Autor Thema: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865  (Gelesen 2474 mal)

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13er

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Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« am: 03. Januar 2018, 12:41:14 »
Im "Local-Anzeiger" der Presse vom 5. Oktober 1865 findet sich folgender Artikel:

Zitat
"[Eröffnung der Pferde-Eisenbahn.] Im Wartesalon der Pferde-Eisenbahn vor dem Schottenthor fanden sich heute mehrere Gemeinderäthe, Journalisten, dann der Herr Statthalter Graf Chorinsky, Polizei-Director Strobach, Statthaltereirath Rosmarith und andere höhere Beamte ein, um der officiellen Eröffnung der Pferde-Eisenbahn beizuwohnen. Bald nach 2 Uhr wurden die Gäste in sechs Waggons nach Dornbach geführt, wobei im Dornbacher Stations-Gebäude selbst ein Waggon entgleiste, welcher Unfall jedoch bald gut gemacht wurde. Ein anderer Waggon soll außerhalb Dornbach ein Landfuhrwerk gestreift und hiebei arg beschädigt haben.
In Dornbach erwartete die Ankömmlinge eine Militär-Musikcapelle, und in der geschmackvoll decorirten Wagenremise kalte Speisen und Röderer carte blanche, welcher in bedeutenden Quantitäten consumirt wurde. - Den ersten Toast brachte Herr Statthalter auf das Gedeihen der Gesellschaft aus, worauf Herr Schäck mit einem Hoch auf die Behörden und den Gemeinderath antwortete. Herr Pollak dankte im Namen des Gemeinderaths und verband hiemit ein Hoch auf die Journalistik. Herr Schierl brachte ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus, worauf auch Herr Langer in launiger Weise den Toast Pollak's auf die Journalistik erwiderte. Um 5 Uhr wurde die Rückfahrt angetreten, welche 15 Minuten dauerte. Mehrere sehr bedeutende Steigungen und zwei scharfe Curven wurden ohne Anstand im Trabe passirt. Zahlreiche Zuschauer grüßten die Waggons bei ihrer Rückkunft mit lebhaften Vivats."

Quelle: https://diepresse.com/home/anno/index.do

Interessanter wird von Dornbach gesprochen, obwohl die Endstation eigentlich (auch mit den damaligen Grenzen) in Hernals lag.
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #1 am: 03. Januar 2018, 13:09:25 »
und die Rückfahrt in 15 Minuten - wie lang braucht der 43er heute?
Harald A. Jahn, www.tramway.at

Aktuell: Großes Update auf www.tramway.at

13er

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #2 am: 03. Januar 2018, 13:22:30 »
und die Rückfahrt in 15 Minuten - wie lang braucht der 43er heute?
Auch genau 15 Minuten! Aber du musst ja 44 - 9 - 43 rechnen. Es ist sicher nur ein unwesentlicher Unterschied. Was durch technische Neuerung beschleunigt wurde, wurde durch den Autoverkehr "kompensiert". Eh ein Wahnsinn.

Edit: 44 - 9 - 43 sind 16 Minuten.
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #3 am: 03. Januar 2018, 13:40:05 »
und die Rückfahrt in 15 Minuten - wie lang braucht der 43er heute?
Auch genau 15 Minuten! Aber du musst ja 44 - 9 - 43 rechnen. Es ist sicher nur ein unwesentlicher Unterschied. Was durch technische Neuerung beschleunigt wurde, wurde durch den Autoverkehr "kompensiert". Eh ein Wahnsinn.

Edit: 44 - 9 - 43 sind 16 Minuten.

Also da ich oft genug mit dem Auto hinter auf der Alser Straße/ Jörgerstraße einem Fiaker nachgefahren bin, halte ich eine Fahrtzeit mit einer Pferdetramway zwischen Schottentor und Dornbach für mehr als ein Gerücht.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

95B

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #4 am: 03. Januar 2018, 14:10:58 »
Also da ich oft genug mit dem Auto hinter auf der Alser Straße/ Jörgerstraße einem Fiaker nachgefahren bin, halte ich eine Fahrtzeit mit einer Pferdetramway zwischen Schottentor und Dornbach für mehr als ein Gerücht.

Eine Pferdetramway ist merklich schneller als ein Fiaker, weil der Wagen unglaublich leicht rollt, wenn er einmal in Bewegung ist. Der Rollwiderstand von rundem Stahl auf geradem Stahl ist nahezu Null verglichen mit dem Rollwiderstand von Fiakerrädern auf einer Fahrbahn (oder gar früher auf Pflastersteinen).
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #5 am: 03. Januar 2018, 15:26:23 »
Also da ich oft genug mit dem Auto hinter auf der Alser Straße/ Jörgerstraße einem Fiaker nachgefahren bin, halte ich eine Fahrtzeit mit einer Pferdetramway zwischen Schottentor und Dornbach für mehr als ein Gerücht.

