Autor Thema: Fensterumbau bei den Typen D, G und T  (Gelesen 2686 mal)

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nord22

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Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« am: 20. Juli 2017, 13:29:33 »
Wie die Abbildungen zeigen, wurden alle 520 G, 300 D und 50 T ab Werk mit 2 bzw. 3 großen Seitenfenstern ausgeliefert. Mit dieser Bauform muss es irgendein ziemlich stringentes Problem gegeben haben, denn bis in die 20er Jahre wurden die großen Seitenfenster durch zwei kleinere ersetzt und eine gleichmäßige Fensteranordnung von 5 (Type D), 8 (Type G) bzw. 10 (Type T) gleich großen Fenstern geschaffen. Die originale Fensteranordnung der Type G wurde schon 1907 beim Bau der Type G2 aufgegeben.

Der Umbauaufwand war beträchtlich, denn es mussten 4160 Fenster für die Type G, 2400 Fenster für die Type D sowie 600 Fenster für die Type T angefertigt werden; weiters mussten bei den G und D vier und den T sechs neue Wagenkastensteher/ Wagen angefertigt und in den Wagenkasten eingebaut werden. Wie diese Betrachtung zeigt, war dieser Umbau sehr teuer und arbeitsaufwändig und das Geld dafür wurde sicher nur aus triftigen Gründen genehmigt. Ich vermute, dass es ein Problem mit der Bruchgefahr der großen Fenster oder mit der Stabilität der Wagenkästen gegeben haben könnte. Bitte die p.t. Forenteilnehmer um Anregungen.

nord22

haidi

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #1 am: 20. Juli 2017, 13:46:09 »
Konnte man die großen Fenster öffnen bzw. die neuen Fenster nach dem Umbau?
Wenn nein, dann war der Umbau nicht soooo schlimm - die Kastensteher waren einfacher und die neue Verglasung konnte aus der alten gemacht werden.
Sicher ist eines: Im Falle von Glasbruch war es sicher billiger, eine kleinere Scheibe zu ersetzen. Flachglas war ziemlich teuer, daher wurden bei Wohnungsfenstern oft Glasscheiben nur teilerneuert, d.h. die alte Scheibe wurde so geschnitten, dass der Bruch weg war und mit einem H-Profils ein neuer Glasteil eingesetzt.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

nord22

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #2 am: 20. Juli 2017, 14:00:10 »
Ich habe mir auch gedacht, dass die Verglasung der kleinen Fenster wahrscheinlich aus jener der großen Fenster angefertigt wurde. Der Umbau von 870 Straßenbahnwagen war jedenfalls ein beachtlicher Aufwand.

nord22

95B

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #3 am: 20. Juli 2017, 14:04:44 »
Ich habe mir auch gedacht, dass die Verglasung der kleinen Fenster wahrscheinlich aus jener der großen Fenster angefertigt wurde. Der Umbau von 870 Straßenbahnwagen war schon ein beachtlicher Aufwand.

Der wesentliche Kostenfaktor zur damaligen Zeit war das Material. Arbeitszeit war kein Thema, die Leute waren schlecht entlohnt.
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Katana

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #4 am: 20. Juli 2017, 19:38:58 »
Der wesentliche Kostenfaktor zur damaligen Zeit war das Material. Arbeitszeit war kein Thema, die Leute waren schlecht entlohnt.

Und der Unterschied zu heute ist ...? >:D

hema

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #5 am: 20. Juli 2017, 20:02:45 »
Heute arbeiten die Leute 38,5 Stunden, damals durften sie noch nicht einmal von der 48-Stunden Woche träumen. Auch von fünf Arbeitstagen pro Woche hatte noch niemand eine Vorstellung!
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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #6 am: 20. Juli 2017, 20:19:56 »
Das sind Fakten. Aber bzgl. der Entlohnung sind die Gewerkschaften und die Mehrzahl der Arbeitnehmer nach wie vor unzufrieden ("Einkommensschere").

hema

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #7 am: 20. Juli 2017, 20:39:21 »
Man muss aber auch die Ansprüche in die Betrachtung einbeziehen, welche man heute hat und mit wie wenig Dingen man sich früher zufrieden gegeben hat. Und zwar ohne sich arm oder wesentlich eingeschränkt gefühlt zu haben.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

nord22

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #8 am: 21. Juli 2017, 01:21:29 »
Danke an User "haidi" für seine Anregungen. Ich hätte Alfred Rosenkranz noch zu Lebzeiten fragen sollen ... Billig war der Umbau sicher nicht, und es gibt auch Beispiele von Umbauten, welche gut gelungen waren und wegen zu hoher Kosten aufgegeben wurden - Holzverglasung der Type G oder Umbau der Type L in L1.

nord22

60er

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #9 am: 21. Juli 2017, 08:26:13 »
Grund für den Umbau könnte tatsächlich sein, dass diese großen Glasscheiben sehr bruchanfällig waren und es auch häufiger zu Spannungsrissen gekommen ist. Das war ja kein Sicherheitsglas damals, sondern normales, dünnes Fensterglas.

haidi

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #10 am: 21. Juli 2017, 08:42:07 »
DAs mit der Arbeitszeit ist nicht auf meinem Mist gewachsen - ich hab das im Zusammenhang mit Eisenbahn gelesen. Früher gab es über Rangierbahnhöfen Drahtverhau, der die Oberleitung oben hielt, heute legt man Traversen quer.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

nord22

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Re: Fensterumbau bei den Typen D, G und T
« Antwort #11 am: 11. Dezember 2018, 19:00:48 »
Ein Artikel von Paul Golob in tramway&modell 4/ 2018 bringt Licht ins Dunkel der Geschichte der Type D:

Es wurden von September 1912 bis Dezember 1922 bei 129 D der Wagenkasten auf fünf gleichgroße Fenster umgebaut. D 155 erhielt anlässlich des Umbaus zum Musterwagen für die D1 fünf gleichgroße Fenster, ebenso erhielten alle in die Typen D1 (100 Motorwagen) und d2 (125 Beiwagen) umgebauten D spätestens anlässlich dieses Umbaus ebenso diese gleichmäßige Fensteranordnung.
D 207 wurde als einziger D, der nicht zu D1 oder d2 umgebaut wurde, mit der originalen Fensteranordnung per 18.02.1929 skartiert. Am 14. Juni 1931 waren mit D 198 und 293 letztmalig D im Linienverkehr eingesetzt.

Der 14. Juni 1931 war somit der letzte Tag, an dem Triebwagen mit offenen Plattformen bei der Wiener Straßenbahn im Linienverkehr eingesetzt wurden, was für das Fahrpersonal eine bedeutende Verbesserung der Arbeitsbedingungen brachte.

Meine Betrachtung vom Leitartikel in diesem Thread hat somit eine kleine rechnerische Unschärfe, da letztendlich nur bei 299 D und nicht 300 D die Fensteranordnung umgebaut wurde.

nord22