Autor Thema: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?  (Gelesen 4263 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Hauptbahnhof

  • Expeditor
  • **
  • Beiträge: 1264
Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« am: 15. November 2013, 22:57:40 »
Hall
Da hier in letzter Zeit ziemlich viel über das Thema Ampelbeeinflussung durch die Straßenbahn diskutiert wird, würde mich einmal interessieren, welche verschiedenen Methoden es da gibt, dass die Straßenbahn Frei bekommt (Funk? Oberleitungskontakte? Irgendetwas mit Fertig-Taste soll es auch geben?! usw.) und wie diese Techniken grob funktionieren. Weiß da zufällig jemand etwas?
lg

hema

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 13840
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #1 am: 15. November 2013, 23:58:07 »
Du hast es eh schon selbst beantwortet. Funk, Oberleitungskonakte und vereinzelt auch Induktionsschleifen.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

invisible

  • RBL-Disponent
  • ***
  • Beiträge: 1501
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #2 am: 16. November 2013, 00:28:54 »
Hall
Da hier in letzter Zeit ziemlich viel über das Thema Ampelbeeinflussung durch die Straßenbahn diskutiert wird, würde mich einmal interessieren, welche verschiedenen Methoden es da gibt, dass die Straßenbahn Frei bekommt (Funk? Oberleitungskontakte? Irgendetwas mit Fertig-Taste soll es auch geben?! usw.) und wie diese Techniken grob funktionieren. Weiß da zufällig jemand etwas?
lg

Standard sind Oberleitungskontakte und Datenfunktelegramme (z.B. nach VDV R09.x). Letztere haben den Vorteil, dass sie auch bei Bussen funktionieren und eine wesentlich feinere Beeinflussung erlauben.

Die Telegramme werden vom Bordrechner entweder an bestimmten Punkten der Fahrtstrecke, aufgrund bestimmter Ereignisse (z.B. Türfriegabe/-schließen) oder mittels Tastendruck vom Fahrer gesandt. Sie enthalten typischerweise eine Identifikationsnummer des Meldepunktes, die Linie und sind üblicherweise auch noch in Voranmeldung, Hauptanmeldung und Abmeldung unterteilt. Optional können auch Zusatzinformationen wie z.B. eine Priorität (z.B. aus Verspätung und/oder Besetzungsgrad abgeleitet) mitgeschickt werden. Aus diesen Informationen können die Empfänger in den Ampelsteuerungen ableiten, ob sie vom Funktelegramm überhaupt betroffen sind, ggfs. auch unterschiedliche Fahrwege je nach Linie schalten und eben auch die Priorität mehrerer gleichzeitiger Anmeldungen berücksichtigen.

Mit der Voranmeldung kann das Ampelprogramm bereits frühzeitig geeignet abgewandelt werden (z.B. indem die Straße zwischen Bus/Bim und Ampel freigeräumt wird oder bei komplexeren Kreuzungen querende Fahrwege bereits frühzeitg unterdrückt werden), mit der Hauptanmeldung wird dann typischerweise der Fahrweg des öffentlichen Verkehrsmittels tatsächlich freigeschaltet (also entweder die Bus-Ampel an der Kreuzung direkt vor dem Bus oder auch z.B. eine Ausfahrt aus einer Endstation auf Tastendruck des Fahrers).
Liebe Fahrgäste: Der Zug ist abgefahren.

Hauptbahnhof

  • Expeditor
  • **
  • Beiträge: 1264
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #3 am: 16. November 2013, 09:11:18 »
Danke!  :D

Hauptbahnhof

  • Expeditor
  • **
  • Beiträge: 1264
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #4 am: 02. Dezember 2014, 14:10:01 »
Welche Methode wird eigentlich derzeit bei neuen Ampelbeeinflussungen verwendet? Anmeldung über RBL oder Oberleitungskontakt?

hema

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 13840
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #5 am: 02. Dezember 2014, 14:53:31 »
Datenfunk.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Notwendige_Angabe

  • Fahrgast
  • *
  • Beiträge: 33

Tatra83

  • Obermeister
  • *
  • Beiträge: 3056
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #7 am: 05. November 2017, 11:21:55 »
Wie @invisible schon schrieb, wird die LSA-Beeinflussung mit R09.1x Datentelegrammen realisiert. Es haben sich zwei Telegrammtypen durchgesetzt, einmal R09.14 und R09.16, die sich jeweils in ihrer Länge und dem Informationsgehalt unterscheiden.

