Autor Thema: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße  (Gelesen 4280 mal)

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38ger

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Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« am: 02. August 2020, 14:14:41 »
Anbei die Forderung, die mitsamt eingleisiger Streckenführung der Linie 2 vor der Theater in der Josefstadt eher eine Wahlkampfvision zu sein scheint, die in abgespeckter Variante aber durchaus sinnvoll und realisierbar wäre.

Vorab die Frage meinerseits: Wie schnell dürfen Straßenbahnen in Begegnungszonen fahren?
In Fuzos sind es ja 25 gegenüber 10 ("Schrittgeschwindigkeit") bei allen anderen Verkehrsteilnehmern. Gilt das dann in einer 20er-Bezo auch? In einer 30er-Bezo wären 25 für die Straßenbahn ja absurd...weiß jemand, wie das rechtlich tatsächlich ausschaut?

"BEGEGNUNGSZONE JOSEFSTÄDTER STRASSE

Martin Fabisch - Platz für Alle!

Die Josefstädter Straße ist das Herz der Josefstadt. Wir wollen sie neugestalten, spürbar verkehrsberuhigen, mit Bäumen begrünen und zu einer Begegnungszone mit viel Platz für alle umbauen. Dabei soll sie mit der Begegnungszone Lange Gasse, den Palais Innenhöfen und der Pfeilpiazza verbunden werden und so eine grüne Spange mitten im Achten darstellen.

Derzeit fahren täglich rund 10.000 Autos durch die Josefstädter Straße, ca. 90% davon ist reiner Durchzugsverkehr. Das erzeugt Lärm, Luftverschmutzung und schafft Gefahrenpotenzial für Fußgänger und Fahrradfahrer. Wir wollen das ändern.

In Zeiten von Klimawandel und Veränderung  ist es höchste Zeit, die Josefstädter Straße völlig neu zu gestalten: Sie soll zur Begegnungszone werden, mit zahlreichen Bäumen, Bänken, und Nebenduschen. Somit wird Platz geschaffen, für Lebensfreude und Miteinander, für Schanigärten und gemütliches Verweilen. Autos dürfen nur noch langsam durchfahren und die Straßenbahnlinie 2 wird vor dem Theater in der Josefstadt eingleisig geführt werden. Die Parkplätze werden auf ein Minimum reduziert und Car-Sharing-Plätze, Lieferdienste und Behindertenparkplätze in die Planung miteinbezogen.

Die neue Begegnungszone erhöht die Lebensqualität der direkten Anrainer massiv: Plötzlich kann man auf der Straße sein eigenes Wort wieder verstehen – viel weniger Lärm, weniger

Schadstoffe, bessere Luft. Im Bereich zwischen Lange Gasse und Piaristengasse schaffen wir speziell aufgrund der Engstelle Josefstädter Theater eine Fußgängerzone! Auch die Wirtschaft profitiert: Studien der Wirtschaftskammer haben gezeigt, dass Geschäfte in Begegnungszonen wesentlich besser besucht sind. Genau dies brauchen wir, um die Corona-Krise gut zu überwinden!

Mittels dieser entschleunigenden Maßnahmen werden wir das Flair einer italienischen Flaniermeile erzeugen und gleichzeitig für die Stärkung der Nahversorgung und der durch Corona so stark gebeutelten Wirtschaft vor Ort sorgen. Die Zukunft beginnt im 8. Bezirk!"
Quelle: https://josefstadt.gruene.at/themen/mobilitaet/begegnungszone-josefstaedter-strasse

Weitere Medienberichte:
https://wien.orf.at/stories/3060303/
https://kurier.at/chronik/wien/gruene-plaene-autos-raus-aus-der-josefstaedter-strasse/400986908
https://www.diepresse.com/5846501/josefstadter-strasse-soll-zur-begegnungszone-werden

Klingelfee

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #1 am: 02. August 2020, 14:25:34 »
Auch wenn ich jetzt wieder als Vertreter der Autofahrer Luv verteufelt werde, stelle ich mir eine Frage.

Wo soll dann der MIV ausweichen? Denn die Florianigasse soll ja auch zur Begegungszone erklärt werden
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

38ger

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #2 am: 02. August 2020, 15:07:36 »
Auch wenn ich jetzt wieder als Vertreter der Autofahrer Luv verteufelt werde, stelle ich mir eine Frage.

