Autor Thema: Donaudampfschiffe  (Gelesen 9772 mal)

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nord22

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Donaudampfschiffe
« am: 26. Juli 2017, 18:12:20 »
Die DDSG war bekanntlich das größte Binnenschifffahrtsunternehmen der Welt. Nach dem Zerfall der Monarchie wurden die Schiffe der DDSG unter den Nachfolgestaaten aufgeteilt. Von diesen Dampfschiffen existiert heute nur mehr die "Schönbrunn"; das Wrack der "Johann Strauss" liegt noch bei der Schwedenbrücke und soll bald verschrottet werden. Anbei zwei Aufnahmen der DFS "Hebe" und "Johann Strauss" in Linz 1962 (Fotos: Karl Prucha). Die "Hebe" war im August 1969 letztmalig in Betrieb und landete letztendlich in Griechenland. Die "Johann Strauss" wurde 1913 als "Erzherzog Franz Ferdinand" vom Technischen Stab in Linz erbaut und hatte eine Dampfmaschine mit 740 PS von der Firma Gebr. Sachsenberg, Rosslau a. d. Elbe. Nach dem Ende der Monarchie erhielt das Schiff den Namen des Walzerkönigs, bekam 1945 in Linz einen Bombentreffer ab und sank. Nach der Hebung wurden die Maschinen 1950 in den Rumpf des Dampfers "Grein" eingebaut. Die "Johann Strauss" wurde nach einem Bruch der Antriebswelle 1971 ausgemustert.

nord22

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #1 am: 26. Juli 2017, 19:22:40 »
Unter http://www.fhsaustria.org/aktuelles/einzelansicht/article/20160209-400-m-containerriese-nach-ueber-fuenf-tagen-aus-dem-schlick-in-der-elbe-gezogen-kopie/ steht u. a.:

"07.06.2016 - Wieder ein Stück Geschichte unter dem Hammer: "Johann Strauß"-Auktion zum Schrottpreis
Und wieder verschwindet ein Stück Geschichte aus der historischen Schifffahrt: Die zuletzt als Clubschiff  geführte "Johann Strauß" (Baujahr 1853) mit Liegeplatz im Donaukanal wird in einer Auktion des Dorotheums zum Schrott- und Ausrufungspreis von Euro 2.000,00 angeboten. Der einstige Stolz der DDSG rostete die letzten Jahre am Donaukanal vor sich hin. Seit den1970-er Jahren als Restaurantschiff eingesetzt und zuletzt als abgetakelte Club-Disko eingesetzt wurde sie 2013 wegen "Gefahr im Verzug" gesperrt.
Lapidare Ankündigung:
Clubschiff "Johann Strauß", (schwimmende Anlage mit Auftriebskörper), erbaut 1853 in Budapest, ehemals als Passagierschiff im Einsatz, ab 1972 als Schiffsrestaurant (nicht schwimmend), keine Schiffspapiere bzw. Zulassung vorhanden, Antriebsmaschine und Schaufelräder fehlen, Länge ca. 68,38 m Breite 15,85 m, Tiefgang max. 1,20 m, Konstruktionsveränderungen ca. 325 t, Bruttotonnen ca. 500, Allgemeinzustand: desolat, teilweise stark korrodiert, Innenverkleidung und Inneneinrichtung sowie schiffstechnische Gegenstände teilweise ausgebaut bzw. fehlen. Wert der Johann Strauß: ein nicht abschätzbarer Liebhaberwert bzw. ein Schrottmittelwert von EURO 22500,00, bei einem geschätzten Stahlgewicht von ca. 250 t nach entfernen der Inneneinrichtung. Der Abtransport: alle Kosten und eventuell erforderliche Genehmigungen sind in der Verantwortung des Käufers! Letzter Tag der Abholung 30.06.2016. Besichtigungsort und Zeit: 1010 Wien, Franz Josefs Kai 27-29, am Liegeplatz "Donaukanal", nur am 01.06.2016 von 13:00 bis 16:00 Uhr."

nord22

martin8721

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #2 am: 26. Juli 2017, 20:27:13 »
Welch prächtiges Schiff die "Johann Strauß" einmal war.  :o
Ewig schade drum... :'(

Wie kommen die im verlinkten Artikel aber auf das Baujahr 1853?  ???

