Autor Thema: Alt Wien um 1900 - Fotografien von August Stauda - untergegangene Stadtwelten  (Gelesen 81086 mal)

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Alex

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Ein gutes Beispiel ist auch das Gebäude Marxergasse 1, das wurde auch komplett entkernt und im inneren neu aufgebaut.

Klingelfee

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Da werden die Begriffe Stadtbild-/Ortsbildschutz und Denkmalschutz fröhlich durcheinander geworfen… ::)

Bei einem entkernten Gebäude lässt sich mit einer gewissen Berechtigung argumentieren, dass der historische Wert der verbleibenden Kulisse eh nur mehr ein sehr geringer ist, so dass einem Vollabriss, wenn der Neubau hinter der histor(ist)ischen Hülle erst einmal in die Jahre gekommen ist, praktisch nichts mehr entgegen steht.

Genau, deswegen haben auch entkernte Gebäude nichts mit Denkmalschutz zu tun! Denn Denkmalschutz hat per Definition die Erhaltung des Gebäudes zum Ziel:

Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Denkmale dauerhaft erhalten und nicht verfälscht, beschädigt, beeinträchtigt oder zerstört werden, und dass Kulturgüter dauerhaft gesichert werden. (Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmalschutz)

Eine Entkernung geht am Denkmalschutz total vorbei. Mag zwar mancherorts schön sein, und sollte auch mit Bedacht an sensiblen Orten eingesetzt werden, aber im Grunde sind entkernte Fassaden ungefähr genauso wertvoll wie jene im Disneyland…

Mag sein, dass du recht hast. Aber was bring dir eine Stadt mit lauter denkmalgeschützen Häusern, die auf Grund der damaligen Bausubstanz, bzw Raumaufteilung für die heutige Zeit nicht nutzbar sind.
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haidi

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Fassadenerhaltung bringt zumindest Ensembleschutz. Da können wir froh sein, dass die derzeitige Stadtregierung die Gewinnmaximierung nicht unterstützt. Ich sehe halt als Gefahr, dass eien Umfärbung von Wien nicht nur den Denkmalschutz aufweicht oder wirkungslos macht, sondern auch eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Klingelfee

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Fassadenerhaltung bringt zumindest Ensembleschutz. Da können wir froh sein, dass die derzeitige Stadtregierung die Gewinnmaximierung nicht unterstützt. Ich sehe halt als Gefahr, dass eien Umfärbung von Wien nicht nur den Denkmalschutz aufweicht oder wirkungslos macht, sondern auch eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr.

Und bezüglich Ensembleschutz  stellt sich mir eben die Frage, ob es nicht oft einfacher, schneller und auch natürlich billiger ist, wenn man ein Haus komplett niederreißt und dann den Neubau mit einer Fassade nach Originalvorlagen hinstellt. Diese Auflage muss man doch gleich in den Abrissbescheid reinnehmen können.

Erst unlängst gab es doch in Salzburg den Fall, wo ein Eigentümer nach einem Blitzschlag sein Haus wieder aufbauen sollte und er nachdem er das durchgerechnet hat und das halbe Geld ein von Aussen indentes Haus hingestellt hat.

Denn der Wiederaufbau des Hauses ist voll auf seine Kosten gegangen. Er hätte weder von der Versicherung, noch von der Gemeinde die Mehrkosten bekommen. Das Einzige, was er von der Gemeinde bekommen hat, war eine Anzeige, weil er das Haus abgerissen hat, obwohl er keinen Bescheid dafür hatte.
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moszkva tér

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Und bezüglich Ensembleschutz  stellt sich mir eben die Frage, ob es nicht oft einfacher, schneller und auch natürlich billiger ist, wenn man ein Haus komplett niederreißt und dann den Neubau mit einer Fassade nach Originalvorlagen hinstellt. Diese Auflage muss man doch gleich in den Abrissbescheid reinnehmen können.

Es geht vor allem um die Geschoßhöhen, im Neubau bringt man halt mehr unter als im Bestand. Und die Fassade stehen zu lassen und innen neu zu bauen ist Kosmetik, das schaut dann zwar für den Laien aus Straßenniveau auf den ersten Blick gut aus, das Haus ist aber trotzdem weg. ... sowas fällt eher unter Antiquitätenfälschung als unter Renovierung.