Wo soll dann der MIV ausweichen? Denn die Florianigasse soll ja auch zur Begegungszone erklärt werden

Gegenfrage: Wohin ist der MIV in der Kärntner Straße, Meidlinger Hauptstraße und Mariahilfer Straße ausgewichen?
Klar kann man dann etwa die Lidlgasse, Gumpendorfer Straße oder die Grünbergstraße nennen, aber im Endeffekt hat dann wohl doch der MIV *auch* abgenommen, denn in all diesen Straßen war vorher ja auch schon viel los, sodass wohl keine 1:1-Verlagerung stattgefunden hat, sondern für manche Wege dann eben doch Öffis, Rad oder Fußwege verwendet wurden. Oder man weiß, dass man fünf Minuten länger für die Parkplatzsuche braucht und verknüpft zwei Wege gleich miteinander, anstatt dazwischen nach Hause zu fahren usw.
Der Mensch ist anpassungsfähig und findet neue Lösungen, das muss nicht zwangsläufig die Parallelstraße sein.

haidi

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #3 am: 02. August 2020, 15:09:02 »
Auch wenn ich jetzt wieder als Vertreter der Autofahrer Luv verteufelt werde, stelle ich mir eine Frage.

Wo soll dann der MIV ausweichen? Denn die Florianigasse soll ja auch zur Begegungszone erklärt werden
Du kannst Fagen stellen!Aufn Zwara natürlich
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

WVB

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #4 am: 02. August 2020, 15:15:30 »
Auch die Wirtschaft profitiert: Studien der Wirtschaftskammer haben gezeigt, dass Geschäfte in Begegnungszonen wesentlich besser besucht sind.
Kommt halt leider viele Jahre zu spät nachdem die Josefstädter Straße ziemlich abgebaut hat. Im westlichen Teil hat man ein leicht versandeltes Flair wie auf der Neulerchenfelder Straße, weiter östlich sind viele Leerstände entstanden und wenn dort mal was reinkommt ist es irgendein austauschbares Geschäft wie der x-te Eissalon (jetzt gibt es schon 4 zwischen der Albertgasse und Strozzigasse) oder ein CBD-Shop oder der klassische Frisör/Barbershop.

Ganz abgesehen davon, dass man in Wien leider unfähig ist schöne Begegnungszonen (bzw. generell Plätze) zu gestalten. Die Lange Gasse, Rotenturmstraße, Otto-Bauer-Gasse, Wehrgasse, etc. sind schöne gestalterische Mahnmale.  :down:

hema

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #5 am: 02. August 2020, 15:44:08 »

Vorab die Frage meinerseits: Wie schnell dürfen Straßenbahnen in Begegnungszonen fahren?
In Fuzos sind es ja 25 gegenüber 10 ("Schrittgeschwindigkeit") bei allen anderen Verkehrsteilnehmern. Gilt das dann in einer 20er-Bezo auch? In einer 30er-Bezo wären 25 für die Straßenbahn ja absurd...weiß jemand, wie das rechtlich tatsächlich ausschaut?

In der Begegnungszone gilt das, was auf der Tafel steht, also meist 20 km/h. In einer Fußgängerzone legt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit der Eisenbahnbetrieb fest, in Wien sind das derzeit 25 km/h.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Klingelfee

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #6 am: 02. August 2020, 16:13:46 »
Auch wenn ich jetzt wieder als Vertreter der Autofahrer Luv verteufelt werde, stelle ich mir eine Frage.

Wo soll dann der MIV ausweichen? Denn die Florianigasse soll ja auch zur Begegungszone erklärt werden
Du kannst Fagen stellen!Aufn Zwara natürlich

Kannst du bitte einmal eine vernünftige Antwort geben?

@38er:

Du kannst bitte die Straßen nicht mit der Josefstädter Straße vergleichen.

Kärntner Straße - war eine Einfallsstraße für die Innenstadt

Mariahilfer Straße - Die war mMn sowieso zu vergessen, da die durch die Einkaufssfahrer  verstopft war

Meidlinger Hauptstraße - Auch hier war diese glaube ich kaum einer Durchzugsstraße

Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.

Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

71er

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #7 am: 02. August 2020, 16:56:30 »
Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.
Bei einer vernünftigen Ampelschaltung wäre das kein großes Drama. Bei einigen Neubaustrecken wird ja auch ständig zwischen Links- und Rechtsverkehr Niveaugleich gekreuzt.

38ger

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #8 am: 02. August 2020, 17:11:00 »
Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.
Bei einer vernünftigen Ampelschaltung wäre das kein großes Drama. Bei einigen Neubaustrecken wird ja auch ständig zwischen Links- und Rechtsverkehr Niveaugleich gekreuzt.

In dem Bereich sollte dann auch ein Fuzo sein, logischer Weise, steht auch in einem der beitragseingangs verlinkten Berichte.

U4

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #9 am: 02. August 2020, 17:29:54 »
Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.
Bei einer vernünftigen Ampelschaltung wäre das kein großes Drama. Bei einigen Neubaustrecken wird ja auch ständig zwischen Links- und Rechtsverkehr Niveaugleich gekreuzt.
Was den Einbau von zwei Weichen mit der dazugehörigen Gegenverkehrs-Schaltung bedeuten würde, und das für ein paar hundert Meter  :fp:
Was soll das denn bringen ??
🥒 Haltestelle NEU -  die schlechteste Version seit Beginn der Haltestellentafeln

Halbstarker

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #10 am: 02. August 2020, 17:36:01 »
Jetzt haben wir seit Jahren alle Schnürstellen weg, und dann plötzlich eine neue?
Ceterum censeo omnibusses esse delendos!

