Autor Thema: Elektrische Stadtbahn  (Gelesen 78110 mal)

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tramway.at

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #180 am: Gestern um 10:21:38 »
Aber ich glaube kaum, dass man heute noch die wahren Gründe erfahren kann, da es keine lebenden Menschen gibt, die es sagen können.

 ::) Gut, dass die Schrift schon erfunden war, so konnten sich Aufzeichnungen überliefern...

Man ging bei der ersten Konzeption von Dreiwagenzügen in einem Intervall von bis zu 90 Sekunden (am Wochenende) aus, sowie von einer stärkeren Vernetzung mit dem Tramwaynetz (Linie 18G ist bekannt, aber auch von Hietzing Richtung Mauer). Also einen mit der Tramway fast identen Betrieb. Insgesamt rechnete man mit einer nötigen "Grundausstattung" von 50 Motor- und 100 Beiwagen. Anders als schlussendlich realisiert ging man eher von einem Führen von zusätzlichen Tramwaykursen auf der Stadtbahn aus, also dass normale Tramwaylinien auf die Stadtbahn auffahren als umgekehrt.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

Klingelfee

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #181 am: Gestern um 10:28:36 »
Aber ich glaube kaum, dass man heute noch die wahren Gründe erfahren kann, da es keine lebenden Menschen gibt, die es sagen können.

 ::) Gut, dass die Schrift schon erfunden war, so konnten sich Aufzeichnungen überliefern...

Man ging bei der ersten Konzeption von Dreiwagenzügen in einem Intervall von bis zu 90 Sekunden (am Wochenende) aus, sowie von einer stärkeren Vernetzung mit dem Tramwaynetz (Linie 18G ist bekannt, aber auch von Hietzing Richtung Mauer). Also einen mit der Tramway fast identen Betrieb. Insgesamt rechnete man mit einer nötigen "Grundausstattung" von 50 Motor- und 100 Beiwagen. Anders als schlussendlich realisiert ging man eher von einem Führen von zusätzlichen Tramwaykursen auf der Stadtbahn aus, also dass normale Tramwaylinien auf die Stadtbahn auffahren als umgekehrt.

JA - Entscheidungen kann man nachlesen. Aber ob man wirklich ALLE Überlegungen dazu noch nachlesen kann, dass bezweifle ich. Denn leider sind viele dieser Dokumente im Laufe der Zeit verschwunden.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

T1

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #182 am: Gestern um 16:36:02 »
Und als ob Erinnerungen von Personen, egal wie sehr sie involviert waren, so viel zuverlässiger wären. Der Mensch erinnert sich grundsätzlich an weit zurückliegende Sachen unvollständig und meist auch sehr unzuverlässig. Die Erinnerung ist ein Hund, wie man auch oft im Forum sieht :)

Katana

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #183 am: Gestern um 16:58:40 »
Aber ob man wirklich ALLE Überlegungen dazu noch nachlesen kann, dass bezweifle ich.
Es reicht, wenn man die Pro-Argumente für die getroffenen Entscheidung nachlesen kann.

Und als ob Erinnerungen von Personen, egal wie sehr sie involviert waren, so viel zuverlässiger wären. Der Mensch erinnert sich grundsätzlich an weit zurückliegende Sachen unvollständig und meist auch sehr unzuverlässig. Die Erinnerung ist ein Hund, wie man auch oft im Forum sieht :)
Nicht nur im Forum, ich weiß es von mir selbst.  8)

tramway.at

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #184 am: Gestern um 17:11:18 »
Aber ob man wirklich ALLE Überlegungen dazu noch nachlesen kann, dass bezweifle ich.
Es reicht, wenn man die Pro-Argumente für die getroffenen Entscheidung nachlesen kann.

Grade aus dieser Zeit sind viele Publikationen von Ingenieur Spängler verfügbar, die insgesamt eigentlich keine Fragen offen lassen.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

N1

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #185 am: Gestern um 17:35:14 »
Aber ob man wirklich ALLE Überlegungen dazu noch nachlesen kann, dass bezweifle ich.
Es reicht, wenn man die Pro-Argumente für die getroffenen Entscheidung nachlesen kann.

Grade aus dieser Zeit sind viele Publikationen von Ingenieur Spängler verfügbar, die insgesamt eigentlich keine Fragen offen lassen.
Ich bezweifle, ob sich so ohne Weiteres z.B. die Frage klären lässt, warum beim Bau der Wendegleisanlage Hietzing die beiden ursprünglichen Gleise bereit fixfertig mit Mittelmasten und Kettenfahrleitung ausgerüstet waren, was sehr stark für kurzfristige Änderungen an den Plänen spricht. Ansonsten denke ich, dass bei Spängler oft diese Ehrfurcht vor technokratischen Experten zum Vorschein kommt. Dabei war es doch so, dass er bei seinem Konzept nur sehr kurzfristig gedacht und manche Probleme, die sich dann stellen sollten, schlichtweg nicht vorhergesehen hat. Ich beziehe mich namentlich auf die Problematik der unterschiedlichen Radreifenprofile von Straßen- und Stadtbahn.
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Hans Rauscher

