Autor Thema: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)  (Gelesen 3693 mal)

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Katana

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #15 am: 06. Oktober 2021, 20:05:08 »
Was mir fehlt: Eine Motivation zur Reduktion des Straßenverkehrs. Am Sonntag hat es geheißen, dass der Sprit für einen Benziner mit 12.000 km im Jahr und einem Verbrauch von 7 Liter nur 72 Euro im Jahr mehr kosten wird.

1 Liter Benzin verbrennt zu 2,37kg CO2. Diesel übrigens zu 2,65kg. Wenn man es rein aufs CO2 rechnet.
Lässt sich leicht ausrechnen:
7x2,37kg = 16,59kg/100km
Ergibt bei 12000km: 1990,8kg CO2
Bei einem Tonnen Preis von 30€ ergibt das: 59,72€
Bei einem Tonnen Preis von 55€ ergibt das: 109,49€

Btw. sind 12.000km eher die Entfernung die ein Stadtbewohner mit Auto im Jahr fährt. Landbewohner kommen eher auf das doppelte an KFZ Kilometer.

Vielleicht weiß das wer.
Wie werden dann eigentlich Pellets/Holzheizungen besteuert bzw. eben das Heizmaterial. Grundsätzlich nachwachsend aber emmitiert trotzdem CO2.
Wird das dann besteuert oder nicht? Ebenso Grillkohle?

Es geht auch einfacher: https://autorevue.at/autowelt/co2-steuer-preis-oesterreich
In der ersten Stufe (30 €/t CO2) betragen die Preisaufschläge inkl. MwSt:
für Benzin 8,16 Cent/Liter
für Diesel/Heizöl 9,6 Cent/Liter
für Öl 8 Cent/Liter
für Gas 7,2 Cent/10 kWh

In diesem Standard-Artikel ist von einer Studie die Rede, wonach die Emissionen im Verkehrssektor um 61 Prozent reduziert werden müssen. Welche Spritpreiserhöhungen für eine Halbierung des MIV notwendig wären, mag jeder selbst beurteilen. Und der MIV ist ja nur ein kleiner Teil des gesamten Verkehrs. Wie kann der Bahn-Güterverkehr halbiert werden? Wie kann der LKW-Verkehr halbiert werden? Und wie können der ÖPNV und FV halbiert werden?

fr3

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #16 am: 07. Oktober 2021, 00:23:52 »
Wie werden dann eigentlich Pellets/Holzheizungen besteuert bzw. eben das Heizmaterial. Grundsätzlich nachwachsend aber emmitiert trotzdem CO2.
Wird das dann besteuert oder nicht? Ebenso Grillkohle?
Bei Holz kann man davon ausgehen, dass es bei der Verbrennung nicht mehr CO2 freisetzt als es während des Wachstums gebunden hat. Dieser Zyklus läuft in einem kurzen Zeitraum ab und kann nachhaltig betrieben werden, wenn jeweils soviel neuer Wald angepflanzt wird, wie abgeholzt. Deshalb gilt die Holzverbrennung als CO2-neutral und sollte demnach nicht unter die Steuer fallen. Gleiches gilt für Holzkohle, die direkt aus Holz hergestellt wird und grundsätzlich auch für Pellets.
Nicht ganz CO2-neutral ist die Holzwirtschaft, also vom Schneiden bis zum Transport, bei Pellets die Trocknung/Verpressung, wenn diese nicht durch erneuerbare Energien erfolgt.
Ob es deshalb bei im Handel verkauftem Brennholz und Folgeprodukten zu einer teilweisen CO2-Besteuerung kommt, weiß ich nicht.

Die CO2- Bilanz eines Radfahrers ist übrigens fast immer schlechter als jene eines E-Bike/E-Roller-Fahrers, speziell wenn das E-Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird.
Denn die Nahrungsmittelproduktion ist im Schnitt sehr CO2-belastend und die Muskelkraft des Menschen als schlechter Futterverwerter wesentlich weniger effizient als jeder Elektromotor. Aber zum Glück gibt es auf Radfahren und zu Fuss gehen keine CO2-Steuer :)


coolharry

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #17 am: 07. Oktober 2021, 07:49:49 »
Aber zum Glück gibt es auf Radfahren und zu Fuss gehen keine CO2-Steuer :)

