Autor Thema: [PL] Szczecin (Stettin)  (Gelesen 11186 mal)

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nord22

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #45 am: 01. Juli 2018, 17:15:11 »
TW 116 + BW der Linie 6; der Umfang des Autoverkehrs erlaubte eine flüssige Betriebsabwicklung (Foto: Ferdinand Huizer, 11.08.1989).

LG nord22

Konstal 105Na

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #46 am: 01. Mai 2019, 09:37:55 »
Letzte Woche war ich zum ersten Mal in Stettin. Ein ehemaliger Arbeitskollege ist dort aufgewachsen und hat mich eingeladen. Der Focus lag somit nicht auf der Straßenbahn, allerdings habe ich dennoch einige Bilder machen können.
Ein Netzplan befindet sich hier: https://www.zditm.szczecin.pl/zalaczniki/schematy/tramwaje.pdf

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Leicht verspätet kam ich mit dem Nachtzug aus Krakau an. Dieser hat übrigens auch Kurswagen nach Berlin dabei. Hier gleich ein Gruß aus der deutschen Hauptstadt. Die Tramwaje Szczecińskie (Stettiner Straßenbahnen), so heißt der Betreiber der Straßenbahn, hat derzeit 50 T6A2D und 73 KT4DtM im aus Berlin im Einsatz. Viele davon fahren immer noch in Berliner Lackierung. Hier ein 3er in Richtung Dworzec Niebuszewo (Bahnhof Zabelsdorf). Im Hintergrund ist der Hauptbahnhof Stettins zu sehen.

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Ich ging den 3er entlang. Da mein Freund mir am Vortag sagte, dass er noch seinem Vater im Haus helfen muss, hatte ich den ganzen Vormittag um mich auf die Straßenbahn zu konzentrieren. Ein Moderus Alfa HF10AC, von denen es 12 Stück, also 6 Züge gibt, posiert vor dem Czerwony Ratusz (Roten Rathaus, welches bis vor 1945 Neues Rathaus hieß).

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Am 3er konnte ich sonst nur Vierachser in Doppeltraktion sehen, doch auch eine KT4-Doppeltraktion war letzte Woche Dienstag auf dieser Linie. Hier verlässt der Zug in Richtung Pomorzany (Pommerensdorf) die Haltestelle Brama Portowa (Hafentor, bis 1945 Berliner Tor), welches man links daneben sieht.

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Der Verkehrsbetrieb verfügt auch über vier Moderus Beta MF15AC. Hier sehen wir einen davon am Plac Zwycięstwa (Siegesplatz, bis 1945 Hohenzollernplatz). Im Hintergrund zwei Kirchen, links Kościół św. Wojciecha (St.-Adalbert-Kirche, bis 1945 Bugenhagenkirche), rechts Kościół Najświętszego Serca Jezusa (Herz-Jesu-Kirche). Interessantes Detail der beiden Kirchen. Die linke Kirche ist heute die Garnisonskirche der Stadt. In der deutschen Zeit war die rechte Kirche die Garnisonskirche. Beide Gotteshäuser waren bis Kriegsende natürlich evangelisch. Es gab lt. meinem ex-Arbeitskollegen nur eine katholische Kirche vor dem zweiten Weltkrieg in Stettin.

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Die Garnisonskirche in voller Pracht. Daneben einer von 28 Pesa Swing.

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Ich ging weiter richtung Westen die Straßenbahntrasse entlang. Hinter der Kirche beginnt die Bolesława Krzywoustego (Bolesław-Schiefmund-Straße, bis 1945 Hohenzollernstraße), die der abgebildete 9er zügig durchfährt. Am 1er und 9er konnte ich KT4 solo sehen, der am Bild gezeigte Wagen trägt die Stettiner Lackierung. Beide Linien unterscheiden sich nur durch den Linienverlauf im Zentrum. Über weite Strecken fahren sie parallel. Heutiger Namensgeber der Straße war im 12. Jahrhundert Herrscher Polens.

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Was mir und meinem Freund auch, gefällt sind die vielen Alleen, die die Straßenbahn durchfährt. Sowas würde sich in Krakau auch gut machen, meinte mein Gastgeber. Auf den Linien 7 und 8 dominieren KT4DtM-Doppeltraktionen. Der Zug ist unterwegs in Richtung Turkusowa. Dorthin führt die Szczeciński Szybki Tramwaj (Stettiner Schnellstraßenbahn), welche am 29.08.2015 eröffnet wurde. Sie ist nicht bessonders fotogen und führt entlang einer Stadtautobahn. Dennoch ist es schön mit einem Tatra-Gespann die Trasse zu befahren. Die meisten Haltestellen sind Bedarfshaltestellen und als ich dort fuhr, war wenig Bedarf. Somit fuhr die Straßenbahn recht schnell.

