Autor Thema: Bilder aus Wien  (Gelesen 99573 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

95B

  • Verkehrsstadtrat
  • **
  • Beiträge: 32395
  • Anti-Klumpert-Beauftragter
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #315 am: 02. April 2020, 19:56:06 »
Grün-gelb!  :lamp:

Aber nur teilweise, oder?
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

hema

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 15392
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #316 am: 02. April 2020, 20:00:11 »
Die waren eigentlich alle im berühmten "Schönbrunnergelb"!

In einer alten Zeitung habe ich einmal in einem Bericht über die damals neuen Pavillons am Karlsplatz gelesen, sie wären aus weißem Marmor und maigrünen Metallteilen. Das war anlässlich deren Eröffnung und sie waren, was den Geschmack der Wiener betrifft, äußerst umstritten.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

W_E_St

  • Referatsleiter
  • *
  • Beiträge: 7112
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #317 am: 02. April 2020, 20:17:22 »
Bei den U6-Stationen verstehe ich am allerwenigsten, warum man bezüglich Farbgestaltung eine Restaurierung auf den Zustand der 50er oder sogar 60er akzeptiert hat! Wie schon mehrfach erwähnt, waren ja ursprünglich alle Holzteile in Eichendekor lasiert wie bei der Vorortelinie, und alle Metallteile sandfarben (mit sehr wenigen Ausnahmen). Das allgegenwärtige Resedagrün ist eine Erfindung des mittleren 20. Jahrhunderts. Aus Sicht der WL kann ich das nachvollziehen, einfarbige Lackierung ist viel billiger und einfacher als Lasur, aber warum das BDA zugestimmt hat, ist mir unklar.

Kam die Erkenntnis, dass das "Otto-Wagner-Grün"* kein allumfassender Farbton ist, nicht erst vor ein paar Jahren? Außerdem war die Gürtelstadtbahn mehr als die Hälfte ihres gesamten Daseins grün-weiß, daher kann man schon die Frage stellen, welches Farbschema jetzt das echte, richtige, korrekte, authentische ist.

*) War das echte Otto-Wagner-Grün (dort, wo es von Otto Wagner vorgesehen war) nicht viel dünkler als Resedagrün?

Die Farbanalyse kam, wenn ich mich richtig erinnere, erst bei der Sanierung der Station Volksoper. Also in der Tat relativ spät. Der Denkmalschutz interessiert sich meines Wissens in Mitteleuropa hauptsächlich für den Ursprungszustand, soweit der rekonstruierbar ist, insofern wäre aus dieser Sicht die oben genannte Ausgestaltung korrekt. Dass die Holzteile möglicherweise zum Teil schon bei der Elektrifizierung einfarbig überstrichen wurden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die originalen Bogenlampen haben definitiv nicht länger überlebt, die Nachbauten aus den 80ern gibt es jetzt schon ähnlich lange oder länger als die Originale.

In irgendeinem Wagner-Dokument ist von "Apfelgrün" die Rede, das ist ein schwer zu fassender, aber sicher nicht zu dunkler Farbton. Ich bin mir allerdings nicht mehr sicher, ob es da um Karlsplatz oder Hietzing gegangen ist.
"Sollte dies jedoch der Parteilinie entsprechen, werden wir uns selbstverständlich bemühen, in Zukunft kleiner und viereckiger zu werden!"

(aus einer Beschwerde über viel zu weit und kurz geschnittene Pullover in "Good Bye Lenin")

WIENTAL DONAUKANAL

  • Expeditor
  • **
  • Beiträge: 1413
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #318 am: 02. April 2020, 21:36:18 »
Die Stadt Wien und die Wiener Stadtwerke hatten nach dem Krieg ihre Hausfarben, die vom Zentralen Einkauf an die Abteilungsmagazine weiterverteilt wurden. So war dann die Farbpallette überall an den städtischen Einrichtungen zu finden. Das berühmte chromoxidgrün RAL 6020 fasste vom Gaszähler bis zur Stadbahnstation, bis zur Stadtmöblierung noch vieles mehr. Für Gebäude hat man sich für Goldocker, schönbrunnergelb, entschieden.

Der Denkmalschutz ist manchmal recht grosszügig!
Ich wurde bei der Restaurierung der Höhenstrasse mit einbezogen und sollte mich über die historische Beleuchtung kundig machen, um dem Denkmalschutz geeignetes Ersatzmaterial bei der Einreichung anbieten zu können. Nach langem Suchen haben wir Leuchten und Maste gefunden, die dem Original sehr nahe kamen, allerdings zu einem hohen Preis.
Bei der Vorlage hat man uns zu verstehen gegeben, dass man nur den Charakter der Anlage gewahrt haben wollte. Das war der absolut nicht historische hellgrüne Farbanstrich der Maste, Ausleger bis zur Strassenmitte und daran angesetzte Leuchten. Bei den Leuchten gab man uns freie Hand - wir hätten auch Lampions aufhängen dürfen.

http://www.askr.at/cms/wp-content/uploads/2018/07/03_Donaubauer-et-al_Stadtbahnstationen-O-Wagner_%C3%96RV-Journal-2018_S-15-23.pdf

95B

  • Verkehrsstadtrat
  • **
  • Beiträge: 32395
  • Anti-Klumpert-Beauftragter
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #319 am: 02. April 2020, 23:38:27 »
Danke für deine wie immer sehr aufschlussreichen Ergänzungen!  :up:
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

WIENTAL DONAUKANAL

  • Expeditor
  • **
  • Beiträge: 1413
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #320 am: 03. April 2020, 05:27:02 »
Franz Zadrazil hat in seinem Fotorealismus die Farben des Verfalls recht gut eingefangen, besonders die Gebäude der Wiener Stadtbahn hat er sehr genau getroffen.

https://www.dorotheum.com/de/k/franz-zadrazil/#5181011

Und hier noch bewegte Bilder:

https://www.youtube.com/watch?v=KFUs3Gw7PwQ

https://www.youtube.com/watch?v=9oqtu-318iY

martin8721

  • Obermeister
  • *
  • Beiträge: 3596
  • Halbstarker
Re: Bilder aus Wien
« Antwort #321 am: 03. April 2020, 09:31:22 »
http://www.askr.at/cms/wp-content/uploads/2018/07/03_Donaubauer-et-al_Stadtbahnstationen-O-Wagner_%C3%96RV-Journal-2018_S-15-23.pdf

Danke für diesen Link!
Besonders interessant finde ich hier die Seite 4 und die Abb. 10: Station Stadtpark: Freilegungstreppe an einer der Stützen der Tragkonstruktion des Vordachs:lamp: