Autor Thema: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat  (Gelesen 184887 mal)

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60er

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #705 am: 06. Juni 2024, 10:21:10 »
Sie haben anscheinend in der unmittelbaren Vergangenheit zu viel Geld für teuere Prestigeprojekte ausgegeben.
Ja, sie haben Schulden. Aber ziemlich pleite stimmt so auch nicht. Der 72er scheitert an der NÖ Landesregierung, die das Projekt nicht finanzieren möchte.

Katana

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #706 am: 06. Juni 2024, 12:13:26 »
Der "irgendeine" Grund ist schlicht und einfach, dass die Gemeinde Schwechat ziemlich pleite ist und kein Geld für die Straßenbahn hat.
Die Gemeinde Schwechat hat Kommunalabgaben von der Raffinerie und dem Flughafen und ist trotzdem "ziemlich pleite"? Ich finde, die gehören besachwaltet, weil sie anscheinend zu blöd sind, mit Geld umzugehen..
Dass du die Aussage von Ferry, ohne konkrete Zahlen und Fakten, zum Anlass nimmst, so drastische Worte zu finden, halte ich für nicht angebracht. Zumal es 60er anders darstellt.

Vineyard

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #707 am: 06. Juni 2024, 12:17:40 »
Es spielt letztendlich keine Rolle.

Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)

Dafür haben aber wenigstens die anderen Projekte der jetzigen Legislaturperiode überlebt.


60er

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #708 am: 06. Juni 2024, 12:54:55 »
Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)
Wäre Schwechat ein Bezirk von Wien, würde das Projekt vermutlich umgesetzt werden, oder wäre es bereits.

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #709 am: 06. Juni 2024, 13:30:08 »
Es spielt letztendlich keine Rolle.

Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)

Dafür haben aber wenigstens die anderen Projekte der jetzigen Legislaturperiode überlebt.


Gerade, dass der 60er noch kurz in Rodaun durch NÖ fahren darf. ;D

MK

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #710 am: 06. Juni 2024, 14:43:58 »
Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)

1946 gab es einen Vorschlag der Enquete für den Wiederaufbau, der mit Wien verwachsene Gemeinden wie Schwechat, Vösendorf und Groß-Enzersdorf bei Wien belassen hätte, aber die ländlichen Teile Groß-Wiens NÖ zurückgegeben hätte. Das wäre durchaus sinnvoll gewesen.
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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #711 am: 06. Juni 2024, 15:07:28 »
Siehe auch https://www.tramway.at/fachartikel/2022-05-20-RS-Schwechat.pdf
Das wurde durch die Niederösterreichische Landesregierung schon Ad Absurdum geführt (Schwechat)!

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #712 am: 06. Juni 2024, 16:23:20 »
Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)

1946 gab es einen Vorschlag der Enquete für den Wiederaufbau, der mit Wien verwachsene Gemeinden wie Schwechat, Vösendorf und Groß-Enzersdorf bei Wien belassen hätte, aber die ländlichen Teile Groß-Wiens NÖ zurückgegeben hätte. Das wäre durchaus sinnvoll gewesen.
Da gab's halt parteipolitische Interessen, die dem damals entgegenliefen. Wikipedia meint, dass die Wiener SPÖ und die niederösterreichische ÖVP dafür waren, die Wiener ÖVP und die niederösterreichische SPÖ aber dagegen. Immerhin ging's da um mehrheitlich rote Gemeinden. Ob die als machtbewusst bekannte ÖVP NÖ aber wirklich aus parteipolitischen Motiven auf Herrschaftsgebiet verzichtet hätte, sei dahingestellt. Außerdem waren die 1938 eingemeindeten Gebiete allesamt Teil der sowjetischen Besatzungszone. Die Sowjets waren daher auch gegen die Rückabwicklung der Eingemeindungen, wobei sie die Tatsache, dass Groß-Wien eine nationalsozialistische Schöpfung war, als Rechtfertigung ihrer Ablehnung vorschützten.
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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #713 am: 06. Juni 2024, 16:29:36 »
Wobei ich mir die Frage stelle, ob es ähnlich gewesen wäre, wenn man Kaltenleutgeben stattdessen gewählt hätte.
(Es war ja eine der anderen zwei Umland Bim Vorschläge.)

