Autor Thema: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen  (Gelesen 8788 mal)

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nord22

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Der fortschreitende Niedergang der Gleisinfrastruktur der Wiener Straßenbahn wird durch eine abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen noch verstärkt: bei der stark verschlissenen Verzweigungsweiche am Pater-Pius-Parsch-Platz der Linien 26 und 30/31 (FR Am Spitz/ Floridsdorfer Markt) wurde ein Knotenblech kurzerhand durch eine Füllung mit Asphalt (Bitumenkies) ersetzt. Ein idente Wertarbeit gibt es bei der Abzweigung der Linie 2 von der Thaliastraße Richtung Paltaufgasse beim Gleiskreuz.

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #1 am: 21. Februar 2017, 18:46:43 »
Der fortschreitende Niedergang der Gleisinfrastruktur der Wiener Straßenbahn wird durch eine abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen noch verstärkt: bei der stark verschlissenen Verzweigungsweiche am Pater-Pius-Parsch-Platz der Linien 26 und 30/31 (FR Am Spitz/ Floridsdorfer Markt) wurde ein Knotenblech kurzerhand durch eine Füllung mit Asphalt (Bitumenkies) ersetzt. Ein idente Wertarbeit gibt es bei der Abzweigung der Linie 2 von der Thaliastraße Richtung Paltaufgasse beim Gleiskreuz.

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Als temporäre Notmaßnahme ist das Verfüllen des Lochs unter einem schadhaften Spitzblech (Knotenblech sagt man bei uns nicht dazu) mit Bitumen ganz normal. Es stellt sich halt die Frage, ob wieder ein Spitzblech angebracht wird. Brauchen tut man es an sich nicht, es hat sich bei uns als Abschluss eingebürgert, weil Betongroßflächenplatten so einen spitzen Winkel nicht aushalten würden.
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #2 am: 21. Februar 2017, 19:04:12 »
Leider nehmen derartige Reparaturtechniken immer mehr überhand, z. B. "Sichern" von Schienenbrüchen mit Holzkeilen. Als ultimative Sehenswürdigkeit empfiehlt sich die Vereinigungsweiche am inneren Dr.-Karl-Renner-Ring/ Einmündung Betriebsgleis von der Bellariastraße, deren Zustand eigentlich das Aufhängen des Erinnerungssignals "Fahrverbot (für alle Züge)" rechtfertigen würde ... Derzeit dürfen die Züge der Linien 1, 2, D und 71 noch mit max. 10 km/h darüber rumpeln.

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #3 am: 21. Februar 2017, 19:11:19 »
Im Ostblock hat man das in den 1990er- und 2000er-Jahren ähnlich gemacht. Schienenbrüche wurden provisorisch verlascht, indem man irgendein Metalltrumm, das gerade greifbar war, seitlich angeschweißt hat – ob das nun ein Stück Altschiene war oder ein Bewehrungseisen oder einfach nur eine lange, dicke Schraube. Mittlerweile ist man in Osteuropa allerdings in der Gegenwart angekommen und repariert Schienenbrüche, indem das Schadstück auf ca. einem halben Meter herausgeschnitten und ein entsprechendes neues Passstück eingesetzt wird – bei Linien im 20- oder 30-Minuten-Takt sogar im laufenden Betrieb!

Was würde wohl die Aufsichtsbehörde sagen, wenn sie wüsste (ich gehe davon aus, dass sie diesbezüglich völlig ahnungslos ist), dass bei uns die F59-Holzkeil-Methode keine Notmaßnahme darstellt, sondern die Keile oft so lang zwischen den Betonplatten und den maroden Bröselgleisen stecken, bis sie – wie es unbehandeltes Holz eben macht – verfault sind?

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #4 am: 21. Februar 2017, 21:01:42 »
Aufsichtsbehörde...

Bedeutung von Aufsicht lt. Duden: das Achten darauf, dass bestimmte Vorschriften eingehalten werden, dass nichts passiert.
Dazu ist aktives Handeln von sich aus notwendig (statt Sesselwärmen in irgendwelchen Büros!).
Ich bezweifle, dass die hiesige Aufsichtsbehörde ihrer Pflicht sinngemäß nachkommt (um es freundlich auszudrücken...).
Alle erforderlichen Infos könnte sie hier finden ;D.