luki32

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #186 am: Gestern um 19:50:21 »
Ich bezweifle, ob sich so ohne Weiteres z.B. die Frage klären lässt, warum beim Bau der Wendegleisanlage Hietzing die beiden ursprünglichen Gleise bereit fixfertig mit Mittelmasten und Kettenfahrleitung ausgerüstet waren, was sehr stark für kurzfristige Änderungen an den Plänen spricht. Ansonsten denke ich, dass bei Spängler oft diese Ehrfurcht vor technokratischen Experten zum Vorschein kommt. Dabei war es doch so, dass er bei seinem Konzept nur sehr kurzfristig gedacht und manche Probleme, die sich dann stellen sollten, schlichtweg nicht vorhergesehen hat. Ich beziehe mich namentlich auf die Problematik der unterschiedlichen Radreifenprofile von Straßen- und Stadtbahn.

Das war sich der Herr Spängler sehr wohl bewusst, unterschätze bitte nicht die Techniker der damaligen Zeit, nur war damals die "Des geht net" Fraktion noch sehr überschaubar.
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N1

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #187 am: Gestern um 21:13:08 »
Das war sich der Herr Spängler sehr wohl bewusst, unterschätze bitte nicht die Techniker der damaligen Zeit, nur war damals die "Des geht net" Fraktion noch sehr überschaubar.
Sein Plan war, den vorhandenen Straßenbahnwagenpark, bei dem nach dem Ersten Weltkrieg ein Überhang bestand, dergestalt optimal auszunutzen, indem die angenommenen unterschiedlichen Verkehrsspitzen von Stadt- und Straßenbahn möglichst optimal ausgenutzt werden sollten. Straßenbahn: Berufsverkehr, Allerheiligenzeit; Stadtbahn: Wochenend- bzw. Ausflugsverkehr. Dann kam ein Verkehrsanstieg, woraus sich die Notwendigkeit der Anschaffung von Neufahrzeugen ergab. Mit Straßenbahnradreifen hätten die Fahrzeuge auf der Stadtbahn – so hat man mir hier erklärt – mit geringer Geschwindigkeit über Weichen schleichen müssen. Deshalb bekamen die Stadtbahnwagen Übergangsradreifen. Die einzige Verknüpfung zwischen Straßenbahn und Stadtbahn war dann der 18G. Pläne, die mitunter unzureichenden 18G-Dreiwagenzüge bei Bedarf durch durchgehende Fünfwagenzüge zu ersetzen, wurden torpediert ("des geht net"). Lässt man den ohnehin recht kurzlebigen 18G, den es lediglich 20 Jahre gab, außer Acht, war der Stadtbahnfuhrpark in der Praxis schließlich völlig vom Straßenbahnfuhrpark getrennt. Für die Straßenbahn adaptierte Stadtbahnwagen verblieben in der Regel in ihrem neuen Einsatzgebiet und waren in den letzten Jahrzehnten ihres Einsatzes nicht einmal mehr theoretisch auf der Stadtbahn einsetzbar, da die verschiedene Umbauten vorgenommen worden waren. Da die Stadtbahn durchaus auch im Berufsverkehr angenommen wurde, war das aber wohl kein allzu großes Problem. Das Konzept von Herrn Ing. Spängler hat sich also sukzessive in Luft aufgelöst. Gut, er konnte nicht voraussehen, dass die Stadtbahn 1934 ins Eigentum der Stadt Wien übergehen sollte, aber sonst?
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Hans Rauscher

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #188 am: Gestern um 23:16:26 »
Im Pachtvertrag von 1924 war eine Option der BBÖ vorgesehen, die Stadtbahn zehn Jahre später, also 1934, wieder zu übernehmen, wenn sie elektrifiziert wird. Die Beschaffung von grundsätzlich auch straßenbahngeeigneten Wagen war also auch in dieser Hinsicht eine gute Idee, um zu verhindern, dass nach Ziehen der Option die Wagen nirgendwo in Wien mehr eingesetzt werden können.
o_O

N1

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #189 am: Gestern um 23:27:02 »
Sie war nur in dieser Hinsicht eine gute Idee, alles andere an diesem Konzept – die Nutzung des Überhangs an Fahrzeugen (ursprünglich), der gemeinsame Fuhrpark, die optimale Ausnutzung von verschiedenen Verkehrsspitzen – waren Luftschlösser.
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Hans Rauscher

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #190 am: Gestern um 23:31:18 »
Allerdings konnte man tatsächlich mit überschüssigen Stadtbahnfahrzeugen den Straßenbahnfuhrpark modernisieren und die Linie 18G hat es auch gegeben.
o_O

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Re: Elektrische Stadtbahn
« Antwort #191 am: Gestern um 23:34:15 »
Da hätte man besser mehr M beschaffen sollen. Die waren bei 600 Volt Fahrdrahtspannung nicht so lahm wie die N. Der 18G wurde durch den zeitlosen Wiener Ungeist (kenn ma net, hamma no nie gmocht) vermurkst.
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Hans Rauscher