Na ja, es ist halt bedauerlich, weil allem Anschein nach Wien dieses Projekt wirklich wollte.

Die Kaltenleutgebner Bahn umfährt die dicht bebauten Gebiete von Rodaun und Perchtoldsdorf, weder das Zentrum von Perchtoldsdorf noch die Linie 60 in Rodaun werden erreicht, Kaltenleutgeben selbst ist kein nennenswerter Ballungsraum und das vergleichsweise wichtigere Breitenfurt sowie die Siedlung Breitenfurt Ost werden dadurch auch nicht erschlossen. Das ist ein klassisches Beispiel wo ein Regionalbus tatsächlich die bessere Lösung ist im Gegensatz zu Schwechat oder Groß Enzersdorf. In der Gegend Rodaun - Perchtoldsdorf wäre eine Verlängerung des 60ers viel sinnvoller - mit einer Weiterführung zum Bahnhof Brunn-Maria Enzersdorf.
Um aber zurückzukommen ob es genauso gekommen wäre, wenn man statt Schwechat eine andere Gemeine ausgewählt hätte...so wie es hier im Thread beschrieben wird mEn ja, da sich ja vor allem NÖ dagegen ausspricht.
Und zurück zur Kaltenleutgebner Bahn: Die wäre eigentlich prädestiniert für eine Kindereisenbahn, wie in Budapest, wenngleich für einen täglichen Betrieb zu unattraktiv. Aber Samstag, Sonntag, Feiertag durchaus interessant für Wanderer, Heurigen- oder Hüttenbesucher.

Ferry

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #714 am: 06. Juni 2024, 16:48:21 »
Sie haben anscheinend in der unmittelbaren Vergangenheit zu viel Geld für teuere Prestigeprojekte ausgegeben.
Ja, sie haben Schulden. Aber ziemlich pleite stimmt so auch nicht. Der 72er scheitert an der NÖ Landesregierung, die das Projekt nicht finanzieren möchte.

Jein. Dann will ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wobei ich betone, dass mir diese Informationen nur mündlich zugetragen wurden - ich übernehme ausdrücklich keine Garantie für deren Wahrheitsgehalt. Also:

Schwechat hatte seinerzeit auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Fazekas viel Geld in dessen Prestigeobjekt "Multiversum" (ein riesiges Veranstaltungszentrum) investiert; ein Projekt, das schließlich mit einem gewaltigen Bauchfleck endete und die Gemeinde finanziell an den Rand des Ruins brachte. Die Nachfolgerin Karin Baier konnte das Ruder zwar noch im letzten Moment  herumreißen, dennoch wird die Stadt noch Jahre an dem Abbau des gewaltigen Schuldenberges zu tragen haben.

Die NÖ Landtagswahlen im Jänner 2023 brachte einen Gewinn für ÖVP und FPÖ; es war daher vom Land von diesen bekannt autofreundlichen Parteien wenig Unterstützung für ein Straßenbahnprojekt zu erwarten, zumal sich eine - scheinbar - weit günstigere Lösung durch Intervallverdichtung bestehender Buslinien anbot. Der Stadt Schwechat blieb daher aufgrund ihrer finanziellen Situation gar nichts anderes übrig, als auf die Straßenbahn zu verzichten und der Buslösung den Vorzug zu geben - und das auch erst ab 2027 (!).

Und ja, letztlich scheiterte des Projekt an der neuen NÖ Landesregierung, die 2022, als das Projekt vollmundig vorgestellt wurde, noch nicht im Amt war.