5er

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #3 am: 26. Juli 2017, 20:48:01 »
Wie kommen die im verlinkten Artikel aber auf das Baujahr 1853?  ???
Steht so im Gutachten (ebenfalls auf der verlinkten Seite). Demzufolge (und auch was man sonst so im Internet findet) ist die aktuelle Johann Strauß die vorherige GREIN (BJ 1853, ex CARL LUDWIG), die 1950 die Dampfmaschine der "vorherigen" Johann Strauß (BJ 1919, nach einem Bombentreffer gesunken) eingebaut bekam.

Edit: nord22 hat eh schon im ersten Beitrag im Prinzip das gleiche geschrieben, er hat nur nicht hervorgehoben, dass die erste Johann Strauß 1950 verschrottet wurde und die (ältere) Grein die neue Johann Strauß wurde

Linie 360

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #4 am: 27. Juli 2017, 21:26:10 »
Die "Johann Strauß" wird zwangsversteigert->http://wien.orf.at/news/stories/2857286/

moszkva tér

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #5 am: 27. Juli 2017, 23:30:18 »
Schade um das Schiff! Vor ca. 20 Jahren bin ich da einmal mit Freunden zu Gast gewesen. Die Edelstahl-Kanne verwende ich immer noch, um Eistee selbst zu machen und der Schneebesen hat für meine Kinder schon zahlreiche Grießköche zubereitet. (Hab ich damals gefunden).

Vor ca. 10 Jahren war ich auf dem Schiff auf einer polnischen Diskoparty, da hat die polnische Diaspora Wiens mehr oder weniger geschlossen zu polnischer Popmusik abgetanzt, das Krügerl Warka gab es für 3 Euro. Ein sehr netter Abend!

Aber was soll man tun, es ist so wie mit den E1-c3. Eines Tages muss man sich vom sehr geliebten Alten trennen und es kommt was Neues. Am Donaukanal fehlt eh eine weitere Strandbar wie ein Bissen Brot!

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #6 am: 28. Juli 2017, 16:05:21 »
In der Schweiz sind derartige Schiffe auch heute noch im täglichen Liniendienst anzutreffen, beispielsweise am Genfer See, wo 7 Raddampfer der Baujahre 1904-1927 im Einsatz sind!

Siehe auch: http://www.cgn.ch/de-ch/flotte-belle-epoque/shiplist.aspx
"das korrupteste Nest auf dem weiten Erdenrund"
Mark Twain über die Wienerstadt.

moszkva tér

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #7 am: 28. Juli 2017, 18:36:00 »
In der Schweiz sind derartige Schiffe auch heute noch im täglichen Liniendienst anzutreffen, beispielsweise am Genfer See, wo 7 Raddampfer der Baujahre 1904-1927 im Einsatz sind!
In Istanbul sind auch die ältesten Bosporusfähren aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, und die sind auch täglich unterwegs - im großstädtischen Nahverkehr sicher auch deutlich strapazierter als in der Ausflugsschifffahrt.

WIENTAL DONAUKANAL

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #8 am: 28. Juli 2017, 19:54:14 »
Dir Elbe-Dampfschifffahrt hat derzeit neun Raddampfer im Liniendienst.

nord22

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #9 am: 29. Juli 2017, 09:00:51 »
Die Bildergalerie zum Thema Donaudampfschiffe wird natürlich fortgesetzt:

DFS Hebe am Donaukanal bei der Urania (Postkartenmotiv Archiv nord22): Baujahr 1905 Werft Obuda, 1985 in Eleusis/ Athen verschrottet
DFS Franz Josef (Archiv Erwin Hauke): Baujahr 1853 Werft Obuda, 1943 als "Melk" ausgemustert
DFS Franz Schubert (Postkartenmotiv Archiv nord22): Baujahr 1913 Linzer Schiffswerft, 1971 ausgemustert; bis 1918 "Herzogin von Hohenberg"

LG nord22

nord22

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #10 am: 04. August 2017, 11:22:48 »
Dampfschlepper Samson; Baujahr 1910 Schiffswerft Budapest, 800 PS, 1968 ausgemustert (Foto: Harald Herrmann)
DFS Johann Strauss in Melk (Postkartenmotiv Archiv nord22)
DFS Szent Istvan, ungarische DSG (Archiv Erwin Hauke)

LG nord22

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #11 am: 04. August 2017, 13:06:57 »
Zur "Johann Strauß" sei noch angemerkt: noch im Juni 2017 wurde mir von offizieller Seite erklärt, es laufe ein Rechtsverfahren gegen den Pächter, dessen Ende nicht absehbar sei, aber die Stadt habe Pläne mit dem Schiff am derzeitigen Standort.

