Autor Thema: Alt Wien um 1900 - Fotografien von August Stauda - untergegangene Stadtwelten  (Gelesen 121428 mal)

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DieTram

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'Modern' und 'gut' muss nicht das gleiche sein.

Ich glaube nicht, dass Styroporstuck so haltbar ist, wie der gründerzeitliche Terracottastuck, vom Entsorgungsproblem einmal ganz abgesehen.
Hält der auch 150 Jahre und mehr? Gibt es irgendeine Fassadenrekonstruktion, der man auf Grund von Konzessionen an das Material nicht auch ansieht, dass sie aus Styroporelementen besteht?

Seit dem 20. Jh. ist Dauerhaftigkeit als Kriterium völlig verschunden. Da sollte sich gründlichst etwas ändern!
Man könnte es auch mit der bisherigen und wirklich dauerhaften Fassadenreparatur machen - glätten.
.

Wenn man den Stuck später wieder rekonstruiert, ist Glätten aber keine besonders nachhaltige Reparaturmethode.

DieTram

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. . . .  fühlt man die Fehler.
Und wieso fühlt der Architekt nichts, der das ja gelernt haben sollte? ???

Weil der nicht fürs Fühlen bezahlt wird. ;)

Eigentlich wird ein Architekt schon auch dafür bezahlt, Gspür zu haben, sonst würd auch ein trockener Bauingenieur reichen.

Dass vielen Architekten diese Eigenschaft fehlt, ist wieder etwas anderes.
Vielleicht fühlen sich heute hauptsächlich Leute von diesem Beruf angezogen, denen diese Eigenschaft fehlt?
Oder wird sie während des Studiums durch Indoktrination und sozialen Druck verödet?

haidi

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'Modern' und 'gut' muss nicht das gleiche sein.

Wenn ich von einer auch noch so korrekt rekonstruierten Fassade weiß, dass sie aus Styroporelementen besteht, wirkt sie auf mich
persönlich trotzdem minderwertig und billig, z. B. die Geschäfttsfassade Eckhaus Lerchenfelder Straße 26/Piaristengasse 1.
Nach dem Motto "Einbildung ist auch eine Bildung"  >:D

Musst nur mal an der Fassade klopfen!  :)
A Fassag is zum Aschaun da - net zum klopfn!
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

DieTram

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'Modern' und 'gut' muss nicht das gleiche sein.

Wenn ich von einer auch noch so korrekt rekonstruierten Fassade weiß, dass sie aus Styroporelementen besteht, wirkt sie auf mich
persönlich trotzdem minderwertig und billig, z. B. die Geschäfttsfassade Eckhaus Lerchenfelder Straße 26/Piaristengasse 1.
Nach dem Motto "Einbildung ist auch eine Bildung"  >:D

Musst nur mal an der Fassade klopfen!  :)
A Fassag is zum Aschaun da - net zum klopfn!

A Fassag vielleicht net, aber a Fassad scho!  ;)

DieTram

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Wenn das "mineralische Gussmaterial" Calciumsulfat-Dihydrat ist, dann ist der Stuck wirklich einer :) Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Elemente aus Material sind, das witterungsbeständiger ist als Gips (aus dem Stuckelemente nämlich sind). Beton mit feinem Kies oder viel Sand vielleicht sogar. Das wäre einmal eine Art, ihn auf eine ästhetisch angenehme Art zu verwenden :)

Gips kann man im Außenbereich nicht verwenden, da er nicht witterungsbeständig ist. Wird wohl irgendein Zementmaterial sein, wie Terracotta sieht es jedenfalls nicht aus.

Wäre ja interessant, woraus der Stuck ursprünglich war, da man zur Jahrhundertwende schon Zementputze verwendet hat, sogar schon 'Eisenbeton' (Looshaus). Vielleicht hat es damals neben denen aus Terracotta auch schon Stuckelemente aus Zement/Beton gegeben?
Stimmt, Gips ist nicht witterungsbeständig. Weiß jetzt nicht, was man gegen Ende des 19. Jhds. für die Zierelemente genommen hat. Ich kann mir eine Variante des Kalkmörtels vorstellen. Weiß da jemand mehr?