R09.14 enthält die Fahrplanlage, den Meldepunkt, die Priorität, die Richtung, die Linie und den Kurs.
R09.16 enthält zusätzlich zu den Informationen aus R09.14 die Zielnummer und die Zuglänge.

Im Meldepunkt sind mehrere Angaben kodiert: Kreuzungsnummer, Zufahrtsrichtung und der Meldetyp (Voranmeldung, Hauptanmeldung, Abmeldung oder Türkriterium (Taste 3Fertig)).

Wie kann also LSA-Beeinflussung abseits aller WL-Märchenstunden zuverlässig funktionieren?
- Der Bordrechner kennt seine genaue Position auf den Meter genau
- Alle Knoten mit zu beeinflussenden LSA sind auf den Meter genau in den Routendaten enthalten
- Es werden alle Meldungstypen verwendet.
- Mit den ÖV-Relationen konfligierende IV-Relationen werden signalisiert.

Bei der Beeinflussung einer LSA kommt der Voranmeldung eine wichtige Bedeutung zu. Angenommen ein Zug nähert sich einer zu beeinflussenden LSA mit 40km/h, dann legt er ca. 11 Meter/Sekunde zurück. Die LSA-Programmphasen geben schon während der Entwicklung wichtige Eckwerte vor, so z.B., wie lange es braucht, um aus jedem Phasenlauf auf die Freiphase für die Straßenbahn zu kommen. Angenommen, der LSA-Umlauf dauert 60 Sekunden, so sollte sich der Zug 30 bis 45 Sekunden vor Eintreffen am Knoten das erste Mal bemerkbar machen. Nehmen wir den schlechten Fall, sodass 45 Sekunden notwendig sind, wegen der Mindestgrünzeiten und sonstigen Zwängen im LSA-Programm. 495 Meter vor dem Knoten meldet sich also der Zug das erste Mal an (Voranmeldung). Die Hauptanmeldung erfolgt dann ca. 20 Sekunden vor Durchfahren des Knotens, also ca. 100 bis 200m davor. Es ist für das LSA-Programm nun noch genug Zeit, etwaige LSA-Phasen, die in Konflikt mit der Richtung der Straßenbahn stehen, zu beenden, dadurch, dass sich der Zug aber schon vorangemeldet hat, läuft dieser Prozess schon an. Die Hauptanmeldung dient somit nurmehr der Information an die LSA, dass der Zug sich direkt vor dem Knoten befindet. Der bestimmende Faktor für den Zeitpunkt der Vor- bzw. Hauptanmeldung ist dabei die Mindestwechselzeit zwischen den Phasen. Grünblinken dauert 4 Sekunden, die folgende Gelbphase 2 Sekunden und danach gibt es noch einen Puffer (alle Richtungen Rot) von ca. 2 Sekunden (bei LSA mit bis zu 50km/h Regelgeschwindigkeit), eventuell kommt noch eine Mindestgrünzeit (z.B. für Fußgänger) hinzu. Mit der Hauptanmeldung sollte die Straßenbahn die Freiphase bekommen, sodass der Fahrer ohne zu Bremsen durchfahren kann. Hier gibt es je nach LSA-Programm großes Potential für Optimierung.
Sobald der Zug die Haltelinie überfahren hat, wird dann das Abmeldetelegramm gesendet, die Freiphase kann - sofern keine weitere Anmeldung für diese Richtung vorliegt, geschlossen werden.