Weißt du, wie man ein A....loch neugierig macht? Nein? - Na gut, ich sag's dir morgen. (aus "Kottan ermittelt - rien ne va plus")

60er

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #715 am: 07. Juni 2024, 10:55:01 »
Das Multiversum-Desaster hat die Stadtgemeinde in hohe Schulden gestürzt. Das alles hat aber nur wenig mit dem Straßenbahnprojekt zu tun.

Dass die Stadtgemeinde Schwechat mit 21.000 Einwohnern die Straßenbahn nicht im Alleingang stemmen kann und auf eine Mitfinanzierung durch das Land angewiesen ist, sollte auch jedem klar sein.

MOD-EDIT: Text nach Lösung eines zitierten Postings minimal angepasst.

coolharry

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #716 am: 07. Juni 2024, 11:16:16 »
Zu den Schulden von Schwechat:
https://www.schwechat.gv.at/Rechnungsabschluss_2023#:~:text=Diese%20Entwicklung%20st%C3%A4rkt%20unsere%20Kapazit%C3%A4ten,2%2C4%20Millionen%20Euro%20entspricht.

Zitat:
Zitat
Der Schuldenstand konnte bis zum 31. Dezember 2023 auf 44,15 Millionen Euro reduziert werden, was einer weiteren Reduktion um fast 2,4 Millionen Euro entspricht. Die Gesamtrücklagen beliefen sich zum Jahresende auf 70,05 Millionen Euro

Zum Vergleich Wien:
Schulden lt. Rechungsabschluß: 10.991.280.000,- Euro = 10,991 Mrd Euro
Rücklagen lt. Presseaussendung: 1.500.000.000,- Eur = 1,5 Mrd. Euro dazu kommen aber noch Sachvermögen im Wert von 36.000.000.000,. Euro = 36 Mrd. Euro

https://www.wien.gv.at/politik-verwaltung/rechnungsabschluss-2023.html
https://www.wien.gv.at/finanzen/budget/index.html

Wien steht also auch nicht besser oder schlechter da als Schwechat. Wien hat nur einen höheren Cashflow.
Weil ein menschlicher Hühnerstall nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann.

MK

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #717 am: 07. Juni 2024, 11:48:16 »
Schwechat ist also mit 2.697 Euro pro Einwohner verschuldet, Wien mit 5.490 Euro.

Allerdings ist Wien auch Land, während Schwechat nicht einmal Statutarstadt ist. Und NÖ ist zusätzlich mit 5.291 Euro pro Einwohner verschuldet...
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60er

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #718 am: 07. Juni 2024, 11:56:53 »
Schwechat ist nur eine der möglichen Linien.
Wie am Beispiel Schwechat ersichtlich, scheint es aber im Land NÖ nicht den Willen zu geben, solche Projekte zu finanzieren. Sollte sich der politische Kurs nicht ändern, werden solche Regio-Trams also kaum realistisch sein.

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Re: Projekt 2020: Straßenbahn nach Schwechat
« Antwort #719 am: 07. Juni 2024, 12:03:17 »
Der Landesgrenzenhickhack ist ja leider nichts Neues und war auch schon im vorherigen Jahrhundert der Grund, dass mehrere grenzüberschreitende Straßenbahnen ihr Ende fanden. (Ein Zyniker würde sich hier schon fast Groß Wien wieder wünschen.)
Wäre Schwechat ein Bezirk von Wien, würde das Projekt vermutlich umgesetzt werden, oder wäre es bereits.
Genauso ist es, und da könnten FP und VP sich noch so sehr im Kreis drehen.
Schwechat ist doch eh rot, wenn also eine ohnehin rote Stadt zu Wien wandert, steigert das die Wahlprozente der VP...win-win für alle (inkl. den 72er)!
Die Haltestellen heißen "Dr.-Karl-Renner-Ring", "Simmering, Grillgasse" und "Kärntner Ring, Oper", Punkt. Stationsnamen haben geographisch korrekt und nicht irreführend zu sein.