Autor Thema: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018  (Gelesen 3317 mal)

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #15 am: 15. März 2018, 15:32:35 »
Unsinn, Otto Wagner stand in Luegers Zeit als Architekt hoch im Kurs und genoss großes Ansehen. Erst unter Richard Weiskirchner fiel er in die totale Verbannung und durfte in Wien keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen.

Naja, in der Ausstellung hängt eine große Karikatur, auf dem Fischer von Erlach zu Wagner betreffend Stadtmuseum sagt, "in 100 Jahren gfallts den Leuten dann". Er hatte schon viel Gegenwind, zB beim Wettbewerb zum Kriegsministerium, wo ja ein gründerzeitliches Monstrum gegenüber seiner Postsparkassa entstanden ist.
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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #16 am: 15. März 2018, 15:57:15 »
Unsinn, Otto Wagner stand in Luegers Zeit als Architekt hoch im Kurs und genoss großes Ansehen. Erst unter Richard Weiskirchner fiel er in die totale Verbannung und durfte in Wien keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen.

Also Wagner stand zeitweise bei der Stadt Wien als Architekt hoch im Kurs und war bekanntlich viel näher am Zeitgeist als andere Architekten seiner Zeit. Wo widerspricht das meiner Aussage?

Aber mein eigentlicher Punkt: In den Köpfen, die heute pauschal auf die moderne Architektur schimpfen, steckt derselbe Geist wie in den Köpfen, die vor mehr als 100 Jahren Wagners Architektur abgelehnt haben.

hema

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #17 am: 15. März 2018, 16:00:03 »
Gegenüber dem, was heutzutage oft wo hingepfuscht wird, war Wagner ein Gott.  ::)
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Anid

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #18 am: 15. März 2018, 18:22:25 »
Die Ironie an dem ganzen ist ja dass der unsägliche 50er-Bau sogar um/neu gebaut werden soll - und von niemandem kam überhaupt der Vorschlag den Entwurf Wagners endlich umzusetzen! Warum Wien sich so sehr an seiner grauslichen Allerweltsarchitektur festhält werde ich wohl nie verstehen. Alle Neubauten seit den 50ern sind Kastln und Vierecke ohne jede Gestaltungsvision.

abc

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #19 am: 16. März 2018, 08:21:52 »
Unsinn, Otto Wagner stand in Luegers Zeit als Architekt hoch im Kurs und genoss großes Ansehen. Erst unter Richard Weiskirchner fiel er in die totale Verbannung und durfte in Wien keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen.

Also Wagner stand zeitweise bei der Stadt Wien als Architekt hoch im Kurs und war bekanntlich viel näher am Zeitgeist als andere Architekten seiner Zeit. Wo widerspricht das meiner Aussage?

Aber mein eigentlicher Punkt: In den Köpfen, die heute pauschal auf die moderne Architektur schimpfen, steckt derselbe Geist wie in den Köpfen, die vor mehr als 100 Jahren Wagners Architektur abgelehnt haben.

Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Wagner würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er hörte, wie einige die Umsetzung eines hundert Jahre alten Entwurfs fordern. Das wäre ungefähr so, als hätte zu seiner Zeit jemand die Umsetzung eines Entwurfs aus der Zeit Napoleons gefordert. Völlig absurd.

Über die Nachkriegsarchitektur kann man durchaus geteilter Meinung sein. Ich würde sie schon differenzierter sehen als einige User. Gestaltungswille ist zum Beispiel bei ziemlich vielen Bauten erkennbar - ob man die Gestaltung immer gut findet, ist bekanntlich Geschmackssache. Übrigens wird auch die klassische Moderne inzwischen in einigen Kreisen als chic empfunden - früher oder später wird das auch für die breite Bevölkerung gelten. Dass Architektur inzwischen jede Regionalität verloren hat, finde ich aber auch schade. Aber der Weg dagegen sollte sein, eine moderne regionale Architektur zu entwickeln und nicht, alte Fantasiewelten wieder aufzubauen. Ich möchte lebendige Städte und keine Disneylands, durch die sich Touristenmassen schieben, die aber mit dem Leben vor Ort nichts mehr zu tun haben.

