Autor Thema: [SE] Göteborg  (Gelesen 27959 mal)

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #75 am: 10. August 2018, 14:14:26 »
Die Sommer des Nordens erlauben es, morgens und abends mit der Kamera auch Richtung Süden gerichtet Fotos mit der Sonne hinter dem Rücken des Fotografen zu erstellen – es ist der 24. Juli gegen 19:30 und wir befinden uns hier bei der zentralen Haltestelle Brunnsparken, die den Ruf hat, Schwedens stärkstbefahrene Oberflächen-ÖPNV-Station zu sein: Von den Straßenbahnlinien kommen im Normalbetrieb nur der 8er und 13er nicht hier vorbei; und zahlreiche Buslinien nehmen ebenfalls ihren Weg via Brunnsparken. Um diese Zeit beginnt sich das tagsüber so quirlige Treiben ein wenig zu beruhigen, und mit ein wenig Geduld kann dann ein Foto wie dieses entstehen. Zu sehen ist M29 822 + M28 735 (Lasse Dahlqvist) auf Linie 10 am Weg über die Götaälvbro nach Transdanubien Hisingen ;)

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #76 am: 11. August 2018, 08:46:51 »
”Spårvagnsolyckan blev en katastrof” – «Das Straßenbahnunglück wurde zu einer Katastrophe»: Mit diesen Worten läutete die Moderatorin eine der Sondersendungen im März 1992 ein. Mit der Katastrophe am Vasaplats, die auch den Anfang dieses Threads bildete, verbindet mich mehr als mit anderen vergleichbaren Unfällen – und hier, an dieser Stelle begann damals die Horrorfahrt: Auf der Aufnahme fährt M31 336 am 24. Juli die letzten Meter der Steigung von Chalmers zum Wavrinskys Plats herauf – baustellenbedingt vorher den Chalmerstunnel benutzend. Den gab's damals noch nicht – in diesem Sommer war jedoch die Aschebergsgata gesperrt, die direkt hinunter zum Vasaplats führt.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #77 am: 11. August 2018, 09:10:31 »
Danke für die vielen schönen Bilder aus Göteborg!

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #78 am: 11. August 2018, 22:21:26 »
Vielen Dank, das freut mich außerordentlich ^-^ Es sieht so aus, als ob noch etwa ein EDIT: halbes Dutzend Fotos folgt, bevor ich Gefahr laufe, hier nur mehr langzuweilen ;)


Göteborg bietet eine wunderbar an die Gegebenheiten der jeweiligen Umstände angepasste Gestaltung der Straßenbahnanlagen – in meinen Augen zeichnet genau diese Flexibilität, diese differenzierte Möglichkeit der Integration in einen Stadtorganismus das System Straßenbahn gegenüber den anderen motorisierten Stadtverkehrsmitteln aus. Eine ganz feine Strecke befindet sich südlich der Innenstadt in der Vasagata – doppelreihige Mittelallee mit Straßenbahn an den Seiten; begleitet, aber nicht gestört von minimalem Autoverkehr. In der Mitte, zwischen den Baumreihen, ist viel Platz zum Flanieren und Radfahren: Ein höchst einladendes Plätzchen! Auf der Aufnahme ist das Pärchen M29 849 (Kalle Glader) und M28 726 am Morgen des 25. Juli auf Linie 2 auf ihrem Weg zum Brunnspark und dann weiter zum Hauptbahnhof Richtung Mölndal zu sehen.

Zwischen Brunnsparken und Hauptbahnhof besteht die kuriose Situation, dass einander die Linien 2 und 4 in Richtung Mölndal in entgegengesetzter Richtung begegnen – Konsequenz der dichten Vermaschung der Straßenbahn in der Innenstadt.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #79 am: 12. August 2018, 19:26:44 »
Die Garnitur M28 729 (Karin Boye) + M28 747 (Karin Kavli) war eine von nur zwei M28-Doppeltraktionen, die mir während des gesamten Göteborgaufenthalts untergekommen sind: Man versucht, nach Möglichkeit stets M29+M28-Doppeltraktionen zu bilden – die Türsteuerung ist ein Grund, die Verfügbarkeit von Fahrscheinautomaten ein anderer (Die meisten M28-Wägen haben keine solchen).