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HLS

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #5 am: 21. Februar 2017, 22:03:27 »

Dazu ist aktives Handeln von sich aus notwendig (statt Sesselwärmen in irgendwelchen Büros!).

Sie handeln ja aktiv, spielen sie doch Beamtenmikardo, der erste der sich bewegt verliert. >:D
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #6 am: 21. Februar 2017, 23:32:53 »
Wer oder was soll diese ominöse "Aufsichtsbehörde" sein?   ???
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #8 am: 22. Februar 2017, 09:33:02 »
Bauarbeiten geringen Umfanges, wie etwa Gleisbauarbeiten, wo Geleise gewartet, getauscht oder geringfügig verlegt werden, sind bewilligungsfrei (§ 36 EisbG).

Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an bestehenden Gleisanlagen interessieren diese Behörde halt nicht wirklich.

Rodauner

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #9 am: 22. Februar 2017, 09:48:00 »
Es geht in dem Fall ja nicht um den geringfügigen Gleisbau an sich, sondern um das, was diese Arbeiten erforderlich macht. Und wenn Betriebsgefahr besteht, sollte das eine Kontrollinstanz grundsätzlich immer interessieren!
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #10 am: 22. Februar 2017, 09:55:25 »
Es geht in dem Fall ja nicht um den geringfügigen Gleisbau an sich, sondern um das, was diese Arbeiten erforderlich macht. Und wenn Betriebsgefahr besteht, sollte das eine Kontrollinstanz grundsätzlich immer interessieren!

Grundsätzlich besteht bei einem geraden Bruch ohne Niveauunterschied noch keine Betriebsgefahr. Aber er verheilt nicht von selber und mit der Zeit entstehen weitere Schäden durch das ständige Befahren der Schadstelle – bis dann der Countdown kommt: 15, 10, Spontangebrechen.
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #11 am: 22. Februar 2017, 09:58:52 »
Jo eh, aber aufgrund der Häufigkeit, mit der dieses Phänomen inzwischen in Wien vorkommt, sollte die Behörde schön langsam reagieren. Z.b. die Schweißtechnik genauer unter die Lupe nehmen, Fristen zur rascheren Behebung setzen, etc... Personalmangel kann übrigens für die WL keine Ausrede sein, denn es gibt auch Firmen, die sowas machen!
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #12 am: 22. Februar 2017, 12:03:21 »
Es hat nichts mit schlechter oder falscher Schweißtechnik zu tun wenn die Schienen durch lange Benutzung abgefahren und durch Rost oder andere Umwelteinflüsse geschwächt werden.Auch werden die Schienen immer härter um längere Benutzung zu ermöglichen,mit dem Nachteil,daß der Stahl immer spröder wird und die Schienen nicht in,sondern neben der Schweißnaht und auch horizontal brechen.

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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #13 am: 22. Februar 2017, 12:18:34 »
Es hat nichts mit schlechter oder falscher Schweißtechnik zu tun wenn die Schienen durch lange Benutzung abgefahren und durch Rost oder andere Umwelteinflüsse geschwächt werden.

Warum brechen dann fast ausschließlich Schweißnähte, gern auch recht neue?

Auch werden die Schienen immer härter um längere Benutzung zu ermöglichen

Das ist nicht richtig. Aufgrund der Radreifenabnützung beim ULF kann man die Schienen nicht beliebig hart machen, sonst kommt man mit dem Aufziehen neuer Radreifen nicht mehr nach.

... und die Schienen nicht in,sondern neben der Schweißnaht und auch horizontal brechen.

Aber sie brechen ja an den Nahtstellen!
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Re: Abenteuerliche Reparaturpraxis bei Weichen und Gleiskreuzungen
« Antwort #14 am: 22. Februar 2017, 13:44:56 »
https://www.wien.gv.at/ma64/eisenbahn-luftfahrt/bahn.html
Das ist keine "Aufsichtsbehörde", also kein polizeiähnliches Kontrollorgan oder was man sich immer so vorstellt.
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