haidi

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #20 am: 16. März 2018, 11:33:07 »
Die heutige Architektur wird später wohl  als "minimalistische Phase" bezeichnet werden. Die Schnörkeleien werden wieder kommen, wenn die Häuser aus dem 3D-Drucker kommen, dann will man ja zeigen, was man alles damit machen kann.
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #21 am: 16. März 2018, 13:00:12 »
Wobei zu sagen ist, dass speziell in Wien die Entwurfsqualität extraschlecht ist. ZB sind hier aus irgendeinem Grund geschlossene Blockrandverbauungen verpönt, was zu aufgerissenen, wenig intimen Baukörpern und Hofsituationen führt. Dazu kommt, dass jeglicher Sinn für Qualitäten im Detail verschwunden ist; alleine die Haptik mancher Oberflächen ist grauenhaft, nur um paar Euro zu sparen. Ich hab letzthin eine WHA fotografiert, da dachte ich mir, die Bewohner werden jetzt die nächsten 30 Jahre hinter einer scharfkantigen Balkonbrüstung leben müssen, die obendrein schmutzanfällig ist - nur weil man paar tausend Euro beim Bau sparen wollte. Leider sind viele Menschen inzwischen so abgestumpft, dass sie garnicht wissen, was sie sich da antun (1. Foto). Wie normale Wohnbauten anderswo aussehen, zeigen die Bilder darunter - OK, das ist zwar eher das Luxussegment, aber die relevanten Kostenverursacher sind nicht gut proportionierte Fassaden, die kosten nämlich keinen Cent mehr, außer Geschmack und Gefühl für die klassischen Entwurfstugenden.
In München wohn ich zB immer beim Haidenaupark, durch diese Anlage geht man einfach gerne durch, die ist einfach nett anzusehen - in Wien gehts mir bei den aktuellen Projekten eher nicht so, da gruselt mir (letzte Bilder).
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #22 am: 16. März 2018, 13:36:57 »
Die heutige Architektur wird später wohl  als "minimalistische Phase" bezeichnet werden. Die Schnörkeleien werden wieder kommen, wenn die Häuser aus dem 3D-Drucker kommen, dann will man ja zeigen, was man alles damit machen kann.

In der Tat ist das ein Punkt, der oft ignoriert wird: der Faktor Arbeit ist heute viel teurer als im 19. Jahrhundert. Ich hoffe aber inständig, dass Schnörkeleien nicht als Kitsch daher kommen. Kitsch ankleben kann jeder. Die wahre Kunst besteht darin, eine in jeglicher Hinsicht harmonische Fassade zu entwerfen - was Ornamentik nicht ausschließt.

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #23 am: 15. September 2018, 16:58:06 »
Die Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ist am 15. und 16.09.2018 für W.L. Mitarbeiter und Jahresnetzkartenbesitzer bei freiem Eintritt zu besichtigen. Der Fokus der Ausstellung liegt auf zahlreichen, niemals realisierten Entwürfen von Otto Wagner, welche auch künstlerisch und von der aufwändigen grafischen Gestaltung her faszinierend sind. Der Abbruch zahlreicher Stadtbahnstationen wird in der Ausstellung nur in einem einzigen Satz beiläufig erwähnt.
Ein interessanter Aspekt der Biografie Otto Wagners ist, dass er in jüngeren Jahren mit dem Entwerfen von Gründerzeitbauten mit klassizistischer Fassade viel Geld verdiente. Ein Beispiel ist das Gebäude Bellariastraße 4, dessen Architektur man sicher nicht Otto Wagner zuschreiben würde (Foto: MAK). Bei der Eröffnung der Kirche am Steinhof gab es übrigens einen Eklat zwischen Thronfolger Franz Ferdinand und Otto Wagner, weil sich Franz Ferdinand abfällig über moderne Architektur äußerte und es zu einem Streitgespräch zwischen den beiden kam. Der Ausstellungskatalog ist mit rd. 540 Seiten umfangreich, schwergewichtig und sicher keine Lektüre für zwischendurch.

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #24 am: 06. November 2018, 22:30:23 »
Das Gebäude Schottenring 23 hebt sich mit seinem karierten Fassadendekor architektonisch deutlich von den Nachbargebäuden ab. Der für diese "abweichlerische" Fassadengestaltung verantwortliche Architekt war Otto Wagner, der das Gebäude auf eigene Rechnung errichten ließ und so eine freiere Hand bei der Gestaltung hatte (Fotos: Thomas Ledl, Christian Öser).

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #25 am: 07. November 2018, 23:22:23 »
Das Eckhaus Harmoniegasse/ Liechtensteinstraße stammt von 1864 und zählt zu den Frühwerken von Otto Wagner (Foto: Josef Lex). Alle Häuser in der Harmoniegasse wurden von Otto Wagner entworfen.

LG nord22

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Re: Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum ab 17. März 2018
« Antwort #26 am: 08. November 2018, 11:04:02 »
Das Gebäude Schottenring 23 hebt sich mit seinem karierten Fassadendekor architektonisch deutlich von den Nachbargebäuden ab. Der für diese "abweichlerische" Fassadengestaltung verantwortliche Architekt war Otto Wagner, der das Gebäude auf eigene Rechnung errichten ließ und so eine freiere Hand bei der Gestaltung hatte (Fotos: Thomas Ledl, Christian Öser).

Weil du hier ein Foto von Christian Öser zeigst - hier die ganze Seite dazu, auch der Rest seines umfangreichen Reiseblogs ist sehenswert:
http://coeser.de/blog/index.php/2018/04/17/otto-wagners-wien-die-unbekannten-schaetze/
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