Autor Thema: Alt Wien um 1900 - Fotografien von August Stauda - untergegangene Stadtwelten  (Gelesen 165829 mal)

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maybreeze

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Die Stadt Wien beschäftigt sich umfangreich mit der Problematik Erdgeschoßzone:

https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008355.pdf


Katana

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Aber: Auto wohnt im Erdgeschoß. Ich hab die Studie nicht gelesen, aber eine Erdgeschoßwohnung im verbauten Gebiet mit Fester den Gehsteig und einer  Fensterunterkante von 2 m oder weniger - wer will so etwas haben? Lüften oder Schlafen bei offenem Fenster? Da kannst damit rechnen, dass die Bierdosen durchs offene Fenster entsorgt werden (Richtung Innen) oder dir der Sensor vom Außenthermometer abgerissen wird, abgesehen von dem bei einer Unterkante Fenster auf 1,5 m freien Blick in die Wohnung.

Viele Neowiener aus südlichen Ländern haben sich ehemalige Geschäftslokale, in Wohnraum umgebaut bzw. wurde von Seiten der Hausbesitzer umgebaut. Hatte den Vorteil, dass das im Gegensatz zu vielen anderen Altbauwohungen recht große Wohnungen waren und aufgrund der Tatsache das ihnen jeder beim Fenster rein spucken konnte, sehr billige Wohnungen.

Die Attraktivität so einer Wohnung hängt wohl auch von der lokalen'Spuckfrequenz' ab.

Ob es dazu Kartierungen oder gar Untersuchungen gíbt, weiß ich nicht.  ;)

Die Erdgeschoßwohnungen sind doch nur zu einem verschwindend geringen Teil das Resultat des Geschäftsleerstands, die gibts doch schon seit jeher tausendfach in den Nebengassen wie auch Durchzugsstraßen. Ein paar x-beliebige Bespiele: https://goo.gl/maps/UN8vCRdH2imCubeT7 und https://goo.gl/maps/C4B63JwhWfBUWP6R7 und https://goo.gl/maps/BC5zvm5rHGDjASsZ6 und https://goo.gl/maps/1vynoZpKvYghMJfs5 oder auch hier https://goo.gl/maps/FSFbKT26xaxNiuM36.
Im rechten dieser Häuser https://goo.gl/maps/y7Y43Pi3hnxvo9Zj9 hat ein Freund vor über 30 Jahren seine Substandard-Junggesellenwohnung gehabt. Beim Verlassen, oder auch Kommen, nach 21 Uhr hat er uns nicht das Haustor aufsperren müssen, wir sind übers Fenster aus- und eingestiegen.
Ein paar Ecken weiter ein Beispiel, dass auch in den 50ern ganz bewusst Erdgeschoßwohnungen gebaut wurden: https://goo.gl/maps/Xrr3pcp3nnjPfoUh6
Auch in unserer Wohnhausanlage aus den 90ern gibt es einige in den gut frequentierten Innenbereich gehende Fenster von Erdgeschoßwohnungen mit einer Unterkante bei weniger als 1,5 m. 1a für kommunikationsbedürftige Rollstuhlfahrer.

tramway.at

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dem Fachmann hauts da die Augen ein. Ein Beispiel ist das sehr schön sanierte Haus auf der Lerchenfelderstraße kurz vorm Gürtel rechts - sehr aufwendig, aber das Geschäftsportal hat zwar viele Schnörkel, aber mit Wiener Tradition nichts zu tun. Auch auf der Fassade hat man irgendwelche Schnörkel aufgeklebt und sogar gold angemalt. Lobenswerter Ansatz, aber es fehlt das architektonische Wissen.
Ich habe mich redlich bemüht das von dir beschriebene Haus zu finden, im Zielgebiet sind die meisten Gebäude verbastelt.

Etwas verspätet, aber hier meine Antwort zu dieser Sache - hier das Haus Lerchenfelderstraße 158, dass mancher Laie wohl mit "jö, schön renoviert" taxiert, aber mich gruselts jedes Mal, wenn ich vorbeigeh.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

hema

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Ist aber jedenfalls um Eckjhäuser besser als das meiste, das man sonst so sieht!
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nord22

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Der Kardinal-Nagl-Platz (früher: Thomasplatz) erhielt erst durch Schleifung diverser Alt Erdberger Häuser seine jetzige Form. August Stauda verewigte zwei Häuser, deren Eigentümer sich erfolgreich dem Versuch einer Enteignung durch die Gemeinde Wien widersetzt hatten. Das Nullniveau des Platzes lag deutlich unter dem aktuellen. Die architektonisch sehr reizvolle Häuserzeile Höhe Erdbergstraße 92 gibt es leider längst nicht mehr. Die Straßenbahn wurde zwecks Abwertung dieser Gegend am 03.01.1984 stillgelegt (Quelle: Online Archiv Wien Museum).