Interessant ist, dass in der Gründerzeit nicht nur im Dachbereich Dekorelemente aus Zinkblech vorkommen können, sondern manchmal auch an der Fassade: Dort waren sie mit normaler Fassadenfarbe bestrichen und nicht als Zinkblech erkennbar. So sind oft die Stahlträger, die die Balkone tragen mit "Konsolen" aus Zinkblech verkleidet: z. B. Eckhaus Stadiongasse 1-3/Reichsratsstraße 9, wo 2 "Konsolen" fehlen:

https://www.google.com/maps/@48.2089652,16.3577296,3a,18.3y,236.85h,127.59t/data=!3m7!1e1!3m5!1sKrbjWy5mHLODSLaOTELRqQ!2e0!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fpanoid%3DKrbjWy5mHLODSLaOTELRqQ%26cb_client%3Dmaps_sv.tactile.gps%26w%3D203%26h%3D100%26yaw%3D32.132786%26pitch%3D0%26thumbfov%3D100!7i16384!8i8192


WIENTAL DONAUKANAL

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Wenn das "mineralische Gussmaterial" Calciumsulfat-Dihydrat ist, dann ist der Stuck wirklich einer :) Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Elemente aus Material sind, das witterungsbeständiger ist als Gips (aus dem Stuckelemente nämlich sind). Beton mit feinem Kies oder viel Sand vielleicht sogar. Das wäre einmal eine Art, ihn auf eine ästhetisch angenehme Art zu verwenden :)

Gips kann man im Außenbereich nicht verwenden, da er nicht witterungsbeständig ist. Wird wohl irgendein Zementmaterial sein, wie Terracotta sieht es jedenfalls nicht aus.

Wäre ja interessant, woraus der Stuck ursprünglich war, da man zur Jahrhundertwende schon Zementputze verwendet hat, sogar schon 'Eisenbeton' (Looshaus). Vielleicht hat es damals neben denen aus Terracotta auch schon Stuckelemente aus Zement/Beton gegeben?
Stimmt, Gips ist nicht witterungsbeständig. Weiß jetzt nicht, was man gegen Ende des 19. Jhds. für die Zierelemente genommen hat. Ich kann mir eine Variante des Kalkmörtels vorstellen. Weiß da jemand mehr?

Ich habe die Rezeptur von Wienerberger eigentlich schon genannt, nochmals:

Ton, viel Kalk, Kaolin aus der Aspanger Abbaugegend für die spätere Strahlkraft der Farbauflage und Koksgrus. Der Koksgrus, (kleinkörniger Koks), verglüht beim Brennen fast Rückstandslos und hinterlässt Poren im Brandgut, somit Leichtbaustoff. Wenn man beim Brennen die Luftzufuhr unterbindet, kann das im Ton enthaltene Eisen nicht mit dem Sauerstoff reagieren, (oxidieren). Der Brand bekommt nicht die rote Ziegelfarbe, das Verfahren kannten schon die Chinesen beim Bau der Chinesischen Mauer mit den typischen weissen Ziegeln.
Weiters kommen auch Komposit Kunststeine, Gussteine zur Anwendung:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststein

Gips ist völlig ungeeignet weil er schon durch die Luftfeuchtigkeit aufquillt und sich verformt.


Die Stuckfassaden sind Staffage, stellen aber aber vielfach tragende Elemente dar, die aber in ihrer Funktion nachvollziehbar sein sollten.
Am Foto ein untragbarer Sturz, selbst auf die Quaderung hat man verzichtet.

martin8721

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Die Stuckfassaden sind Staffage, stellen aber aber vielfach tragende Elemente dar, die aber in ihrer Funktion nachvollziehbar sein sollten.
Am Foto ein untragbarer Sturz, selbst auf die Quaderung hat man verzichtet.

Löblich, dass man hier die Stuckfassade wiederhergestellt hat, aber diese Garagen-Einfahrt zerstört die gesamte Ästhetik dieses Gebäudes!  :o

DieTram

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Die Stuckfassaden sind Staffage, stellen aber aber vielfach tragende Elemente dar, die aber in ihrer Funktion nachvollziehbar sein sollten.
Am Foto ein untragbarer Sturz, selbst auf die Quaderung hat man verzichtet.

Löblich, dass man hier die Stuckfassade wiederhergestellt hat, aber diese Garagen-Einfahrt zerstört die gesamte Ästhetik dieses Gebäudes!  :o

Ist die Fassade überhaupt rekonstruiert oder noch erhalten und nur renoviert?

95B

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Interessanterweise hat das Haus vor der Renovierung bereits dieselbe Fassade gehabt:

https://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez07/01221402.jpg
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

WIENTAL DONAUKANAL

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Ja diese Einfahrt ist schon vorher so verbrochen worden, die Bänderung ist einfach nur darüber verlängert worden. Das ist aber kein Einzelfall, das Erdgeschoss wird zunehmend zur Garage und die Fenster mauert man zu.

