Autor Thema: Vorsicht, Aufzug!  (Gelesen 69895 mal)

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W_E_St

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Vorsicht, Aufzug!
« am: 18. März 2012, 13:38:31 »
Auf Wunsch von 95B beginne ich einen eigenen Thread zu historischen Aufzügen. Dieser hier war Baujahr 1911 und wurde wenn mich meine Erinnerung nicht trügt 2006 bei der Renovierung des Hauses abgetragen und durch einen scheußlichen Neubau ersetzt. Das Video ist leider unter sehr schlechten Lichtbedingungen aufgenommen, aber es war der letzte Betriebstag des Aufzugs.

Vorsicht, Aufzug!
Retten konnte ich nur die Schiebetür und die Deckenlampe, die Bedientaster hat sich ein anderer Hausbewohner gesichert, der Rest wurde entsorgt.
"Sollte dies jedoch der Parteilinie entsprechen, werden wir uns selbstverständlich bemühen, in Zukunft kleiner und viereckiger zu werden!"

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martin8721

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #1 am: 18. März 2012, 15:25:51 »
Schön, dass zu diesem Thema jetzt auch ein Thread eröffnet wurde.  :D

Viele Bilder habe ich nicht und ähnlich wie bei W_E_St sind diese unter eher schlechten Bedingungen entstanden, wobei noch hinzukommt, dass man Fahrstühle aufgrund ihrer Raumgeometrie nur schwer als Ganzes auf ein Foto bringen kann.  ;)

Nichtsdestotrotz möchte ich dem Threadtitel mal Ehre machen und ein Bild mit einem der berühmten "Vorsicht! Aufzug!" Schilder liefern.

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Und so sah/sieht dieser Fahrstuhl von Innen aus.

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Leider weiß ich nicht mehr, wo der sich befand...ich glaube aber, dass es in der Lange Gasse 68 war.

Im Nebenhaus auf Nr. 70 sieht man (leider etwas dunkel), wie ästhetisch sich der Lift ins architektonische Gesamtkonzept des Gebäudes einfügt.

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Detailaufnahme eines Bedientasters...

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Der dazugehörige Lift befand sich im Haus Kellermanngasse 5 und stammte aus dem Jahr 1918 - leider wurde er 2009 durch einen komplett neuen Fahrstuhl ersetzt.  :'( Anbei noch ein Schild aus jenem Aufzug mit den Daten des Herstellers "Hanns Füglister".

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Neben Füglister gab es im Wien des frühen 20. Jahrhundert noch eine Reihe weiterer Hersteller von Fahrstühlen. Einer von ihnen war der Deutsche (?) "Theodor D'Ester", der in der Marxergasse 17 auch eine Niederlassung in Wien hatte.

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Der Th. D'Ester-Aufzug in der Josefstädter Straße dürfte um 1910 herum gebaut worden sein und sollte mWn immer noch in Betrieb sein.  :lamp:

43er

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #2 am: 18. März 2012, 17:35:18 »

Leider weiß ich nicht mehr, wo der sich befand...ich glaube aber, dass es in der Lange Gasse 68 war.

Im Nebenhaus auf Nr. 70 sieht man (leider etwas dunkel), wie ästhetisch sich der Lift ins architektonische Gesamtkonzept des Gebäudes einfügt.

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Ja das ist in der Langen Gasse 68. Und der Aufzug in Nr. 70 funktioniert noch immer hervorragend, jedoch nur mit passenden 10 Groschen Stück. ;)

95B

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #3 am: 18. März 2012, 19:39:41 »
Konnte man bei diesen Bedienelementen auch mehrere Knöpfe zugleich hineindrücken oder waren die gegeneinander arretiert? Falls Letzteres der Fall war: Konnte man - Hausnummer - in den ersten Stock fahren und dort dann zur Weiterfahrt den Druckknopf eines höheren Stockwerks betätigen? Oder war jede Fahrt in ein Obergeschoß zwangläufig mit mit einer danach folgenden Abwärtsfahrt ins Erdgeschoß verbunden?
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W_E_St

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #4 am: 18. März 2012, 19:50:14 »

Leider weiß ich nicht mehr, wo der sich befand...ich glaube aber, dass es in der Lange Gasse 68 war.

Im Nebenhaus auf Nr. 70 sieht man (leider etwas dunkel), wie ästhetisch sich der Lift ins architektonische Gesamtkonzept des Gebäudes einfügt.