Doch wer genau hinsieht, wird bemerken, dass sich gerade alle Türen öffnen – wie passt das denn zu den antriebslosen M28-Türen? Nun, eine gute Handvoll M28-Wägen wurde modernisiert, um den M28-Überhang gegenüber den M29 zu neutralisieren; und Türumbau sowie Fahrscheinautomateneinbau gehörten zu diesem Umbau. Die Fahrscheinautomaten bieten im Übrigen wie in Wien bloß Einzelfahrkarten an – im bargeldaversen und elektronikaffinen Schweden ist es offensichtlich verbreiteter als hier, zB eine Fahrkarten-App anzuwerfen: Ein 72h-Ticket zu kaufen hat mich als App-Erstbenützer gefühlte 30 Sekunden gekostet; eine Registrierung war in diesem Zusammenhang nicht notwendig. Ach ja, in ganz Göteborg gibt es keinen einzigen stationären Fahrkartenautomaten…

Wie schon angedeutet kenne ich in Göteborg keine einzige Straßenbahnhaltestelle, die nicht mit dediziertem Bahnsteig ausgestattet ist – das gilt auch für die Haltestelle Vasa-/Viktoriagatan nicht weit vom Vasaplats in demselben Umfeld wie das letzte Foto.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #80 am: 13. August 2018, 21:24:08 »
Letztens waren wir bei unterschiedlichen Integrationsmöglichkeiten einer Straßenbahnstrecke in einen Stadtorganismus – und natürlich fehlt da bis jetzt die vielleicht schönste in Form von Rasengleis. Ein ganz neues solches, sogar trotz Trockenheit grün, bietet das meines Wissens jüngste Stück Straßenbahnstrecke in Göteborg am Dreieck beim Munkebäckstorg, wo die Linien 1, 3 und 5 ihre unterschiedliche Wege nehmen. Ursprünglich konnte man nicht direkt von Kålltorp zum Östra Sjukhus fahren; die neue Gleisverbindung ermöglichte eine Verlängerung des Fünfers von der Virgingata (wo immer noch der Dreier wendet) zum Östra Sjukhus.

Das behob eine vorher kuriose Situation an der Virgingata: In Göteborg ist, wie schon erwähnt, für viele Endstationen die Stadtteilausschilderung üblich. Das wird, wo passend, so umgesetzt, dass der letztbefahrene Stadtteil vor der Endstation ausgeschildert wird – der Dreier erreicht die Endstation an der Virgingata von Kålltorp her, der Fünfer tat es von Torp her: Zwei unterschiedliche Zielbeschilderungen für letztlich dieselbe Endstation… Das ist etwa so, als ob in Wien der Fünfer Richtung Westbahnhof «Neubau» ausschilderte, während 9er, 52er und 60er die Angabe «Fünfhaus» als Ziel anführten.

Hier zu sehen an dieser neuen Abzweigung sind M29 840 und M28 726, beide namenlos, am 24. Juli.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #81 am: 14. August 2018, 22:33:38 »
Natürlich macht sich auch eine Einbahn mit Straßenbahnbetrieb in beiden Richtungen gut, so wie hier nächst der Hagakyrka: Der Einser nimmt üblicherweise den Weg über die Neubaustrecke via Stenpiren; doch die war im Juli gesperrt, sodass M31 337 am Abend des 23. Juli an dieser Stelle vorbeikommt. Der Einser war nicht nur von seiner üblichen Route via Stenpiren abgeschnitten, sondern auch von seiner regulären Endstation am Opaltorg – wie schon weiter oben angedeutet war das Stück Straßenbahnstrecke jenseits des Frölunda Torg (mit einer Straßenbahnstation direkt im dortigen Einkaufszentrum) wegen Bauarbeiten gesperrt, doch liegt beides in Tynnered, sodass die auch im Regelbetrieb verwendete Zielanzeige letztlich wieder passt.