Üblicherweise lassen sich die Grade der Berücksichtigung des ÖV in einem LSA-Programmablauf einteilen. In der Festzeitsteuerung läuft immer das gleichen Programm ab, ggfs. wird zeitabhängig die Umlaufzeit (also die Gesamtdauer aller Phasen) verändert oder die LSA in der Nacht abgeschaltet. In der verkehrsabhängigen Steuerung werden bspw. Anforderungen von Fußgängern, vom ÖV und auch Zählschleifen des IV berücksichtigt. Gerade beim ÖV kommt es darauf an, wieviele Sprungmarken im Programmablaufplan vorhanden sind, die das LSA-Programm bei Anmeldung des ÖV beeinflussen. Das erfordert durch aus Hirnschmalz vom LSA-Entwickler, denn die ÖV-Anmeldung führt in Abhängigkeit davon, wo sich das LSA-Programm gerade im Ablauf befindet, zu verschiedenen Aktionen:
- Streckung der Freiphase für die angeforderte Relation des ÖV bzw. Kürzung der Freiphasen für alle konfligierenden Relationen
- selektive (richtungsbezogene) Freiphase(n) für den ÖV, die dynamische ins LSA-Programm integriert wird und nur die konfligierenden Relationen sperrt

Wichtig ist ebenso, dass sich der Fahrer sicher sein kann, dass seine Freiphase wirklich "Fahrt" bedeutet und bspw. nicht links- bzw. rechtsabbiegender IV auf seinem Gleis steht. Wie ich oben schrieb, müssen derartige IV-Relationen separat signalisiert werden, um eine störungsfreie Fahrt über den Knoten zu ermöglichen.

hema

  • Geschäftsführer
  • *
  • Beiträge: 13840
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #8 am: 05. November 2017, 11:59:59 »
Falls sich nicht in letzter Zeit was geändert hat, gibt es in Wien aber nur An- und Abmeldung. An mancher Stelle vielleicht das Türkriterium, z.B. bei der Johnstraße stadteinwärts (49). Da erfolgt die Anmeldung zum Einfädeln in die Fahrspur bei der Wurmsergasse beim ULF mit dem Vorlöschen. beim E1 beim Löschen. Es gibt auch ein Freigabekriterium, wo das verwendet wird, weiß ich nicht, bei der Reinlgasse/Linzerstraße gab es das jedenfalls. Auch die Übermittlung der Fahrplanabweichung wäre möglich, wird aber, glaube ich derzeit nicht verwendet, geplant war es lange Zeit für die Anlagen in der Ustrab.

Eine wichtige Frage ist aber auch, ob die Funkbeeinflussung überhaupt aktiv ist oder von der MA46 temporär oder auf Dauer* deaktiviert wurde! Der "Ampelboss" der WiLi liebt(e) und pflegt(e) daher seine Oberleitungskontakte, weil die können nicht extern abgedreht werden und funktionieren auch bei Zügen, welche aus irgendeinem Grund kein entsprechendes Telegramm senden können (sonst bliebe denen nur mehr der Vierkant am Drehschalter).

Mit der Taste 3 am IBIS-Gerät löst man eigentlich nur die Durchsage mit der Aufforderung zur Türfreimachung aus.  :-\




*) Am Gürtel wurden vor Jahren um teures Geld (der WiLi) alle Anlagen zwischen Mariahilfer Straße und Eichenstraße auf Funkanmeldung umgerüstet, dann wurde vorerst eine Probezeit vereinbart, um das zu testen. Nach der üblichen stolzen Mitteilung an die Presse liefen Bezirkshäuptlinge, Krone und Co bereits im Vorfeld Amok, was dazu führte, dass die MA46 das ganze nach kaum einer Woche wieder abdrehte. Später wurde dann wenigstens eine kleine Aufdehnung vor der Margaretenstraße (bergauf) draus und auch der Radwegübergang vor der Wienzeile wird per Datenfunk abgedreht. Der Rest wurde zur reinen Geldverbrennung.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

Tatra83

  • Obermeister
  • *
  • Beiträge: 3056
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #9 am: 05. November 2017, 12:18:55 »
Danke für den Hinweis, Taste 3 war es nicht. Ja, wenn man nur mit Hauptanmeldung und Abmeldung arbeitet, ist klar, warum sovieles in Wien weder vorstellbar noch denkbar ist. Wie gesagt, man investiert einiges an Geld, nutzt aber eben nicht mal die Hälfte der Fähigkeiten des (teuer) bezahlten Systems.
Die Übermittlung der Fahrplanabweichung ist eigentlich ein Pflichtkriterium, m.W.n. nutzt man derzeit die Funkanmeldung auf der Linie 46 im Bereich der Lerchenfelder Straße.

