Autor Thema: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition  (Gelesen 7425 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

43er

  • Schaffner
  • **
  • Beiträge: 121
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #15 am: 16. November 2020, 15:50:36 »
Manche lernens halt nie, dass neue Straßen noch mehr Verkehr anziehen.  :bh:
Da wird gar nix zusätzlich angezogen weil der Verkehr sowieso durch den natürlichen Bevölkerungszuwachs mehr wird. Die Infrastruktur muss einfach mit der Stadt mitwachsen.
Natürlich wird durch den Straßenausbau Straßenverkehr angezogen. Dieses Faktum ist bereits ausreichend wissenschaftlich bewiesen worden und ist auch logisch.

Was soll der "natürliche Bevölkerungszuwachs" sein?
Das sich Leute in den Speckgürtel ansiedeln weil es eben eine gute Straßenanbindung gibt?  (weil vorher eben neue Straßen gebaut wurden)

coolharry

  • Referatsleiter
  • *
  • Beiträge: 5466
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #16 am: 16. November 2020, 16:03:18 »
Was soll der "natürliche Bevölkerungszuwachs" sein?
Das sich Leute in den Speckgürtel ansiedeln weil es eben eine gute Straßenanbindung gibt?  (weil vorher eben neue Straßen gebaut wurden)

Das sich in der Berresgasse, Heidjöchl, oberes Hausfeld und Seestadt mehrere 10.000 Menschen ansiedeln werden und davon nicht alle U-Bahn fahren ist auch logisch und hat mit dem Speckgürtel nichts zu tun.

Linie106

  • Fahrer
  • ***
  • Beiträge: 208
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #17 am: 16. November 2020, 16:23:30 »
Wieso sollten von den 10k Neumietern nicht alle öffentlich fahren?

würde man diese Viertel Fußgänger/Radfahrer/Öffi freundlich anlegen, dann bräuchten die wenigsten Neubewohner eine bereifte Coladose. Weil warum fährt man damit: es ist einfach, immer noch zu billig, und bequem. Wenn die Öffis diese Punkte abdecken, brauch ich in Wien kein Auto

oder vielleicht ist das auch einfach nur meine Weltanschauung. Ich bin geboren und aufgewachsen in Wien und habe mit meinen 30 Jahren noch nie ein eigenes KFZ besessen. Und verspüre auch nicht den Drang, mir eines zu besorgen.
Ich bin bis jetzt noch überall hin gekommen, wohin ich wollte.
Für mich ist halt unverständlich, wieso man ein (eigenes) Auto brauchen sollte. Und kommt mir nicht mit den Gschichtln wie Möbel etc. … Man fährt nicht jeden Tag zum Ikea und wenn, dann kann man ein Carsharingangebot oder Lieferdienste nutzen.

WVB

  • Fahrer
  • ***
  • Beiträge: 469
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #18 am: 16. November 2020, 16:33:10 »
Natürlich wird durch den Straßenausbau Straßenverkehr angezogen.
Erinnert mich an die Anrainer vom Bacherplatz die die Tiefgarage verhindert haben mit dem Argument, dass sie den Verkehr aus den umliegenden Bezirken absaugen würde weil dann halb Wien am Bacherplatz parken würde.

Dieses Faktum ist bereits ausreichend wissenschaftlich bewiesen worden und ist auch logisch.
Würde gerne eine heimische Studie dazu lesen aber bitte nicht vom VCÖ oder irgendeinem politisch angehauchten TUler wo dank des Auftraggebers eh schon feststeht wie die Studie ausgeht.

Was soll der "natürliche Bevölkerungszuwachs" sein?

Das sich Leute in den Speckgürtel ansiedeln weil es eben eine gute Straßenanbindung gibt?  (weil vorher eben neue Straßen gebaut wurden)
Gerade heuer sieht man es wunderbar wie die jetzige Kohorte der Führerscheintauglichen für einen Boom in den Fahrschulen sorgt. Mehr Leute führen halt zu mehr Verkehr - finde ich eh immer wieder faszinierend wenn es Leute gibt die sich wundern, dass der ÖV-Anteil vom Modal-Split nicht höher wird. Oder glauben die ernsthaft, dass jeder zusätzliche Wiener automatisch nur zur Fuß/per Rad/per ÖV unterwegs sein wird?