Die Ampelsteuerungen in Göteborg fand ich durchaus beeindruckend; nicht immer war alles überall sofort grün, aber fast, und man möchte kaum glauben, wie groß die gefühlte Schwuppdizität selbst bei maßvoller Fahrtgeschwindigkeit ist, wenn man außerhalb der Haltestellen so gut wie nie stehenbleiben muss. Natürlich trägt die außerhalb Wiens fast schon gewohnte (viel) geringere Ampeldichte das Ihre dazu bei.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #82 am: 17. August 2018, 12:50:45 »
Besonders nett finde ich das Stückchen Straßenbahn durch die Älvsborgsgata vor der Remise Majorna: Straßenbahn in der Mitte einer doppelreihigen Allee, am Rand minimaler Autoverkehr und wiederum Häuser wie aus einem schwedischen Fremdenverkehrsprospekt. Dazu kam noch das Riesenglück, dass in den 48h, die ich in Göteborg verweilen durfte, nur einen späten Vormittag lang die Sonne von Wolken verhangen war – das habe ich auch schon anders erlebt ;)

Auf der ersten Aufnahme dort ist am 24. Juli Doppelgarnitur M29 817 + M28 716 (Kent Andersson) zu sehen…

[ Für Gäste keine Dateianhänge sichtbar]

…auf der zweiten, am anderen Ende der Älvsborgsgata bei der Zebrahaltestelle Älvsborgsplan, die Doppelgarnitur M29 837 (Ingrid Segerstedt-Wiberg) + M28 706 (Sixten Camp):

[ Für Gäste keine Dateianhänge sichtbar]

Der Dreier ist mit seinen 12½km Länge eine der kürzesten Straßenbahnlinien Göteborgs; der Sechser ist mit knapp 25km Länge fast doppelt so lang – das muss eine der längsten Straßenbahnlinien überhaupt sein, die keinen Überlandcharakter aufweisen. Soweit zur hierzustadts regelmäßig behaupteten Nichtadministrierbarkeit langer Straßenbahnlinien.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #83 am: 18. August 2018, 22:12:44 »
Kurze und dabei so richtig knackige Steigungen – ein Paradebeispiel dafür ist die Rampe vom Masthuggstorg zum Stigbergstorg herauf, wo hier am Abend des 24. Juli M28 749 (Ebbe Hagard) + M28 763 (Axel Engdahl) ihre Muskeln in Form ihrer mehr als ausreichenden Motorisierung spielen lassen können. Hier setzte die einzigartige Trockenheit dieses Sommers dem Rasengleis offenbar besonders zu.

Die Anzeige rechts oben befindet sich an der Citymautbake – im Juli ist generell 0 SEK Citymaut zu zahlen, ansonsten für die Einfahrt in die und Ausfahrt aus der innere(n) Stadt unterschiedlich viel je nach Tag und Zeit; der genaue Betrag wird jeweils angezeigt (10 SEK ≈ 1 EUR)

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #84 am: 19. August 2018, 15:57:44 »
Neben den gezeigten, wuchtigen Wägen der Långedragslinje hat die Ringlinien-Gesellschaft noch Älteres und Urban-Zarteres in petto, etwa in Form des M1 15 von 1902. 58 Wägen umfasste die Serie M1; ein paar fuhren mit einigen Umbauten bis nach dem 2. Weltkrieg, doch die meisten wurden schon in den 1920er-Jahren ausgemustert – so wie auch Wagen 15, der schon seit 1929 als Museumswagen vorgesehen war, und nunmehr auf der Lisebergmuseumslinie regelmäßig seine Runden dreht. Aufnahme nächst dem Hauptbahnhof am 23. Juli.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #85 am: 20. August 2018, 14:02:12 »
Licht am Ende des Tunnels, die definitiv letzten sechs Beiträge stehen an – die Ausbeute von 1½ Tagen Sonnenschein in Göteborg waren doch größer als erwartet, und ich hoffe, nach wie vor nicht zu langweilen.