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Zurück zum Plac Zwycięstwa, genauer gesagt zur Haltestelle Brama Portowa. Ein Pesa 120NaS als 10er in Richtung Plac Rodła (Rodłoplatz). Baustellenbedingt wird der 10er dort kurzgeführt. Rodło ist das Symbol des Bundes der Polen in Deutschland. Es zeigt den Verlauf der Weichsel. Ein Punkt symbolisiert Krakau. https://en.wikipedia.org/wiki/Rod%C5%82o

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Danach ging es zum Plac Grunwaldzki (Tannenberger Platz, bis 1945 Kaiser-Wilhelm-Platz). Das ist ein sternförmiger Platz, wo sehr viele Altbauten erhalten sind. Stettins Altstadt wurde im 2. Weltkrieg zu ca. 60% zerstört. Dennoch sind viele Altbauten erhalten, bzw. wurden wiederaufgebaut und sind heute großteils renoviert. Hier einer von 14 Konstal 105N2k/2000/S, die von Alstom gebaut wurden. Diese Wagen findet man auch in Warschau, wo sie Delfin genannt werden. In Stettin gibt es zudem noch 6 105N2k/2000/D. Dabei handelt es sich um motorisierte Beiwagen, die von Protram in Breslau in Lizenz gefertigt wurden. Der 11er wird rein hochflurig mit verschiedenen 105er-Variationen und T6A2-Doppeltraktionen betrieben.

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Kurz danach kommt ein 12er. Dieser Platz gefällt mir sehr gut.

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22 Swing haben die Typenbezeichnung 120NaS2. Die Wagen sind mit 30,12 m Länge etwas mehr als einen Meter kürzer als die 120NaS. Hier sehen wir einen 5er in Richtung Stocznia Szczecińska (Stettiner Weft).

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Ebenfalls am Plac Grunwaldzki ein KT4 als 1er.

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Ich beschloss zur Wert zu fahren. Wer sich klassiche 105Na erhofft, wird in Stettin bitter enttäuscht. Es gibt nur noch einen Zug. Die verbliebenen 105er wurden von der Zentralwerkstätte umgebaut und heißen nun 105Ng/S. Davon gibt es 6 Züge. Den Großteil des Hochflurauslaufes stellen somit die ex-Berliner Tatras. Der am Bild gezeigte 6er durchfährt die Nocznickiego unweit der Werft.

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Nur ein paar Meter weiter nördlich heißt die Straße dann Stalmacha. Hier wieder ein 105N2k/2000/S.

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Der letzte klassiche 105Na in Stettin im Liniendienst. Und noch dazu in alter Stettiner Lackierung. Rechts daneben ist das Werftgelände.

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Bei der Werft gibt es eine Häuserblockschleife, die auch von den Linien 6 und 11, die hier nicht enden durchfahren wird, da die Nocznickiego südlich der Werft nur in Richtung Norden befahren werden kann. Nach Süden fährt man über die Firlika. Am Bild ist der Moderus Alfa HF09 zu sehen. Das sind die Prototypen für Stettin. Von den Serienfahrzeugen HF10AC unterscheiden sie sich hauptsächlich durch den Antrieb. die HF09 haben immer noch Beschleuniger. Der Zug ist als Przejazd Techniczny (Technische Fahrt, entspricht dem Wiener Sonderzug) unterwegs.

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Ein 11er hat die Haltestelle Stocznia Szczecińska (Stettiner Werft) verlassen und fährt nach Pomorzany (Pommerensdorf). Hier sind wir in der Firlika, durch die die Züge Richtung Süden fahren.

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Die Haltestelle Stocznia Szczecińska (Stettiner Werft), wo der 5er und einige Buslinien auch, endet. Hinter mir ist ein Lokal, in dem ein Konstal N der Gaststube angeschlossen ist. Leider war das Lokal zu.

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In der Matejki (Matejkostraße) kann ich noch einen Swing als 5er in Richtung Krzekowo (Kreckow) ablichten.

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Hier lauerte ich auch noch den letzten klassischen 105ern auf. Vor dem Plattenbau macht der Zug recht gut.
po sygnale odjazdu nie wsiadac

Konstal 105Na

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #47 am: 01. Mai 2019, 10:30:59 »
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KT4 in der Haltestelle Filharmonia (Konzerthaus). Hier wartete ich nun auf meinen Freund.

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Der selbe Wagen am Plac Żołnierza Polskiego (Plac des Polnischen Soldaten, bis 1945 Königsplatz/Paradeplatz). Das Gebäude im Hintergrund beherbergt heute das Sąd Rejonowy (Bezirksgericht). Im Kommunismus war in diesem Gebäude die lokale Organisation der PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, Vereinigte Polnische Arbeiterpartei) untergebracht. Während der Proteste im Dezember 1970 steckten Demonstranten das Gebäude in Brand, was dann so aussah:

Quelle: https://grudzien70.ipn.gov.pl/g70/galeria-1/1693,Komitet-Wojewodzki-PZPR.html

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Über die Wyszyńskiego (Wyszyńskistraße, bis 1945 Breite Straße) führt bei der Kathedrale eine Fußgängerbrücke. Am 8er kommen neben KT4-Doppeltraktionen auch Swing zum Einsatz.