Es gibt genau einen einzigen Grund warum man sich dort am A der Welt ansiedelt: Es ist billig. Die Infrastruktur ist dort meistens wurscht und/oder nicht vorhanden.

Wieso sollten von den 10k Neumietern nicht alle öffentlich fahren?
Weil nicht allen ihre Zeit zu Schade ist?

Klingelfee

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 11634
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #19 am: 16. November 2020, 16:34:57 »
Wieso sollten von den 10k Neumietern nicht alle öffentlich fahren?

würde man diese Viertel Fußgänger/Radfahrer/Öffi freundlich anlegen, dann bräuchten die wenigsten Neubewohner eine bereifte Coladose. Weil warum fährt man damit: es ist einfach, immer noch zu billig, und bequem. Wenn die Öffis diese Punkte abdecken, brauch ich in Wien kein Auto

oder vielleicht ist das auch einfach nur meine Weltanschauung. Ich bin geboren und aufgewachsen in Wien und habe mit meinen 30 Jahren noch nie ein eigenes KFZ besessen. Und verspüre auch nicht den Drang, mir eines zu besorgen.
Ich bin bis jetzt noch überall hin gekommen, wohin ich wollte.
Für mich ist halt unverständlich, wieso man ein (eigenes) Auto brauchen sollte. Und kommt mir nicht mit den Gschichtln wie Möbel etc. … Man fährt nicht jeden Tag zum Ikea und wenn, dann kann man ein Carsharingangebot oder Lieferdienste nutzen.

Ein eigenes Auto benötigt man zum Beispiel, wenn du so wie ich eine Mutter außerhalb von Wien hast und du so wie ich sich um rechtlichen Belange kümmerst.

Oder aber du hast einen Job, wo du auf Grund der Arbeitszeiten und des Arbeitsweg die Öffis nicht wirklich nutzen kannst.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

D 3XX

  • Schaffner
  • **
  • Beiträge: 157
  • Flexity Wien
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #20 am: 16. November 2020, 16:47:54 »
Zum Geld: bei anderem sparen. (Stadtstraße Aspern und Lobautunnel zB, weg damit), Citymaut, flächendeckendes Parkpickerl (Stichwort Bezirke 21, 22, 23); da kommt schon bisschen was an Geld rein

Grundsätzlich gebe ich dir Recht. Nur von wo willst du die Mittel hernehmen?

Vom Autoverkehr, indem man bei Straßenneubauten und -sanierungen spart, die Kosten für's Kurzparken und für Parkpickerl erhöht und eine City-Maut einführt.
Richtig. Da gehört der Hebel angesetzt!

Und nachdem die Neos seit langem von einem S-Bahn-Ring reden, sollte eigentlich auch diesbezüglich Bewegung reinkommen.

haidi

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 11778
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #21 am: 16. November 2020, 17:16:41 »
Wirklich spürbar wird es am Biberhaufenweg, der Groß-Enzersdorfer-Straße, der Breitenleer Straße und bei Aderklaa sein. Auf der Tangente selber ist ja nur aufgrund der Baustellen (und Wapplern denen das Reißverschlusssystem fremd ist und somit einen Stau verursachen) so zäh. Und trotzdem ist man manchmal immer noch bis 3x schneller als mit den Öffis unterwegs.
Der Reißverschluss funktioniert schon sehr gut, natürlich bremst das Zusammenführen von zwei auf eine Fahrspur(en) den Verkehr auf den beiden Fahrspuren stark ab, je dichter der Verkehr ist, desto stärker.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

abc

  • Zugführer
  • *
  • Beiträge: 719
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #22 am: 16. November 2020, 17:37:54 »
Dieses Faktum ist bereits ausreichend wissenschaftlich bewiesen worden und ist auch logisch.
Würde gerne eine heimische Studie dazu lesen aber bitte nicht vom VCÖ oder irgendeinem politisch angehauchten TUler wo dank des Auftraggebers eh schon feststeht wie die Studie ausgeht.