Indirekt schon. Der Stahl, das Aluminium oder das Carbon, aus dem das Fahrrad besteht, wird teurer. Ebenso der Transport vom Hersteller zum Händler und natürlich muss der Händler höhere Preise für Strom und Heizung zahlen, was sich wiederrum im Verkaufspreis des Produktes niederschlägt. Alles keine Unsummen für sich, können den Endpreis aber schon um ein paar Prozent beeinflussen. Im Betrieb fällt natürlich nichts an.  :)
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

gesys

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #18 am: 07. Oktober 2021, 08:46:46 »
Wie werden dann eigentlich Pellets/Holzheizungen besteuert bzw. eben das Heizmaterial. Grundsätzlich nachwachsend aber emmitiert trotzdem CO2.
Wird das dann besteuert oder nicht? Ebenso Grillkohle?
Bei Holz kann man davon ausgehen, dass es bei der Verbrennung nicht mehr CO2 freisetzt als es während des Wachstums gebunden hat. Dieser Zyklus läuft in einem kurzen Zeitraum ab und kann nachhaltig betrieben werden, wenn jeweils soviel neuer Wald angepflanzt wird, wie abgeholzt. Deshalb gilt die Holzverbrennung als CO2-neutral und sollte demnach nicht unter die Steuer fallen. Gleiches gilt für Holzkohle, die direkt aus Holz hergestellt wird und grundsätzlich auch für Pellets.
Nicht ganz CO2-neutral ist die Holzwirtschaft, also vom Schneiden bis zum Transport, bei Pellets die Trocknung/Verpressung, wenn diese nicht durch erneuerbare Energien erfolgt.
Ob es deshalb bei im Handel verkauftem Brennholz und Folgeprodukten zu einer teilweisen CO2-Besteuerung kommt, weiß ich nicht.

Die CO2- Bilanz eines Radfahrers ist übrigens fast immer schlechter als jene eines E-Bike/E-Roller-Fahrers, speziell wenn das E-Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird.
Denn die Nahrungsmittelproduktion ist im Schnitt sehr CO2-belastend und die Muskelkraft des Menschen als schlechter Futterverwerter wesentlich weniger effizient als jeder Elektromotor. Aber zum Glück gibt es auf Radfahren und zu Fuss gehen keine CO2-Steuer :)
Also ein Baum wächst nicht mal so kurzfristig nach, da braucht's einige Jahrzenhte.
Noch dazu verursachen Holzheizungen jede Menge Feinstaub und sonstigen Dreck, da ist eine Gasheizung ein wahrer "Unweltengerl" dagegen...

gesys

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #19 am: 07. Oktober 2021, 12:13:34 »
Wie werden dann eigentlich Pellets/Holzheizungen besteuert bzw. eben das Heizmaterial. Grundsätzlich nachwachsend aber emmitiert trotzdem CO2.
Wird das dann besteuert oder nicht? Ebenso Grillkohle?
Bei Holz kann man davon ausgehen, dass es bei der Verbrennung nicht mehr CO2 freisetzt als es während des Wachstums gebunden hat. Dieser Zyklus läuft in einem kurzen Zeitraum ab und kann nachhaltig betrieben werden, wenn jeweils soviel neuer Wald angepflanzt wird, wie abgeholzt. Deshalb gilt die Holzverbrennung als CO2-neutral und sollte demnach nicht unter die Steuer fallen. Gleiches gilt für Holzkohle, die direkt aus Holz hergestellt wird und grundsätzlich auch für Pellets.
Nicht ganz CO2-neutral ist die Holzwirtschaft, also vom Schneiden bis zum Transport, bei Pellets die Trocknung/Verpressung, wenn diese nicht durch erneuerbare Energien erfolgt.
Ob es deshalb bei im Handel verkauftem Brennholz und Folgeprodukten zu einer teilweisen CO2-Besteuerung kommt, weiß ich nicht.