Ist ein wenig offtopic, geht aber wohl in die selbe Richtung wie das "Schloß Cobenzl" oder wie man mit Altbauten in der Stadt umgeht: erst ewig rauszögern und dann mit Verweis auf "Gefahr in Verzug" abreißen, verschrotten lassen, demolieren.

wäre es nicht möglich, das Schiff in den Freudenauer Hafen zu schleppen und dort wieder aufzuarbeiten?

Schade, ich hätte ein klassisches Wiener Kaffeehaus an Bord der Johann Strauss, als Kontrapunkt zum "Motto" beim "Tor zu Wien" sehr begrüßenswert gefunden. Dass die Stadt Wien in touristischen Fragen immer so patzen muß....

@ moszkva tér: du glaubst doch nicht, dass beim Liegeplatz der Johann Strauß IRGENDWAS hinkommt... das könnte ja dem "Motto" die Gäste vertreiben / wegschnappen...noch dazu die Gefahr der steilen Uferanlagen....vergiss es.
Mit freundlichen Grüßen
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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #12 am: 04. August 2017, 17:52:55 »

wäre es nicht möglich, das Schiff in den Freudenauer Hafen zu schleppen und dort wieder aufzuarbeiten?


Auf der in Antwort #1 verlinkten Seite ist ein Gutachten verlinkt, das relativ genau über den Zustand Auskunft gibt. Eine Aufarbeitung wäre sicher möglich, dürfte aber mit sehr hohen Kosten verbunden sein

37er-Wagen

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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #13 am: 04. August 2017, 18:27:56 »

wäre es nicht möglich, das Schiff in den Freudenauer Hafen zu schleppen und dort wieder aufzuarbeiten?


Auf der in Antwort #1 verlinkten Seite ist ein Gutachten verlinkt, das relativ genau über den Zustand Auskunft gibt. Eine Aufarbeitung wäre sicher möglich, dürfte aber mit sehr hohen Kosten verbunden sein

tja, das ist es meistens, wenn man die Sachen verkommen läßt... es stellt sich nur die Frage: wenn alle, die um die Johann Strauss öffentlich "weinen" ein bisserl was hergeben, könnte das durchaus machbar sein.... es könnte aber auch die Stadt Wien sowas wie historische Verantwortung zeigen und nicht alles auf Biegen und Brechen "modern" machen müssen...
Mit freundlichen Grüßen
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Re: Donaudampfschiffe
« Antwort #14 am: 04. August 2017, 21:04:52 »
tja, das ist es meistens, wenn man die Sachen verkommen läßt... es stellt sich nur die Frage: wenn alle, die um die Johann Strauss öffentlich "weinen" ein bisserl was hergeben, könnte das durchaus machbar sein.... es könnte aber auch die Stadt Wien sowas wie historische Verantwortung zeigen und nicht alles auf Biegen und Brechen "modern" machen müssen...
Das "verkommen lassen" begann in diesem Fall allerdings bereits im Jahr 1985, als man das Schiff nach Wien holte (zuvor war es in Regensburg als Restaurantschiff im Einsatz gewesen). Damals wurde vorgeschlagen, das zu dem Zeitpunkt noch weitestgehend intakte Schiff in Linz oder Korneuburg aufzulegen und im Unterwasserbereich gründlich zu konservieren. Das Vorhaben scheiterte letztlich daran, dass die Kosten dafür dem Eigentümer, der WIGAST (d.h. der Stadt Wien), zu hoch erschienen. Das ist im Wesentlichen die Ursache für die im Gutachten erwähnten Schäden, die das Schiff vermutlich zum Fall für den Hochofen werden lassen.