Zum einen: Warum muss es eine heimische Studie sein? Weil Österreich ganz anders ist als der Rest der Welt?
Zum anderen: die - sicher alles andere als grüne - "Wirtschaftswoche" hat das Ergebnis eines halben Jahrhunderts von Verkehrswissenschaft ganz gut zusammengefasst (siehe Punkt 5): https://www.wiwo.de/politik/deutschland/stau-mythen-mehr-strassen-produzieren-auch-mehr-verkehr/25381156-2.html#:~:text=Eine%20zus%C3%A4tzliche%20Spur%20auf%20der,dass%20es%20mehr%20Verkehr%20gibt.&text=%E2%80%9EWer%20Stra%C3%9Fen%20s%C3%A4t%2C%20wird%20Verkehr,diesem%20Zusammenhang%20von%20induziertem%20Verkehr.

Hier ist das Thema auch ganz gut erklärt, u.a. mit Verweis auf eine Forscherin der ETH Zürich und US-Forscher:
https://mobilitymag.de/fuehren-mehr-spuren-zu-weniger-stau-induced-demand/

Mehr Leute führen halt zu mehr Verkehr - finde ich eh immer wieder faszinierend wenn es Leute gibt die sich wundern, dass der ÖV-Anteil vom Modal-Split nicht höher wird.

Das ist zu eindimensional gedacht: natürlich haben 2 Mio. Menschen mehr Mobilitätsbedürfnisse als 1,5 Mio. Menschen. Aber abgesehen davon gibt es eben doch Stellschrauben, z.B. hinsichtlich der Weglänge. Und da hat sich (ebenfalls in einem halben Jahrhundert globaler Verkehrsforschung) gezeigt: Beschleunigung des Verkehrs führt mittelfristig nicht zu gesparter Zeit, sondern zu längeren Wegen. Dein Irrtum ist: Du denkst, die Weglänge ist das langfristig konstante. Ist es aber nicht - es ist die Zeit, die man pro Tag für die Wege braucht.

Man muss nicht jedesmal wieder diskutieren, ob die Erde nicht doch flach ist, wenn man über Flugzeuge spricht.

Oder glauben die ernsthaft, dass jeder zusätzliche Wiener automatisch nur zur Fuß/per Rad/per ÖV unterwegs sein wird?

Man sollte aber alles dafür tun, dass es möglichst viele sind. Und das tut man in Wien nicht: im Nordbahnhof- und im Sonnenwendviertel kamen die Straßenbahnverlängerungen zu spät und waren halbherzig - und dennoch gehören sie noch zu den bestgeplanten Öffi-Anbindungen in Neubaugebieten. Viel schlimmer sind die Siemensgründe, Neu Leopoldau und vor allem der Barbara-Prammer-Hof mit ihren schlechten bis gar nicht vorhandenen Öffi-Anbindungen.

Und apropos "Die Infrastruktur muss mitwachsen". Ständig wird der Lobau-Tunnel diskutiert - aber ein drei- bis viergleisiger Ausbau der Marchegger Ostbahn zwischen Erzherzog-Karl-Straße/Stadlau und Simmering wird noch nicht mal angedacht - obwohl sie (sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr, sowohl bei Güter- als auch bei Personenverkehr) recht ähnliche Relationen wie Tangente und Lobautunnel bedient.

coolharry

  • Referatsleiter
  • *
  • Beiträge: 5466
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #23 am: 16. November 2020, 17:52:30 »
Wieso sollten von den 10k Neumietern nicht alle öffentlich fahren?
Weil manche eben eines wollen. Das nennt man Freiheit. Manche kaufen sich ein 10k Euro Fahrrad die anderen ein Auto. Und das du bis jetzt überall hin gekommen bist wo du wolltest ist schön, zeigt aber das du noch nie wo hin wolltest wo Öffis eben nicht oder nur sehr spärlich hin fahren. Andere haben nicht das Glück. Andere haben auch nicht das Glück immer den selben Arbeitsweg zu haben. Andere haben auch nicht das Glück diese Arbeit super mit den Öffis zu erreichen. Natürlich braucht man in Wien nicht zwingend ein Auto aber es erleichtert vieles erheblich. Allein wenn man vom Bereich Aspernstraße nach Leopoldau will. Das ist eine Weltreise mit den Öffis. Natürlich gehört der Öffi Verkehr an erster Stelle aber die Straßeninfra zu vergessen, wie die letzten 10 Jahre, ist auf Dauer auch kein gescheiter Weg.

abc

  • Zugführer
  • *
  • Beiträge: 719
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #24 am: 16. November 2020, 18:01:10 »
Wieso sollten von den 10k Neumietern nicht alle öffentlich fahren?
Weil manche eben eines wollen. Das nennt man Freiheit. Manche kaufen sich ein 10k Euro Fahrrad die anderen ein Auto. Und das du bis jetzt überall hin gekommen bist wo du wolltest ist schön, zeigt aber das du noch nie wo hin wolltest wo Öffis eben nicht oder nur sehr spärlich hin fahren. Andere haben nicht das Glück.