Die CO2- Bilanz eines Radfahrers ist übrigens fast immer schlechter als jene eines E-Bike/E-Roller-Fahrers, speziell wenn das E-Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird.
Denn die Nahrungsmittelproduktion ist im Schnitt sehr CO2-belastend und die Muskelkraft des Menschen als schlechter Futterverwerter wesentlich weniger effizient als jeder Elektromotor. Aber zum Glück gibt es auf Radfahren und zu Fuss gehen keine CO2-Steuer :)
Also ein Baum wächst nicht mal so kurzfristig nach, da braucht's einige Jahrzenhte.
Noch dazu verursachen Holzheizungen jede Menge Feinstaub und sonstigen Dreck, da ist eine Gasheizung ein wahrer "Unweltengerl" dagegen...
passend dazu gerade in meiner twitter tl aufgetaucht
https://mk0eeborgicuypctuf7e.kinstacdn.com/wp-content/uploads/2021/09/Where-theres-fire-theres-smoke_domestic-heating-study_2021.pdf

Zitat
The emission factors in Table 1 show that wood stoves and boilers, in general, have much higher
emissions of many toxic pollutants  compared to other heat sources. Furthermore, domestic
heating  with wood emits  relatively high concentrations of dioxins (data not shown)  and is
therefore the most health damaging heat source. 
Emissions of fine particulate matter like black carbon and NOx play an important role in health
damage. New wood stoves and boilers emit lower concentrations of particulate matter (Figure
1)  but  higher  concentrations  of  NOx  (due  to  better  air  supply  and  higher  combustion
temperature). New wood stoves emit much higher concentrations of black carbon as well (due
to higher temperatures).

haidi

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #20 am: 07. Oktober 2021, 19:31:53 »
Also ein Baum wächst nicht mal so kurzfristig nach, da braucht's einige Jahrzenhte.
Noch dazu verursachen Holzheizungen jede Menge Feinstaub und sonstigen Dreck, da ist eine Gasheizung ein wahrer "Unweltengerl" dagegen...
Hängt von einigen Faktoren ab und betifft auch Kohleheizunten.
Der Schwedenofen ist eine umwelttechnische Sau.
Aber es gibt auch gesteuerte Holz- und Pelletsheizungen, wo die Emissionen stark gesenkt sind, zusammen mit dem CO2-Kreislauf sind sie sicher besser als alte, tote Tiere zu verheizen.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Katana

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #21 am: 07. Oktober 2021, 21:05:08 »
Also ein Baum wächst nicht mal so kurzfristig nach, da braucht's einige Jahrzenhte.
Natürlich nimmt die frische Aufforstung nicht binnen kurzer Zeit die Menge CO2 auf, die beim Verheizen des kürzlich noch da gestanden Holzes freigesetzt wird. Das wird man großräumig sehen müssen. Wenn (in Europa) die Menge des lebenden Holzes konstant bleibt, hast du (in Europa) einen geschlossenen Kreislauf.

Noch dazu verursachen Holzheizungen jede Menge Feinstaub und sonstigen Dreck, da ist eine Gasheizung ein wahrer "Unweltengerl" dagegen...
Sollen wir deshalb nach Jahrtausenden mit dem Holzverfeuern aufhören? Obwohl die Ofentechnik früher unvorstellbare Fortschritte gemacht hat?
Sollte nicht das CO2-Sparen wegen seiner langfristigen und globalen Folgen im Vordergrund stehen?

fr3

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #22 am: 07. Oktober 2021, 23:46:41 »
Klar ist eine nicht stöchiometrische Verfeuerung von Holz eine Drecksschleuder. Das hat aber weder auf deren Nachhaltigkeit noch auf den CO2-Auststoß einen Einfluss. Die Gleichung nachwachsender Rohstoff bzw Klima-Neutralität bleibt aufrecht.

Die von einer schlechten Holzverbrennung ausgehende Luftverschmutzung kann für die menschliche Lunge gesundheitsbedrohlich sein, ist es ganz bestimmt sogar in städtischen Ballungsräumen, weshalb etwa in Wien Holzheizungen verboten sind.

Umgekehrt können alle Schadstoffe aus der Holzverbrennung in der Natur abgebaut werden - sonst wäre die Biosphäre längst an den Abgasen von Waldbränden zu Grunde gegangen - weshalb Holz im ländlichen, dünner besiedelten Raum sehr wohl ein umweltverträgliches Heizmaterial darstellt.
 
Bei Erdgas hingegen ist zwar der Ausstoß an gesundheitsschädlichen Abgasen sehr gering, weil sich die Verbrennung nahezu perfekt regeln lässt, die CO2-Bilanz und die Nachhaltigkeit werden jedoch immer negativ sein.

