwortlichen gefragt haben, ob Wien so viel Geld hat, dass man sich einen Bus statt einer Straßenbahn auf so einer starkfrequentierten Strecke leisten könne.
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

Linie 41

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #2 am: 23. November 2011, 11:28:53 »
Und Besserung ist bei uns auf Jahrzehnte nicht in Sicht.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

T1

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #3 am: 23. November 2011, 19:25:07 »
Aber auch in Karlsruhe war aller Anfang schwer. Für jede Lösung eines technischen Problems fand die DB damals zehn neue, umso bewunderswerter, dass sich Ludwig mit seiner Vision durchsetzen konnte!

tram

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #4 am: 23. November 2011, 20:35:06 »
3 Off-Topic-Postings gelöscht.

Wattman

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #5 am: 24. November 2011, 04:57:52 »
Was in dem Artikel im Eingangsposting nicht erwähnt wird, ist, dass zum Tunnel auch eine oberirdische Entlastungsstrecke gebaut wird (Kriegsstraße).

Linie 41

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #6 am: 24. November 2011, 12:43:56 »
Was in dem Artikel im Eingangsposting nicht erwähnt wird, ist, dass zum Tunnel auch eine oberirdische Entlastungsstrecke gebaut wird (Kriegsstraße).
Für weitere Informationen der Link zur Website über den Tunnelbau: http://www.diekombiloesung.de/
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

coolharry

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #7 am: 24. November 2011, 12:55:45 »
Aber auch in Karlsruhe war aller Anfang schwer. Für jede Lösung eines technischen Problems fand die DB damals zehn neue, umso bewunderswerter, dass sich Ludwig mit seiner Vision durchsetzen konnte!

Dem ganzen ist nur zugute gekommen, dass die Albtalbahn´, die schon in den 50er und 60er von der Schmalspur zur Normalspur umgenagelt worden ist, von Anfang an Privateigentum der AVG war. Dort konnte man in Ruhe und ohne lästige DB sich gedanken über Mischradreifenprofil und Signaltechnik machen bevor man dann den Schritt raus gewagt hat. Auf der Albtalbahn wurde ja von Anfang an, mit den Straßenbahnfahrzeugen und normalen Eisenbahnfahrzeugen, ein Mischbetrieb durchgeführt.

Heute haben sie einen zukunftsweisenden Betrieb geschaffen und das eigentlich nur weil sie die alten Überlandstraßenbahnen kopiert und im modernen Stil wieder eingeführt haben.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

44er

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #8 am: 25. November 2011, 06:46:19 »
Vollkommen richtig.
Das Modell KARLSRUHE ist aber keine Erfindung von Hr. Dr. Ludwig, denn in den USA gab es früher zahlreiche so genannte Interurbans,  sozusagen die Großväter des Modells KARLSRUHE. Es ist allerdings das Verdienst von Dr. Ludwig, den Gedanken eines derartigen Betriebssystems wiederentdeckt zu haben. Seiner Zähigkeit ist es letztlich zu verdanken, dass Karlsruhe heute ein solches System hat.
Leider ist dieses System, das äußert Fahrgastfeundlich ist nocht nicht in dem Maß in anderen Städte verwirklicht worden, wie es notwendig wäre.
Die Speckgürtel der großen Städte bieten sich als Einsatzgebiet dieses zweifelsohne nicht gerade billgen Systems an.
Wir leben in einer automobilen Gesellschat, und in dieser ist es notwendig mit den Verkehrsmitteln zu den Fahrgästen zu kommen und nicht umgekehr.
Die Wiederentdeckung des Fahrgast, das ist in Wahrheit das große Verdienst von Dr. Dieter Ludwig.

hema

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #9 am: 25. November 2011, 17:37:03 »
Auch in Wien hat man den Fahrgast längst entdeckt - als Störfaktor!  :-[
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

moszkva tér

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Re: [PM] "Den Zug zu den Menschen bringen" [Karlsruhe, Salzburg]
« Antwort #10 am: 26. November 2011, 07:56:57 »
Auch in Wien hat man den Fahrgast längst entdeckt - als Störfaktor!  :-[
Jahreskartenbesitzer sind eh erwünscht (solange sie nur die Jahreskarte kaufen, dann aber nicht benutzen)  8)