Nun könnte man allerdings auch entgegnen, dass dieses fehlende Glück zuweilen auch selbst gewählt ist - denn wer öffi-affin lebt, schaut ja bei der Haus- oder Wohnungssuche auf die Anbindung. Und dass man Leuten das Autofahren nicht verbietet ist doch nicht gleichzusetzen damit, dass man die Stadt dem Auto zu Füßen wirft.

Andere haben auch nicht das Glück immer den selben Arbeitsweg zu haben. Andere haben auch nicht das Glück diese Arbeit super mit den Öffis zu erreichen. Natürlich braucht man in Wien nicht zwingend ein Auto aber es erleichtert vieles erheblich. Allein wenn man vom Bereich Aspernstraße nach Leopoldau will. Das ist eine Weltreise mit den Öffis.

Dann sollte halt die Forderung an die Politik sein, tangentiale Öffiverbindungen in Transdanubien zu verbessern - und nicht, den starken Autoverkehr hinzunehmen oder gar weiter zu fördern. Leider hat man sich da ja da in letzter Zeit ziemlich dumm angestellt: man baut eine tangentiale Straßenbahn über mehrere Kilometer, und ein paar Jahre später schließt man die S-Bahn-Station an ihrer Endhaltestelle.

Natürlich gehört der Öffi Verkehr an erster Stelle aber die Straßeninfra zu vergessen, wie die letzten 10 Jahre, ist auf Dauer auch kein gescheiter Weg.

Die Instandhaltung der Öffi-Infrastruktur wurde doch genauso vernachlässigt.

Bhf_Breitensee

  • Fahrgast
  • *
  • Beiträge: 32
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #25 am: 16. November 2020, 19:06:06 »
Unglaublich, dass angeblich im Koalitionsprogramm ein Seilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring diskutiert wird und nicht eine Verlängerung der Linien 43,44 oder 49, um in der Gegend zu bleiben!

Hawk

  • RBL-Disponent
  • ***
  • Beiträge: 1584
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #26 am: 16. November 2020, 19:11:14 »
Wenn jemand keinen Führerschein hat, dann braucht er nicht stinkig auf andere sein!  ;)
Das leben zwingt einen oft in die Knie,jedoch ein jeder kann selbst entscheiden ob er liegen bleibt oder wieder aufsteht! :-)

Signalabhängigkeit

  • Fahrer
  • ***
  • Beiträge: 487
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #27 am: 16. November 2020, 20:23:43 »
Wer ist wegen nicht vorhandenem Führerschein stinkig auf andere?

LH

  • Fahrer
  • ***
  • Beiträge: 284
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #28 am: 16. November 2020, 20:48:17 »
Unglaublich, dass angeblich im Koalitionsprogramm ein Seilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring diskutiert wird und nicht eine Verlängerung der Linien 43,44 oder 49, um in der Gegend zu bleiben!

Was soll das für einen Sinn haben? Irgendetwas mit Baumgartner Höhe/Wilhelminenberg? Zwischen Hütteldorf und Ottakring gibt es ja eher wenig Mobilität, wie der geringe Nutzungsgrad der S45 in dem Abschnitt zeigt.

abc

  • Zugführer
  • *
  • Beiträge: 719
Re: Verkehrspolitik der Rot-Pinken Koalition
« Antwort #29 am: 16. November 2020, 20:56:09 »
Die SPÖ hat ihre Stadträt/innen präsentiert:

- Die sinnfreie Unterteilung zwischen "Öffis" und Verkehr" bleibt erhalten.
- Ulli Sima darf sich nun allerdings Smart City, Stadtplanung und Mobilität widmen und dort Dinge halten.
- Peter Hanke übernimmt dafür zusätzlich die Agenden Stadtwerke und Öffis.

Es wird also tatsächlich nichts weitergehen.

https://www.derstandard.at/story/2000121755347/wien-wiederkehr-uebernimmt-bildungsagenden-czernohorszky-zukunftsressort