Autor Thema: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010  (Gelesen 14683 mal)

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60er

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #30 am: 26. April 2017, 15:13:57 »
Ich bin früher (in den 90er-Jahren) öfter mit der Badner Bahn in die SCS gefahren und kann eigentlich auch bestätigen, dass die Station stets sehr gut frequentiert war. Damals gab es noch keine Verstärker und bei den Viertelstunden-Intervallen waren die Züge oft gesteckt voll. Besonders schlimm war es, wenn wegen Wagenmangel eine Einfachgarnitur gekommen ist.

coolharry

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #31 am: 26. April 2017, 15:45:46 »
Witzig ist ja auch, dass das Streckenende unter einem Einkaufspark ist. Also wäre ja durchaus ein attraktives Ziel vorhanden, welches Fahrgäste generiert.

Das Beispiel SCS/WLB zeigt allerdings, dass der Anteil an Besuchern, die mit Öffis in ein Einkaufszentrum kommen, endendwollend ist.

In Charleroi ist das aber kein EKZ im nichts sondern ist umgeben von zahlreichen kleineren Wohnbauten. Klar ist der Beedarf nicht riesig. Das ist er in ganz Charleroi nicht. Deswegen der Hinweis mit dem Größenwahn.
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

Bimdose

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #32 am: 27. April 2017, 10:09:12 »
Zurück zu Charleroi: Dort soll noch in diesem Frühjahr mit der Renovierung des Abschnittes Fontaine-Anderlues begonnen werden, auf dem derzeit (zwischen Route de Thuin und Jonction) noch ein Abschnitt besteht, wie er für Überland-Straßenbahnen klassisch war und der an das Kattowitzer Netz erinnert. Dieser Abschnitt soll dafür rund ein Jahr gesperrt bleiben. Der stillgelegte Abschnitt auf der Bundesstraße hat übrigens keine Fahrleitung mehr und die Schienen sind vererdet/Parkplatz. Wer in die Gegend will, sollte das am Wochenende vor dem 15. August und am 15. August selbst tun, da ist im benachbarten Straßenbahn-Museum Thuin Fahrtag,wo die Strecke nach Lobbes und im Ortszentrum von Thuin mit Museum-Straßenbahnen befahren wird - das ist richtig geil!

dalski

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #33 am: 25. August 2017, 22:55:20 »
Im Rahmen einer Belgienreise musste ich in Charleroi umsteigen und konnte neben diversen ungemütlichen Gestalten und Ratten (!) ab und zu eine Stadtbahn vorbeirauschen sehen. Betriebsschluss dürfte übrigens gegen 20 Uhr sein, was ziemlich unattraktiv ist.
Всё будет хорошо

nord22

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #34 am: 16. Oktober 2017, 00:02:57 »
Anbei drei historische Aufnahmen aus Charleroi aus den Jahren 1970 -72 mit aus den 40er Jahren stammenden Zweiachsern (Fotos: Sammlung David Pirmann).

LG nord22

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #35 am: 16. Juli 2018, 16:53:13 »
Ein "Mauseloch" gab es nicht nur in Hetzendorf am 62er, sondern auch in Charleroi. TW 421 wartet in Montignies-sur-Sambre vor einer roten Ampel (Foto: Tim Boric, 1973). Die Linie 15 wurde als letzte Straßenbahnlinie von Charleroi 1974 stillgelegt.

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #36 am: 17. September 2018, 08:28:35 »
* 412 + BW, Linie 8 auf der Pont de la Résistance (Foto: J.M.Canfield, 13.05.1972)
* 417, Linie 7 in Bd. Audent (Foto: Jean Marie Pholien)
* 425 + BW, Linie 7 am Quai de la gare du Sud (Foto: J.M.Canfield, 13.05.1972)

LG nord22

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #37 am: 22. September 2018, 23:32:29 »
* 403, Linie 2 in der Rue de l'Écluse
* 404, Linie 5 in Montignies-sur-Sambre, Place Albert 1er (Fotos: Tim Boric, 1973).

LG nord22

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Re: [BE] Karolingen (Charleroi) April 2010
« Antwort #38 am: 13. Mai 2019, 19:32:06 »
Nun habe ich auch mal diesen tragischen Betrieb besucht - Ein Denkmal politischer Unfähigkeiten und planerischen Größenwahns bei konsequenter Reduktion des Kundennutzens. Die ganze Sache ist maximal vertrottelt, mit monströsen Stationen, die dem Fahrgast unglaublich lange Wege aufbürden, um dann in kleine Solo-Gelenksechsachser einsteigen zu dürfen (die teilweise in Halbstundenintervallen unterwegs sind). Obendrein verkehrt man teilweise mit den Zweirichtungswagen im Linksverkehr mit Eigenkreuzung. Unfassbar.

Die Stadt ist auch insgesamt eindeutig im Abschwung, viele Menschen haben die typischen "Hartz-IV-Gesichter", schlechte Zähne und tragen schlechte Kleidung. Die kleine Innenstadt-FuZo ist von türkischen Geschäften gesäumt, die sonst üblichen H&Ms fehlen (das soll keine Wertung sein, nur eine Beschreibung, man merkt, die Luft ist draußen). Zwei Tage vor meinem Besuch gab es einen Kabelbrand, der große Störungen verursachte, deswegen fuhr man mit allen Linien auf der Stadtschleife gegen den Uhrzeigersinn.

Hier ist ein Gleisplan: http://www.gleisplanweb.eu/Maps/Charleroi.pdf

Der Grund für den Wahnsinn ist ganz kurz gesagt der finanzielle Ausgleich zwischen den beiden belgischen Regionen; wurde in Flandern investiert, wollten die Wallonen auch Geld. In Charleroi gab es dann halt das Problem, dass man für die Lokalbahnen viel zu großzügige Tunnels baute, deren Linien aber vom Betreiber laufend stillgelegt wurden.

Als Beispiel für die groteske Blödheit die Station Beaux Arts: Die steht auf einem riesigen Parkplatz, hat allerdings von dort keinen Zugang (er wäre durch das graue Rolltor am ersten Foto möglich, dahinter liegt direkt das Verteilergeschoß). Stattdessen muss man über riesige Umwege ein Niveau höher, um dann ewig weit zum Bahnsteig zurückhatschen zu müssen. Dafür gibts aber Gleise wie auf der Modellbahn, sogar das Ausstellungsgleis ist per Weiche angeschlossen - 5 Gleise, 2 in Betrieb!

Ähnlich bei Waterloo - die Zugänge sind unter dem Bahnsteig, mit ewigen Gängen, ein Bahnsteig ist unbenutzt (das war früher anders, es wurde ja auch schon etliche Male umgebaut).

Ein spezielles Schmankerl ist der nicht fertiggestellte Ast nach Centenaire, da wird die Absurdität so richtig sichtbar, das Bild "Charleroi Grand Rue" zeigt etwa die Bebauungsstruktur der Gegend.

Zuletzt ergänzend zwei Bilder von "Carosse" am Beginn der großen eingleisigen Schleife (auch hier ist das stadteinwärtige Gleis für den Fahrgast wenig attraktiv, weil weit hinter der Bebauung der Hauptachse liegend, die Trasse dürfte ein Rest der Metroplanung sein) sowie ein Foto der Schleife Solement, die erst 2012 gebaut wurde und vernünftig wirkt.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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