Ein wesentlicher Punkt ist dabei ist die Qualitätssicherung. Es ist technisch möglich, vom LSA-Programm die empfangenen Telegramme (bzw. ÖV-Anforderungen) auslesen zu lassen und über den zentralen Ampelrechner der Stadt Wien an die WL in Echtzeit zu übermitteln. Entsprechende Anwendungen gibt es. Das wäre der Qualitätssicherungsmechanismus für die WL, um feststellen zu können, welche LSA die Telegramme nicht verarbeitet. Und die Oberleitungskontakte lassen sich ebenso ignorieren, wenn man will. Einzig, eine Rückmeldung der Daten aus dem LSA-Rechner zu den WL kann das Problem lösen, gleichzeitig würde das Mehr an (freilich unerwünschter) Transparenz ein Weniger an ÖV-schädigenden Aktionen seitens Magistrat bedeuten.
Zudem läßt sich die Zeit zwischen Hauptanmeldung und Abmeldung prüfen, wenn den vorher berechneten Zeiten entspricht, fahren die Züge brav durch. Bei Abweichungen kann man auch hier als Verkehrsbetrieb intervenieren.

Tatra83

  • Obermeister
  • *
  • Beiträge: 3056
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #10 am: 09. November 2017, 21:00:08 »
Ist schon drei Wochen her, aber der VDV hat sich dem Thema ÖV-Beeinflussung von LSA mit einer Broschüre genähert: https://www.vdv.de/20170920-clevere-ampeln-fuer-bus-und-bahn-final-ansicht.pdfx?forced=true&forced=true Solches Teufelszeug verheizt ein WL-Geschäftsführer lieber in seinem Büro-Kamin als dass er sie liest und versteht. :D

luki32

  • Obermeister
  • *
  • Beiträge: 4697
  • Bösuser
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #11 am: 10. November 2017, 08:49:41 »
Ist schon drei Wochen her, aber der VDV hat sich dem Thema ÖV-Beeinflussung von LSA mit einer Broschüre genähert: https://www.vdv.de/20170920-clevere-ampeln-fuer-bus-und-bahn-final-ansicht.pdfx?forced=true&forced=true Solches Teufelszeug verheizt ein WL-Geschäftsführer lieber in seinem Büro-Kamin als dass er sie liest und versteht. :D

Der genannte Geschäftsführer ist von der U-Bahn, dem interessiert die Straßenbahn so viel wie das berühmte chinesische Fahrrad.
Vorsicht, Bösuser!
Militanter Gegner der Germanisierung der österreichischen Sprache!

Rodauner

  • Zugführer
  • *
  • Beiträge: 778
Re: Ampelbeeinflussung - Wie funktioniert das?
« Antwort #12 am: 12. November 2017, 10:01:11 »
Am Gürtel wurden vor Jahren um teures Geld (der WiLi) alle Anlagen zwischen Mariahilfer Straße und Eichenstraße auf Funkanmeldung umgerüstet, dann wurde vorerst eine Probezeit vereinbart, um das zu testen. Nach der üblichen stolzen Mitteilung an die Presse liefen Bezirkshäuptlinge, Krone und Co bereits im Vorfeld Amok, was dazu führte, dass die MA46 das ganze nach kaum einer Woche wieder abdrehte.

Bei manchen Meldungen hier wird mir so schlecht, dass ich gar nicht so viel kotzen könnte, wie ich gerne würde! Warum geht in dieser Stadt so oft alles schief, was nur schief gehen kann? Weil Propaganda das Wichtigste zu sein scheint, mußte (auch) dieses Projekt dran glauben! Warum musste ich nur da draufklicken :fp:

D.o.a.