(Dateianhang Link)



Ja das ist in der Langen Gasse 68. Und der Aufzug in Nr. 70 funktioniert noch immer hervorragend, jedoch nur mit passenden 10 Groschen Stück. ;)
Oder mit einem Schlüssel :D

Bei dem Aufzug im Video war das Schloss so ausgenudelt, dass er problemlos mit jedem in der Größe ähnlichen Schlüssel (im Video war das der Kellerschlüssel des Hauses) zu öffnen war.

Zitat
Konnte man bei diesen Bedienelementen auch mehrere Knöpfe zugleich hineindrücken oder waren die gegeneinander arretiert? Falls Letzteres der Fall war: Konnte man - Hausnummer - in den ersten Stock fahren und dort dann zur Weiterfahrt den Druckknopf eines höheren Stockwerks betätigen? Oder war jede Fahrt in ein Obergeschoß zwangläufig mit mit einer danach folgenden Abwärtsfahrt ins Erdgeschoß verbunden?
Nein, das Prinzip ist anders. Der Aufzug bleibt immer nur im höchsten gedrückten Stockwerk stehen. Das Ganze funktioniert weitgehend mechanisch (danke übrigens an benkda01 für die Erklärung, ich habe mich damals um dieses Detail nie gekümmert). Die Taster im Inneren betätigen Stifte außen und den Hauptschalter. In jedem Stockwerk sind Schleifleisten in unterschiedlichen Positionen. Ist das richtige Stockwerk erreicht drückt die Schleifleiste den Stift wieder hinein und der Aufzug bleibt stehen. Drückt man mehrere Stockwerke werden zwar die Stifte zurückgesetzt, aber der Hauptschalter eingeschaltet bis auch der letzte Stift wieder zurückgesetzt ist.

Eine Rückfahrt ins Erdgeschoss war/ist auch nicht in allen solchen Exemplaren möglich. Manche haben nämlich einen auf Federn liegenden doppelten Boden mit einem Kontakt - so lange der Boden belastet wird weigert sich der Aufzug nach unten zu fahren. Der im Video hatte so etwas. Das durch die Federn bedingte Schwanken des Bodens hat vielen Leuten Angst eingejagt :D
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Revisor

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #5 am: 18. März 2012, 20:36:34 »
Viele dieser alten Aufzüge waren tatsächlich nur zum Hinauffahren gedacht. Lediglich im Erdgeschoß konnte jedermann einsteigen, in den oberen Stockwerken nur aussteigen. Um dort einsteigen zu können, z. B. für einen Transport, benötigte man einen Schlüssel, den nur der Portier (Hausbesorger) hatte. Daher gab es in den oberen Stockwerken auch keinen Knopf zum Rufen des Aufzugs, sondern nur einen mit "Senden" beschrifteten, der den Aufzug wieder ins Erdgeschoß fahren ließ.

Linie 41

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #6 am: 18. März 2012, 21:32:53 »
Viele dieser alten Aufzüge waren tatsächlich nur zum Hinauffahren gedacht. Lediglich im Erdgeschoß konnte jedermann einsteigen, in den oberen Stockwerken nur aussteigen.
War der Grund lediglich die technische Umsetzung der Stockwerksanwahl bzw. des Rufbefehls oder hatte man tatsächlich auch Bedenken, daß eine Talfahrt mit Beladung nicht sicher ist?
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

13er

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #7 am: 18. März 2012, 21:51:23 »
War der Grund lediglich die technische Umsetzung der Stockwerksanwahl bzw. des Rufbefehls oder hatte man tatsächlich auch Bedenken, daß eine Talfahrt mit Beladung nicht sicher ist?
Naja, es heißt eben Aufzug und nicht Abzug!
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

hema

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #8 am: 18. März 2012, 21:54:05 »
Der Hauptgrund war sicher, dass die Menschen früher nicht so faul waren und niemand was dabei fand, ein paar Stockwerke runterzugehen, also war die Idee, einen Aufzug, der nur vier oder fünf Etagen überspannte auch für bergabfahrt einzurichten, gar nicht so naheliegend!

Außerdem waren sicher auch Kostengründe maßgebend, wobei hier nicht nur die billigere Erstellung schlagend wurde, sondern auch die Einsparung an Wartungs- und Reparaturkosten, wenn nur die Hälfte Fahrten anfielen. Auch war Energie kostbar und mit der Beschränkung auf aufwärts konnte man sicher das vergnügliche auf und ab Fahren halblustuiger Jugendlicher verhindern - ganz ohne das Eingreifen einer Bissgur'n von Hausmeisterin!  8)
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

158er

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #9 am: 18. März 2012, 22:17:56 »
Falls jemand einmal Paternoster fahren will und das 2007 entfernte Exemplar im NIG vergeblich sucht: die Anlagen am Schwarzenbergplatz 4 im Haus der Industrie (Maschinenfabrik A. Freissler, 1910) und im Rathaus bei Stiege 6 (Freissler/Etna-Werke, 1918) sind werktags für die Öffentlichkeit zugänglich und benützbar. Im Haus der Industrie einfach dem Portier sagen, daß man den Paternoster "anschauen" will, im Rathaus gehts ohne Anmeldung, dafür läuft der Paternoster dort nur bis 16 Uhr.

Ferner gibt es noch nicht öffentlich zugängliche Paternosteranlagen: auf jeden Fall im Lebensministerium, Stubenring 12 (1952), im E-Werk der Stadtwerke, Mariannengasse 4-6 (50er-Jahre) und in der Wiener Städtischen Versicherung am Schottenring 30 (1955); angeblich auch noch weitere im Bundesrechenzentrum in der Hinteren Zollamtsstraße 4 (70er-Jahre?) sowie in den Bürohäusern am Trattnerhof 1 und 2 (1912).

Ein kurzes Video des Exemplars aus dem Rathaus:
paternoster im wiener rathaus

13er

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #10 am: 18. März 2012, 22:38:18 »
Leider generell nur mehr bis 2013, so weit ich informiert bin. Also schnell noch anschauen ;)
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hema

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #11 am: 18. März 2012, 22:42:17 »
Wär' es nicht vernünftiger Paternoster zu bauen und U-Bahnen zu verbieten, statt umgekehrt?  :-[
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W_E_St

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #12 am: 18. März 2012, 22:44:01 »
Viele dieser alten Aufzüge waren tatsächlich nur zum Hinauffahren gedacht. Lediglich im Erdgeschoß konnte jedermann einsteigen, in den oberen Stockwerken nur aussteigen. Um dort einsteigen zu können, z. B. für einen Transport, benötigte man einen Schlüssel, den nur der Portier (Hausbesorger) hatte. Daher gab es in den oberen Stockwerken auch keinen Knopf zum Rufen des Aufzugs, sondern nur einen mit "Senden" beschrifteten, der den Aufzug wieder ins Erdgeschoß fahren ließ.
Die Methode kenne ich gar nicht. Bei allen mir bekannten Aufzügen von vor dem 1. Weltkrieg erfolgte die Abwärtsfahrt automatisch nach dem Schließen der Tür (bei dem Aufzug im Video musste man zusätzlich noch einen recht versteckten Knopf drücken, sonst war der Aufzug oben gefangen). Die Türen oben konnte man mit dem gleichen Schlüssel aufsperren wie die im Erdgeschoss, aber das war wohl mehr für Notfälle gedacht.
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hema

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #13 am: 18. März 2012, 22:55:31 »
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158er

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Re: Vorsicht, Aufzug!
« Antwort #14 am: 18. März 2012, 22:58:54 »
Leider generell nur mehr bis 2013, so weit ich informiert bin. Also schnell noch anschauen ;)

Oje! War das nicht nur die Regelung mit den Innentüren bei "normalen" Aufzügen? Ich dachte immer, für Paternoster gäbe es gar keine diesbezüglichen (und auch sonst nur wenige) Normen, deswegen läßt man halt bei den paar Anlagen alles beim Alten?!

Der höchste Paternoster, den ich aus eigener Anschauung kenne, befindet sich übrigens - frei zugänglich - in München im Alten Rathaus, Unterer Anger 28. Er überwindet insgesamt 11 Geschoße und verfügt über 24 Kabinen. Erst letztes Jahr (!) wurde dort nach zwanzigjährigem Stillstand auch der zweite Paternoster im Haus wieder in Betrieb genommen, der läuft zwar nur über 7 Stockwerke, aber immerhin! In Liberec in Tschechien soll es in der städtischen Kreisverwaltung (U Jezu 642) ein Exemplar mit 35 Kabinen über 17 Stockwerke geben, leider habe ich das letztes Jahr bei meinem Besuch dort noch nicht gewußt. Aber die Stadt (mit Tramway) ist so auch ganz interessant!   :)