38ger

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #11 am: 02. August 2020, 17:41:39 »
Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.
Bei einer vernünftigen Ampelschaltung wäre das kein großes Drama. Bei einigen Neubaustrecken wird ja auch ständig zwischen Links- und Rechtsverkehr Niveaugleich gekreuzt.
Was den Einbau von zwei Weichen mit der dazugehörigen Gegenverkehrs-Schaltung bedeuten würde, und das für ein paar hundert Meter  :fp:
Was soll das denn bringen ??

Breitere Gehwege und Platz für Grünstreifen z. B.
Statt Weichen könnte man auch einfach eine Gleisverschlingung machen, wie auch in Linz bei der "Neubaustrecke" (2002), auch dort war Platz das argument für die Gleisverschlingung, allerdings für Autos, nicht für Menschen.

Ich halte das aber auch für den Punkt, der auf den meisten Widerstand stoßen würde bei der Idee.

haidi

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #12 am: 02. August 2020, 19:01:57 »
Auch wenn ich jetzt wieder als Vertreter der Autofahrer Luv verteufelt werde, stelle ich mir eine Frage.

Wo soll dann der MIV ausweichen? Denn die Florianigasse soll ja auch zur Begegungszone erklärt werden
Du kannst Fagen stellen!Aufn Zwara natürlich

Kannst du bitte einmal eine vernünftige Antwort geben?

@38er:

Du kannst bitte die Straßen nicht mit der Josefstädter Straße vergleichen.

Kärntner Straße - war eine Einfallsstraße für die Innenstadt

Mariahilfer Straße - Die war mMn sowieso zu vergessen, da die durch die Einkaufssfahrer  verstopft war

Meidlinger Hauptstraße - Auch hier war diese glaube ich kaum einer Durchzugsstraße

Und was ich als größten Schwachsinn der ganzen Forderung ansehe, dass die Straßenbahnlinie 2 im Bereich der Theaters eingleisig geführt werden soll.
Auf minderintelligente Reflexargumente (Wo sollen die Autos hin) besteht die Gefahr von dir nicht gefälligen Antworten. Bist selber Schuld.

Was sagt der Wurm zum eingleisigen Fahren? Wahrscheinlich: "Wenn der STraßenbahnfahrer schauen muss, ob ihm da ein Zug entgegen kommt, dann wird er den Bus vor sich übersehen.

Die Josefstädter STraße ist eher ein Pimperlstraße, da spielt sich nicht wirklich was ab.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Klingelfee

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #13 am: 02. August 2020, 19:19:32 »

Auf minderintelligente Reflexargumente (Wo sollen die Autos hin) besteht die Gefahr von dir nicht gefälligen Antworten. Bist selber Schuld.

Was sagt der Wurm zum eingleisigen Fahren? Wahrscheinlich: "Wenn der STraßenbahnfahrer schauen muss, ob ihm da ein Zug entgegen kommt, dann wird er den Bus vor sich übersehen.

Die Josefstädter STraße ist eher ein Pimperlstraße, da spielt sich nicht wirklich was ab.

@haidi:

Was ich wollte, wäre auch ein vernünftiges Verkehrskonzept. Aber überhaupt bei dir bin ich ja mittlerweile nichts anders mehr gewöhnt.

Genauso, wie dein neues Argument. Kannst du vielleicht einmal wieder etwas wirklich konstruktives beitragen.

Aber jetzt einmal ehrlich, was soll es wirklich bringen, wenn der Bereich Fuhrmanngasse - Lange Gasse zur Begegnungszone umgewandelt wird. Ausser dass die Linie 2 eine Dauerlangsamfahrstelle hat.

Und zum eingleisigen Betrieb. Die Gefahr sehe ich nicht, dass die Straßenbahn einen kreuzenden Autobus übersieht, sondern das Fußgänger damit überfordert sind, dass auf einem Gleis die Straßenbahn aus beiden Richtungen kommen kann.

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Re: Grünen-Forderung: Begegnungszone Josefstädter Straße
« Antwort #14 am: 02. August 2020, 19:52:42 »
Und zum eingleisigen Betrieb. Die Gefahr sehe ich nicht, dass die Straßenbahn einen kreuzenden Autobus übersieht, sondern das Fußgänger damit überfordert sind, dass auf einem Gleis die Straßenbahn aus beiden Richtungen kommen kann.

Es ist halt immer so tragisch, wenn man sein Weltbild einfach auf irgendwelche einfältigen Annahmen anstatt auf weltweit überall praktizierte Beispiele aufbaut. Ich bin jetzt kein großer Freund der eingleisigen Führung auf einer stark belasteten Linie, aber das Argument ist einfach Quatsch.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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