Ein Foto mit minder Sonnenschein: Der Dreier war im Juli nicht nur die Heimstätte der PCC-Wägen, sondern bietet auch trotz seiner «Kürze» die gesamte Straßenbahntrassierungsspeisekarte. Fast das gesamte Spektrum war hier schon zu sehen; das letzte Stückchen vor der Marklandsgata ist wiederum ganz schwere Stadtbahn mit Zaun, dafür ohne Kreuzungen im Niveau, und auf dieser Aufnahme brausen M29 805 (Sven-Eric Johanson) und M28 759 (namenlos) am 24. Juli zur Endstation herauf – das Ziel ist schon passend auf «Kålltorp via snabbspåret» umgesprungen.

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #86 am: 20. August 2018, 17:42:14 »
ich hoffe, nach wie vor nicht zu langweilen

Mich langweilst du nicht.  :)
po sygnale odjazdu nie wsiadac

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #87 am: 21. August 2018, 08:58:54 »
Licht am Ende des Tunnels, die definitiv letzten sechs Beiträge stehen an – die Ausbeute von 1½ Tagen Sonnenschein in Göteborg waren doch größer als erwartet, und ich hoffe, nach wie vor nicht zu langweilen.

Absolut nicht. Hast du vielleicht auch Fotos vom Heck eines PCC-Wagen?
Weißt du, wie man ein A....loch neugierig macht? Nein? - Na gut, ich sag's dir morgen. (aus "Kottan ermittelt - rien ne va plus")

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #88 am: 21. August 2018, 09:05:03 »
ich hoffe, nach wie vor nicht zu langweilen.

Ganz sicher nicht! Ich habe (wie sicher auch etliche andere hier) mit Göteborg nichts am Hut – um so spannender, so viele schöne Eindrücke samt sorgfältig recherchierter Hintergrundinformation präsentiert zu bekommen.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

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Re: [SE] Göteborg
« Antwort #89 am: 21. August 2018, 09:30:01 »
Danke für das Feedback :D

Hast du vielleicht auch Fotos vom Heck eines PCC-Wagen?

Danke für die Steilvorlage, das war für diesen Beitrag schon geplant (wenigstens in Ansätzen ;)) Kehren wir ein letztes Mal in die Älvsborgsgata zurück, wo hier einander gerade zwei PCC-Garnituren begegnet sind – M28 729 (Karin Boye) + M28 747 (Karin Kavli) sowie ? (wird nachgetragen falls eruierbar) + M28 739 (Malte Johnsson). Der hintere Zug steht gerade an der Haltestelle Ostindiegatan – das ist Anlass, eine weitere Besonderheit des Göteborger Straßenbahnnetzes zu erwähnen:

Die Haltestellenabstände in Göteborg sind außerordentlich heterogen. Das eine Extrem ist die Fahrt vom Hauptbahnhof nach Hjällbo, wo über die Schnellstraßenbahntrasse und die Angeredsbana mit nur einer einzigen Zwischenhaltestelle mehr als 8(!) km überbrückt werden; aber auch im weniger schweren Stadtbahnbereich gibt es das eine oder andere Haltestellenpaar, dessen Entfernung einen ganzen Kilometer erreicht. Andererseits liegen zwischen den Haltestellen Vagnhallen Majorna und Ostindiegatan gerade einmal 200 Meter – bei vergleichbar dicht bewohntem Einzugsbereich.

Ob das mit dem Paradigma zusammenhängt, Haltestellen immer räumlich großzügig, und mit Bahnsteigbereich auszustatten, das heißt nie frei im Fahrbahnraum? Gerade im innerstädtischen Bereich sind in den 1980er-Jahren einige Haltestellen entfallen…

Eine «richtige» PCC-Rückenansicht folgt später; ich habe im Moment keinen Zugriff auf den Gesamtaufnahmenbestand.