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Der Ast nach Gocław führt durch einen Teil Stettins, der so gar nicht zum Rest der Stadt passt. Hier fühlt man sich, wie auch schon Tramwaycafe angemerkt hat, wie in Oberschlesien. Viele Zinskasernen säumen die Straße. Viele davon nicht renoviert. Östlich der Straßenbahn verläuft die Oder und am Ufer sind diverse Industriebetriebe ansässig (Blickrichtung am Bild Südosten). Diese Aufnahme entstand am 26. April. An diesem Tag waren Busse und Straßenbahnen in Stettin beflaggt. Am 26. April wurde Stettin von der Roten Armee eingenommen. Das gilt als Beginn des nunmehr polnischen Stettins.

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Blick in die Gegenrichtung. Es waren ein paar Sonderzüge unterwegs. Der Zug im Hintergrund war ein Plankurs am 6er. Ganz in der Nähe ist der Betriebsbahnhof Golęcin (bis 1945 Frauendorf). Am Graffiti des lokalen Fussballklubs Pogoń steht folgendes: "Hierher fahrend spürst du Unruhe. Hier regiert Pogoń, sei bei jedem Schritt auf der Hut. Die Fanatiker aus Gocław"
Gocław hieß bis 1945 Gotzlow.

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Wir waren auch im Muzeum Techniki i Komunikacji (Museum für Technik und Verkehr), das einen schönen Querschnitt an Fahrzeugen zeigt. Das Museum befindet sich im ehemaligen Betriebsbahnhof Niemierzyn (bis 1945 Nemitz), der bis 2004 in Betrieb war.
Hauptsächlich sind polnische Fabrikate ausgestellt. In Stettin wurden vor dem 2. Weltkrieg von Stoewer Autos, Fahr- und Motorräder hergestellt. Davon sind auch ein paar Exponate zu sehen. Hier sieht man einen Konstal 102Na.

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Innenansicht und Fahrerkabine des 102Na. Diese Wagen waren bis 2007 im Liniendienst.

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Innenansicht eines GT6.

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Leider war der Düwag GT6 nicht so fotogen abgestellt. 1996 kaufte man 33 GT6 aus Düsseldorf. 2009 wurden die Wagen ausgeschieden. Stettin hat seine Düwags durch Tatras ersetzt. Die GT6 waren mit B4 unterwegs, wovon noch zwei erhalten sind, die aber leider nicht ausgestellt waren. Die B4 kamen auch aus Frankfurt.

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Nocheinmal der 102Na.

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Ein von Nordwaggon in Bremen gebauter Wagen, neben einem Konstal N, beides historische Arbeitswagen (Schneepflüge).

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Das ganze von hinten. Die Aufschrift am N bedeutet, dass es sich bei dem Wagen um einen Pflug mit Pflugscharen handelt und nicht um eine Schneekehre, die im Polnischen auch einfach Pflug genannt wird.

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Einen Konstal N (modernisiert) gibt es auch.

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Der N hat eine Fahrerkabine. Knöpfe von links nach rechts: Abfertigungssignal, Warnglocke, Tür auf, Tür zu, Tür 1, darüber von links nach rechts Blinker, Scheinwerfer.
Die Kontrollleuchten mit römischen Ziffern sind wahrscheinlich die Türkontrolle.

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Ein Wagen von Nordwaggon. Diese Wagen werden heute als Typ Bremen bezeichnet und waren in Stettin von 1926 bis Ende der 60er im Einsatz. Gezeigter Wagen wurde 1967 zu einem Arbeitswagen umgebaut und war bis 1995 als solcher im Einsatz.

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Innenansicht.
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B-Wagen

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #48 am: 01. Mai 2019, 16:40:16 »
Hallo zusammen,

aus Stettin kann ich noch einige Schnappschüsse aus dem Jahre 2007 beisteuern.
Wir haben damals im Rahmen einer Ausbildungsfahrt den Betrieb besichtigt und eine Sonderfahrt unternommen.
Die GT6 standen damals noch im Planeinsatz, waren aber schon auf dem absteigenden Ast - die ersten Nachfolger aus Berlin waren schon eingetroffen...

Ansonsten kann ich leider nicht mehr viel zu den Örtlichkeiten beitragen. Kann gerne ergänzt werden!

nord22

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #49 am: 20. Mai 2019, 14:13:29 »
TW 286 + BW der Linie 3 in der Zygmunta Chmielewskiego (Foto: Bernhard Kussmagk, 02.10.1996).

LG nord22

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #50 am: 08. Juni 2019, 20:50:48 »
TW 257 + BW 344 der Linie 6 in Goclav (Foto: Paul van Baarle, 11.04.1990). Historische Fotos aus Stettin sind nicht der Renner, aber das ist eben "Diversity" im twf...

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Re: [PL] Szczecin (Stettin)
« Antwort #51 am: 09. Juni 2019, 17:01:44 »
TW 257 + BW 344 der Linie 6 in Goclav

Gocław  ;) Im Polnischen verwendet man in der Regel kein V.

Historische Fotos aus Stettin sind nicht der Renner, aber das ist eben "Diversity" im twf...

Ich weiß nicht genau was du meinst. Mir gefallen die Fotos.
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