Autor Thema: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle  (Gelesen 5330 mal)

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13er

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[Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« am: 03. November 2010, 12:50:51 »
Zitat
Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle

03. November 2010, 10:43

Freitagabend staunten etliche Wiener, die nach Mitternacht den 41er vom Schottentor nehmen wollten, nicht schlecht

Wien - Die Bim fuhr an - und an den Wartenden vorbei: Freitagabend staunten etliche Wiener, die nach Mitternacht den 41er vom Schottentor nehmen wollten, nicht schlecht: Da in der Doppelhaltestelle zwei Bim-Garnituren standen, dachten sie, dass der dahinter in der Schleife - mutmaßlich - wartende 41er sie aufnehmen würde, sobald die Station frei sei. Falsch gedacht: Der 41er fuhr nämlich - im Windschatten der Kollegen - an ihnen vorbei. Hinaus in die Nacht.

Den Unmut der Zurückgelassenen bekam dann Fahrer des nachfolgenden 38ers ab. Der Mann verstand den Ärger nicht: "In der Nacht ist das keine Doppel- sondern eine Dreifachhaltestelle", erklärte er mehrmals. Sonst wäre es ja nicht möglich, zeitgleiche Abfahrtszeiten von bis zu drei Linien einzuhalten. Von der Existenz des Dreifachhalts nichts zu wissen sei halt Pech für die Fahrgäste: "Rufen Sie 79 090. Beschweren Sie sich. Aber das ist so." Der Mann räumte ein: "Ich hab das selbst nicht gewusst - bis ich hier zu hackeln begonnen habe."

Die nächtliche Stationsmutation stellt aber auch für die Wiener Linien ein Mysterium dar: Das Jonasreindl ist laut Öffi-Sprecher Michael Unger nämlich "auch in der Nacht eine Doppelhaltestelle". (rott/DER STANDARD-Printausgabe, 3.11.2010)


Quelle: http://derstandard.at/1288659414216/Stadtteil-Eine-mysterioese-Nacht-Dreifachhaltestelle
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

Ustrab

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #1 am: 03. November 2010, 13:34:59 »
Trottlfahrer halt !

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #2 am: 03. November 2010, 15:46:17 »
Schon seltsam, daß der eine Fahrer durchfährt und ein anderer von der Existenz dieser Praxis weiß. Ob da der "Trottel" nicht doch etwas weiter oben zu suchen ist?

hema

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #3 am: 03. November 2010, 15:46:52 »
"A guade Ausred' is' was wert!", sagt man in Wien.  ;D
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95B

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #4 am: 03. November 2010, 17:01:22 »
Schon seltsam, daß der eine Fahrer durchfährt und ein anderer von der Existenz dieser Praxis weiß. Ob da der "Trottel" nicht doch etwas weiter oben zu suchen ist?
Ich nehme einmal an, dass die angebliche Dreifachhaltestelle ihre Ursache darin hat, dass der dritte Zug in der blau-weiß gestreiften Haltestelle zum Aussteigen der Fahrgäste stehenbleiben soll, wenn tatsächlich drei Züge gleichzeitig ihre Abfahrt haben sollten. (In Wahrheit kann ich im Fahrplan nur zwei Linien finden - 38 und 41 -, die ihre Abfahrt zur gleichen Minute haben.)

Ungeachtet des Einhaltens der Haltestelle für bestimmte Züge müsste der Zug jedoch in der normalen Haltestelle nochmals anhalten, wenn zusteigewillige Fahrgäste anzutreffen sind. Genau das wird wahrscheinlich immer schlampiger gehandhabt worden sein, bis sich daraus die Legende gebildet hat, man dürfe aus dritter Position ohne Einhaltung der regulären Haltestelle gleich weiterfahren.
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Ferry

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #5 am: 03. November 2010, 17:43:36 »
Ungeachtet des Einhaltens der Haltestelle für bestimmte Züge müsste der Zug jedoch in der normalen Haltestelle nochmals anhalten, wenn zusteigewillige Fahrgäste anzutreffen sind. Genau das wird wahrscheinlich immer schlampiger gehandhabt worden sein, bis sich daraus die Legende gebildet hat, man dürfe aus dritter Position ohne Einhaltung der regulären Haltestelle gleich weiterfahren.
Wenn es sich um eine Mehrfachhaltestelle (die DV-Strab kennt den Begriff Dreifachhaltestelle nicht, wohl aber den Erstgenannten) handelt, dann ist es tatsächlich so, dass drei und mehr Züge gleichzeitig abgefertigt werden dürfen; die Züge halten dann in derselben Haltestelle kein zweites Mal.

Allerdings wäre die Haltestelle dann auch eindeutig als solche zu kennzeichnen, d.h., mit zumindest drei Haltestellensignalen. Das ist dort m.W. nicht der Fall, daher handelt es sich nur um eine Doppelhaltestelle. Eine Bedarfshaltestelle zählt nicht als reguläre Haltestelle; die betreffende Haltestelle im "Jonasreindl" ist auch nur zum Aussteigen gedacht, damit ein Zug seine Leerfahrt durch den regulären Haltestellenbereich ohne neuerliches Anhalten aufnehmen kann.