Zum wiener Parterre gibt es eine nette aufschlussreiche Studie der TU Wien –>Das Auto wohnt im Erdgeschoss.

https://publik.tuwien.ac.at/files/PubDat_240533.pdf

hema

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Die Logik hinter diesen Einzelgaragen im Erdgeschoß ist sowieso irgendwie pervers. Würde ich bei der Gemeinde einen Privatparkplatz vor dem Haus auf der Straße beantragen, würden sie das nicht genehmigen - nicht um viel Geld. Für so eine einzelne "Box" fallen aber bis zu drei öffentliche Parkplätze weg und das wird (offenbar problemlos?) erlaubt!  ::)
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

coolharry

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Die Logik hinter diesen Einzelgaragen im Erdgeschoß ist sowieso irgendwie pervers. Würde ich bei der Gemeinde einen Privatparkplatz vor dem Haus auf der Straße beantragen, würden sie das nicht genehmigen - nicht um viel Geld. Für so eine einzelne "Box" fallen aber bis zu drei öffentliche Parkplätze weg und das wird (offenbar problemlos?) erlaubt!  ::)

Da gehst du einem Irrtum hinterher. Da sind mehrere Parkplätze in einer Hinterhofgarage. Um genau zu sein 11 Stellplätze.

Wobei es das geschilderte durchaus gibt. Nur dort nicht.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

haidi

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Die Einzelgaragen im Parterre sind oft das Ergebnis eines Dachgeschoßausbaus, weil da (zumindest vor 20 Jahren) pro Dachgeschoßwohnung ein Stell-/Garagenplatz errichtet werden mussten.

Aber: Auto wohnt im Erdgeschoß. Ich hab die Studie nicht gelesen, aber eine Erdgeschoßwohnung im verbauten Gebiet mit Fester den Gehsteig und einer  Fensterunterkante von 2 m oder weniger - wer will so etwas haben? Lüften oder Schlafen bei offenem Fenster? Da kannst damit rechnen, dass die Bierdosen durchs offene Fenster entsorgt werden (Richtung Innen) oder dir der Sensor vom Außenthermometer abgerissen wird, abgesehen von dem bei einer Unterkante Fenster auf 1,5 m freien Blick in die Wohnung.
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coolharry

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Aber: Auto wohnt im Erdgeschoß. Ich hab die Studie nicht gelesen, aber eine Erdgeschoßwohnung im verbauten Gebiet mit Fester den Gehsteig und einer  Fensterunterkante von 2 m oder weniger - wer will so etwas haben? Lüften oder Schlafen bei offenem Fenster? Da kannst damit rechnen, dass die Bierdosen durchs offene Fenster entsorgt werden (Richtung Innen) oder dir der Sensor vom Außenthermometer abgerissen wird, abgesehen von dem bei einer Unterkante Fenster auf 1,5 m freien Blick in die Wohnung.

Viele Neowiener aus südlichen Ländern haben sich ehemalige Geschäftslokale, in Wohnraum umgebaut bzw. wurde von Seiten der Hausbesitzer umgebaut. Hatte den Vorteil, dass das im Gegensatz zu vielen anderen Altbauwohungen recht große Wohnungen waren und aufgrund der Tatsache das ihnen jeder beim Fenster rein spucken konnte, sehr billige Wohnungen.
In der Gasse, in der ich aufgewachsen bin, gabs am Eck früher einen Kohlentandler und ein winziges Bettfedern Geschäft. Ende der 90iger, als der Handel mit Kohlen nicht mehr lukrativ war und das Geschäft aufgegeben wurde, wurden diese beiden Flächen zu einer Wohnung umgebaut. Mit Fußbodenneiveau auf Höhe des Gehsteigs. Wir konnten sich auch nicht vorstellen, wer da freiwillig einzieht, aber es war wohl der Preis der jemand da hinein gelockt hat.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

DieTram

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Aber: Auto wohnt im Erdgeschoß. Ich hab die Studie nicht gelesen, aber eine Erdgeschoßwohnung im verbauten Gebiet mit Fester den Gehsteig und einer  Fensterunterkante von 2 m oder weniger - wer will so etwas haben? Lüften oder Schlafen bei offenem Fenster? Da kannst damit rechnen, dass die Bierdosen durchs offene Fenster entsorgt werden (Richtung Innen) oder dir der Sensor vom Außenthermometer abgerissen wird, abgesehen von dem bei einer Unterkante Fenster auf 1,5 m freien Blick in die Wohnung.

Viele Neowiener aus südlichen Ländern haben sich ehemalige Geschäftslokale, in Wohnraum umgebaut bzw. wurde von Seiten der Hausbesitzer umgebaut. Hatte den Vorteil, dass das im Gegensatz zu vielen anderen Altbauwohungen recht große Wohnungen waren und aufgrund der Tatsache das ihnen jeder beim Fenster rein spucken konnte, sehr billige Wohnungen.

Die Attraktivität so einer Wohnung hängt wohl auch von der lokalen'Spuckfrequenz' ab.

Ob es dazu Kartierungen oder gar Untersuchungen gíbt, weiß ich nicht.  ;)