Auch Holzverbrennungsanlagen könnten wesentlich effizienter und damit abgasfreundlicher arbeiten - Stichwort Holzvergaser-Ofen - jedoch sind solche Anlagen noch sehr teuer und wenig verbreitet. 

Wie erwähnt ist die Brennholz-Wirtschaft in Europa ein Kreislauf, so dass die CO2 Bilanz immer ausgeglichen bleibt. Das trifft jedoch nicht auf die Abholzung und Brandrodung der tropischen Regenwälder zu. Von dort kommt in der Regel jedoch kein Brennholz nach Europa.

Bild: Holzgas-Flamme im heimischen Ofen (nahezu rußfreie Verbrennung)

95B

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #23 am: 08. Oktober 2021, 00:02:57 »
...  weshalb etwa in Wien Holzheizungen verboten sind.

Welche Arten von Holzheizung sind in Wien verboten? Quelle?
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

fr3

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #24 am: 08. Oktober 2021, 00:21:30 »
Du hast recht. Ich habe es jetzt nachgelesen.
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000505
Verboten sind sie nicht - das habe ich jetzt mit Rom verwechselt.  Bin halt schon zu lange weg aus Wien.
Aber die Effizienzauflagen (welche für einen niedrigen Schadstoff-Ausstoß sorgen) mit >=80% sind doch so, dass die meisten Anlagen diese bestenfalls unter Laborbedingungen erfüllen würden.

Taurus

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #25 am: 08. Oktober 2021, 07:15:15 »
Beim Auto hat man ja ein ähnliches Problem.
Die Abgasreinigungssysteme treiben den Verbrauch ja auch eher in die Höhe (Höhere Temperaturen, Freibrennen, Gewicht, etc.). Autos sind dadurch weniger gesundheitsschädlich (zumindest zu manchen Zeitpunkten), durch den höheren Verbrauch ist der Einfluss auf den Klimawandel aber schlechter.

Was man jetzt so hört ist der Hauptplan zur Ablöse von Gas, der Anschluss ans Fernwärmenetz - welcher Brennstoff wird dort in Wien eingesetzt? Hauptsächlich ebenfalls Gas und Heizöl. Zusätzlich hat man dort Systemverluste.
Nachdem man Strom aus Gaskraftwerken ohnehin noch braucht kann man mit Wärme aus "KWK" noch leben. Ebenso aus der Müllverbrennung.
Kurzfristig muss man aber überlegen wie man die Verbrennung von "Gas ohne KWK" sowie Öl ersetzt.
Langfristig ohne Gas auszukommen wird interessant.

haidi

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #26 am: 08. Oktober 2021, 08:12:37 »
Was man jetzt so hört ist der Hauptplan zur Ablöse von Gas, der Anschluss ans Fernwärmenetz - welcher Brennstoff wird dort in Wien eingesetzt? Hauptsächlich ebenfalls Gas und Heizöl. Zusätzlich hat man dort Systemverluste.
In der Hauptsache Hausmüll. Daher erscheint mir die getrennte Sammlung von einigen Altstoffen nicht sinnvoll. Getränkekartons, bei denen aufwändig Karton von Kunststoff getrennt werden  muss, wären in der Müllverbrennung besser aufgehoben.
Übrigens: Auch im Sommer wird die Wärme aus der Mǘllverbrennung verwendet - zum Betreiben von Klimaanlagen nach dem Prinzip von Absorberkühlschränken,.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

MK

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #27 am: 08. Oktober 2021, 08:25:23 »
Allerdings haben E-Fahrzeuge und Fernwärme den Vorteil, dass man die Energieerzeugung beliebig umstellen kann, ohne die Energieverbraucher umstellen zu müssen.
So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.

gesys

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #28 am: 08. Oktober 2021, 11:08:37 »
Klar ist eine nicht stöchiometrische Verfeuerung von Holz eine Drecksschleuder. Das hat aber weder auf deren Nachhaltigkeit noch auf den CO2-Auststoß einen Einfluss. Die Gleichung nachwachsender Rohstoff bzw Klima-Neutralität bleibt aufrecht.

Die von einer schlechten Holzverbrennung ausgehende Luftverschmutzung kann für die menschliche Lunge gesundheitsbedrohlich sein, ist es ganz bestimmt sogar in städtischen Ballungsräumen, weshalb etwa in Wien Holzheizungen verboten sind.

Umgekehrt können alle Schadstoffe aus der Holzverbrennung in der Natur abgebaut werden - sonst wäre die Biosphäre längst an den Abgasen von Waldbränden zu Grunde gegangen - weshalb Holz im ländlichen, dünner besiedelten Raum sehr wohl ein umweltverträgliches Heizmaterial darstellt.
 
Bei Erdgas hingegen ist zwar der Ausstoß an gesundheitsschädlichen Abgasen sehr gering, weil sich die Verbrennung nahezu perfekt regeln lässt, die CO2-Bilanz und die Nachhaltigkeit werden jedoch immer negativ sein.

Auch Holzverbrennungsanlagen könnten wesentlich effizienter und damit abgasfreundlicher arbeiten - Stichwort Holzvergaser-Ofen - jedoch sind solche Anlagen noch sehr teuer und wenig verbreitet. 

Wie erwähnt ist die Brennholz-Wirtschaft in Europa ein Kreislauf, so dass die CO2 Bilanz immer ausgeglichen bleibt. Das trifft jedoch nicht auf die Abholzung und Brandrodung der tropischen Regenwälder zu. Von dort kommt in der Regel jedoch kein Brennholz nach Europa.

Bild: Holzgas-Flamme im heimischen Ofen (nahezu rußfreie Verbrennung)
Das Problem mit der ausgeglichenen CO2 Bilanz ist der Gap zwischen dem Holzverbrennen (jetzt) und dem tatsächlichen Wiederspeichern im Baum nach 50-100 Jahren. Wenn in den nächsten Jahren massiv auf Holzheizen umgestellt wird dann wird sich eine ausgeglichene Bilanz nicht ausgehen dh. es wird sehr viel mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen wie gebunden wird und das sollten wir ja tunlichst vermeiden...
Umstellen auf Wärmepumpen daher für mich die bessere Variante

coolharry

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Re: Klimabonus (war: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat)
« Antwort #29 am: 08. Oktober 2021, 11:24:14 »
Was man jetzt so hört ist der Hauptplan zur Ablöse von Gas, der Anschluss ans Fernwärmenetz - welcher Brennstoff wird dort in Wien eingesetzt? Hauptsächlich ebenfalls Gas und Heizöl. Zusätzlich hat man dort Systemverluste.
In der Hauptsache Hausmüll. Daher erscheint mir die getrennte Sammlung von einigen Altstoffen nicht sinnvoll. Getränkekartons, bei denen aufwändig Karton von Kunststoff getrennt werden  muss, wären in der Müllverbrennung besser aufgehoben.
Übrigens: Auch im Sommer wird die Wärme aus der Mǘllverbrennung verwendet - zum Betreiben von Klimaanlagen nach dem Prinzip von Absorberkühlschränken,.

Ja und Nein. Ja es gibt einige Absorberanlagen. Der Rest der Fernkälte sind aber gewöhnliche Kälteerzeuger die entweder über die Luft oder den Donaukanal Rückkühlen.

https://www.wienenergie.at/ueber-uns/unternehmen/energie-klimaschutz/energieerzeugung/fernkaelte/

Und der Primäreinsatz bei der Fernwärme ist Gas. Der Müll brennt nämlich verhältnismässig schlecht und muss mit Hilfe des Gases auf Temperatur gebracht werden. Je höher die Temperatur desto besser die Verbrennnung desto sauberer das Abgas.
Und natürlich macht Mülltrennung Sinn. Schließlich ist die thermische Verwertung die schlechteste aller "Recycling" verfahren. Ausserdem produzieren wir viel zu viel Restmüll.

Btw. Bauten die Wien Energie einen riesen Elektrodenkessel. Damit sie im Sommer den Solarstrom in Wärme umwandeln können um z.B. die Kraftwerke im Sommer runter bzw. ganz abzuschalten. Für den Müll gibts im Sommer ein Verpackungswerk bei der MVA Pfaffenau.
https://www.wienenergie.at/blog/wie-funktioniert-wiens-groesster-wasserkocher/

Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.