Die Aussage des Fahrers, dass es sich tagsüber um eine Doppelhaltestelle, in der Nacht aber um eine "Dreifachhaltestelle" handele, ist Unsinn. Sie zeigt aber, wie verbreitet diese Mär selbst unter WL-Fahrern ist - ich gehe da mit "95B"'s Vermutung über die Entstehung vollkommen konform.

Der Fahrer des 41ers hätte, da er ja wieder Fahrgäste aufgenommen hat, in der Bedarfshaltestelle gar keine Freigabe geben dürfen, sondern warten müssen, bis eine Einfahrt in den regulären Haltestellenbereich möglich ist.

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #6 am: 03. November 2010, 19:52:52 »

Eine Bedarfshaltestelle zählt nicht als reguläre Haltestelle; die betreffende Haltestelle im "Jonasreindl" ist auch nur zum Aussteigen gedacht, damit ein Zug seine Leerfahrt durch den regulären Haltestellenbereich ohne neuerliches Anhalten aufnehmen kann.

Sonst bin ich bei Dir, eine Bedarfshaltestelle zählt aber wohl sicher als reguläre Haltestelle, es gibt ja in Wien mehr als genug, was Du meinst ist die "Haltestelle für bestimmte Züge".

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Linie 41

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #7 am: 03. November 2010, 20:00:35 »
Also im Klartext Zebra vs. durchgehend blau.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

hema

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #8 am: 04. November 2010, 02:10:04 »

Ungeachtet des Einhaltens der Haltestelle für bestimmte Züge müsste der Zug jedoch in der normalen Haltestelle nochmals anhalten, wenn zusteigewillige Fahrgäste anzutreffen sind. Genau das wird wahrscheinlich immer schlampiger gehandhabt worden sein, bis sich daraus die Legende gebildet hat, man dürfe aus dritter Position ohne Einhaltung der regulären Haltestelle gleich weiterfahren.
Außerdem, was würde das Nachfahren als dritter Zug bringen? Schon bei der nächsten Ampel kommt er nicht mit und er kommt auch bei keiner Haltestelle über seine Vorderzüge drüber. Also absoluter Schwachsinn, so eine Aktion, aber irgendwie bezeichnend für das übliche "Autofahrerdenken" (Nachpressen was geht und möglichst bald schnell vorbei an dem Luschi im vorderen Wagen - koste es, was es wolle!).  ::)
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Ferry

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #9 am: 04. November 2010, 09:00:21 »
Sonst bin ich bei Dir, eine Bedarfshaltestelle zählt aber wohl sicher als reguläre Haltestelle, es gibt ja in Wien mehr als genug, was Du meinst ist die "Haltestelle für bestimmte Züge".
Ja, du hast recht. Ich meinte natürlich eine Haltestelle für bestimmte Züge, bzw., wie von "Linie 41" richtig angemerkt, eine "Zebra" (blau-weiß gestreifte) Haltestelle.
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W_E_St

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #10 am: 04. November 2010, 14:29:08 »
Tatsächlich gesellt sich im Normalfall in diesen fröhlichen Reigen auch ein 37er als vorderster Zug dazu, der dann den 41er in der Zebrahaltestelle läßt. Da im Endeffekt alle 3 Züge eine deutliche Stehzeit einhalten und zur fast gleichen Zeit abfahren, lassen die meisten 41er-Fahrer die Fahrgäste nicht im Zug verschimmeln, sondern in der Zebrahaltestelle aussteigen. Durch Schaden "klug" gewordene einsteigwillige Fahrgäste spurten dann nach hinten und steigen ein. Mir ist es allerdings noch nie passiert, daß ein Fahrer dann die reguläre Haltestelle nicht eingehalten hätte (meistens fahren im Endeffekt 37 und 38 eine Ampelphase vor dem 41er). Dafür habe ich letztens erlebt, daß ein Fahrer freigegeben hat, obwohl er am inneren Schleifengleis, also gar nicht in der Zebrahaltestelle gestanden ist.

Den Versuch um jeden Preis in den Zug zu kommen kann ich absolut nachvollziehen, denn zwischen vorletztem und letztem 41er klafft eine gemütliche Lücke von 26 Minuten, wohingegen es beim 38er noch einen Zug genau dazwischen gibt.
"Sollte dies jedoch der Parteilinie entsprechen, werden wir uns selbstverständlich bemühen, in Zukunft kleiner und viereckiger zu werden!"

(aus einer Beschwerde über viel zu weit und kurz geschnittene Pullover in "Good Bye Lenin")

95B

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Re: [Der Standard] Eine mysteriöse Nacht-Dreifachhaltestelle
« Antwort #11 am: 04. November 2010, 15:43:16 »
Außerdem, was würde das Nachfahren als dritter Zug bringen?
Die Frage darfst du nicht stellen. Dann könnte man nämlich auch in den Raum werfen: Was bringt es, ständig zwei bis drei Minuten vor der Zeit zu fahren? Was bringt es, ständig zu beschleunigen und zu bremsen, statt den Wagen rollen zu lassen? Was bringt es, mit max. 0,5 bis 1 km/h in den hinteren Bereich Doppelhaltestelle zu zuckeln? Und diese Liste ließe sich noch beliebig fortführen. (Und wer auf alles eine gute Ausrede weiß, hat die Fahrerfachschule bestanden!)
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