Bei aller Liebe zu den alten Häusern. Aber aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, mit Maß und Ziel auch moderne Bauwerke entsprechend modern aussehen zu lassen. Hochwertige moderne Architektur oder moderne Anbauten alter Häuser können auch sehr schön sein und auch in einigen Jahrzehnten - bei entsprechender Pflege - noch schön sein. Leider gibt es in Wien nur wenige gelungene Beispiele für moderne Architektur, die sich auch gut in den Bestand einpasst. Da würde ich das Haashaus nennen, oder (schon etwas älter) den Ringturm, aber auch die Gasometer sind ganz gut gelungen (architektonisch; stadtplanerisch ist die Gegend ein anderes Kapitel, ich muss dort täglich hin zum Arbeiten). Ich sehe auch die moderne Nutzung der Gürtelbögen als Gastronomie (statt Werkstätten) als wirklich gelungen an.

Der Nachfolgebau vom Herminenhof ist leider wirklich eine Katastrophe.

Herzeigbare und auch kulturhistorisch wertvolle moderne Architektur in den Innenstädten findet man in großer Zahl beispielsweise in Tschechien, da gibt es eine große Tradition der Moderne, bis heute. In Österreich neigt man eher dazu, aus den Innenstädten eben ein Disneyland oder einen Skanzen zu machen. Schaut nett aus, ist aber einfach nur Plastik.

coolharry

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Der Nachfolgebau vom Herminenhof ist leider wirklich eine Katastrophe.

Der Herminenhof hat keinen Nachfolger, soweit ich weiß.

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Herminenhof

Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

T1

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…Gasometer sind ganz gut gelungen (architektonisch; stadtplanerisch ist die Gegend ein anderes Kapitel, ich muss dort täglich hin zum Arbeiten). Ich sehe auch die moderne Nutzung der Gürtelbögen als Gastronomie (statt Werkstätten) als wirklich gelungen an.
Schon mal in den Wohnungen drin gewesen?

luki32

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…Gasometer sind ganz gut gelungen (architektonisch; stadtplanerisch ist die Gegend ein anderes Kapitel, ich muss dort täglich hin zum Arbeiten).

Die wären gut gelungen (zumindest von außen), wenn sie das Schild, das rein der Gewinnmaximierung dient, weggelassen hätten!
Vorsicht, Bösuser!
Militanter Gegner der Germanisierung der österreichischen Sprache!

nord22

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Anbei ein Postkartenmotiv des 1965 abgerissenen Gebäudes Mariahilfer Straße 20 mit dem Café Goethe; zum Aufnahmezeitpunkt K.k. Trabanten-Leibgarde-Kaserne (Archiv ÖNB).

LG nord22

moszkva tér

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…Gasometer sind ganz gut gelungen (architektonisch; stadtplanerisch ist die Gegend ein anderes Kapitel, ich muss dort täglich hin zum Arbeiten). Ich sehe auch die moderne Nutzung der Gürtelbögen als Gastronomie (statt Werkstätten) als wirklich gelungen an.
Schon mal in den Wohnungen drin gewesen?
Nein. Aber ich kenne jemanden, der dort gewohnt hat. Der erzählt eigentlich nichts Negatives. Bis auf die Gegend halt...

95B

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…Gasometer sind ganz gut gelungen (architektonisch; stadtplanerisch ist die Gegend ein anderes Kapitel, ich muss dort täglich hin zum Arbeiten). Ich sehe auch die moderne Nutzung der Gürtelbögen als Gastronomie (statt Werkstätten) als wirklich gelungen an.
Schon mal in den Wohnungen drin gewesen?
Nein. Aber ich kenne jemanden, der dort gewohnt hat. Der erzählt eigentlich nichts Negatives. Bis auf die Gegend halt...

Ich kenne auch wen, der dort wohnt ... und der kann auch nichts Negatives berichten. Über das Aussehen der umgebauten Gasometer kann man diskutieren. Das ist Geschmackssache und hat meines Erachtens mit der Wahrung der ursprünglichen Substanz nicht mehr viel zu tun.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

T1

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Mag sein, dass du recht hast. Aber was bring dir eine Stadt mit lauter denkmalgeschützen Häusern, die auf Grund der damaligen Bausubstanz, bzw Raumaufteilung für die heutige Zeit nicht nutzbar sind.
Das ist doch ein Märchen. Gerade die Gründerzeitgebäude in Wien zeigen, wie flexibel auch alte Bauten nutzbar sind.

Man muss halt auch wollen. Und das halt auch finanzieren. Aber die Häuser, die wirklich aus technischen Gründen nicht sinnvoll nutzbar sind, halten sich in Grenzen.