Eine Pferdetramway ist merklich schneller als ein Fiaker, weil der Wagen unglaublich leicht rollt, wenn er einmal in Bewegung ist. Der Rollwiderstand von rundem Stahl auf geradem Stahl ist nahezu Null verglichen mit dem Rollwiderstand von Fiakerrädern auf einer Fahrbahn (oder gar früher auf Pflastersteinen).

Hatte die Pferdebahn von Anfang an Stahlschienen? Irgendwo meine ich im Hinterkopf zu haben, dass zu Beginn einige Zeit mit Holz experimentiert wurde, bevor die Stahlschienen kamen.
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #6 am: 03. Januar 2018, 15:27:43 »
Wahrscheinlich gab es auch nicht so viele Haltestellen wie heute.

95B

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #7 am: 03. Januar 2018, 15:42:50 »
Wahrscheinlich gab es auch nicht so viele Haltestellen wie heute.

Anfänglich keine einzige! ;) Sie blieb jederzeit und überall auf Zuruf stehen. Erst als die Fahrgastzahlen so weit stiegen, dass die Fahrzeit durch das dauernde Stehenbleiben nicht mehr zu halten war, wurden Haltestellen eingeführt. Prinzipiell war die Haltestellendichte früher aber deutlich höher als heute.
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #8 am: 03. Januar 2018, 16:08:45 »
Prinzipiell war die Haltestellendichte früher aber deutlich höher als heute.
Noch 1915 gab es fast doppelt so viele Haltestellen pro Linie wie heute. Das wurde dann erst wegen Kriegssparmaßnahmen reduziert.
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Ferry

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #9 am: 03. Januar 2018, 16:13:41 »
Also da ich oft genug mit dem Auto hinter auf der Alser Straße/ Jörgerstraße einem Fiaker nachgefahren bin, halte ich eine Fahrtzeit mit einer Pferdetramway zwischen Schottentor und Dornbach für mehr als ein Gerücht.

Ich auch. Der Eröffnungswagen mit der Prominenz am Zug, der sicher unterwegs nirgendwo stehengeblieben ist, wird es wahrscheinlich in dieser Zeit geschafft haben (wobei auch hier eine gewisse journalistische Freizügigkeit in der Berichterstattung ins Kalkül gezogen werden sollte). Die Planwagen, die ja x-mal zum Ein- und Aussteigen halten mussten, konnten das in 15 Minuten unmöglich schaffen.
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13er

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #10 am: 03. Januar 2018, 16:15:10 »
Die Planwagen, die ja x-mal zum Ein- und Aussteigen halten mussten, konnten das in 15 Minuten unmöglich schaffen.
Planwagen waren hoffentlich keine unterwegs, wir sind ja nicht im Wilden Westen :)

Warum soll sich das nicht in 15 Minuten ausgehen? Es sind 4 km...
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #11 am: 03. Januar 2018, 16:16:39 »
Die Planwagen, die ja x-mal zum Ein- und Aussteigen halten mussten, konnten das in 15 Minuten unmöglich schaffen.
Planwagen waren hoffentlich keine unterwegs, wir sind ja nicht im Wilden Westen :)

Warum soll sich das nicht in 15 Minuten ausgehen? Es sind 4 km...

Weil das Pferd ja auch ein paar Runden durch halten sollte und nicht nach einer gleich in einer Semmel landen sollte.  ;)
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

13er

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #12 am: 03. Januar 2018, 16:18:18 »
Weil das Pferd ja auch ein paar Runden durch halten sollte und nicht nach einer gleich in einer Semmel landen sollte.  ;)
Es geht durchgängig bergab, ich sehe da keine Probleme, mit 16 km/h die Strecke zurückzulegen.
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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #13 am: 03. Januar 2018, 16:24:32 »
Wegen der Fahrzeit->
Ich besuchte im August 2016 für 5 Tage u.A. die Douglas Bay Horse Tram auf der Isle of Man und benötigte für die Gesamtstrecke von ~2,8km lange Strecke stets 13-15min. (914mm Spurweite, 1 Pferd).

Wie lange die Strecke nach Dornbach ist weiß ich jedoch nicht

haidi

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Re: Aus der Presse vom 5. Oktober 1865
« Antwort #14 am: 03. Januar 2018, 17:06:33 »
Remise Wattgasse bis Schottentor ca. 3,9 km
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging