Autor Thema: Winterfestigkeit der Bim?  (Gelesen 473 mal)

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abc

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Winterfestigkeit der Bim?
« am: Heute um 13:02:24 »
Hallo,

einige haben es vielleicht mitbekommen, nach einem Eisregen wurde am Montag der gesamte Straßenbahnbetrieb in Berlin eingestellt und bis heute nicht vollständig wieder aufgenommen. Im Rahmen der Berichterstattung darüber wird auch Wien erwähnt:

Zitat von: Berliner Zeitung
In Wien setzt man offenbar auf ein anderes Mittel der Prävention, berichtete Senatorin Bonde. „Dort betet man dafür, dass die Wiener Linien solche Witterungsbedingungen wie bei uns niemals ereilen werden“, sagte die Christdemokratin im Verkehrsausschuss.

Zunächst einmal muss man sich vor Augen halten, dass die für einen reibungslosen ÖPNV zuständige Politikerin natürlich gute Gründe hat, mit dem Finger auf andere Städte zu zeigen, zumal es die BVG bis heute nicht auf die Reihe bekommen hat, auf den noch immer eingestellten Strecken wenigstens einen SEV zu organisieren. Trotzdem interessiert mich: ist da was dran? Wie bereiten sich die Wiener Linien auf Eisregen vor? Und wären die Folgen ähnlich wie nun in Berlin?

MK

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #1 am: Heute um 14:05:17 »
In Wien werden bei Eisregen die Strecken während der betriebslosen Zeit häufiger befahren. Je nach Wetterlage könnte das Eis aber so schnell gefrieren, dass trotzdem zwischen zwei Zügen die Eisschicht genügend isoliert.

Allerdings ist es in Berlin durchschnittlich kälter und regnerischer als in Wien.
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Katana

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #2 am: Heute um 15:07:19 »
Ein denkbar sinnloser Schluss eines sonst informativen Artikels.

Mein Fazit: Wenn der SEV nicht erst nach zwei Tagen eingerichtet worden wäre und nicht 7 von 9 Stationen ignoriert, wäre die Sache vielleicht gar nicht in die Zeitung gekommen.

abc

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #3 am: Heute um 15:22:16 »
Du kannst schon davon ausgehen, dass die Einstellung eines 200 km langen Straßenbahnnetzes innerhalb weniger Stunden auch mit SEV in die Zeitung gekommen wäre. Sogar die sonst chronisch am ÖPNV desinteressierten Lokalnachrichten des RBB haben in dieser Woche täglich berichtet.

MK

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #4 am: Heute um 15:42:23 »
Noch dazu sind die Straßenbahnen in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) ganz normal gefahren, trotz ähnlicher Wetterlage (Potsdam grenzt ja auch an Berlin): https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/01/strassenbahnen-tram-berlin-eisregen-bvg-ausfaelle.html

Sieht nach üblicher Berliner Unfähigkeit aus.
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abc

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #5 am: Heute um 16:13:40 »
Noch dazu sind die Straßenbahnen in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) ganz normal gefahren, trotz ähnlicher Wetterlage (Potsdam grenzt ja auch an Berlin): https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/01/strassenbahnen-tram-berlin-eisregen-bvg-ausfaelle.html

Sieht nach üblicher Berliner Unfähigkeit aus.

Noch besser war, dass die Umland-Straßenbahnlinien 87 und 88, die bis auf wenige Meter (88) bzw. wenige hundert Meter (87) an die Berliner Straßenbahn herankommen, zwar am Montagvormittag auch eingestellt waren, aber am Nachmittag wieder fuhren.

Potsdam grenzt zwar an Berlin, aber nicht ans Berliner Straßenbahnnetz, nachdem West-Berlin seine Straßenbahn 1967 einstellte und nach der Wende nur wenige Strecken im früheren West-Berlin gebaut wurden (aber weit weg von der Potsdamer Stadtgrenze). Die beiden nächsten Endhaltestellen (m.E. Virchow-Klinikum in Berlin und Campus Jungfernsee in Potsdam) liegen über 20 km Luftlinie voneinander entfernt.

hema

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #6 am: Heute um 17:08:49 »
Mit viel "Gespratzel" hat man eigentlich immer fahren können. Notfalls hat man halt den Bügel ein paar mal kräftig hochschnalzen lassen, geht bei E2, ULF und Co. halt leider nimmer. Ein Problem waren allerdings Bügelleinen, die über Nacht in der Halle eingefroren sind, da war die Fahrt zu Ende, sobald der Fahrdraht nach Verlassen der Halle in die Höhe gegangen ist!
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Tatra83

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #7 am: Heute um 21:14:10 »
Noch dazu sind die Straßenbahnen in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) ganz normal gefahren, trotz ähnlicher Wetterlage (Potsdam grenzt ja auch an Berlin). [..]
Sieht nach üblicher Berliner Unfähigkeit aus.
Nachdem ein großer Teil des Netzes in der Nacht im 30-Minuten-Takt betrieben wird (und man hier offenbar sogar außerplanmäßig mehr Züge zum Einsatz brachte), war der Eisregen wohl einfach stärker und tatsächlich fuhren sich alle Nachtwagen fest. In einer solchen Lage kann das Netz dann auch nicht mit tauglichen Fahrzeugen frei gefahren werden, weil irgendwo immer ein Abschnitt von einer liegen gebliebenen Straßenbahn blockiert war. Aber, und das ist ein Versäumnis aus meiner Sicht: Es gibt nicht mal taugliche Fahrzeuge im Berliner Netz. Die einzige KT4Dt-Traktion ist aktuell abgestellt, weil die Spannungsversorgung auf 750V umgestellt wurde. Die hätte mit zwei angelegten Bügeln zumindest einen Teil des Netzes frei fahren können - das wurde auch in der Vergangenheit (bis zur Abstellung der Tatra-Fahrzeuge) so gemacht. Kündigten sich Schnee oder Eis über Nacht an, so wurden die Nachtwagen (i.d.R. Fahrzeuge der Reihe GT6) gegen KT4D-Traktionen getauscht, die mit zwei angelegten Bügeln im Einsatz waren. Die Strecken ohne Nachtverkehr wurden dann zusätzlich befahren. Ein 200km langes Netz händisch mit 5km/h per Turmwagen zu enteisen, dauert einfach seine Zeit... :fp:
Und ich dachte, mit der Straßenbahn bin ich schneller als zu Fuß.

abc

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #8 am: Heute um 21:31:42 »
Ein 200km langes Netz händisch mit 5km/h per Turmwagen zu enteisen, dauert einfach seine Zeit... :fp:

Irgendwann kamen sie ja dann drauf, Strecken mit Zweirichtungs-GT6 mit zwei angelegten Bügeln freizufahren... (Was aber auch noch nicht abgeschlossen ist.) Wie könnte das in Wien gelöst werden, nachdem es zumindest im Personenbetrieb keine Zweirichtungsfahrzeuge gibt? Könnten E2 gekuppelt werden und mit zwei angelegten Bügeln fahren? (Es geht mir um die Frage, ob das technisch möglich wäre, um im Zweifelsfall Oberleitungen zu enteisen, nicht darum, ob das im Fahrgastbetrieb zulässig wäre.)

Tatra83

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Re: Winterfestigkeit der Bim?
« Antwort #9 am: Heute um 21:54:13 »
Könnten E2 gekuppelt werden und mit zwei angelegten Bügeln fahren? (Es geht mir um die Frage, ob das technisch möglich wäre, um im Zweifelsfall Oberleitungen zu enteisen, nicht darum, ob das im Fahrgastbetrieb zulässig wäre.)
Die E2 haben an der Front nur eine einfache Kupplung, die per Kupplungsadapter im Störungsfall zum Schleppen geeignet ist. Ein echter Traktionsbetrieb ist da nicht möglich, es gibt auch keine Steuer- oder gar Starkstromleitung. Eine Option wäre, einen Tw100 von der kleinen Schwester zu borgen und mit zwei angelegten Stromabnehmern das Netz abzufahren, denn über den Verbleib vom Sonderling TU2 6123 ist mir nichts bekannt. Dann könnte man auch mit zwei gekuppelten T/T1 das Straßenbahnnetz befahren, wo die Streckeneignung es hergibt. Alternativ blieben auch noch 6801 und 6802 aus der Reihe UHT, wobei mir nicht bekannt ist, ob die traktionsfähig sind.
Und ich dachte, mit der Straßenbahn bin ich schneller als zu Fuß.