LG nord22 

Gast1090

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Der Kardinal-Nagl-Platz (früher: Thomasplatz) erhielt erst durch Schleifung diverser Alt Erdberger Häuser seine jetzige Form. August Stauda verewigte zwei Häuser, deren Eigentümer sich erfolgreich dem Versuch einer Enteignung durch die Gemeinde Wien widersetzt hatten. Das Nullniveau des Platzes lag deutlich unter dem aktuellen. Die architektonisch sehr reizvolle Häuserzeile Höhe Erdbergstraße 92 gibt es leider längst nicht mehr. Die Straßenbahn wurde zwecks Abwertung dieser Gegend am 03.01.1984 stillgelegt (Quelle: Online Archiv Wien Museum).

LG nord22

Ad 1.Photo:
Das Haus im Hintergrund steht zwar noch, hat aber (kriegsbedingt?) wie so viele andere Häuser auch, die Verzierungen "verloren"

https://www.google.at/maps/@48.197611,16.4020575,3a,40.1y,144.35h,104.71t/data=!3m6!1e1!3m4!1svk7ExSIB8swlYqcfNA5kFQ!2e0!7i16384!8i8192

hema

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Eher "nachkriegsbedigt"! Die meisten Häuser haben ihren Stuck in den 1960er-Jahren verloren und etliche noch nachher (bis heute!).
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tramway.at

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Die meisten Häuser haben ihren Stuck in den 1960er-Jahren verloren und etliche noch nachher (bis heute!).

Es ist wirklich unfassbar, was diese kulturlosen Barbaren in der Stadt angerichtet haben. Der "Krystall-Hof" war im Winter 1963/64 noch intakt!
Harald A. Jahn, www.tramway.at

martin8721

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Es ist wirklich unfassbar, was diese kulturlosen Barbaren in der Stadt angerichtet haben. Der "Krystall-Hof" war im Winter 1963/64 noch intakt!

Ja, der "Krystall-Hof" wäre mir auch sofort eingefallen, als ein Beispiel, wo noch in den 60er-Jahren oder später böse gewütet wurde. "Amerikanisierung" nannte man das beschönigend.
Ewig schade, vor allem weil der Krystall-Hof irgendwie ein interessantes Gebäude ist mit dieser Metall-Kugel am Dachgiebel und - was mich am meisten fasziniert - der Uhr an der Ecke, deren Zeiger immer noch vorhanden sind, aber vermutlich schon seit Jahrzehnten still stehen. Ich frage mich ja, ob das Uhrwerk noch vorhanden ist und ob dieses noch irgendwie zugänglich ist. Leider erkennt man auf dem Bild von 1963 nicht den oberen Teil des Gebäudes.
In der Sammlung des Wien Museums konnte ich aber ein Bild aus dem Jahr 1900 ausfindig machen, das den Blick vom Margaretenplatz Richtung Wienzeile / Stadtbahn Pilgramgasse zeigt, wo man den Krystall-Hof mit seiner Uhr ansatzweise erkennen kann.

Gast1090

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Die meisten Häuser haben ihren Stuck in den 1960er-Jahren verloren und etliche noch nachher (bis heute!).

Es ist wirklich unfassbar, was diese kulturlosen Barbaren in der Stadt angerichtet haben. ...

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall eines entstuckten Hauses, das wieder seine Stuckverzierungen erhalten hat, und zwar das Eckhaus Währinger Strasse/Nußdorfer Strasse 

haidi

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Gibt einige Fälle in Wien.
Das Problem des Stucks sind sicher auch die Kosten, nachdems den Stuck stückweise in Styropor zu kaufen gibt, ist er sicher günstiger geworden und leichter anzubringen
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Paulchen

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Die meisten Häuser haben ihren Stuck in den 1960er-Jahren verloren und etliche noch nachher (bis heute!).

Es ist wirklich unfassbar, was diese kulturlosen Barbaren in der Stadt angerichtet haben. ...

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall eines entstuckten Hauses, das wieder seine Stuckverzierungen erhalten hat, und zwar das Eckhaus Währinger Strasse/Nußdorfer Strasse

Ja, sogar schräg gegenüber des Krystall-Hofs. Im Foto oben fehlt der Stuck, mittlerweile ist er aber wieder vorhanden: https://goo.gl/maps/ooRmA2wZ6crnTfBd9

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moszkva tér

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Ich finde es faszinierend, dass auch um 1900 einige "Nagelhäuser" geblieben sind und bis heute überlebt haben. Hier Große Stadtgutgasse 17.

hema

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Dieses ist sogar berühmt!

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https://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez07/09385902.jpg
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haidi

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Ich finde es faszinierend, dass auch um 1900 einige "Nagelhäuser" geblieben sind und bis heute überlebt haben. Hier Große Stadtgutgasse 17.
Was ist ein Nagelhaus?
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging